Gemälde im Frühling

OneshotRomanze, Freundschaft / P16
Bert Alfred Mary Poppins
28.04.2019
28.04.2019
1
2932
 
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Ich habe vor ein paar Tagen zum ersten Mal den 1965er Film “The Art of Love” (auf deutsch “Bei Madame Coco”) gesehen und wurde direkt für einen Mary Poppins Oneshot inspiriert! Und wie der Zufall es will, verbringe ich mein Wochenende auch in Paris.

Here we go :D


———

Mary und Bert waren seit Jahren befreundet und kannten sich besser als jeder andere. Nachdem sie die Familie Banks verlassen hatte, brachte der Wind sie nach Frankreich. Um genau zu sein: ins Departement Île-de-France nach Paris.
Ohne dies zu wissen, beschloss Bert, genau in dieser Stadt Impressionen zu sammeln und dort kurzzeitig als Künstler zu arbeiten. Diese Idee kam von niemand Geringerem als Mary Poppins persönlich, da sie schon oft in Paris gewesen war und das unglaubliche Talent ihres besten Freundes kannte.

An einem schönen, sonnigen Tag Ende April setzte er sich in Montmartre an den Straßenrand und fing an zu malen. Seine Wahl fiel auf die Basilika Sacré-Cœur, die unweit von ihm entfernt das Bild der Stadt prägte. Schwungvoll ließ er seine Pinsel über die Leinwand gleiten und brachte bunte Ölfarbe auf die weiße Fläche.
So verharrte er einige Stunden, bis er den letzten Strich zeichnete und die Utensilien zur Seite legte. Zufrieden begutachtete er sein neuestes Kunstwerk, als ihn eine Stimme, schöner als jedes Lied, aufblicken ließ: “Kann man dieses Meisterwerk auch erwerben, guter Herr?”

“Mary!?” Er sprang auf und wollte sie freundschaftlich umarmen, hielt jedoch im letzten Moment inne, da er ihre Kleidung nicht beschmutzen wollte. “Was machst du hier?”

“Ich arbeite hier… Aber da heute mein freier Dienstag ist, wollte ich einen kleinen Spaziergang unternehmen.”

Während sie sprach, fiel Bert auf, welch ein schönes Bild sich ihm bot: Marys Haare waren, wie immer, fein säuberlich hochgesteckt, ihre Bluse war weiß mit einem leichten Stich ins Rosafarbene und der Rock und die Jacke dunkelblau. All das passte perfekt zum Hintergrund: der Himmel war blau und mit leichten Schleierwolken bedeckt, die Kirschbäume blühten und die malerische Stadt verlieh dem Anblick endgültige Vollkommenheit. Er ging leicht in die Hocke und begutachtete alles aus der neuen Perspektive und fand es direkt noch schöner! Also stellte er seinen Klappstuhl neben Mary auf: “Setz dich doch bitte.”

“Wie bitte?”

“Ich will dich malen.”

Mit gerunzelter Stirn ließ sich die Nanny nieder und sah ihren Freund skeptisch an. Dieser stellte gerade eine neue Leinwand auf die Staffelei - seine Augen funkelten, doch Mary konnte die genauen Emotionen darin nicht ausmachen.
Trotz der Skepsis war ein Teil von ihr dennoch geschmeichelt, dass er ihr sie porträtierte.
“Was soll ich denn machen?”

“Bleib einfach ruhig und gerade sitzen und schau nicht ganz so ernst” Er zwinkerte und tauchte den Pinsel in die Farbe.
Mit kritischem Blick begutachtete er sie und war immer noch nicht ganz zufrieden - immerhin sollte das Bild perfekt werden!
“Könntest du dein Kinn vielleicht etwas anheben? Ja, genau so! Und jetzt schau nochmal ein bisschen mehr in meine Richtung.” Kaum war alles so, wie er es haben wollte, fing er an zu malen.

Die Tatsache, dass er sie eindringlich mit seinen blauen Augen musterte, verursachte ihr eine Gänsehaut - aber keineswegs eine unangenehme!

