My irish Forever | N.H. (4)

von p-sabrina
GeschichteDrama, Romanze / P16
Niall Horan OC (Own Character)
26.04.2019
11.10.2019
20
47621
3
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
Es tat nur halb so weh, als wie ich es mir in meiner Vorstellung ausgemalt hatte. Ruhig beobachtete ich die Nadel und lauschte dem zierenden Geräusch. Nach und nach verschmierte sich die schwarze Tinte mit dem austretenden Blut. Die Farbe unter meiner Haut wurde sekündlich dunkler, sodass ich schon bald die drei kleinen Vögel in voller Pracht an meinem Handgelenk sehen konnte.

"Ist nicht so schlimm oder?", fragte mich Matt, als er mir mit einem Tuch die überschüssige Tinte wegwischte und die Nadel wieder ansetzte.

Ich schüttelte den Kopf. "Nein, ich dachte, es wäre schlimmer."

Matt grinste zufrieden: "Braves Mädchen."

So sah ich zu, wie Matt das Kunstwerk an meiner Haut fertigstellte. Stich für Stich kam das Kunstwerk an meiner Haut zum Leben. Ich musste lange mit mir Ringen. Ich hatte schiss vor den Schmerzen und weniger davor, dass es für immer war. Aber als ich Matts volle Arme sah, den Totenkopf an seiner Brust und die neue Joker Karte an seinen Rückenblatt, war es um mich geschehen. Den Gedanken an eines hatte ich außerdem schon länger. Und was hielt mich auf es nicht zu tun?

Ich wollte das und ich brauchte es. Einfach etwas das für mich bildlich eine veränderung von mir selbst darstellte. Die alte Amara hätte sich das nicht getraut. Die Neue war anders, sie war mutiger.

"Deine Mutter wird dich vermutlichen killen", meinte Matt beiläufig.

"Vielen Dank, dass du mich daran erinnern musstest." Ich biss mir auf die Lippe und versuchte nicht zu lachen. Ein verstochenens Tattoo würde ihr Gemüt nur noch schlechter Stimmen. Aber eigentlich konnte mit das ja egal sein. Schließlich war ich kein kleines Mädchen mehr.

Nachdem Stechen und Säubern der Wunde trug er mir eine kühlende Salbe auf. Die Stelle, an der ich soeben mein erstes Tattoo bekommen hatte, schwoll an. Es brennte etwas, aber ich glaubte, dass die Salbe tatsächlich etwas half.

"Die Folie solltest du später runternehmen. Deine Haut muss atmen. Okay?", sagte Matt belehrend. Ich freute mich, dass er diesen Job wirklich machen durfte. Ich konnte mich noch genau erinnern, wie er mir von seiner Idee erzählte in einem solchem Studio zu arbeiten.

"Okay und vielen Dank. Es sieht super aus. Ich bin froh, dass ich mich wirklich getraut habe." Ich stieg vom Stuhl runter und hob meine kleine Handtasche vom Boden auf.

Matt zog sich die Handschuhe aus und entsorgte sie in einem kleinen Kübel neben seinem Bein. Er rutschte mit dem Stuhl nach hinten und stand auf. "Hey, bei mir musst du dich nicht bedanken. Ich versuche bei jedem Kunden das beste Ergebnis zu erzielen. Immerhin hält diese Kunst für immer. Und ... ich werde bezahlt."

"Danke trotzdem." Matt schmunzelte und begleitete mich zur Kasse. Ich gab ihm mehr Trinkgeld als ich es normalerweise tat. Er hatte wirklich tolle Arbeit geleistet und das sollte belohnt werden. Das Geld für dieses Tattoo hatte ich mir außerdem schon etwas länger zur Seite gelegt, weil ich dachte, dass es teurer sein würde.

"Wann sehen wir uns später?" Ich steckte meine Geldbörse zurück in meine Tasche.

"Ich habe hier noch eine Weile zu tun." Er sah hinter mir vorbei auf die wartenden Kunden. "Aber um vier möchte ich spätestens versuchen mich vom Acker zu machen. Geht das klar?"

