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Fragile

OneshotFreundschaft, Liebesgeschichte / P12
OC (Own Character) Shawn Peter Raul Mendes
26.04.2019
26.04.2019
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26.04.2019 3.995
 
Hey, das hier ist meine erste Fanfiction über Shawn also seid vielleicht nicht ganz so hart mit mir. Die Idee hierzu ist mir bei, glaubt es oder glaubt es nicht, Super Trouper von Abba gekommen, während ich Mamma Mia geschaut habe.
Shawn und sein Manager gehören natürlich nur sich selbst, wobei ich ehrlich gesagt keine Ahnung habe, wer sein Manager eigentlich ist. Ich will hiermit nicht sagen, dass sie sich wirklich so verhalten würden, das  hier ist alles nur meinen Gedanken entsprungen. Lily ist aber meine.:)
Mich würde eure Meinung und Kritik ernsthaft interessieren, also lasst mir vielleicht einen Review da, wenn ihr wollt.:)
Viel Spaß beim Lesen;)
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Summend stand ich vor meinem Herd und briet mein Abendessen bestehend aus Bratkartoffeln und Würstchen an. Vor etwa zwei Stunden war meine Schwester wieder nach Hause gegangen, nachdem wir den ganzen Tag zusammen in der Stadt verbracht hatten. Wir hatten nach Klamotten für den beginnenden Sommer gesucht und insgesamt einfach den Tag genossen, was wir seit langem schon nicht mehr gemacht hatten. Wir hatten viel geredet und den Großteil des Tages in unserem Lieblingscafé verbracht. Meine Schwester war zwei Jahre älter als ich und lebte mit ihrem Freund in London.

Ich stellte, immer noch die Melodie von Queen summend, meinen Teller auf den Tisch in meinem Wohnzimmer und wollte mir gerade etwas auftun, als mein Handy unvermittelt zu Klingeln begann. Ich machte mich auf den Weg diesem Geräusch hinterher und wühlte hektisch in meiner Handtasche, die ich im Flur hatte liegen lassen, wo ich sie einfach schnell hingeschmissen hatte nachdem ich wieder zu Hause angekommen war. Wo war es denn nur? Immer noch schallte mir recht penetrant mein Klingelton entgegen, den mein bester Freund irgendwann eingestellt haben musste, da mir seine eigene Stimme mit Life of the Party entgegendröhnte und ich mich nicht daran erinnern konnte, jemals einen anderen als den voreingestellten Klingelton verwendet zu haben. Und ja, mein bester Freund war Shawn Mendes, der Sänger. Der Mädchenschwarm mit den süßen dunklen Locken, den braunen Teddyaugen und dem treusten Lächeln, das ich je gesehen hatte.

Triumphierend zog ich den Unruhestifter aus meiner riesigen Handtasche und nahm das Gespräch an, ohne vorher zu überprüfen, wer mich da eigentlich von meinem wohlverdienten Abendessen abhielt. „Hallo?“, begrüßte ich die Person am anderen Ende, während ich mich zurück auf mein Sofa fallen ließ. „Lily? Hast du gerade Zeit für mich?“, fragte die Stimme vorsichtig und klang belegt. Diese Stimme gehörte zu meinem besten Freund und er hörte sich im Moment einfach nur todunglücklich an.

Unwillkürlich begann ich zu nicken obwohl Shawn das natürlich nicht sehen konnte. „Für dich doch immer. Alles in Ordnung?“, antwortete ich beruhigend. Er machte sich schnell Sorgen, mich bei etwas zu stören obwohl er hier eigentlich der vielgefragte Weltstar war. Warum er das tat hatte ich bis heute nicht begriffen und ich versuchte ständig ihm diese Übervorsicht abzugewöhnen.

Ein schweres Seufzen vom anderen Ende der Leitung. „Nein, ich habe schreckliches Heimweh und will einfach nur noch meine Ruhe. Ich will nicht mehr auf die Bühne müssen und singen. Ich habe totale Halsschmerzen und sollte eigentlich gar nicht so viel reden, schließlich habe ich morgen noch ein Konzert“, erklärte der Sänger mir traurig und klang den Tränen nahe. „Hey, ganz ruhig, das Heimweh geht vorbei, bestimmt. Außerdem liebst du deinen Job, morgen sieht die Welt schon viel besser aus, wenn du dir jetzt einen Tee mit Honig machst. Davon gehen die Halsschmerzen weg, versprochen“, sprach ich sanft, überlegte aber gleichzeitig fieberhaft, was ich noch machen könnte, um ihm zu helfen.