Mary war zwar eine respektable und anständige Frau, aber dennoch schlummerte tief in ihr ein winziger Funke Neugier, weshalb sie versuchte, ein Blick auf das Gemälde zu erhaschen. Doch Bert, der diese Eigenschaft kannte und auch liebte, ermahnte sie und musste dabei schmunzeln. “Schön sitzen bleiben.”
Durch die Bewegung hatte sich Marys Haltung jedoch verändert, weshalb der Künstler sich auf sie zubewegte und ihr Kinn wieder genauer ausrichten wollte. Jedoch hielt er im letzten Moment inne: “Darf ich?” Sie nickte und hielt kurz den Atem an, als er ihr Kinn in seine warme Hand nahm und sich ihr dann auch noch mit seinem Gesicht näherte. Konzentriert musterte er ihre Augen und prägte sich jedes Detail ein.

Wie hypnotisiert sah sie ihm in seine wunderschönen Augen und versank regelrecht in diesem Meer aus verschiedenen Abstufungen von Dunkelblau. Die beiden waren sich so nah, dass sie den Atem des jeweils anderen spürten und ihre Nasenspitzen leicht aneinander stießen.

“Hab ich dir mal gesagt, dass du atemberaubende Augen hast? Das Spektrum an Blau ist unglaublich! Man kann darin regelrecht lesen!” Er ließ die Worte noch einen Moment wirken, bevor er sich wieder seinem Gemälde widmete.

Kurz musste Mary schlucken, doch sie fasste sich sehr schnell wieder und setzte ihre übliche unergründliche Maske auf: “Ich glaube du hast es schon einmal erwähnt. Aber danke dir.”

In der Zeit, in der sie dort saßen, hielten immer wieder Passanten an und schauten Bert bei der Arbeit zu. Mary wusste, dass hier viele Kunstinteressierte entlanggingen, doch es schien ihr, als ob sie bei Bert länger stehenblieben als bei allen anderen. Auch die bewundernden Blicke, die zwischen Mary und dem Gemälde hin und her wanderten, ließen sie gespannt auf das Endergebnis warten.

Als das Bild nach einer Weile fertig war, ließ Bert zufrieden den Pinsel sinken und schaute mit seinem typischen Lächeln abwechselnd von Mary zu ihrem Porträt.

“Darf ich es auch sehen?”

Zur Antwort nahm er das Bild und drehte es zu Mary um, der der Atem stockte. Das Gemälde war hauptsächlich in hellen und freundlichen Farben gehalten. Der Hintergrund zeigte die wirkliche Umgebung mit dem traumhaften Wetter, den schönen Blüten und der steinernen Stadt. Doch was sie völlig sprachlos machte, war ihr Ebenbild: Sie trug dieselbe Kleidung wie jetzt auch und schaute den Betrachter anmutig, aber auch freundlich, an. Doch was alles in den Schatten stellte, waren ihre Augen! Es schien, als ob sie einen verfolgen würden und oh, wie detailreich sie gemalt waren!

“Bert, das ist unglaublich!”

Es dauerte nicht lange, bis ein Herr anhielt und sich an Bert wandte: “Kann man dieses Gemälde erwerben?”

“Tut mir leid, aber das Bild ist nicht verkäuflich” Und mit diesen Worten und einem zuckersüßen Lächeln händigte er es Mary Poppins aus.

———

Ziemlich genau ein Jahr später trafen sich die beiden Freunde wieder in Paris, denn Bert hatte beschlossen, den Frühling dort zu verbringen.
An einem wunderbaren Dienstag im April unternahmen sie am Mittag etwas zusammen, bevor sie am Abend in die kleine Dachgeschosswohnung des Künstlers zurückkehrten und den Tag gemeinsam ausklingen ließen.
Sie lachten viel, aßen gemütlich und tranken französischen Wein.

Mary wurde wieder einmal klar, wie sehr sie die Zeit mit ihm genoss und innerhalb des letzten Jahres war ihr auch bewusst geworden, dass sie mehr als nur Freundschaft für Bert empfand - sie hegte romantische Gefühle für ihn. Wenn sie mit Bert unterwegs war, konnte sie ihre sonst so strenge Fassade fallen lassen und einfach die Mary sein, die sie eigentlich war.
Am späten Abend fing es an zu regnen und zu stürmen, weshalb Mary nicht zu ihrer aktuellen Familie zurückkehren konnte. Zu diesem Zeitpunkt waren die beiden an einem Punkt angelangt, an dem sie schweigend ihren Gedanken nachhingen. Es war jedoch keine unangenehme Stille - im Gegenteil!
Während Mary am Dachfenster saß und das Wetter beobachtete, widmete sich Bert einem guten Buch.

