Sternenfeuer

GeschichteFantasy / P18
Eris Vanserra OC (Own Charakter)
26.04.2019
03.05.2019
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26.04.2019 360
 
Verstellung, sagt man, sei ein großes Laster.
Doch von Verstellung leben wir.

- Johann Wolfgang von Goethe




Liv stand in einen dicken weißen Pelzmantel gehüllt auf einem der vielen Vorsprünge des Felsplateaus. Der Wind zerrte an ihren geflochtenen Haaren, während sich hinter ihr die Nacht über den heiligen Berg zu erstrecken begann. In weiter Ferne konnte sie die Lichter der illyrianischen Lager erkennen.

Hinterwäldler.

Sie schnaubte und vergrub die Hände in den tiefen Taschen ihrer Jacke. Es hatte schon Vorteile, wenn deine -quasi- Tante eine gute Freundin am Winterhof hatte. Der Rest ihres Körpers steckte in der warmen Lederhose ihrer normalen Kampfkluft und dicken, mit Bärenfell gefütterten Stiefeln, die ihr ihre Mutter zur letzten Wintersonnenwende geschenkt hatte.

Damit du beim Laufen keine kalten Füße bekommst.

Als hätte sie das jemals davon abgehalten. Hinter ihr hörte sie ein leichtes Flügelschlagen und der Schnee knarzte unter der Wucht zweier Füße. Seine Schatten hüllten ihn wie eine warme Decke ein und er neigte ihr den Kopf zur Begrüßung leicht zu.

„Wir können gehen. Die Aufstiegspassagen für die Transporte sind abgesichert, genauso wie die Ausgangspunkte. Die Novizen werden nicht zu nahe, aber auch nicht zu weit voneinander entfernt sein. Cassian deckt die andere Seite des Berges ab. Das Ritual kann morgen beginnen.“ Liv nickte nur geistesabwesend, während Azriel ihrem Blick hinunter in die Täler der illyrianischen Steppe folgte.

„Ich mag es genauso wenig hier zu sein.“ Seine Stimme war leise und verzerrt von dem Schneesturm. Ihre Lippe zitterte leicht und sie ballte die Hände in den Taschen zu Fäusten, bevor sie ihm eine knappe Antwort gab.

„Lass uns verschwinden.“ Azriels Flügel flatterten leicht, um den Schnee abzuschütteln. Liv trat an den Rand des Plateaus.

„Soll ich dich mitnehmen?“ Sie warf ihm einen giftigen Blick über die Schultern zu, bevor sie sich kopfüber in die Tiefe stürzte. Azriel zuckte nur mit den Schultern und erhob sich in die Luft.

Liv viel durch Eis und Schnee. Ihre Magie regte sich, zerrte an ihr, wollte sie zwingen. Mit jeder Sekunde raste der Boden schneller auf sie zu. Im letzten Moment öffnete sie die Augen und teilte den Wind.

Damit du beim Laufen keine kalten Füße bekommst.
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