So fertig wie jetzt klang Shawn nur, wenn es ihm wirklich viel zu viel wurde. Und tatsächlich hörte ich ein leises Schniefen. „Shawn? Was ist los?“, wollte ich nun ernstlich besorgt wissen. Etliche Sekunden blieb es still. „Ich kann nicht mehr, Lily. Es ist zu viel. Was soll ich nur machen? Ich breche morgen sonst auf der Bühne zusammen. Was werden meine Fans denn dann von mir denken?“, erklang die verzweifelte Stimme des 20-jährigen. Er stellte seine Fans über alles und versuchte, immer für sie da zu sein, was ich ihm wirklich hoch anrechnete. „Shawn, ganz ruhig. Du schaffst das, ich glaube an dich und mach dir nicht zu viele Gedanken.  Deine Fans lieben dich, außerdem wirst du nicht zusammenbrechen. Wo bist du im Moment eigentlich?“, hakte ich vorsichtig nach. In meinem Kopf formte sich der Wunsch ihn zu sehen und ihm zu helfen. Ich machte momentan ein Auslandsjahr in England, war also eigentlich gar nicht so weit von ihm entfernt, schließlich tourte er diesen Monat durch Großbritannien.

„In meinem Hotelzimmer?“, kam dann die doch etwas verwirrt und heiser klingende Antwort. „In welcher Stadt meinte ich“, erwiderte ich schmunzelnd. „Oh, ich denke in Liverpool“, erklärte mein bester Freund etwas verlegen.

„Shawn? Versprichst du mir etwas?“ „Was denn?“, wollte Shawn zögerlich wissen. „Machst du dir jetzt deinen Tee und legst dich dann sofort schlafen?“, bat ich ihn sanft. „Glaubst du wirklich, dass ich das Konzert morgen schaffe?“, erhielt ich eine hoffnungsvolle Gegenfrage. „Natürlich. Du hast schon so viel erreicht, du wirst dann ja wohl auch dieses eine Konzert schaffen“, erklärte ich ihm aufmunternd. „Danke Lily, es tut gut, das zu hören. Gute Nacht“, erklang noch einmal die Stimme meines besten Freundes, aus der die todunglückliche Klangfärbung zum Glück verschwunden war. „Gute Nacht und schlaf gut“, erwiderte ich und legte auf.

Zum Glück hatte ich mir so oder so zwei Wochen frei genommen von meinem momentanen Job als Kindergärtnerin, weil ich etwas Ruhe von den kleinen Rabauken brauchte. Ich liebte sie zwar, aber sie konnten dann doch recht anstrengend werden und ich brauchte schließlich auch manchmal eine Pause.

Zuerst einmal aß ich zu Ende, nahm mir dann ebenfalls eine Tasse Früchtetee mit und setzte mich mit meinem Laptop auf dem Schoß auf mein Sofa. Ich begann nach Bahnstrecken zu suchen, um so schnell es ging nach Liverpool zu kommen. Shawn brauchte jetzt dringend jemanden, der ihn aufbaute.

Ich kannte Shawn seit der Grundschule und seitdem waren wir fast unzertrennlich. Natürlich machte ich im Moment dieses Auslandsjahr und er tourte quer durch Europa mit seiner wundervollen Musik, doch trotzdem hatten wir uns nie aus den Augen verloren. Wir schrieben täglich und telefonierten mindestens einmal pro Woche. Er konnte mir alles erzählen und umgekehrt genauso. Naja fast alles, denn dummerweise hatte ich mich in Shawn verliebt. Ich konnte gar nicht mehr sagen, wann ich meine Gefühle bemerkt hatte. Fakt war aber, dass ich ihm und seinem warmen Lächeln vollends verfallen war.