"Okay. Bis später Matt." Ich verabschiedete mich mit einem Küsschen auf die Wange. Dann verließ ich das Tattoo-Studio, in dem Matt seit knapp vier Jahren arbeitete und ging auf den Parkplatz zu meinen blauen VW. Ich schmiss meine Tasche auf den Beifahrersitz und gurtete mich an. Von der Ablage kramte ich meine schwarze Sonnenbrille. Heute schien die Sonne wieder besonders hell und die Straße blendete, da es erst kurz zuvor zum Regnen aufgehört hatte. Einmal noch starrte ich auf mein Handgelenk, bevor ich den Motor startete und aus Dublin hinausfuhr. Ich brauchte eine Stunde, bis ich in Mullingar ankam. Auf der Straße war es wie üblich ruhig. In der Einfahrt von Mums und Bobbys Haus stand ein weiterer Wagen, bei dem es sich um das Auto von Denise und Gregor handelte. Ich wusste nicht, dass auch die Beiden heute hier sein würden.

Ich parkte meinen Wagen ab und richtete mir mit Hilfe des Rückspiegels mein schulterlanges Haar. Meine neue Frisur fühlte sich noch etwas unangenehm an, aber es hatte auch gute Seiten. Meine Haare waren zum Beispiel schneller trocken, ich verbrauchte weniger Shampoo und es war deutlich kühler. Mit meinem Bein drückte ich die Tür meines Wagens auf, rekelte mich noch einmal hinein und nahm meine Tasche vom Beifahrersitz. Ich strich mein hellblaues Kleid glatt, das sich dadurch zerknittert hatte. Man konnte wirklich behaupten, dass ich heute jemand komplett anderes war. Damals war ich eine zwanzigjährige naive junge Frau, die irgendwie versuchte Fuß in der Welt zu fassen und in ein Fettnäpfchen nach dem anderen trat. Heute zog ich, obwohl ich eigentlich immer strikt dagegen war, Kleider an. Ich musste zugeben, dass ich es im Sommer eigentlich angenehm fand und außerdem war man schneller beim An- und Ausziehen. Mein langes Haar ließ ich mir erst vor zwei Wochen kürzen. So kurzes Haar hatte ich zuletzt als kleines Mädchen. Ich liebte meine langen Haare einfach über alles, aber ich war bereit für eine Veränderung. Das einzige an dem ich noch arbeiten musste war meine berufliche Laufbahn, denn da lief es alles andere als gut.

Insgesamt klingelte ich genau zweimal, bis mir von einem kleinen Jungen mit roten Bäckchen die Tür geöffnet wurde.

"Tante Amara!" Theo schlug die Tür weit auf und umarmte mich. Ich wuschelte ihm durch sein helles Haar. "Hallo, mein Kleiner. Wie geht es dir?"

"Gut, aber Schule nervt. Ich habe immer so viele Hausaufgaben. Mum lässt mich auch erst raus, wenn ich sie gemacht habe." Schmollend verschränkte er die Arme. "Jake darf den ganzen Tag spielen. Das ist unfair!" Er schob die Unterlippe vor.

"Jake ist aber auch fünf Jahre junger als du. Irgendwann muss er auch in die Schule gehen und lernen."

Theo trat einen Schritt zurück. "Hm, ich weiß nicht. Es ist trotzdem unfair."

"Lass uns doch mal hineingehen, Theo." Sanft schob ich ihn mit der Hand zurück ins Haus und schloss hinter uns die Tür. Theo lief voraus in die Richtung des Gartens. Ich zog den weißen Vorhang zur Seite und trat auf die Terrasse hinaus. Auf dem großen Gartentisch unter einem Sonnenschirm saß meine Familie.

"Hey", grüßte ich in die Runde. Denise stand auf und zog mich in eine Umarmung, die mit Küsschen rechts und links endete. Gregor umarmte mich zum Gruß ebenfalls und Bobby drückte mir einen Kuss auf die Wange. Meine Mutter war die letzte die mich begrüßte, da sie etwas abseits mit Jake Erdbeeren pflückte.

