demonic opera, Part 5: Lamento

von Faen
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Anders Fannemel Tom Hilde
27.04.2019
01.08.2020
20
33.059
6
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01.08.2020 1.392
 
Strahlendes Sonnenlicht fiel durch das auf kipp stehende Küchenfenster und von draußen drangen die vertrauten Geräusche des Landlebens in die Küche. Hühner gackerten leise, Enten quakten und ab und an konnte man auch das zufriedene Muhen der Kühe von den nahen Weiden, untermalt vom fernen Dröhnen des Mähdreschers und dem Dudeln des alten Radios, das unterhalb des Fensters stand, hören. „Hmmmm ...“, Ellen summte zufrieden, als sie ein weiteres Ei in die alte, zerkratzte Schüssel schlug und dann mit dem Rührlöffel prüfend unterhob.
Ihr Summen ging im lauten Rattern des Mixers unter, das nun auch erste Neugierige in die Küche zu locken wusste. Aus den Augenwinkeln sah Ellen zwar, wie Anders unsicher in der Tür verharrte, aber dennoch unterbrach sie nicht ihr Tun, sondern griff nach der bereitgestellten Schokolade und begann sie in die Schüssel zu schütten. Das Geräusch des Mixers wurde, nun wo er auf eine höhere Stufe gestellt worden war, schriller und Ellen beobachtete aus den Augenwinkeln, wie Anders dabei zusammenzuckte und Anstalten machte, wieder in die Schatten der Diele zurückzuweichen. Die Rührstäbe kratzten auf dem Plastik der Schüssel und erst, als Ellen mit der Konsistenz des Teigs zufrieden war, stellte sie das Küchengerät aus.
Die plötzliche Stille schien beinahe ohrenbetäubend und das leise Knarren der Dielen, als der schwangere Dämon das Gewicht verlagerte, war ungewohnt laut. „Möchtest du auslecken?“, Ellen löste schmunzelnd die Rührstäbe und drehte sich nun langsam zu Anders um, der sofort fast reflexartig den Kopf schüttelte, „Nein ...“ „Schade.“, Ellen kommentierte die Entscheidung des Dämons aber nicht weiter, ließ aber dennoch die Rührstäbe liegen und begann damit den Teig in die Formen zu füllen, „Magst du mir nachher beim Verzieren helfen?“ „Beim … Verzieren?“, der junge, momentan menschliche Dämon kam nun doch vorsichtig näher, „Ich habe noch nie ...“ „Hat deine Mutter denn nie gebacken?“, erkundigte Ellen sich, als sie noch einmal die Temperatur des Backofens überprüfte, bevor sie dann die das Backblech hineinschob, „Nicht mal zu euren Geburtstagen … oder Weihnachten?“ „Nein ...“, Anders' Stimme war plötzlich viel näher und als Ellen sich aufrichtete, sah sie schmunzelnd, wie der junge Arzt einen Finger in die Teigschüssel tauchte. Dennoch bemühte sie sich weiterhin um gespielte Gleichgültigkeit, als sie nun den Küchenwecker,eine pinke Kuh stellte, „So?“
„Sie ...“, Anders schwieg, als er nun den Teig probierte und sich gegen die Arbeitsplatte lehnte, „Nein … hat sie nie ...“ Eine Hand wanderte fast schon unbeholfen und schüchtern auf die leichte Rundung seines Bauches, während der junge Dämon nachdenklich aus dem Fenster sah und sich schließlich räusperte, „ … Die Regeln.“ „Die gelten auch beim Backen?“, fragte Ellen nun wirklich irritiert und der Stuhl schabte über die weißen Kacheln, als sie nach Halt suchend danach griff, „Aber … warum?“ „Dämonen kennen kein Maß.“, Anders zuckte beim Zitieren der so lang verinnerlichten Regeln zusammen und schob hastig die Schüssel von sich, als ihm seine unbewusste Nascherei bewusst wurde, „Siehst du?“
Die unvertrauten blauen Augen funkelten, schienen aber auch Dunkel vor Angst, während Anders schief lächelte, „Ich hätte die ganze Schüssel ausgeleckt.“ „Und?“, Ellen zuckte unbeeindruckt mit den Schultern, „Line, Rasmus, Einar und dein Jokey haben das als Kinder auch gemacht ...“ „Das ist etwas anderes.“, Anders wich nun ihrem fragenden Blick aus und wechselte das Thema, „Ich habe vorhin mit dem Chefarzt gesprochen … Er erlaubt mir wieder zu arbeiten ...“ „So?“, Ellen hob fragend eine Braue, woraufhin der menschliche Dämon kurz zusammenzuckte und sogleich fast schon verzweifelt versuchte sich zu verteidigen, „Nur im Bürodienst … Nur ...“ „Meinst du, dass du das schaffst?“, fragte Ellen vorsichtig, zuckte dann aber schmunzelnd mit den Schultern, als sie den zwischen Entsetzen und Empörung schwankenden Blick des Jüngeren sah, „Mir ging es in den ersten Monaten nicht wirklich gut ...“ „Oh?“, Anders formte die Frage wortlos, aber Ellen verstand ihn auch so und ihr Lächeln wurde etwas verzagter, „Bei Einar und Anders war mir fast dauerhaft schlecht … und ich war unglaublich müde … Wahrscheinlich weil ...“ „ … weil es Zwillinge waren?“, erkundigte Anders sich leise und presste die Lippen fest zusammen, während seine Hand wiederum auf der leichten Rundung des Babybauchs zu liegen kam.
„Auch.“, Ellens Blick schien weit in die Vergangenheit zu reichen und das Lächeln war fast schon etwas nostalgisch, „Aber eher, dass sie … gemischtrassig waren.“ Anders' lange Finger zitterten leicht, aber sein Blick hing nach wie vor beinahe panisch an der älteren Frau, „Warum?“ „Hat deine Mutter es dir nie gesagt?“, nun wirkte Ellen etwas besorgt und sie griff vorsichtig nach der Hand des menschlichen Dämons, der nur zögerlich den Kopf schüttelte, „Nein?“ „
Du weißt, dass Zwillingsschwangerschaften bei Dämonen sehr selten sind ...“, begann sie nach einigen Minuten vorsichtig, fast schon fragend und lächelte etwas verzagt, als Anders nur schnaubte, „Ich bin Arzt.“ „Gut ...“, der Griff ihrer Finger um Anders' Hand festigte sich, „Und noch seltener sind … Zweieiige Zwillinge. Also ein Dämon und ein Mensch. Bevor ich Lars und dich kennen lernte, kannte ich keinen anderen Fall.“ „Ich … habe nie darauf geachtet.“, gestand Anders leise, aber Ellen drückte nur sanft die zitternden Finger, „Ich habe Odrunn gefragt … Sie hat nur zwei weitere Fälle gefunden. Beide vor über Hundert Jahren ...“ „Oh.“, Anders presste die Lippen fest zusammen und seufzte dann, „Aber … was war so … schwer?“
„Wie lange dauert eine Dämonenschwangerschaft?“, Ellens Miene war ernst und der junge Dämon runzelte die Stirn, „Fünfzehn Monate, warum …?“ „Und eine menschliche?“, ihr stahlblauer Blick ruhte seltsam fordernd auf Anders, der nun mit den Schultern zuckte, „Neun Monate … Aber ...“ „Sechs Monate Unterschied.“, Ellen lächelte, „Damals konnte man noch nicht feststellen, welcher Rasse die Kinder angehören würden … Ich dachte die ganze Zeit, dass es zwei Dämonen wären. Aber, Einar … er machte Anders' Zyklus mit … Er war ein ziemlich großes Baby … Im Gegensatz zu Anders ...“ „Oh.“, Anders schluckte und seine freie Hand wanderte unwillkürlich wieder zu seinem Bauch, während Ellen nun aber mädchenhaft lachte und den Kopf schüttelte, „Mach dir keinen Gedanken .. Wenn es dir gut geht … spricht doch nichts dagegen, dass du arbeitest ...“ „Ja.“, Anders zwang sich zu einem Lächeln, „Ich würde gerne … selbst, wenn es nur am Schreibtisch ist, aber … im Herbst ...“ „Anders wird wieder mit dem Team reisen.“, Ellen nickte verstehend, „Und du möchtest nicht alleine Zuhause sitzen …“ Anders nickte leicht und schien sich endlich etwas zu entspannen, „Du hast was von … dekorieren gesagt?“