Aber natürlich hatte ich ihm nichts davon erzählt, schließlich wollte ich die Freundschaft nicht zerstören. Außerdem hätte ich so oder so keine richtige Chance, konnte er doch jede haben. Also begnügte ich mich damit seine beste Freundin und sein Fels in der Brandung zu sein, war das eigentlich doch auch mehr als genug. Und gerade jetzt brauchte er mich wirklich, das hatte man ja nach diesem verzweifelten Anruf gemerkt. Aber es musste doch mehr dahinterstecken. Was war ihm nur widerfahren?

Ich versuchte meine Gefühle für ihn zu ignorieren, was allerdings nicht immer einfach war, wenn ich diese ganzen Fanvideos sah und wie er mit manchen Mädchen redete, oder schlimmer noch, wie diese ihn ansahen. Als wäre er ein Gott oder so. Natürlich missgönnte ich ihm diese Aufmerksamkeit nicht, leider konnte ich die stechende Eifersucht aber auch nicht gänzlich unterdrücken.

Tatsächlich fand ich jetzt sogar noch eine Fahrt, die morgen früh um acht startete, sodass ich gegen halb vier in Liverpool sein könnte. Ich bestellte das Ticket und begab mich in mein Schlafzimmer und packte ein paar Klamotten ein, für den Fall, dass ich länger bleiben würde.

Mein Blick blieb an dem bodentiefen Spiegel, der an meinem Kleiderschrank befestigt war, hängen. Im Spiegel sah ich mich, eine zierliche junge Frau mit langen leicht welligen dunkelbraunen Haaren, die ein blasses Gesicht mit einer etwas ungeraden Nase, rosa Lippen und großen dunkelgrünen Augen einrahmten. Was mich aber etwas erschreckte, war die tiefe Sorgenfalte auf meiner Stirn. Schaute ich wirklich so verkniffen?

Kopfschüttelnd wandte ich mich wieder meiner Kleidung zu. Diese stopfte ich in eine Reisetasche, wohin später noch meine Zahnbürste und ein paar andere Kosmetika folgen würden. Jetzt machte ich mich bettfertig, damit ich morgen ausgeschlafen genug sein würde, um den Zug zu erwischen.

Schon fast in meinem Bett liegend, schreckte ich wieder hoch und rief Shawns Manager an, um herauszufinden in welchem Hotel er untergebracht war. Außerdem bat ich ihn, Shawn irgendwie um vier Uhr herum dort zu halten und ihm nicht zu sagen, dass ich kam, schließlich wollte ich ihn überraschen.

Glücklicherweise war Shawns Manager ein netter Mann, dem ich schon ein paar Mal begegnet war, der mich auch relativ gut leiden konnte. Also versprach er, so gut es ging meinen Anweisungen Folge zu leisten und bedankte sich noch einmal bei mir, hatten doch alle, die mit Shawn unterwegs waren, gemerkt, dass mit unserem Sonnenschein etwas nicht stimmte. Außerdem versicherte er mir, dass er mich in einem Zimmer in der Nähe von meinem besten Freund einquartieren würde. Er hatte einfach für mich beschlossen, dass ich länger blieb, was mir auch gerade recht kam. Komischerweise war ich noch nicht auf vielen Konzerten gewesen, auch wenn ich mit einem internationalen Star befreundet war.

Zufrieden legte ich mich in mein Bett und schlief fast augenblicklich ein, nachdem ich mir einen Wecker für morgen früh mit einem einstündigen Puffer gestellt hatte, wusste ich doch, wie schwer ich morgens aus dem Bett kam. Was tat man nicht alles für seine Freunde. Insbesondere für die, in die man seit Jahren verliebt war, dachte ich leicht sarkastisch.

Am nächsten Morgen wurde ich etwas unsanft aus meinem Traum gerissen und schlug missmutig nach dem Übeltäter. Dummerweise erwischte ich nur die Kante meines Handys und beförderte es dadurch auf den Boden, wo es weiter plärrte.

Leider vollends wach erhob ich mich um dem Krach ein Ende zu bereiten und mich fertigzumachen. Nach einer ausgiebigen Dusche, die meine Lebensgeister einigermaßen wecken konnte, ging ich zurück in mein Schlafzimmer und zog eine helle Skinnyjeans und eine weiße Bluse mit Trompetenärmeln und einem unauffälligen Stickmuster am Ausschnitt an. Anschließend flocht ich mir zwei lockere französische Zöpfe und schminkte mich ganz dezent.