"Amara, mein Schatz!", rief sie winkend.

"Hallo Mum." Ich winkte ihr ebenfalls. Und auch der kleine Jake drehte sich um, um mir zu winken. Dann streckte er die Hand aus, um mir von der Ferne die Erdbeere zu zeigen, die er in der Hand hielt.

"Amara was möchtest du trinken?", fragte mich Bobby. Ich setzte mich auf den freien Stuhl rechts von Gregor.

"Irgendetwas Kaltes. Wasser würde mir schon reichen."

Bobby nickte und stand auf um mir mein Getränk zu holen. Ich hätte es mir auch selber holen können, aber ich wusste, dass Bobby nicht lange mit mir darüber diskutieren würde. Von meinem Platz aus hatte ich den Garten gut in Übersicht. Mum und Jake standen noch bei den Erdbeeren und Theo zog sich gerade seine Kleidung aus. Er schmiss sie achtlos auf den Boden, nahm Anlauf und sprang in den Pool. Und am Rasen flitzte Flash, der drei Monate alte Golden Retriever Welpe, herum. Er wälzte sich im Gras und verfolgte einen Schmetterling.

"Amara hast du da etwa ... ein Tattoo?" Denises Stimme riss mich aus den Gedanken. Ich hob meinen Arm hoch und streckte ihn ihr zu. "Ähm ja. Ich habe es mir heute stechen lassen. Matt hat es mir gemacht."

"Wow, das sieht sehr schön aus", meinte sie lächelnd.

"Dankeschön." Ich zog meinen Arm zurück und nahm Bobby mein Glas ab, da er gerade zurückkam. Auch er sah die schwarze Tinte an meinem Handgelenk.

"Das geht nie wieder weg, das weißt du, oder?"

Ich lachte ein bisschen. "Ja, natürlich weiß ich das." Dachte er wirklich ich ließ mir einfach ein Tattoo stechen, ohne zu wissen, dass es für immer war?

Bobby setzte sich gegenüber von mir nieder und zuckte mit der Schulter. "Ich wollte es nur erwähnt haben."

Hand in Hand kam Mum mit Jake zurück an den Tisch. Jake ist sehr schüchtern, deshalb wunderte es mich nicht, dass er sich hinter dem Bein meiner Mutter versteckte und mir von weiter weg die geöffnete Hand mit der roten Frucht anbot. Er erinnerte mich sehr an Theo in seinem Alter. Unsere erste Begegnung verlief auch so.

"Ist die Erdbeere etwa für mich?"

Er nickte und beobachtete mich skeptisch. Ich streckte meiner Hand nach seiner und nahm ihn dankend die Beere ab. "Die schaut wirklich lecker aus." Ich zupfte den Stiel und die grünen Blätter vom Ende und nahm sie in den Mund. Die Beere war nicht so süß, wie ich gehofft hatte. Aber ich aß sie trotzdem und tat, als wäre es die Beste und süßeste Erdbeere, die ich jemals gegessen hatte. "Das war sehr lecker. Dankeschön."

Jake lächelte zufrieden und lief anschließend hinter unseren Stühlen in die Arme seiner Mutter Denise. Sie nahm ihm auf den Schoss hoch und gab ihn etwas zum Trinken. Mir bliebt auch nichts anderes übrig, als mein Kunstwerk noch meiner Mutter vorzuführen. Ganz anders als erwartete, meinte sie, dass es ihr gefiel und sie mir nicht zugetraut hätte ein Tattoo zu bekommen. Ich dachte eher, sie würde mir eine Predigt vorhalten. Mit meinen fünfundzwanzig Jahren sollte ich mir darüber eigentlich keine Gedanken mehr machen müssen, aber bei ihr war ich mir da einfach nie sicher. Wie schon erwähnt, ich war alt genug, meine eigenen Entscheindungen zu treffen und ihre Meinung sollte mich nicht kümmern, aber schlussendlich blieb sie doch meine Mutter und ihre Meinung wird leider immer zählen.

