Alca - Fluch und Segen

CrossoverHumor, Fantasy / P12
27.04.2019
04.09.2019
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Wagen wir einen kleinen Zeitsprung an den Morgen des ersten Septembers in. In der Zwischenzeit war wirklich mehr oder weniger nichts passiert.
Emelie hatte sich minimal erkältet und Tina war noch um einiges grüblerischer geworden, als sie eh schon war.
Aber das war normal, sagte Curan.
Ich glaubte ihm nicht, einfach, weil er auch behauptete, weise zu sein. Einhundertsiebenundzwanzig Jahre, behandelt wie er grundsätzlich Dinge behandelte, aus denen man etwas lernen konnte: Nicht aufgepasst, nichts behalten.
Oder zumindest machte es den Anschein, blöd war er ja nicht, auch wenn er sich oft so verhielt.
Dieses mal klingelte mein Wecker so heftig, dass ich aus dem Bett fiel, aus Reflex eine Feuerkugel in Richtung des Unruhestifters schoss und es bald darauf nach sehr verschmorten Kabeln roch.
Ich kommentierte diesen kleinen Unfall mit der Nennung der verschiedenen Konsistenzen von menschlichen Exkrementen.
Gerade, als ich bei sehr flüssig angekommen war, begann der andere Wecker zu piepsten, den ich angestellt hatte, um nicht zu spät zu kommen, für den Fall, dass ich den ersten Wecker nicht hörte.
Etwas ungünstig fuhr ich hoch, knallte meinen Kopf gegen das Bett und sorgte auf meine selbstverständlich sorgfältige Alca-Art dafür, dass auch der verstummte. Oder anders gesagt: Ich nahm ein Schwert und schnitt ihn in der Mitte durch.
Dann fuhr ich damit fort, verschiedene Arten von Monstern in Schimpfwörter umzuwandeln.
„So was möchte ich aber nicht noch mal hören!“, mahnte Curan.
Der Klang seiner Stimme erschreckte mich so, dass ich ihn beinahe auch noch durchgeschnitten hatte.
Er attestierte mir tadellose Reflexe und eine sehr kreative Art, meine Wut verbal auszuleben.
„Haldir wäre stolz auf dich gewesen“, erklärte er, während ich mich aufrappelte, um duschen zu gehen. Es mochte an der gestrigen Trainingsstunde gelegen haben, auf jeden Fall stank ich furchtbar nach Schweiß, Blut und Drachenfeuer.
„Komm mir jetzt bloß nicht so.“ Ich warf ihm einen meiner berühmt-berüchtigten Todesblicke zu, die vermutlich mehr Ähnlichkeit mit dem Ich-bin-ja-so-doof-Blick der Erkenntnis als mit dem Gesicht, das Gimli zog, wenn ich Witze über seine Beredsamkeit gemacht hatte.
Der Typ war nicht sonderlich wortgewandt, aber er hatte das gewisse Talent, Leute zu verschrecken. Ich hatte schon Orks getroffen, die weniger gefährlich aussahen.
Charmant schnurrend zog der Kater mein T-Shirt mit dem Aufdruck „Elben. Alles was du kannst, können sie besser“ und meine Hose mit den unzähligen, extrem modischen (von einem Schwertkampf verursachten) Löchern von meinem Stuhl und drückte mir gleich noch eine Haarbürste in die Hand.
„Los, unter die Dusche mit dir! Du riechst furchtbar!“, sagte der Kater mit dem schrecklichsten Mundgeruch von ganz Arda bestimmt. „Und dann ziehst du dir frische Socken an. Die von gestern waren doch im Mund eines Drachen.“
Widerspruchslos gab ich mich geschlagen. Wenn ein Kater dir sagt, dass du duschen gehen musst, dann ist es tatsächlich höchste Zeit.