Nach einem kurzen Frühstück schnappte ich mir meine Reisetasche und meine Handtasche und machte mich auf den Weg zum Bahnhof. Im Zug angekommen, suchte ich mir einen Fensterplatz und kramte ein Buch aus den Tiefen meiner Tasche und begann zu lesen. Es war wirklich spannend und in Büchern konnte ich versinken, ohne dass ich noch irgendetwas aus meinem Umfeld mitbekam.

In Liverpool angekommen, nahm ich ein Taxi und fuhr zu Shawns Hotel, nachdem ich mir die Adresse von seinem Manager hatte geben lassen. Etwas nervös betrat ich die Lobby und sah mich um. Sie war fast leer bis auf ein Sofa, auf dem eine große Person saß. Und tatsächlich, dort saß Shawn, auf sein Handy starrend, vermutlich las er gerade ein paar Tweets seiner Fans. Er hatte tiefe Schatten unter den Augen und krümmte sich schon fast auf seinem Platz zusammen. Seine sonst immer glänzenden Locken wirkten stumpf und insgesamt strahlte er Müdigkeit und eine gewisse Traurigkeit aus, die bei ihm sonst völlig fremd war. Ich ging auf ihn zu und räusperte mich leise.

Er sah auf und konnte anscheinend erst nicht wirklich realisieren, dass ich hier stand, da Shawn mich nur anstarrte. Seine Augen wirkten so unglücklich. „Lily?“, fragte er leise. Er klang immer noch heiser von dem vielen Singen und gleichzeitig unglaublich verletzlich. „Hey“, begrüßte ich ihn ebenso leise und nahm ihn vorsichtig in den Arm. Ich ließ mich von ihm neben sich auf das Sofa ziehen. Und plötzlich begann er leise zu schluchzen. Ich zog meinen besten Freund fester an mich und strich ihm beruhigend über den Rücken.

„Sollen wir in dein Zimmer gehen?“, wollte ich nach einiger Zeit vorsichtig wissen, schließlich wollte ich ihn hier nicht den Kameras der Paparazzi zum Fraß vorwerfen. Nicht, dass man morgen ein Bild von uns in der Klatschpresse fand. Das war im Moment das Letzte, was Shawn gebrauchen konnte.

Ich hatte ihn noch nie so aufgelöst gesehen und konnte mir einfach nicht vorstellen, dass das einfaches Lampenfieber war. Shawn hatte sich wieder etwas beruhigt und setzte sich gerader hin. Er nickte einfach, also nahm ich seine Hand und zog ihn die Treppe hoch.

Er führte mich in sein Zimmer und ich staunte erstmal über diesen riesigen Raum. Alles war in hellen, warmen Farbtönen gehalten und die Einrichtung wirkte sehr teuer. Das riesige Bett dominierte den Raum und war ganz in schwarz im Kontrast zum Rest der Einrichtung bezogen. Eine Sitzecke befand sich direkt an einem bodentiefen Fenster mit Balkon und ein imposanter Kleiderschrank stand an der rechten Seite des Bettes, während an der linken nur eine Tür war, die wahrscheinlich in ein angrenzendes Badezimmer führte. Wir setzten uns auf ein Sofa und ich sah meinen besten Freund besorgt an.

„Also, was ist los? Das kann doch nicht nur Lampenfieber sein“, fragte ich nach. „Ich weiß es doch auch nicht wirklich“, erklärte der Sänger unglücklich. „Aber irgendeinen Grund muss es doch geben“, drängte ich sanft. „Ich habe solches Heimweh und versteh mich nicht falsch, ich liebe meine Fans aber mir sind diese riesigen Menschenmassen im Moment zu viel. Ein Glück lagern sie noch nicht vor meinem Hotel. Ich fühle mich schuldig, weil ich so von meinen Fans denke, schließlich sind sie diejenigen, die mir das hier überhaupt ermöglicht haben. Außerdem habe ich dich schrecklich vermisst“, sprudelte es aus Shawn hervor. Daher also diese Unzufriedenheit, er fühlte sich schuldig.

