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Askjell und sein Glück

KurzgeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P12 / Gen
24.04.2019
24.04.2019
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3.811
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(Kurze Info: Diese Geschichte schrieb ich für meine Freundin Sandra zu ihrem 26 Geburtstag. Sie ist eine sehr Naturverbundene Frau und steht auf Fabelwesen. Da mir dieses Märchen gefiel lud ich es hoch. Viel spass beim Lesen! LG: Zora)


Vor langer Zeit lebte ein kleiner, grummeliger Kobold namens Askjell, tief im verzauberten Mythenwald. Er lebte allein in einem mit Moos überwachsenem, grossen Baumstumpf. Eigendlich gefiel es dem Kobold darin, auch wenn er sich oftmals ein prunkvolles Baumhaus wünschte. Askjell führte ein einfaches Leben. Sein essen besorgte er sich selbst, was auch nicht schwer war da sich der Kobold fast nur von pflanzlichem ernährte. Er pflegte ein kleines Gärtchen neben seiner Behausung. Von Kräuter die er zu wirksamen Salben verarbeitete, bis zu Gemüse aus denen er tagtäglich Suppe kochte. Zum Glück gab es im Mythenwald nie harte Winter zu überstehen. Der Schnee blieb höchstens eine Woche auf seinem kleinen Acker liegen, was sehr praktisch war. So musste der Kobold nie Nahrungsmittel einmachen und ihm blieb sehr viel Arbeit ersparrt. Er hütete ein Schaf namens Elisa und einen Bock namens Emil, die ihm Wolle für seine Kleidung und Milch für Käse lieferten. Die Schafe waren freie Wesen denn Askjell zäunte sie nicht ein und band sie auch nicht fest. Trozdem blieben die Tiere treu bei ihm. Er war der überzeugung, dass Elisa viel bessere Milch gäbe wenn es sich frei fühlte. Als Askjel eines Morgens aus der Laub gefüllten Bettdecke kroch, ärgerte es ihn seinen alltäglichen und langweiligen Arbeiten nachzugehen. Er schaute sich mit müden Augen in seinem Häuschen um.
"Wieder so ein Tag.", seufzte er laut klangend vor sich hin. Seine Stimme erinnerte an eine alte, heisere Krähe die vor lauter Gebrüll in der vergangenheit, langsam aber sicher ihren Sang verlor. Verschlafen schlurfte er vor seinen Braukessel in dem sich noch eine kleine Portion von der gestrigen Suppe herauslöffeln liess. Er rümpfte zwar die krumme Nase - man sah ihr beinahe keinen Unterschied zu vorhin an - aber ass trotzdem ein, zwei bissen der Kartoffelbrühe.
"Langsam habe ich diese verflixten Erdäpfel satt!", meckerte er Gedanklich und wandte sich vom Essen ab. Askjell entschied sich dazu als erstes zum Fjällräven Bach zu gehen, von dem er sich Wasser für die nächsten paar Tage besorgen wollte. Er zog sich seine grüne Weste an und setzte seinen Filzhut auf. Er trug Hosen aus Baumwolle die ihm ein Händler vor einiger Zeit zusammen mit seiner Wildledertasche für drei Goldstücke verkaufte. Es war selten, dass sich Askjell etwas leistete, da er nur schwer an Gold herankam und nur wenig ersparrtes bessas. Als junger Kobold verdiente er ein kleines Vermögen am Königshof, indem er für den König Maximillian, den Trottel spielte, herumtanzte und dumme Witze riss. Die Stadt neben dem Wald hiess Fuchssturm. Die Menschen kamen nur selten in den Mythenwald, sie hatten angst vor den Fabelwesen die dort herumschlichen. Dabei war dies eine Fehlinformation. Die einzigen gefährlichen Kreaturen dieser Welt, waren die Menschen selbst. Askjell lief den Weg richtung Norden um an den Bach zu gelangen. Die Sonne schien und der Kobold war froh langsam aber sicher das Gewässer zu erreichen, denn er wurde durstig. Es war ein Stunden marsch den er hinter sich legte und immer tiefer in den Mythenwald ging. Unterwegs begegnete ihm nur ein Hase der, als er Askjell erblickte, schnell weiter hoppelte. Er liebte die Stille des Waldes, die einzigen geräusche die er wahrnam waren das Rauschen des Windes der durch die Blätter zog, die Vögel die glücklich lieder zwitscherten und das Tosen vom Bach an den er immer näher kam. Er kramte aus seiner Tasche eine seiner Lederflaschen. Er füllte sie bis zum Rand und trank darauf die ganze Flasche leer. Er genoss den Geschmack des klaren Wassers. Askjell konnte sich nichts erfrischenderes vorstellen. Nachdem er alle sechs Flaschen auffüllte ging er einige Schritte dem Bach entlang. Er kam an eine Stelle an der sich das Wasser staute und er blickte sein Spiegelbild an. Er sah einen alten Kobold der ihn grimmig anstarrte. Seine grünliche Haut lag in Falten. Die braungrünen Augen wirkten müde und leer. Askjell war für einen Kobold recht gross doch im vergleich zu den Menschen war er klein. Man sah ihm seine hundert Jahre an, denn seine Haare wurden Grau und fielen immer mehr aus. Dafür passte sein Filzhut immer besser zu ihm. Er lächelte die Gestalt im Spiegelbild an und diese verzog ihr Gesicht zu einer Grimasse. Askjell seufzte und war im Begriff wieder nachhause zu gehen. Doch da veränderten sich die Augen im Wasser und leuchteten gefährlich gelb auf. Er erschreckte als er eine Fratze wahrnam, die aber nicht seine war. Er sprang auf und fiel auf den Schlammboden als etwas aus dem Wasser auftauchte. Es war eine Wassernixe die ihn auslachte und böse angrinste. Der Kobold hörte in der Vergangenheit von diesen tückischen Wesen, machte aber nie bekanntschaft mit einer.
