[D'c IV] Ceredo ... Ein Wochenende für die Ewigkeit

GeschichteAbenteuer, Romanze / P18
26.04.2019
11.11.2019
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Ceredo ... Ein Wochenende für die Ewigkeit


Fünfzehn Jahre ist es jetzt her das Sam Clarkson, Quarterback und zukünftige NFL Hoffnung, auf die fünf Jahre jüngere Stefanie traf und sich Hals über Kopf verliebte. Doch die Kleinstadt, in der sie lebten und ihrer beiden Familien waren gegen die Beziehung und so blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich heimlich zu treffen.
…Bis zu diesem Wochenende, das ihrer beider Leben komplett auf den Kopf stellte und dafür sorgt, dass sie getrennt wurden...


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[D'c I]  Destiny's choice ... Spiel mit dem Feuer
[D'c II]  Alaska ... Liebe auf Umwege
[D'c III]  Destiny's choice ... Spiel mit dem Feuer II
[D'c IV]  Ceredo ... Ein Wochenende für die Ewigkeit








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Stefanie strich langsam über den Bilderrahmen auf dem Kaminsims, das sie und ihre Eltern zeigte, in dem Sommer wo sich alles für sie ändern sollte. Mit Tränen in den Augen sah sie sich im Wohnzimmer des gemütlichen Hauses um. Ihr ganzes Leben hatten ihre Eltern hier gewohnt, ihr Vater hatte ein Stückchen die Straße runter eine kleine, mehr als gut laufende KFZ-Werkstatt und ihre Mutter war eine allgemein beliebte Person gewesen. Ruhig, hilfsbereit und für jeden und alles immer ein offenes Ohr. Halbtags hatte sie beim örtlichen Tierarzt ausgeholfen, während Stefanie in der Schule gewesen war. Eigentlich eine perfekte Familie in einem perfekten Leben in einer perfekten Kleinstadt von gerade einmal etwas über zweitausend Einwohnern.

Bitter verzog sie den Mund, eigentlich … wenn die beiden nicht eine kleine dicke und unscheinbare Tochter gehabt hätten, die sich ausgerechnet in den beliebtesten Jungen der Schule verlieben musste.

„Sam...“ leise flüsterte sie den Namen des Jungen, der ihr damals den Kopf verdreht, mit ihr geschlafen und ihr dann das Herz gebrochen hatte. Er war der erste und einzige gewesen, den sie jemals geliebt und an sich herangelassen hatte. Kurz sah sie ihr Spiegelbild im Fenster des Wohnzimmers, mittlerweile verdrehten die Männer sich die Hälse, um ihr hinterher zusehen, wenn sie irgendwo langging. Und wenn sie in ihrem ölverschmierten Overall in ihrer Werkstatt stand, kamen oft genug Pfiffe und Blicke von Leuten, die sie nicht kannten und das ganze für einen Scherz oder eine versteckte Kamera hielten. Schlank mit einladenden Kurven und üppiger Oberweite ausgestattet, scheinbar endlos langen Beinen, dazu braungebrannt und mit einer kupferfarbenen Lockenmähne, die ihr weit in den Rücken reichte, dazu ihre kristallblauen Augen die von langen tiefschwarzen Wimpern umgeben waren, war sie ohne Zweifel mittlerweile mehr als ein Hingucker. Vielleicht war das auch der Grund, warum sie ihre mehr als ungewöhnliche Augenfarbe mithilfe von Kontaktlinsen in ein unscheinbares blau verwandelte, obwohl sie eigentlich keinerlei Sehhilfe benötigte.

Spöttisch verzog sie ihren Mund zu einem missglückten Grinsen. Dass sie nun schlank und nicht mehr das kleine dicke Mädchen war, war harte Arbeit gewesen und doch war sie unglücklich, kein Mann hatte es jemals geschafft sie zu mehr als einem Date zu bekommen und in Houston, wohin sie mit fünfzehn damals geflüchtet war, gab es mehr als genug Männer die unbedingt mit ihr ausgehen wollten. Doch sobald sich ihr ein Mann näherte, sah sie Sam vor sich, seine strubbeligen schwarzen Haare, diese leuchtend grünen Augen und hörte wieder das gehässige Gelächter der Jugendlichen die sich unterhalten hatten, ohne das sie wussten dass Stefanie es mitbekam und sich über sie lustig machten. Und ihren Wetteinsatz von jemand einforderten, schließlich war Sam mit dem hässlichen, dicken Ding im Bett gewesen und hatte ihr die Jungfräulichkeit geraubt, auch wenn es ihn ziemliche Überwindung und eine Ewigkeit Zeit gekostet hatte,wie sie aus dem hässlichen Gekichere der Gruppe heraushören konnte.