Am Frühstückstisch saßen bereits meine versammelten Familienmitglieder über dem furchtbaren Tee, den Pippin Tina empfohlen hatte.
Gerade tropfte Emelie sich die Hose mit Marmelade voll, als ich mich auf meinen Stuhl fallen ließ.
„Alca, auch schon wach?“, fragte Thomas, mein Adoptivvater. Ich glaube, er war der einzige in der Familie, der ein halbwegs normales Leben führte. Halbwegs. Seine Kinder und seine Frau waren immer noch Weltenspringer, so etwas färbt ab.
„Ich liebe Wecker“, brummte ich und nahm mir ein Toast.
Marlon warf mir einen wissenden Blick zu. „Gleis 9 ¾, richtig? Na, nicht dass du die falsche Wand wählst!“
Ich erwiderte nichts, stattdessen trank ich einen Schluck des widerlichen Tees. Pippin war zwar ein Hobbit, aber davon hatte er keine Ahnung.
„Also wirklich, sie ist in Begleitung eines erfahrenen Weltenspringers“, sagte Nadja und zwinkerte Curan zu.
Der bemerkte es nicht, eine Dose extrem nach Tod riechender Thunfisch hatte seine ganze Aufmerksamkeit beansprucht.
„Legolas hat geschrieben“, bemerkte Tina so nebenbei, als würde es sie absolut nicht interessieren.
Marlon stieß Emelie mit dem Ellbogen an, die daraufhin einen Schwall Tee in sein Gesicht spuckte. „Was ist denn?“, fragte sie. Tinas Blick war eindeutig besser als mein Todesblick. „Er erzählt, dass der Schaden, den Validus angerichtet hat, in Rohan größtenteils behoben ist. Leider hat er es wohl irgendwie geschafft, Dol Guldur erneut wiederzuerwecken. Jetzt sind sogar neue Monster hinzugekommen.“
Nadja nickte wissend. „Deswegen war ich gestern Abend weg. Ithilwen und ich haben uns das mal genauer angesehen. Apropos Alca, kennst du eine gewisse Elvea? Sie ist aus irgendeinem Grund der festen Überzeugung, dass du die Sache wieder geradebiegen kannst. Schatten bekämpft man mit Licht, so was in der Art hat sie gesagt.“
„Aber wo Licht ist, ist auch Schatten“, ergänzte Marlon, während er sich Unmengen Schokocreme auf sein Toast stapelte. Und wenn ich sagte, er stapelte es, dann meine ich das auch so.
„Hmm“, brummte ich mit vollem Mund.
Nachdem ich heruntergekaut hatte, erklärte ich: „Elvea war die Elbin, auf die Thranduil es abgesehen hat. Sie mochte mich nicht wirklich, aber sie hat den Überblick. Wenn sie sagt, dass es morgen Esel regnet, dann regnet es morgen entweder Esel oder Pippin hat auch ihr einen Tee empfohlen.“
Tina schnaubte und trank demonstrativ ihre Tasse leer. „Vergiss bloß deinen Zauberstab nicht, o große Hexe. Das wäre schon peinlich.“
Über ihrer Stuhllehne hing ein Umhang, der an vielen Stellen geflickt war.
„Was hat Livion denn heute vor?“, fragte Thomas mit einem Blick auf diesen.
Vermutlich wollte er von dem Tee-Thema ablenken, denn beim letzten Mal hatte Curan einen Zweikampf auf Leben und Tod vorgeschlagen.
Zwischen dem Tee und mir.
Das wäre meine sichere Vernichtung gewesen, ich lehnte also ab.
„Bist du schon aufgeregt?“, wollte Nadja von mir wissen.
Gute Frage.
Hatte ich Angst?
Nein. Ich hatte Dinge gesehen, wie sie andere Menschen normalerweise nicht überleben. Ich war gestorben, aber nicht ganz tot weil Mandos mich nicht haben wollte. Ich war mit einem Kater auf meinen Vater losgegangen und hatte ihn letztendlich, selbst dem Tode näher als mir lieb war, besiegt. Schule konnte ja nun wirklich nicht so schlimm sein.
Andererseits: Das war Hogwarts. Wo man Knochen und den Verstand und mit Pech auch sein Leben verliert. Das war der Ort, wo die Länge des Aufsatzes in Fuß und nicht in Wörtern gemessen wurde. Wo Schule nicht nur nervige Lehrer und Hausaufgaben, sondern auch den Tod bedeuten konnten.
War ich nervös?
Etwas. Weltenspringern ist es in den Schoß gelegt, so viele Probleme wie nur möglich zu haben. Bestimmt würde der sprechende Hut in mir nichts weiter als eine Weltenspringerin erkennen und mich einfach nach den „Eene-Meene-Miste“-Prinzip in irgendein Haus stecken. Oder rufen: „Eindeutig Beauxbaton!“ Oder: „Muggel, Muggel!“ Nun, letzteres war unwahrscheinlich. Aber nun kam Nadja daher und wollte wissen, ob ich aufgeregt war! „Joaaa…“
Ich trank meinen Tee aus und räumte mein Brett ab. „Ich hol dann mal die Koffer herunter.“