"Seid gegrüsst alter Kobold.", sprach sie und ihre Stimme war noch angenehmer als ihr Aussehen. Sie war schön auch wenn sie an einen Fisch erinnerte, mit ihren Kiemen und Schimmhäutem zwischen den Fingern. Ihre Haut war grau und straff. Sie sah sehr jung aus. Die langen, schwarzen Haare klebten an ihrem Körper und verdeckten ihre nackte Haut.
"Warum seid ihr so traurig?", fragte sie und Askjell konnte einen Blick auf ihre Fangzähne erhaschen.
Sein Gesicht verzog sich vom erstaunten Antlitz zur bitteren Mine.
"Ich bin es leid so zu leben.", sprach er, erhob sich aus dem Matsch und wischte den Schmutz von seinem Gessäs.
"Ihr habt doch alles was ihr braucht. Warum seid ihr damit unzufrieden?",
"Mein Leben ist eintönig. Wisset, ich mache jeden Tag dasselbe.",
"Begehrt ihr also Veränderung?", fragte die Nixe und ihre gelben Augen funkelten auf.
"Ja.", antwortete der Kobold und erschauderte ab ihrem Gesichtsausdruck der ihm nicht ganz geheuer war.
"Heute ist euer Glückstag. Ich bin keine gewöhnliche Wassernixe.",
"Warum denn?", fragte er verwirrt.
"Ich habe die Gabe Wünsche zu erfüllen.",
Askjel schüttelte den Kopf. Er war sich bewusst, dass man solchen Wesen nicht vertrauen darf.
"Ich gewähre euch vier Wünsche.",
"Was wollt ihr im Gegenzug?", hörte sich der Kobold fragen obwohl er keine Abmachung mit der Nixe treffen wollte.
"Ich verlange nur einen Kuss.",
"Das ist alles?"
Sie nickte finster.
"Einen Kuss gegen Wünsche.",
Askjel nickte ebenfalls.
"Also steht dieser Pakt?"
Der Kobold tratt unsicher von einem Fuss auf den anderen. Dieses Angebot war viel zu verlockend um es abzulehnen. Er blickte der Wassernixe in ihre furchterregenden Augen und diese Wank ihn zu ihr. Er kniete sich vor ihr hin und bückte sich zögerlich nach vorne. Die Nixe packte den Kobold am Hals und erhielt ihren Kuss. Es war nicht so eklig wie er es sich vorstellte. Das einzige was ihm unangenehm war, war ihre nasse Haut. Ihm wurde einwenig schwindelig und schlecht als sie ihn wieder losliess.
"Nun zu deinen Wünschen Kobold. Sagt mir was euer Herz begehrt."
Askjel musste nicht lange überlegen, er wusste was ihm fehlte.
"Ich wünsche mir, dass mein Baumstumpf ein grosses Baumhaus ist. Ich wünsche mir darin eine Kammer zum bärsten voll mit Goldstücken und einen Tisch der jeden Tag mit köstlichem Essen gedeckt ist."
Die Nixe lächelte:
"Wenn ihr zurück zu eurer Behausung geht, werdet ihr alles wie abgemacht vorfinden."