„Shawn, das ist überhaupt kein Grund sich schuldig zu fühlen, jedem geht es mal so. Und mal ehrlich, wem würde das nicht irgendwann zu viel werden, wenn man permanentes Gekreische um sich herum hat? Natürlich liebst du deine Fans und das wissen sie auch. Und ich habe dich auch schrecklich vermisst, aber jetzt bin ich ja hier“, beruhigte ich ihn.

Er atmete auf. Es hatte ihn wirklich beschäftigt und ich fand, er musste einmal gesagt bekommen, dass das normal war. So war er schon immer gewesen. Shawn machte sich immer viel zu viele Gedanken. Das war echt süß aber manchmal sorgte es bei ihm für ernsthafte Probleme, die ich ihm aber zum Glück in den meisten Fällen schnell wieder ausreden konnte.

Ich nahm ihn noch einmal in den Arm und hielt ihn lange Zeit einfach, was er dringend gebraucht hatte in letzter Zeit. Einfach von jemandem gehalten zu werden.

Nach einiger Zeit klopfte es leise an der Tür und wir lösten uns wieder voneinander, nachdem Shawn mir verwirrend lange in die Augen geschaut hatte. Jetzt strahlten sie wieder die für ihn typische Wärme aus und ich konnte ehrliche, tiefe Zuneigung in ihnen erkennen.

Konnte es etwa sein, dass...? Nein, bestimmt nicht, er mochte mich, ja, aber nur als beste Freundin. Punkt. Damit schob ich meine wahrscheinlich unbegründeten Hoffnungen beiseite und sah zur Tür, die sich mittlerweile geöffnet hatte.

Im Türrahmen stand sein Manager, der zwischen uns hin und her sah und sich dann direkt an Shawn wandte: „Es tut mir leid, euch zu stören, aber du solltest dich langsam auf den Weg machen. Und iss erst noch etwas, du hast seit dem Frühstück nichts gegessen.“ Shawn nickte nur und der Mann verschwand wieder.

„Danke“, sagte er einfach und lächelte mir zu. Doch etwas verwirrt sah ich ihn an. „Wofür?“ „Dafür, dass du einfach gekommen bist, nachdem ich dich angerufen hatte. Kommst du mit?“, fragte er vorsichtig. „Ich habe doch keine Karte…“, wandte ich ein. Er grinste. „Du bist mit dem Sänger da und jetzt komm“, erklärte er, während er aufstand.

Ich lächelte zurück und folge ihm nach draußen, wo schon ein Auto auf uns wartete. Die Fahrt über redeten wir hauptsächlich über meinen Job und andere belanglose Dinge.

In der Konzerthalle angekommen, machte ich mich erst einmal auf den Weg und besorgte uns etwas zu Essen, wie von seinem Manager angeordnet. Es gab dort ein Büffet, wo ich uns zwei Teller belud und ihm zusätzlich noch einen Tee mitnahm, nicht vergessend, dass er gestern über Halsschmerzen geklagt hatte.

Shawn war längst im Backstage-Bereich und wartete auf einem der dort rumstehenden Sofas auf mich. Er grinste mir zu und wirkte längst nicht mehr so unglücklich wie noch gestern Abend. Shawn strahlte wieder pure Lebensfreude aus und ich bildete mir ein, beziehungsweise erhoffte mir, dass das an meiner Anwesenheit lag.
Ich reichte ihm seinen Teller und den Tee, den er brav trank und wir redeten eine Weile.

Vor so einem Konzert musste noch erstaunlich viel vorbereitet werden. Shawn ging sich umziehen und kam in einer verwaschenen Jeans und einem dunkelblauen Hemd wieder. Dann setzte er sich an einen Schminktisch und wurde von einer kleinen Blondine gestylt, die ihn für seine Augenringe ausschimpfte, woraufhin er nur schuldbewusst zurück grinste, was mir wieder einen kleinen Stich versetzte.