Wütend wischte sie sich die Tränen weg, die ihr über das Gesicht liefen. Sie hatte wirklich gedacht, dass sie darüber hinweg war, doch gestern Abend, als sie die Grenze der kleinen Stadt erreicht hatte, war alles wieder aufgebrochen. Als Vaters Anwalt sie anrief und ihr die traurige Mitteilung machte und ihr sagte, dass ihre Eltern verstorben waren, hatte sie das erst für einen Scherz gehalten. Auch als sie ihm sagte, dass sie seit fünfzehn Jahren keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern hatte, wollte er das sie herkam und meinte nur, dass ihre Eltern ihr alles hinterlassen hätten. Seit einem halben Jahr hatte man sie gesucht und dann nur durch Zufall und einen Privatdetektiv gefunden.

Wieder sah sie auf das Bild aus jenem Sommer, wo sie Hals über Kopf weggelaufen und schließlich nach Wochen in Houston gelandet war, sie hatte ihren Nachnamen geändert und versucht alles zu vergessen. Und doch stand sie nun wieder genau hier, im Haus ihrer Eltern, fühlte sich wieder wie ein kleines dickes Mädchen, das von allen nur amüsiert oder abfällig betrachtet wurde und die stundenlang nach der Schule versteckt im Stadion des American Football Teams gewesen war und der Mannschaft beim Training zusah.
...und heimlich den Star des Teams, Sam Clarkson anhimmelte...

Nicht das sie sich irgendwie ausrechnete, dass er sie beachten würde, oder noch besser, sich in sie verlieben, er war schließlich mit Mandy zusammen, der wunderschönen blonden Anführerin der Cheerleader. Andauernd sah man sie zusammen. Wo Sam war, war auch Mandy, sie ließ ihren Freund keine Sekunde aus den Augen.


Langsam ging sie durch das Wohnzimmer, hinüber in den Flur und dann die Treppen hinauf in ihr ehemaliges Jugendzimmer. Ihre Eltern hatten in all den vielen Jahren absolut nichts in ihrem Zimmer angerührt und fassungslos ließ sie sich auf das Bett sinken. Die Poster der Boybands hingen noch genauso an den Wänden wie früher, sogar der Wimpel des Reeper Highschool Football Teams hing noch über dem Kopfteil des Bettes, mit der Unterschrift von allen Spieler, doch nur eine war damals interessant für sie gewesen. Die damals schon energische und schöne Handschrift von Sam. Während alle einfach nur unterschrieben hatte, hatte Sam sie angelächelt mit diesem süßen Grübchen und etwas extra geschrieben.


Für Stefanie, meinen größten Fan. Alles Liebe Sam


Als sie das damals gelesen hatte, war sie feuerrot angelaufen und Sam hatte leise gelacht. Später hatte er ihr gesagt, dass das der Moment war, wo er sich in sie verliebt hätte. Bitter verzog sie den Mund. Sicher … das war wohl mehr der Moment gewesen, wo die Wette mit seinen Freunden entstanden war.

Mehr aus alter Gewohnheit heraus, trat sie nahe des Kopfendes des Bettes fest auf die Bodendiele und tatsächlich sprang das Brett hoch. Vorsichtig bückte sie sich und nahm ihr Tagebuch und die beiden Bilder von Sam aus dem kleinen Fach. Flüchtig blätterte sie durch das kleine Büchlein, bis ihr Blick plötzlich wie gebannt bei einem Datum hängen blieb. Es waren gut zwei Wochen nach dem Spiel der Ceredo Reeper's gegen eine andere Highschool gewesen und natürlich hatte Sam mit seiner Mannschaft haushoch gewonnen. Bei der ausgelassenen Feier danach, hatte sie den Wimpel bekommen.