Mum saß gegenüber von mir. Sie nippte an ihrem Sektglas und schnitt Grimassen in Jakes Richtung. Ihm gefiel es, denn sein Lachen war laut und fröhlich. Dann wurde sie wieder etwas ernster und sprach mich direkt an: "Wann lädst du uns endlich zu dir nach Hause ein, Amara? Ich konnte verstehen, dass du nach dem Studium nicht wieder hier einziehen wolltest, aber du weißt, du hättest hier immer einen Platz am Tisch."

"Ja, das weiß ich. Und danke, aber ich möchte dich und Bobby nicht belästigen. Ihr wollt doch bestimmt auch eure Ruhe haben", erwiderte ich und hoffte, sie würde das Thema fallen lassen.

Mum lehnte sich mit dem Ellbogen am Tisch ab. Verträumt seufzte sie vor sich hin. "Ich hätte dir wirklich gerne über die Schultern geschaut, wenn du das erste Mal die Arbeiten deiner Klasse korrigiert hättest. Ah herrje, ich kann mich noch ganz genau an deinen ersten Schultag erinnern ... Ich habe dir ein süßes rotes Marienkäfer Kleid angezogen. Auf deiner Schultasche war Minnie Mouse aufgedruckt und die Schultüte war fast so groß wie du. Irgendwo habe ich noch ein Foto davon ..."

Sie meinte das Foto, das gemacht wurde, bevor Grandma mir die Schultüte wegnahm und mir aus gesunderer Variante einen Obstkorb schenkte. Ja, auch ich konnte mich noch daran erinnern, als meine Schokolade gegen Mangos, Avocados und Bananen getauscht wurde. Ein Traum für jedes Kind in diesem Alter.

"So interessant wäre das auch wieder nicht", tat ich die Sache ab. "Außerdem bräuchte ich dazu erstmals einen Platz an einer Schule. Eine gute Stelle zu finden, ist hier nicht sonderlich leicht."

Bobby klopfte mir aufmunternd auf die Schulter. "Wir glauben an dich. Du bekommst das bestimmt hin."

Na, wenn die nur wüssten.

Greg und Denise machten sich mit den Kindern schon etwas früher auf den Weg nach Hause. Ich half Mum und Bobby beim Wegräumen und ging anschließend mit Flash spazieren. Um kurz nach vier brach ich nach Hause auf.

Kinnegad, die Landstadt knapp zwanzig Kilometer von Mullingar entfernt, war mein neues Zuhause. Die Stadt war überörtlich ohne viel Bedeutung. Die Einwohnerzahl betrug um die vierhundert. Sie bot aber eine gute Autobahnauffahrt, an der man rasch nach Mullingar oder Dublin kam. Die Wohnung im zweiten Stock eines Mehrparteienhaus, war klein und fein und ... gehörte nicht mir.

Die Tür zwickte etwas, sodass man beim Aufsperren immer erst etwas daran ruckeln musste, bis sie aufging. Schnaufend, da mich die Hitze in diesem Kessel immer wieder auf das neue überraschte, wedelte ich mir mit der Hand Luft zu und drückte dabei die Wohnungstür mit dem Fuß zu.

"Du bist schon da?", stellte ich fest. Matt kam mit kurzer Sporthose und ohne Shirt aus dem Badezimmer. Dann schnappte er sich ein rotes ärmelloses Shirt, dass auf der Couch lag. Inzwischen hatte ich mich bereits an den göttlichen Anblick gewöhnt, den mir dieser Typ jedes Mal wieder bat.

Matt nickte, drehte sich zum Kühlschrank und nahm zwei kleine Wasserflaschen heraus. "Ja, ich habe doch gesagt um vier Uhr will ich abhauen. Und jetzt husch", er deutete auf die Badezimmertür. "Zieh dich um. Wir wollen doch los."

---------------
Lasst das Ende beginnen ...
Review schreiben