„Du musst da schon rein!“, wies ich Curan an und deutete auf die Transportkiste, in der ich ihn mit nach Hogwarts schmuggeln wollte. Der Kater schüttelte vehement den Kopf.
„Alca ich bin ein edler Weltenspringer! Ich lasse mich nicht in einem Vogelkäfig transportieren!“
Ich verdrehte die Augen. Die Transportkiste war definitiv kein Vogelkäfig. Sie war im Grunde genommen eines dieser typischen Katzenkörbchen, nur eben weitergeflochten zu einer Art Höhle.
„Du bekommst auch zu futtern, was du möchtest“, versprach ich, „und ich lege dir eine extra flauschige Decke hinein.“
Curan legte den Kopf schief. „In Ordnung. Du hast mich. Aber pass auf, dass ich nicht zu sehr schaukele!“
Dieses Versprechen nahm er mir ab und dann auch noch Käse und eine Dose Katzenfutter, bevor er sich besänftigt zusammenrollte. Vorsichtig, als wäre er eine Bombe, die bei der geringsten Erschütterung hochgehen könnte, trug ich ihn die Treppe hinab und stellte ihn zu Boden.
Tina beobachtete das Treiben besorgt. „Passt bloß auf, wegen Faran. Die Lehrer in Hogwarts mögen fähig sein, aber nicht immun gegen seine Macht.“
Um das zu verdeutlichen schlug sie sich mit der Faust auf die flache Hand.
Curan schnurrte. „Deine Fürsorge ehrt mich, keine Sorge, ich werde schon auf Alca aufpassen.“
Mein empörtes „Ey!“ ignorierend nickte Tina. „Das wollte ich hören. Wenn euch irgendetwas komisch vorkommt, zögert nicht, uns zu kontaktieren. Faran könnte überall seine Strippen gezogen haben.“
Da hatte sie zwar recht, doch ich winkte ab. „Ich glaube, was sich uns in den Weg stellen wird, wird auch Validus‘ Werk sein. Immerhin ist Faran eigentlich tot. Mandos wird toben vor Wut, wenn er erwacht. Ich würde nur zu gern wissen, wieso er schläft und was genau passiert ist. Nun ja, bei unserem Glück finden wir das früher als uns lieb ist heraus.“
Tina nickte, dann sprang sie vom Küchenstuhl auf. „Du schreibst uns, ja?“
„Selbstverständlich.“
Noch einmal bedachte sie mich mit einem Blick, den nur eine erstrangige Herrin der Träume draufhatte. Wissend und vorausahnend. Sie hatte etwas gesehen, was ihr missfiel und mir Angst machen sollte. Eigentlich war es nur ein Schulwechsel, doch in ihren Augen fanden sich Bruchstücke eines riesigen, furchtbaren Bildes.
Kurz blickte ich Faran in das kalte, grausame Antlitz, in dem Moment, als ich ihn tötete, dann blickte ich hoch zum Erebor, dem Ort, an dem mich beinahe der Tod ereilt hätte. Dann wechselte die Szene erneut, so abrupt, wie ein Blitz vom Himmel schießt. Dieses Mal fand ich mich in dem Moment wieder, da ich mich im Erebor mit Validus duellierte, genauer gesagt in dem Bruchteil eines Wimperschlages, als ich mich entschied, mich zu opfern, um andere zu retten.
Szenenwechsel. Ich, als ich das Buch, das ich in Imladris gefunden hatte, zum ersten Mal in den Händen hielt. Ich hatte es total vergessen.
Mit dem Bild des einstürzenden Orthancs vor meinem inneren Auge endete die Vision. Das war meine Vergangenheit.
„Wir sehen uns vor, versprochen.“
Im Stillen fragte ich mich, ob ich dieses Versprechen würde halten können.