20.Mai
Sam kam heute nach dem Training schnurstracks auf mein Versteck, hinter den Tribünen zu und grinste mich an. Woher wusste er nur, dass ich da saß und ihm, wie immer, beim Training zusah. Oh er ist so süß und sah so niedlich aus mit seinen Football Klamotten und der Bemalung im Gesicht. Er hat so schöne Augen und die strubbeligen langen schwarzen Haare waren unter einer Bandana weggesteckt. Er setzte sich einfach neben mich und sah mich nur an und dann meinte er, dass er mit mir ein Eis essen gehen will und ob ich auf ihn warten würde, bis er vom Duschen zurück ist. Ich sollte bei seiner Harley auf ihn warten.

Ich wollte so gerne, aber ich bekam kein Wort heraus und sah ihn nicht mal richtig an. Jedes mal wenn ich ja sagen wollte, wurde mir total warm und ich sah nur noch seine schönen Augen. Und dann kam Mandy an, diese blöde Kuh und suchte ihn und als sie ihn nicht fand schrie sie laut seinen Namen. Er sah mich dann enttäuscht an und ist wortlos gegangen. Ich hasse Mandy.


25.Mai
Sam stand plötzlich vor mir als ich das Stadion verließ, ich hab mich total erschreckt. Er trat einfach so aus dem Schatten neben dem kleinen Durchbruch, den ich immer benutze um ins Stadion zu kommen. Ich wäre fast in ihn hineingelaufen und bin total rot geworden und anstatt irgendetwas tolles zu sagen, stottere ich herum. Ich bin so blöde...

Er roch so gut und ist mehr als zwei Köpfe größer als ich, das war mir irgendwie nie so bewusst, weil er noch nie so dicht vor mir stand, wenn ich auch stand. Meist hab ich ja gesessen und er war weit weg und bei der Veranstaltung saß er ja mit allen an diesem Tisch.

Bevor er was sagen konnte, kam seine Schwester und zog ihn weg. Heylie, die doofe Kuh, hätte sie nicht was später oder gar nicht kommen können? Sie hat mich wütend angesehen und ist dann mit ihm weg. Ich frage mich, was er da am Durchbruch wollte und woher er wusste das ich da lang gehe. Ob er mich sehen wollte? Oder war er zufällig da?


28.Mai
Ich war gestern mit Sam auf seiner Harley unterwegs. Es war sooo toll. Er hatte mich am Durchbruch abgefangen und ohne ein Wort meine Hand genommen, zu seiner Harley gezogen und ist dann mit mir zum Fluss gefahren. Da hat er angehalten und wir haben uns auf die Wiese gesetzt. Er hatte sogar eine Decke mit und meinte grinsend, das ist, damit ich nicht auf dem Boden sitzen muss. Er ist so süß...


31.Mai
Sam hat mich geküsst … MICH! … einfach so, ganz vorsichtig. Ich kann es nicht fassen. Wir waren wieder am Fluss, haben herumgealbert und Spaß gehabt und er hat mir bei den Hausaufgaben geholfen und dann plötzlich beugt er sich vor und küsst mich. Mein erster Kuss, von Sam … Ich hatte tausend Schmetterlinge im Bauch. Ich wusste nicht, was ich machen sollte und hab ihn nur angesehen. Er hat mich erstaunt angeschaut und dann mit diesem süßen Grinsen gemeint, dass ich das Küssen noch lernen müsse, aber er es mir gerne zeigen will. Ich bin sooooo glücklich, er mag mich. Mich, nicht Mandy und er nennt mich immer Stevie, wie süß ist das denn bitte?


10.Juni
Ich hasse meine Mutter. Wie kann sie mir das antun und mir Hausarrest geben? Gestern hat ihr jemand gesagt, dass ich mich seit fast zwei Wochen heimlich mit Sam treffe und sie angelogen habe, wenn ich sage, dass ich bei Abby bin. Sie sagte, dass Sam zwanzig ist und viel zu alt für mich und sie es mir verbieten würde, mich weiter mit ihm zu treffen. ICH HASSE SIE … ich durfte Sam nicht mal anrufen und ihm das sagen. Sie hat bei den Clarkson's angerufen. Das ist so peinlich und ätzend. Sie gönnt mir Sam nicht. Dabei bin ich so glücklich wenn wir zusammen sind...
Hoffentlich bekommt Sam keinen Ärger von seinem Dad.