Ein Blitz und der kurz darauf folgende Donner ließen Mary zusammenzucken, was Bert natürlich nicht verborgen blieb. Er wusste, dass sie insgeheim eine Art Angst vor Gewitter hatte - den Auslöser dafür kannte er jedoch nicht. Da kam ihm eine Idee: “Weißt du noch, als ich dich letztes Jahr gemalt hab?”

“Wie könnte ich das vergessen?” Sie errötete leicht. Sie hatte das Bild immer in ihrer Tasche dabei. Hätte sie einen festen Wohnsitz, würde es vermutlich in ihrem Wohnzimmer hängen.

Ohne ein Wort zu sagen, stand Bert auf, nahm seine Utensilien zur Hand und stellte alles neben Mary ab.

“Was wird das?”

“Ich glaube, es wird Zeit für ein neues Porträt” Damit begann er, sich die passenden Farben herauszusuchen - für Mary schien es, als ob diese hauptsächlich dunkel wären.

“Muss das sein?”

“Ehm…”, er begutachtete die Farbe an seinem Finger und schmierte sie kurzerhand an Marys Nasenspitze, “ja.”

“Bert!” Sie versuchte, ernst zu bleiben, als sie ihre Nase reinigte, konnte sich das leichte Lächeln jedoch nicht verkneifen. “Was muss ich tun?”

“Schau mich einfach nur an.” Sie tat, wie ihr geheißen, und er begann zu malen.

Mary hatte, wie im Jahr zuvor auch schon, jegliches Zeitgefühl verloren und wusste nicht, wie lange sie schon so verharrte. Sie fand es unglaublich beruhigend, wie still und konzentriert Bert zeichnete und wie sein Blick immer zwischen dem Bild und ihr wechselte.
Doch als ein erneuter und vor allem heftiger Donner das Apartment regelrecht erbeben ließ, schreckte sie zusammen.
Das bemerkte der Künstler natürlich und er beugte sich zu ihr, um ihre Augen besser sehen zu können.

“Was tust du da?”, fragte Mary und bewegte sich keinen Millimeter.

“Ich lese in deinen Augen.”

“Und? Was siehst du?”

“Den Schreck” Kaum hatte er es ausgesprochen, versteifte sich Mary augenblicklich und ließ den Kopf leicht sinken, doch als er seine Hand ausstreckte, ihr ans Kinn fasste und es anhob, entspannte sie sich sofort.

“Alles gut, Mary”, er näherte sich mit seinem Gesicht leicht dem ihren, “jeder hat Angst.”

Sie kam ihm entgegen: “Wie kommst du darauf, dass ich Angst habe?”

“Ich kann es in deinen Augen lesen. Außerdem… kenne ich dich.”

“Ach ja?” Ihre Nasenspitzen berührten sich nun. Es war wie im Jahr zuvor, nur dass Bert sich dieses Mal nicht direkt wieder dem Bild widmete, sondern so verharrte. Die sonst so gefasste Nanny konnte dem Drang nicht widerstehen, weshalb ihr Blick zu seinen Lippen wanderte und dort einen Moment verweilte, bevor sie ihm wieder tief in die Augen sah. Dort loderten die Emotionen regelrecht. Sie musste schlucken, ihr Puls ging schlagartig in die Höhe.

“Ja…”

“Was kannst du denn noch alles lesen?” Sie neigte leicht den Kopf, in der Hoffnung, er würde es verstehen.

“Das hier” Im nächsten Moment waren seine Lippen auf ihren und sie schloss augenblicklich die Augen. In ihr wurde ein Feuerwerk an Gefühlen entfacht und sie brachte instinktiv eine Hand zu seinem Nacken und die andere an seinen Hinterkopf, um den Kuss zu intensivieren. Seine Hände wiederum fanden ihren Platz an ihrer Taille und in diesem Moment war es ihr egal, ob ihre Kleidung mit Farbe beschmutzt wurde.
Es schien, als ob ihre Lippen perfekt zusammenpassen würden, als sie einander liebkosten.
Mary wusste bis zu diesem Zeitpunkt nicht, wie sehr sie sich nach Berts Nähe und vor allem nach dem Kuss gesehnt hatte!