Traditionell verabschiedete ich den weltenspringerischen Teil meiner Familie wie die Weasleys das machten am Bahnhof Kings Cross. Sie würden uns – aus irgendwelchen Gründen, die meine Sicherheit garantieren sollen – nicht auf Bahnhofsgleis 9 ¾ folgen. Wie ein Muggel kam ich mir dabei vor, als ich sie alle der Reihe nach umarmte und versprach, mir nicht den Kopf abhacken zu lassen.
Marlon musste ich versprechen, meinen Dolch jederzeit in meinem Stiefel zu tragen, außer bei Flugstunden o. Ä. und Emelie erklärte mir haargenau, wie ich auf Curan achtzugeben hatte.
Tina guckte mich nur ernst an und sagte: „Ich will weder Legolas noch einem deiner anderen Gefährten eine schlechte Nachricht überbringen müssen, reiß dich also am Riemen!“
Nadja war die einzige, die grinste, mich umarmte und dann verkündete: „Toi, toi, toi! Du rockst das schon. Immer schön freundlich und neutral sein, dann bekommst du auch keine Probleme mit Lehrern. Und sollte Zaubertränke mal nicht ganz funktionieren, zeig Slughorn einfach, was du kannst. Dann nimmt er dich in seinen Slugclub auf und um die Noten musst du dir keine Sorgen mehr machen.“
Schummeltipps von der Frau Mama. Ich nickte freundlich. Einer nach dem anderen verschwanden sie zurück in ihre Welt. Mit einem Mal fühlte ich mich sehr allein. „Jetzt sind wir auf uns gestellt, was Curan?“, murmelte ich und sah mich um. Wo war diese vermaledeite Wand?
Ach was, ich bin doch auch noch da.
Das wurde ja immer besser.
Siehst du die Backsteinwand da vorn? Du gehst jetzt ganz langsam und gemächlich darauf zu und dann durch, ja?
Ich tat wie mir befohlen ward. Mit Curan im Schlepptau und mich (hoffentlich) ganz normal verhaltend lief ich auf beschriebene Wand zu. Mein Herz raste. Gleich wäre ich am Hogwarts Express und dann – rumms!

Falsche Wand.