25.Juni
Heute durfte ich endlich wieder raus und bin zum Stadion geschlichen. Sam stand schon am Durchbruch und hat grinsend auf mich gewartet. Er hat mich geküsst und gemeint, dass er mich vermisst habe und immer zu meinem Versteck gucken musste, ob ich da bin. Sie können uns nicht trennen!!!!



Stefanie blätterte durch die nächsten Tage, sie war so glücklich gewesen und so verliebt. Auch wenn er sich niemals richtig mit ihr in der Öffentlichkeit gezeigt hatte. Gedankenverloren blickte sie auf den Eintrag von Anfang Juli, wo sie geschrieben hatte, dass er sie das erste mal berührt hatte, wie zufällig, flüchtig und wie er sie dann plötzlich in den Arm genommen hatte. Er war mit den Händen unter ihr Top geglitten, hatte sie gestreichelt und an sich gepresst, sie so wild geküsst, dass ihr schwindelig geworden war und hatte dann leise aufgestöhnt, bevor er sie losließ und blass einen Schritt zurück gegangen war. Sie hatte gedacht, dass sie etwas falsch gemacht hatte und hatte sich auf die Lippe gebissen und sich entschuldigt. Sam hatte sie erst erstaunt und dann lächelnd angesehen und dann kurz die Augen geschlossen, bevor er sie erneut kurz küsste und meinte, dass sie absolut nichts falsch machen könnte und es an ihm lag. Dabei hatte er sie so seltsam angesehen. Damals hatte sie es nicht verstanden, doch wenn sie jetzt an diesen Moment dachte, wusste sie, das er mit ihr hatte schlafen wollen.


26.Juli
Ich bin so nervös. Sam will mit mir am Wochenende zelten gehen, unten am Fluss, aber etwas weiter hinten am Waldrand, wo nie jemand hingeht. Ich soll mir eine Ausrede für meine Eltern ausdenken. Er sagt einfach, dass er mit einigen Freunden auf Tour geht. Ob er mit mir schlafen will? Wir haben ja schon öfters mal gekuschelt, aber sind nie weiter gegangen. Er wusste wohl, dass ich Angst habe. Ich möchte es ja auch, aber ich hab immer noch Angst. Er ist erfahren und ich bin so dumm … ich habe ewig gebraucht, um ihn nur anzufassen, weil ich nicht wusste wie und mich auch nicht getraut habe. Aber Sam ist so süß und geduldig, ich liebe ihn so sehr...



Langsam blätterte sie die Seite um, sie wusste, dass danach der letzte Eintrag kommen würde, am morgen bevor sie mit Sam zum Fluss gefahren war, um dort für ein langes Wochenende zu zelten. Abby hatte ihr geholfen, dass sie aus dem Haus konnte und mit ihr zusammen ihre Mutter bearbeitet, dass Stefanie angeblich das Wochenende bei Abby, auf der anderen Seite der Stadt verbringen würde. Lernen und Kino, nach unendlich langer Zeit hatte ihre, Stefanies Mutter, schließlich eingewilligt.