Zweieinhalb Monate später …
Der herbstliche Regen prasselte unbarmherzig gegen die Scheiben und der böige Wind trieb die schwarze Wolken über den fahl grauen Himmel. Bunte Blätter, von den Böen getrieben waren die letzten Zeichen des vergehenden Herbstes, der dennoch nur widerwillig dem Winter Platz machen zu wollen schien.
Anders warf einen kurzen Blick auf den tobenden Herbststurm, dessen Böen jaulend um das Gebäude tobten und an den Fenstern zu rütteln schienen und ignorierte krampfhaft den langsam kalt werdenden Kakao, den sein Gynäkologe ihm mit dem strengen Hinweis, dass er noch immer viel zu leicht sei, gebracht hatte. Aber, sein Blick wanderte dennoch immer wieder zu verlockend, dampfenden Tasse und er sank beinahe erleichtert in seinen bequemen Bürostuhl zurück, als die Tür sich plötzlich öffnete.
„Ah, hier hast du dich also versteckt.“, Tine stieß die Tür zu Anders' Büro auf und musterte ihren Freund grinsend, „Aber, mir entkommst du nicht.“ „Tine.“, Anders errötete und begann in einer vollkommen unbewussten, aber dennoch nervösen Geste an dem weißen Pullover, der die schwellende Rundung des, trotz aller Vorsichtig und trotz allen Hungerns gewachsenen Babybauchs nun mehr nur noch schwerlich verbergen konnte, „Was machst du hier?“ „Das sollte ich wohl eher dich fragen.“, die Frau kam langsam näher und stahl eine der dünnen, roten Akten, die sie dann aufschlug und kurz überflog, bevor sie sie wieder achtlos auf die Platte fallen ließ, „War dir das nicht immer zu langweilig?“
„Man ändert sich ...“, Anders wich unwillkürlich vor seiner neugierigen Freundin zurück. Dabei streifte er unabsichtlich die Kakaotasse und fluchte, als sich die, glücklicherweise nur noch lauwarme Flüssigkeit über den weißen Pulli ergoss. „Verdammt ...“, erschrocken war der menschliche Dämon aufgesprungen und zurückkgewichen. „Alles in Ordnung?“, Tines Blick war plötzlich besorgt und bevor Anders noch etwas sagen konnte, stand sie auch schon neben ihm und tupfte mit einem Tuch über den Pulli, während Anders nun mehr wie erstarrt schien.
Ihre Finger streiften dabei aber auch immer immer wieder die kaum mehr versteckte Rundung und schließlich hielt sie stirnrunzelnd inne, eine Hand auf der deutlich spürbaren Rundung, „Anders ...“ „Du gehst besser ...“, der menschliche Dämon sah nur zögern zu ihr auf, aber seine Stimme klang ungewohnt fest und seine Augen leuchteten wieder im magischen Gold, „Sofort.“
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