Als sie fertig mit ihm war, musste ich zugeben, dass er einfach zum Anbeißen aussah. Theatralisch drehte er sich zu mir um, sah mich aus seinen riesigen Teddybäraugen an und fragte: „Und? Was denkst du?“ „Hmm...“, grübelte ich gespielt nachdenklich und ging auf ihn zu. Ich krempelte ihm die Hemdsärmel hoch und trat wieder einen Schritt zurück. „Viel besser“, sagte ich selbstzufrieden.

Daraufhin musste Shawn lauthals lachen. Er wirkte wie ausgewechselt. Innerlich klopfte ich mir auf die Schulter dafür, dass er wieder lachte und glücklich war.

Wir alberten die restliche Zeit noch etwas herum, bis er auf die Bühne musste. „Guckst du zu?“, fragte er scheu nach. „Natürlich, wenn du mir sagst, von wo aus“, versprach ich.

„Dann komm einfach mal mit mir mit, ich suche dir einen guten Platz“, erklang die Stimme des Managers. Ich drehte mich um, während Shawn sich bei ihm bedankte. Jetzt wirkte er allerdings doch etwas nervös, aber positiv und nicht ich kippe gleich um, ich schaffe das nicht-nervös. Ich ging nochmal zu ihm und drückte ihn fest. „Du schaffst das. Viel Spaß“, flüsterte ich ihm ins Ohr und löste mich dann von ihm. Er sah mich wieder mit diesem Zuneigung ausschüttenden Blick an, woraufhin mir die Knie ganz weich wurden und ich lieber schnell dem etwas untersetzten Mann hinterherlief.

„Vielen Dank, dass du gekommen bist. Er war die letzten Tage in sich gekehrt und traurig, wir wussten einfach nicht mehr, wie wir ihm helfen konnten“, bedankte sich der Manager, während er mich in den VIP-Bereich führte. Ich winkte ab. „Sie müssen mir nicht danken, das war doch selbstverständlich, er ist mein bester Freund“, erklärte ich bescheiden. Bei den Worten bester Freund glaubte ich allerdings ein belustigtes, wissendes Funkeln in seinen Augen erkannt zu haben, was mir nicht ganz behagte, also bedankte ich mich schnell für die Hilfe und nahm Platz.

Es dauerte auch nicht mehr lange und das Konzert begann. Die Menge tobte und wenn ich mich nicht irrte, war sogar ein Mädchen einfach in Ohnmacht gefallen, als Shawn die Bühne betreten hatte. Ich konnte darüber nur den Kopf schütteln. Wie sehr manche Mädchen sich in so etwas hineinsteigerten. Obwohl, war ich denn besser?
Und mein bester Freund sah einfach nur glücklich aus. Seine Augen strahlten pure Freude aus und die Unsicherheit von vorhin war komplett verschwunden.

Er sang mit solch einer Hingabe, als wäre er dafür geboren und ich konnte nicht anders, als jede einzelne Zeile mitzusingen und zu tanzen. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass er in meine Richtung sang. Aber wahrscheinlich war das Einbildung, genau wie die Blicke, die er mir zuwarf.

„Das letzte Lied möchte ich gerne einer ganz besonderen Person widmen“, hallte es durch die Konzerthalle. „Ich möchte es der Person widmen, die mich heute überhaupt wieder zum Lächeln gebracht hat, die immer für mich da ist. Meiner besten Freundin, die heute einfach alles stehen und liegen gelassen hat, um zu mir zu kommen und für mich da zu sein. Lily das ist für dich“, sprach mein bester Freund und sah mich dabei direkt an. Also hatte ich mir die Blicke doch nicht eingebildet. Ich hatte Tränen der Rührung in den Augen, während die ersten Noten von When You´re Ready erklangen. Shawn grinste mir zu und begann zu singen.

Es war vermutlich das Schönste, was ich je gehört hatte. Mein bester Freund hatte sich gerade vor 20.000 Leuten bei mir bedankt und mir ein wunderschönes Liebeslied gewidmet. Was wollte ich in diesem Moment mehr?

Ihn küssen. Diesen Gedanken verdrängte ich ganz schnell wieder und genoss das Lied. Shawn sang mit so viel Gefühl und einem wehmütigen Lächeln auf den Lippen. Den ganzen Song durch sah er immer wieder in meine Richtung und grinste dabei.