Marlon hatte es geahnt.
Ha, verarscht!
„Verdammt.“
Ich rieb mir die schmerzende Stirn, während ich mich umsah. Dahinten verschwanden einige Schüler im Gegensatz zu mir erfolgreich durch eine Wand.
Selbiges tat eine Bande rothaariger Hexen und Zauberer…
„Jep, da lang!“, erklärte Curan.
Als ob ich das nicht selbst bemerkt hätte. Obwohl mir die Stirn noch immer wehtat, lief ich auf die Wand zu und hindurch. Geschafft!
„Sag ich doch“, brummte Curan.
„Scht! Du bist ein Kater, schon vergessen?“ Da ich ja keine Familie mehr zu verabschieden hatte, konnte ich bereits in den Hogwarts Express steigen. Völlig ungeachtet jeglicher Probleme erreichte ich ein freies Abteil – ha!
Schön wäre es gewesen.
Mitten im Gang stellte sich mir ein langer Blondschopf in den Weg, flankiert von einem mopsgesichtigen Mädchen und einem stämmigen Jungen.
„Und wer bist du?“, fragte der. Obwohl er nur einen halben Kopf größer war als ich, beugte er sich zu mir herunter.
Eine elbische Beleidigung schoss mir durch den Kopf. Ich entschied mich für vorgetäuschte Freundlichkeit. „Alca, und Sie?“
Aus irgendeinem Grund fand der das total lustig. Der Junge hielt sich vor Lachen den Bauch und krümmte sich.
Erst als er sich beruhigt hatte, ließ er sich zu einem arroganten Lächeln herab. „Malfoy. Draco Malfoy. Dein Nachname, wenn ich bitten darf.“
Ich hatte mal wieder das Glück meines Lebens.
„Validi“, erzählte ich, „Und du bist der Sohn von Narzissa und Lucius Malfoy? Ich würde ja sagen, dass es mich freut, aber man hat mich gut erzogen und ich lüge nicht. Nun, gibt es ein Problem? Ich würde jetzt gehen, denn normalerweise unterhalte ich mich nur mit intelligenten und beredsamen Leuten.“
Draco zog überheblich eine Augenbraue hoch. „Du hältst dich für ganz besonders clever, oder?“
Lächelnd schob ich das Mädchen zur Seite und nickte Draco zu. „Muss ich gar nicht, obwohl ich mich gerne Tatsachen stelle. Einen angenehmen Tag noch, sofern man als so griesgrämige Persönlichkeit einen solchen haben kann. Man sieht sich, wobei ich das nicht allzu sehr hoffe.“ Erneut nickte ich freundlich, dann lief ich, ohne mich umzudrehen, den Gang entlang.
Freundlichkeit liegt dir auch nicht wirklich, hmm? Curan schnurrte rhythmisch, vermutlich um mir meine Genialität mitzuteilen. Genervt warf ich erst meinen Koffer auf eine Ablage, dann mich auf einen Sitz.
„Das fängt ja schon mal gut an.“
Klopf, Klopf.
Die Abteiltür öffneten sich und ein blonder Kopf lugte durch die Tür. „Ist hier noch frei?“
Ich bejahte und schon öffnete sich die Tür etwas weiter. Ein Haufen Leute strömte herein. In dem Durcheinander half jeder dem jedem, seinen Koffer hochzuhieven, bis alle sich auf die Sitze sinken ließen.
Erst dann erkannte ich, wen ich da vor mir hatte: Außer dem goldenen Trio, selbstverständlich noch Ginny, ein gewisser Neville und Luna Lovegood. An ihren Ohren baumelten die bekannten Radieschen-Ohrringe und um ihren Hals baumelten Korken.
Ron grinste. „Wow. Feinde machen kannst du.“