5.August
Ferien … endlich.
Heute Nachmittag werde ich mit Sam zum Campen fahren, ich bin so aufgeregt. Abby ist die einzige die alles mit Sam weiß. Sie hat schon mit Matt geschlafen und war mit mir heimlich in der Nachbarstadt, um hübsche Dessous zu kaufen. Sie meinte entweder alles oder nix und eine hübsche Verpackung sollte schon sein. Ich hab mein Taschengeld von einem halben Jahr ausgegeben. Das ist alles so teuer, aber dafür wunderschön … ich hoffe, dass Sam die Sachen gefallen werden. Ich weiß, dass es dieses Wochenende soweit sein wird. Ich werde endlich ganz mit ihm zusammen sein. Er hat zwar nichts gesagt oder angedeutet, doch Abby meinte, warum er sonst mit mir wegfahren und ein ganzes Wochenende alleine sein wollte und ich sollte nicht vergessen, dass er ein Mann ist und kein Junge. Damit hat sie mich daran erinnert, dass er schon Erfahrung hat, … denke ich zumindest. Er ist schließlich zwanzig. Gott ich hoffe, ich enttäusche ihn nicht zu sehr. Er hat bestimmt schon oft mit Mandy geschlafen, die beiden waren schließlich jahrelang ein Paar. Sam meinte einmal zu mir, dass das mit Mandy nichts ernstes ist, sondern nur um das Ansehen der Schule und die Aufmerksamkeit er Leute geht, wenn der Quarterback mit der Anführerin der Cheerleader zusammen ist. Aber trotzdem weiß ich, dass sie auch miteinander geschlafen haben. Schließlich hat Mandy immer davon in ihrer Clique und bei den Cheerleadern angegeben, wenn sie wieder mit Sam alleine gewesen war und hatte sich nicht nehmen lassen davon zu erzählen. Die ist achtzehn und so doof, echt mal. Ich werde bestimmt keiner anderen erzählen wie lieb und toll und ausdauernd und einfallsreich mein Freund ist. Ich habe die Blicke gesehen, die die anderen Mädchen Sam immer nach einer solchen Erzählung zugeworfen haben, hab ihr Getuschel gehört... Jede wäre gerne an Mandy's stelle gewesen und wollte mit Sam schlafen.




Gedankenverloren sah Stefanie aus dem Fenster, die Straße hinunter. In einiger Entfernung floss der Ohio River und an manchen Tagen, so wie heute, hatte man das Gefühl das Wasser zu riechen. Und mit dem Geruch des Flusses kam die Erinnerung an das Wochenende mit Sam am Fluss unten. Der Abschluss der schönsten Zeit in ihrem Leben, bevor in ihr alles zerbrochen war. Ob Sam manchmal an die kleine pummelige Stefanie dachte? Oder hatte er nach ihrem verschwinden Mandy geheiratet, was alle von ihm erwartet hatten, schließlich waren sie ein wunderschönes Paar gewesen und niemand hatte das mit ihnen beiden gewusst. Ohne es zu merken liefen wieder die Tränen über ihr Gesicht.

Heute wusste sie, dass alles was er getan hatte, nur einem Ziel gedient hatte. Sie zu demütigen und ihr die Jungfräulichkeit zu rauben, um sich dann über die dicke Stefanie lustig zu machen, die wirklich geglaubt hatte, dass der beliebteste Junge der Schule, Held und Star des Football Teams und zudem angehender NFL Auslesestar sich in sie verliebt haben könnte. Sie war damals so dumm gewesen, so verdammt leichtgläubig. Kopfschüttelnd wollte sie die Gedanken vertreiben, doch unweigerlich kehrten sie zu dem Wochenende zurück.



„Hm? Was denkst Du, kleine Stevie?“ Sam war unbemerkt hinter sie getreten und hatte die Arme um sie gelegt. Sanft küsste er ihren Haare und Stefanie erschauerte, als sie seine Lippen und seinen Atem spürte.

Es war der zweite Abend von dem Wochenende und bis jetzt war nichts passiert. Sie waren schwimmen, grillten und genossen einfach nur das Zusammensein. Gestern spätabends war sie eng an ihn gekuschelt eingeschlafen, umschlungen von seinen Armen und mit seinem Herzschlag am Ohr. Kurz vor dem einschlafen hatte sie eine leichte Enttäuschung gespürt, dass er scheinbar doch nicht mehr wollte. Wollte er sie nur als Freundin? War sie ihm als 'seine' Freundin doch zu dick?

„Ich denke gerade gar nicht und bin einfach nur glücklich“ Langsam hatte sie sich in seinem Arm umgedreht und die Arme um seine Hüften gelegt. Sie sah zu ihm hoch und plötzlich verstand sie warum er zögerte, er wollte dass es von ihr kam, oder nicht? Vorsichtig ließ sie ihre Hände unter sein Shirt gleiten und streichelte sanft seinen Rücken, ganz leicht fuhr sie mit ihren Fingernägeln über seine Haut, sah wie seine Augen dunkel wurden und spürte die Gänsehaut die über seinen Rücken lief.