Hatte es etwas zu bedeuten, dass er mir gerade dieses Lied gewidmet hatte, indem es um eine scheinbar unerwiderte Liebe ging oder war es einfach der letzte Song gewesen und er wollte sich einfach irgendwie bei mir bedanken, ohne zu bedenken, wie das klingen konnte?

Ich versuchte mit aller Kraft die Hoffnungen beiseite zu schieben, genau wie die eifersüchtigen und bewundernden Blicke, die mir zugeworfen wurden. Und glücklicherweise gelang mir das auch so weit, dass ich das Lied ernsthaft genießen konnte.

Nachdem Shawn sich von seinen Fans verabschiedet hatte, machte ich mich ebenfalls auf den Weg zurück zum Backstage-Bereich. Dort angekommen, warf ich mich ihm ohne viel Federlesen in die komplett verschwitzten Arme. Wie konnte jemand so gut riechen, nachdem er gerade ein Konzert hinter sich hatte?

Er vibrierte immer noch förmlich vor Adrenalin und nahm mich seinerseits fest in die Arme. „Das war so ziemlich das Süßeste, was jemals jemand für mich gemacht hat“, erklärte ich ihm, als ich mich wieder von Shawn gelöst hatte. Er grinste mich schüchtern an. „Hat es dir gefallen?“, fragte er neugierig. Ich verdrehte die Augen.

„Welches Mädchen mag es denn bitte nicht, wenn es ein wunderschönes Lied von einem berühmten Weltstar gewidmet bekommt, was zufällig auch noch ein herzzerreißendes Liebeslied ist?“, fragte ich zurück und hätte mir am liebsten die Hand vor den Mund geschlagen. Hatte ich jetzt zu viel gesagt?

Jetzt sah er mich mit einem Funkeln in den Augen an, was vorher bestimmt noch nicht da gewesen war. Und jetzt machte Shawn etwas, womit ich in diesem Moment am wenigsten gerechnet hätte.
Er küsste mich.

Seine Lippen waren so unglaublich weich und ich stand einfach nur wie erstarrt das. Los Lily, mach was! Erwidere den Kuss verdammt! Doch ich konnte mich einfach nicht rühren und als ich mich endlich genug zusammengerissen hatte und den Kuss endlich erwidern wollte, löste er sich wieder von mir.

Ich sah ihn mit riesigen Augen an, während er mich tieftraurig ansah. „Lily es… es tut mir so leid. Ich dachte… also ich dachte, dass du…“

Ich unterbrach sein Gestotter und zog ihn einfach an seinem Kragen zu mir runter und küsste ihn. Sofort erwiderte er den Kuss mit einer Intensität, die ich ihm nicht zugetraut hätte.

Ein paar Sekunden später lösten wir uns etwas außer Atem wieder voneinander. Er sah mich verwirrt an. „Also was war das jetzt?“, wollte der Sänger wissen. „Du hast mich einfach total erschreckt du Trottel! Da steht man jahrelang auf dich und plötzlich küsst du mich einfach, nachdem du für mich dieses Lied gesungen hast. Natürlich bin ich dann erstmal erschrocken“, erklärte ich mein Verhalten und sah ihn offen an.

Er schaute immer noch verwirrt in meine Augen. Allerdings sah ich langsam die Erkenntnis in seinen Seelenspiegeln aufblitzen und er begann zu strahlen. „Warte, also heißt das, dass ich doch eine Chance bei dir hätte?“, fragte er vorsichtig nach. Ich sah ihn groß an. „Ob du eine Chance bei mir hast? Ich dachte, ich hätte niemals eine bei dir und jetzt fragst du mich das?“, wollte ich fassungslos wissen.

Er nickte schmunzelnd. „Ist das ein ja?“, bohrte er grinsend nach. Ich nickte. Er küsste mich noch einmal, diesmal ganz sanft und ich lächelte in den Kuss hinein.

„Heißt das, du bleibst länger als nur heute?“, bat er schon fast und sah mich mit seinen großen braunen Augen bittend an. Ich schmunzelte und sagte: „Wenn du mich noch länger erträgst…“

„Dann können wir ja jetzt schön Essen gehen“, schlug er vor und nahm meine Hand um mich zum Auto zu führen.
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