Da hatte er vermutlich recht. Aus reiner Nettigkeit erwiderte ich sein Grinsen. „Wieso?“
„Na, den Draco da draußen hast du ganz schön fertig gemacht.“
Nun musste ich schon schmunzeln. „Ich habe schon gefährlichere Drachen getroffen.“ Während Ron ein „HÄ?“ entfuhr, musste Hermine schmunzeln. „Draco, Drache… hattest du nie Latein?“
„Ne“, erwiderte Ron einsilbig.
Dann wandte er sich an Neville, der inbrünstig seinen Mimbelus Mimbeltonia goss. Luna dagegen starrte mich aus großen, klaren Augen unverwandt an.
„Alca“, sagte sie dann, mehr zu sich als zu irgendeiner anderen Person.
Ginny blickte von ihrer Zeitschrift auf. Der Klitterer war in Großbuchstaben darauf zu lesen. „Hmm?“
Als hätte sie nichts gesagt, beugte Luna sich vor und stützte ihre Ellenbogen auf ihre Oberschenkel.
„Du bist Alca“, stellte sie dann fest.
Curan schnurrte in seltsamen Intervallen. Vermutlich versuchte er, ein Lachen zu unterdrücken.
Derweil starrte ihn Krummbein wissend an. „Exakt“, erwiderte ich und legte den Kopf schief. Als ich ihren nachdenklichen Blick erwiderte, lächelte sie.„Du bist eine Weltenspringerin?“
Nun, verstellen war wohl nicht drin.
Ich nickte. „Ja. Ich bin eine Hüterin des Lichts und Herrin der Elemente.“
Ruckartig fuhr Neville von seiner Pflanze hoch, sodass diese ihren Schleim verspritzte. „Was?!“
„Ihh!“, schallte es von Ginny, die angewidert den Schleim auf ihren Armen anstarrte. „Neville! Musste das sein?“
„Tut mir leid“, entschuldigte dieser sich zerknirscht. Ich gab eine Runde Feuchttücher herum, dann waren alle wieder still.
Nur Lunas Blick ruhte weiterhin konzentriert auf mir, als würde sie auf einen See starren und versuchen zu ergründen, was unter der Wasseroberfläche lag.
„Was ist eine Weltenspringerin?“, fragte sie dann.
„Im Grunde genommen ein menschenähnliches Wesen mit der Grundfähigkeit, zwischen den Welten oder auch Dimensionen, zu reisen. Innerhalb der Weltenspringer gibt es verschiedene Familien, welche wiederrum eigene Fähigkeiten besitzen. Wobei man diese, sollte man besonders mächtig sein, also mächtig im Sinne von göttlich oder ähnlich, auch erlernen kann. Na gut, einige“, schloss ich meinen Vortrag.
„Und was ist deine Fähigkeit?“, wollte Harry wissen. Er setzte sein Denker-Sixpack auf.
Ich legte den Kopf schief. „Nun, als Hüterin des Lichts kann ich natürlich Lichtmagie einsetzen, wobei das Licht eine eigenständige Persönlichkeit besitzt und das deswegen nicht ganz so leicht ist. Gleiches gilt für meine Fähigkeit, die Elemente zu beeinflussen.“
Rons Augen wurden groß wie Gymnastikbälle. „Eeeecht? Zeig mal!“
Wie gewünscht hob ich eine Hand und schnipste. Ein Flammenball entstand auf meiner Hand. Unter den glänzenden Blicken der anderen ließ ich ihn über meine Arme und wieder zurück in meine Hand rollen. Dann formten die Flammen das Abbild eines Adlers, der mit einigen kräftigen Schlägen in die Luft flog und sich dort in Funken auflöste.
„Cool“, hauchte Ron.
Damit hatte ich den Respekt in diesem Abteil gesichert.