„Stevie...“ leise hauchte er ihren Namen und senkte langsam seinen Kopf um sie zu küssen. Seine unglaublich tiefe Stimme, eigentlich viel zu tief für sein Alter, mit dem leicht rauen Klang, jagte durch ihren Körper, erreichte jede Ecke ihrer Seele und sie spürte wie ihr Herz wie verrückt anfing zu rasen. Zitternd schmiegte sie sich an ihn und spürte wie seine Arme sie noch enger umschlossen und sie festhielten. Zart, sanft und doch kräftig, unnachgiebig.

„Stevie...“ wieder flüsterte er nur ihren Namen, als er den Kopf nach einiger Zeit wieder hob und sie ansah, fragend, abwartend während er sie gleichzeitig vorsichtig streichelte. „...Baby, Du … ich...“ Er schloss die Augen, bevor er sie erneut küsst und sie dann wieder ansah „...wenn Du jetzt nicht aufhörst oder stopp sagst...“ Er ließ den Rest des Satzes offen und Stefanie wusste was er sagen wollte.

Nie hatte sie etwas mehr gewollt als jetzt mit ihm zusammen zu sein, sie spürte das es richtig war, langsam zog sie seinen Kopf zu sich hinunter und biss ihm frech in die Unterlippe. Seine so wunderschönen leuchtenden hellgrünen Augen weiteten sich kurz, bevor er sie erneut schloss und stürmisch ihren Mund eroberte.




Draußen donnerte eine schwere Maschine vorbei und holte Stefanie zurück in die Wirklichkeit. Entschieden packte sie das Buch wieder in das Fach, bevor sie mit einem letzten Blick auf Sam, die Fotos dazu packte und es wieder verschloss. All das Sanfte, das angebliche Zögern, alles war nur ein teil seines Spiels gewesen. Er hatte sie nie wirklich gewollt und doch musste Stefanie sein Durchhaltevermögen bewundern. Er hatte sich lange Zeit gelassen sie in Sicherheit zu wiegen und dann die Falle zuschnappen zu lassen. Selbst die Männer, die heutzutage unbedingt ein Date mit ihr wollten, gaben spätestens nach einem Monat auf, wenn sie keinen Schritt bei ihr weiterkamen. Sam hatte das Spielchen zweieinhalb Monate durchgezogen.
...Er ist nicht umsonst Quarterback gewesen, nicht wahr? Der Spielmacher, jemand der schon fünf Züge voraus plante, bevor überhaupt etwas passierte...


Entschlossen stand sie auf und verließ das Zimmer ihrer Kindheit und Jugend. Sie war eine erwachsene Frau von dreißig Jahren und musste entscheiden was mit dem Haus und der Werkstatt geschah. Sie hatte ihr Leben in Houston, war eine gefragte Motorrad-Spezialistin und hatte schon für diverse Rennfahrer gearbeitet. Sie würde bestimmt nicht hierher zurück kehren, in eine verdammte Kleinstadt, wo das aufregendste Gespräch das war, wenn man über den Nachbarn herzog oder sich in die Leben der anderen einmischte. Und ganz sicher würde sie es sich nicht antun, zu sehen wie Sam vielleicht Mandy geheiratet hatte. Obwohl er ihr mittlerweile natürlich völlig egal war.

„Vielleicht wiegt er ja jetzt zweihundert Kilo, hat eine Glatze, fünf Kinder und eine unzufriedene Ehefrau.“
...das glaubst Du ernsthaft? Er ist jetzt fünfunddreißig, wahrscheinlich auf dem Höhepunkt seiner Karriere...

Stefanie schüttelte den Kopf, sie hatte absichtlich, seit ihrem fortgehen, jegliche Berührung mit ihrem Lieblingssport vermieden. Sie wollte ihn nicht irgendwo spielen sehen, das hätte sie nur wieder aus der Bahn geworfen. Es war schwer gewesen, doch mit der Zeit hatte sie gelernt alles zu vermeiden und zu ignorieren was irgendwie mit Football zu tun hatte. Morgen würde sie sich mit dem verdammten Anwalt treffen und dann würde sie dieser verfluchten Stadt erneut und für immer den Rücken kehren und niemals wieder zurück sehen.