Doch ein erneuter Donner ließ die Nanny unbewusst zusammenzucken, weshalb Bert den Kuss löste und ihren Kopf an seine Brust drückte. Beruhigend streichelte er über ihre Seite und meinte mit sanfter Stimme: “Keine Angst, Mary… Du bist nicht allein… Ich bin hier.”

Sie sah ihn an und fand zum ersten Mal in ihrem Leben keine Worte. Der Kuss machte sie sprachlos und der Donner erinnerte sie an den Tag, an dem er fast vom Blitz getroffen worden war. Bei diesem Gedanken schlang sie ihre Arme um seine Taille und legte den Kopf wieder an seine Brust.
Es war ein Tag vor etwa drei Jahren gewesen, als sie vom Fenster ihrer damaligen Familie aus beobachtet hatte, wie er einen Schornstein auf dem gegenüberliegenden Haus fegte. An diesem Tag hatte ein ungemütlicher Sturm geherrscht und zudem hatte es heftig gewittert. Doch Bert wollte es sich nicht nehmen lassen, trotzdem arbeiten zu gehen. Also hatte er auf dem Dach gestanden und gearbeitet, als nur wenige Meter neben ihm ein Blitz eingeschlagen war. Mary hatte zuvor schon großen Respekt vor Blitzen gehabt, doch als ihr bester Freund fast von einem getötet wurde, entwickelte sich dieser Respekt zu Angst.
Ihr war immer schleierhaft gewesen, wieso sie solche Angst hatte, er hingegen jedoch nicht.
Und nun wurde es ihr klar: sie hatte ihn damals schon geliebt. Bei dem Gedanken, dass er eines Tages nicht mehr hier sein würde, lief ihr ein unangenehmer Schauer über den Rücken. Überwältigt von ihren Gefühlen drückte sie sich noch enger an ihn und murmelte: “Ich liebe dich.”

Bei diesen Worten versteinerte Bert einen Moment, bevor er sie mit einem liebevollen Lächeln musterte. Er küsste sie aufs Haar: “Ich liebe dich auch.”

Das Gemälde, welches er an diesem Abend malte, zeigte eine strahlende Mary. Sie trug dort ein Kleid, das eine Schulter freiließ und lächelte leicht. Die Frau auf dem Gemälde wirkte anmutig und stark, zeigte zugleich aber auch besorgte Augen. Im Hintergrund war das dunkle Paris bei Gewitter zu erkennen.

———

Zwei Jahre später verbrachte das frisch verheiratete Ehepaar Alfred seine Hochzeitsreise in Paris.
Sie verweilten in einer Dachgeschosswohnung mit Blick auf Montmartre, was Bert auf eine Idee brachte: “Wie wäre es mit einem neuen Gemälde?”

“Sehr gerne” Sie sah ihn mit einem scheinheiligen Lächeln an, denn sie hatte einen Plan.

“Dann warten Sie hier, Mrs. Alfred, ich bin gleich wieder da.”


Als Bert nach einer guten Viertelstunde wieder in der Wohnung ankam, fielen ihm die Utensilien fast aus der Hand: vor ihm saß Mary - völlig entblößt. Nicht, dass er etwas gegen diesen Anblick einzuwenden gehabt hätte, im Gegenteil, aber es verwunderte ihn: “Was wird das denn?”

“Du meintest mal, dass du noch nie ein Aktgemälde gemalt hast. Und da ich auf jedem Bild von dir weniger trage und es momentan auch unsere Hochzeitsreise ist, dachte ich mir, wäre es eine gute Gelegenheit.”

“Oh ja!” Er lächelte selbstzufrieden, bereitete alles vor und begann zu malen.

Wie immer, wenn er ihre Augen malte, kam er ihr näher und nahm ihr Kinn in die Hand. Natürlich kannte er die Farben und Verläufe schon lange auswendig, doch er konnte es sich einfach nicht nehmen lassen.