Der Rest der Fahrt verlief recht angenehm. Die rundliche Hexe mit dem Süßigkeitenwagen kam und schob diesen, weitaus leerer, wieder weiter. Ansagen wurden gemacht, wir zogen unsere Hogwartsuniformen an (wobei Ron stolz verkündete, dass er eine neue bekommen hatte), dann hielt der Express auch schon und wir alle schoben uns nach draußen. Eine kalte Abendluft empfing uns unter einem pechschwarzen, wolkenlosen Himmel.
„Alle Erstklässler zu mir“, grölte Hagrid, der uns zuwinkte. Er bedeutete mir, zu ihm zu kommen. „Na Alca, schon aufgeregt?“, fragte er.
„Ein wenig“, gab ich zu, „Hab aber schon Schlimmeres durchgemacht.“
Der Halbriese grinste. „Das will ich doch hoffen! Alles andere würde ich als persönliche Beleidigung nehmen. Sind wir vollzählig? Gut, alle folgen mir!“
Hagrid führte uns über einen steinigen Pfad steil bergab zu einem See, an dem mehrere Boote lagen. Jeweils zu vier setzten wir uns in eine dieser Nussschalen und schipperten über das schwarze Wasser.
Mir gegenüber saßen zwei Jungen und ein Mädchen, die alle sehr aufgeregt wirkten.
Misstrauisch beobachteten sie mich.
„Wie alt bist du?“, fragte der neugierige Junge.
„Einhundertfünfundzwanzig Jahre, und du?“ Ich lächelte ihn an.
„Bist du so oft sitzen geblieben?“, fragte ein Mädchen erstaunt.
Grinsend schüttelte ich den Kopf. „Ich habe erst jetzt herausgefunden, dass ich eine Hexe werden kann“, erklärte ich.
Nun schüttelte der andere Junge den Kopf. „Das glaube ich dir nicht. Die anderen haben erzählt, dass hier eine gefährliche Magierin neu kommt. Ich glaube, du bist das!“
Gefährlich? Mochte sein, doch in diesem Moment warf ich einfach den Kopf in den Nacken und lachte. „Ach, damit war ich ganz sicher nicht gemeint. Ich bin echt ziemlich harmlos.“
Was für eine schamlose Lüge! Nun, ich konnte damit leben. Kein weiteres Wort fiel, bis wir Hogwarts erreichten.
Wie gehabt begrüßte uns Professor McGonagall, starrte alle böse an und verschreckte die jüngeren, dankte Hagrid und fuhr Peeves an, der kichernd durch die Gänge wirbelte.
„Miss Validi? Sie dürfen mir folgen!“, wies sie mich an. Ihre Augen verrieten einen messerscharfen Geist. „Der Rest wartet hier!“
Ich hatte wirklich nichts angestellt! Doch statt mich zu köpfen nahm die Hexe mich beiseite und sah mich eindringlich an.
„Sie werden als Letzte in den Saal kommen. Erst, wenn die Kleinen durch sind. Solange warten Sie irgendwo, machen Sie sich unsichtbar, wie auch immer. Ich werde den Schülern erklären, was Sache ist und Sie machen gefälligst einen guten Eindruck! Ich kann keine meckernden Eltern gebrauchen. Sobald der Hut sie einsortiert hat begeben Sie sich an ihren Tisch und sind freundlich! Was den Unterricht anbelangt werden Sie behandelt wie alle anderen, keine Extrawürste! Und vor allen Dingen“, sie blickte mich an wie ein wütender Ochse einen Torero, „halten Sie Ihren Weltenspringerkram von unserer Schule fern. Sollten Ihre Feinde meinen Schülern irgendetwas antun, dann…“
„Hacke ich diesen eigenständig den Kopf ab“, schloss ich, „Ich bin weder dumm noch verantwortungslos. Glauben Sie mir, ich mag auch nicht, was meine Feinde so anstellen und ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um zu verhindern, was sie vorhaben, sei es nun hier oder in Mittelerde.“
Besänftigt von der Vorstellung, wie ich Hogwarts erneut mit Blut beschmutzte wandte McGonagall sich um zu den Kleinen. „Folgt mir!“ Ein letzter stechender Blick in meine Richtung, dann verschwand die Hexe.

Was folgte, war ein Gedicht von wegen „Wir sind eine tolle Schule, Gryffindor ist mutig, Slytherin ehrgeizig, Hufflepuff loyal und Ravenclaw klug" waren endlose Namenslisten und endloses Geklatsche.
Erst, als auch der letzte auf seinen Platz gebracht war, lugte ich vorsichtig durch die Tür, huschte an der Wand im Schatten bis nach vorne und wartete, bis McGonagalls Blick mich gefunden hatte.
Kaum merklich nickend trat sie vor. „Dieses Jahr begrüßen wir eine ganz besondere Schülerin. Sie ist aus einer anderen Welt angereist, um an der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei eine Hexe zu werden. Ich bitte euch, Verständnis für eventuelle… Missverständnisse oder Eigenarten aufzubringen. Alca, kommst du bitte?“
Mein Herz begann zu rasen, mein Blut wurde kochend heiß. Jetzt war ich aufgeregt! So viele Menschen! Trotzdem setzte ich einen Fuß vor den anderen und schritt zu McGonagall. Die Schülermenge verfolgte mich mucksmäuschenstill.
Wie viele Augen mochten auf mir ruhen? Bei ihr angekommen drehte ich mich in Richtung der Schüler.
Eine Hand drückte meine Schulter teils mahnend, teils beruhigend.
Ich nickte der Menge zu.
„Alca ist,“, fuhr McGonagall fort, „ nur um das einmal klarzustellen, eine Weltenspringerin.“ Ich konnte die aufwallende Unruhe im Publikum spüren. Mit einem Mal flüsterte alles und jeder aufgeregt zu seinem Sitznachbarn.
„Es gibt keine Weltenspringer!“, rief eine Stimme.
Soll ich ihm das Gegenteil beweisen?
„Beweisen Sie ihnen das Gegenteil“, flüsterte McGonagall im selben Moment, „Sonst haben wir die Kacke am Dampfen.“
Na wunderbar! Da stand ich nun und wusste nicht, was zu tun war. Ich entschied mich für die Flucht nach vorne.
Um einiges selbstsicherer, als ich mich fühlte, trat ich vor. „Was soll ich tun, um dich von Gegenteil zu überzeugen?“
„Das ziehst du doch nie durch!“, brüllte eine. Mein Blick huschte durch den Saal und blieb an dem mopsgesichtigen Mädchen aus dem Zug hängen. Für wen hielt die sich eigentlich? Ich war die Hüterin des Lichts! In mir schwoll eine Wut an, die nicht aus mir kam.
„Reiß dich zusammen!“, flüsterte ich leise wie ein Hauch. Das Licht war äußerst empfindlich. Gleichzeitig bewegte sich das kleine Glasfläschchen, das ich noch immer um meinen Hals trug. Die Schatten spürten meine Verletzlichkeit. Sie wollten mich in Versuchung bringen.
Wie einfach es wäre, nur den Korken zu ziehen und sie wären frei!
Der Junge, der zu erst reingerufen hatte, lachte. „Es steht geschrieben, dass Weltenspringer unglaublich mächtig sind.“
In einer blitzschnellen Bewegung sprang er auf, zückte seinen Zauberstab und schrie etwas, das ich im allgemeinen Trubel nicht verstehen konnte.
Er hatte wohl angenommen, dass sein blauer Blitz von einem Fluch mich mitten in der Brust treffen würde, doch er hatte sich verkalkuliert.
Noch innerhalb desselben Herzschlages schoss meine Hand vor, die Innenseite nach vorne gerichtet. Der Fluch prallte in einer Kaskade goldenen Lichtes ab. Die Energie jagte einen Windstoß durch den Raum und ließ meinen Umhang und meine Haare zurückwehen. Bestimmt sah ich sehr verwegen aus. Doch es war noch nicht vorbei.
Ein zweiter blauer Blitz zischte auf mich zu. Ich fing ihn mit einer Hand ein, wo er eine Kugel aus blauem Licht wurde. Als ich die Hand schloss, zerstob sie zu glühenden Funken.
„Beweis genug?“, fragte ich zuckersüß in die stille Halle hinein. Meine Stimme hing noch eine Weile im Raum, bevor man sich wieder setzte.
„Das hat Konsequenzen, Zabini!“, drohte McGonagall, „Mein Wort sollte für dich Beweis genug sein!“
Als niemand etwas erwiderte, nickte sie und erklärte: „Dann wird der Hut dich jetzt in ein Haus zuteilen.“ Sie führte mich zu einem Stuhl und setzte mir, nachdem ich mich niedergelassen hatte, den Hut auf, der mir sofort über die Augen rutschte.
Ich sah vermutlich unglaublich lächerlich aus.
Und es passierte erst einmal nichts.
Alca also? Hmm… was sehe ich denn. Ich sehe… Mut. Du bist mutig! Aber der Mut steht nicht ganz vorne. Ich sehe Loyalität, aber seien wir mal ehrlich, deine größte Stärke ist weder das, noch Ehrlichkeit. Ich sehe außerdem einen entschlossenen Ehrgeiz. Du willst deine Ziele erreichen, koste es, was es wolle! Aber ich sehe etwas viel Stärkeres… ich sehe…
Mit einem Mal stockte der Hut. Ich spürte, wie er auf meinem Kopf herumwackelte. Dann drang eine Stimme an meine Ohren:
„Den ersten Schritt gegangen, den letzten noch nicht erblickt“, wisperte er gut hörbar.
Nein, oh nein! Diese Worte kannte ich!

„Die Zukunft liegt in Schleiern, dort kommt der große Krieg.

Das Licht im Rücken, den Schatten sich stellend,

Liebe wahren, Zukunft geben, Frieden gelten.

Die Hora Lucis ist nun gekommen,

Den Fesseln nun entronnen.

Das Gleichgewicht wiederhergestellt,

Fürs Leben in dieser Welt.

Licht und Schatten, vereinigt euch!

Weltenspringer, verbündet euch!

Die große Schlacht, blutiges Rot,

Wo Leben ist, ist auch der Tod.“

Herzlichen Glückwunsch, das war die neue Prophezeiung. Meine neue Prophezeiung. Ich seufzte vernehmlich. Bei mir lief nie etwas glatt! Erneut wackelte der Hut.
Wollte er auch noch die alte Prophezeiung zum Besten geben? Nein, wollte er nicht. Stattdessen brüllte er: „Ravenclaw!“
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