“Und, was siehst du diesmal?”

“Soll ich es dir sagen oder zeigen?”

“Mhmm…”, sie wandte kurz den Blick ab und tat so als müsste sie überlegen, bevor sie ihn mit einem vielsagenden Blick bedachte, “zeig es mir.”

“Alles klar” Mit diesen Worten hob er sie hoch und brachte sie zum Bett.

Das fertige Bild zeigte Mary mit verführerischem Blick vor dem in einen dunkelroten Sonnenuntergang getauchten Paris. Natürlich wollte Bert seine Ehefrau nicht völlig entblößt abbilden, weshalb er ihr ein großes rotes Tuch verpasst hatte. Er nannte es: künstlerische Freiheit.

———

Vierzehn Monate später machten Mary und Bert Urlaub in Paris.
Wie auch die Male davor wollte der Künstler unbedingt ein Gemälde anfertigen. Doch diesmal war es das erste, auf das er zwei Personen malte: Denn ihr fünf Monate alter Sohn Peter war ebenfalls dabei und musste natürlich auch porträtiert werden.
Ohne ein Wort zu sagen, packte er seine Staffelei aus und legte seine Malutensilien zurecht.

“Wieder ein Gemälde?”, fragte Mary, die gerade Peter stillte.

“Natürlich! Ich muss doch irgendwie unseren ersten gemeinsamen Urlaub als Familie festhalten.”

Augenrollend knöpfte die Nanny ihre Bluse zu und setzte sich auf den kleinen Balkon, den ihre aktuelle Unterkunft beinhaltete.
Glücklicherweise schlief Peter nahezu die ganze Zeit in Marys Armen, weshalb Bert in Ruhe sein neuestes Kunstwerk anfertigen konnte.

Als der junge Mann, den sie immer als ihren Stern bezeichneten, aufwachte, hätte es passender nicht sein können, denn sein Vater war gerade an dem Punkt angelangt, an dem er seine Augen malte. Liebevoll näherte er sich seinem Sohn, der ihm wie aus dem Gesicht geschnitten war, und studierte ihn.
“Er hat deine Augen, Mary.”

“Und den Rest hat er von dir”, erwiderte sie, als ihr Mann, der dies kommentarlos hinnahm, wieder den Pinsel über die Leinwand führte.

Nach wenigen Minuten kam er den beiden wieder näher, nahm nun jedoch Marys Kinn in die Hand.

“Was siehst du dieses Mal?”

“Die wunderschönen, glücklichen Augen einer wunderbaren Mutter und Ehefrau.”


Als Mary das fertige Gemälde erblickte, stockte ihr der Atem. Es war mit Abstand das beste Bild, das Bert je gezaubert hatte! Der Hintergrund war, wie gewohnt, das blühende Stadtviertel Montmartre im Frühling, doch sie erkannte auch kleine, versteckte Botschaften darin. Beispielsweise einen Schirm, welcher durch die Schleierwolken flog, einen Schornsteinfeger auf einem Dach, einen Verweis auf London und, und, und. Da er Paris in der Dämmerung gemalt hatte, funkelten bereits die ersten Sterne am Himmel (sie war sich sicher, dass diese in irgendeiner Weise ihren Sohn repräsentieren sollten), aber was sie am meisten beeindruckte, waren sie selbst und Peter. Beide strahlten und wirkten so greifbar, als könnten sie jeden Moment dem Bild entspringen. Marys Ebenbild zeigte sie, wie sie voller Glück auf ihren Sohn sah und vollkommen entspannt wirkte. Peter hingegen schaute den Betrachter direkt an und lächelte herzlich. Und zum ersten Mal, aber ganz unscheinbar, hatte Bert seine Signatur in die Ecke gesetzt. Das Gemälde repräsentierte alles, was Mary wichtig war.

Und in diesem Moment war sie sich sicher: Paris im Frühling war das Beste, was ihr jemals passieren konnte!

———

Ich hoffe diese kleine Gesichte hat euch gefallen :) Wollt ihr sowas vielleicht öfter haben? Habe nämlich mehrere Ideen!

Lasst doch mal eine Review da ;D

Und vielen Dank an meine Betaleserin Sol de medianoche! :D
Review schreiben