Askjell bedankte sich bei der Nixe, trozdem hatte er ein ungutes Gefühl in seinem Innern. Auf dem Weg zurück machte er sich Gedanken und war sich sicher, dass die Wassernixe ihn nur um einen Kuss betrog. Dies war zwar weiter nicht schlimm, schliesslich war es nur ein Kuss, mehr nicht. Schon von weitem erblickte Askjell eine mächtige Eiche, die sich an der Stelle wo sich sein Baumstumpf befand, über die anderen Bäume emporstreckte. Sein Schritttempo steigerte sich sofort und er rannte beinahe zu seinem neuen Haus. Sein Garten war immer noch da, nur grösser. Seine Schafe standen plözlich in einem Stall und blöckten fröhlich vor sich hin. Als er seinen Hals reckte und dem grossen, starken Baumstamm der Eiche hoch blickte verschlug es ihm den Atem. Eine Treppe führte im Kreis nach oben um den Baumstamm - also wie eine Wendeltreppe -  und endete vor der grossen Haustür. Der alte Kobold stieg aufgeregt die Stufen hoch und betrat einen grossen Raum. Askjel kam aus dem Staunen fast garnicht mehr raus. Drinnen war es hell und sauber. Der Vorraum war ein Wohnzimmer mit Küche. Es standen nagelneue Küchenschränke bereit, einen blitzblanken Gusseisenkessel glühte über der grossen Feuerstelle, ein langer Tisch bedeckt mit vielen köstlichkeiten stand in der Mitte des Raumes. Von Gebäck, Bratkartoffeln bis zu teurem Wein war alles bereitgestellt. Das Mal war so frisch, dass es noch dampfte. Ein bequemes Sofa stand vor einem Kamin. Vollgestopfte Bücherregale verzierten die Wände. Am anderen Ende des Wohnzimmers entdeckte Askjell eine weitere Treppe die zu einem Gang führten. Hinter den Türen befand sich ein Schlafzimmer. Darin waren Schränke gefüllt mit den schönsten, edelsten Kleider die der Kobold jemals gesehen hatte. Als sich Askjell in sein königliches Bett legte und sich hinein kuschelte lachte er glücklich. Es fühlte sich wie eine Wolke an.
"Dies wird mein Rücken bestimmt lieben.", dachte er fröhlich. Er erkundete sein Haus weiter. Da war zum Beispiel eine Werkstatt für Kunst oder Handarbeit. Ein Zimmer mit Geigen, einem Konzertflügel und jeglichen anderen Instrumenten gab es auch, was ihm aber nicht viel nützte, da Askjell nie gelernt hatte Musik zu machen. Er fand seine Kammer voll Gold und war fasziniert wie die Münzen verlockend glitzerten. Er nahm eine Handvoll und liess sie klimpern. Er verliebte sich sofort in ihren Klang. Es war also alles da wie versprochen, sogar noch besser als es sich der Kobold vorstellte. Askjel war überglücklich. Nur quälte ihn immer noch dieses komische Schwindelgefühl.
"Ich habe sicher Hunger.", dachte er sich. Er ging zurück in sein neues, prachtvolles Wohnzimmer, setze sich an seinen Tisch und nahm sich als erstes ein grosses stück Apfelkuchen. Er biss gierig hinein und war im gleichen Moment ein wenig enttäuscht. Es schmeckte irgendwie fahl. Er liess das Kuchenstück angebissen auf seinem Teller liegen und probierte grüne Bohnen die in einem Topf bereit standen. Nun runzelte Askjel seine Stirn. Sie schmeckten genauso fahl.
"Ich ahnte schon, dass dies einen Hacken haben wird.", dachte der Kobold frustriert, zuckte dann aber mit den Schultern und ass weiter. Als er sich mit kugelrundem Bauch auf sein Sofa fallen liess nahm er ein Buch das nebem ihm lag. Der Titel war: Die erlebnisse des kleinen Schweins Hickelpick. Er las die Geschichte und lachte sich krumm über das dumme Schweinchen. Doch nach zehn seiten wurde seine sicht verschwommen. Er rieb seine Augen und sah noch weniger als zuvor.
"Ich bin bestimmt müde.", brummte Askjell zu sich selbst und legte sich schlafen. Sein Schwindelgefül liess trotz dem Essen immer noch nicht nach.

Die Wochen zogen in den Mythenwald und darin verbreitete sich die Neuigkeit von Askjell's Reichtum wie ein Lauffeuer. Nun hatte der Kobold täglich verschiedenste Fabelwesen vor der Türe die ihn alle um etwas Gold anbettelten.
"Sucht euch euer eigenes Glück!", schimpfte er jedesmal herrunter um sie zu verjagen.
Der Kobold fühlte sich krank. Denn das Essen verlor immer mehr seinen Geschmack, seine Sicht wurde immer verschwommener, er hörte immer schlechter und sein Körper fühlte immer weniger. Askjell war der überzeugung, dass es die Strafe für seine Gier war. Trozdem wollte er nicht Teilen. An einem regnerischen Morgen verwachte der Kobold und schlug die Augen auf. Jedenfalls dachte er, dass er die Augen öffnete. Aber sehen konnte er nichts ausser schwarze Leere. Panik machte sich in ihm breit. Er wollte aus dem Bett steigen, fühlte aber keine seiner Bewegungen. Askjell schrie vor Entsetzen aber er hörte seine Stimme nicht. Alles war dunkel um ihn herum. Er konnte weder fühlen, sehen, hören, riechen noch schmecken.
"Bin ich Gestorben?", fragte er sich. Er war sich nicht ganz sicher aber er glaubte, dass er weinte.
"Ich hätte das niemals wünschen dürfen!", dachte er.
"Nein, hättet ihr nicht.", hörte er eine weibliche Stimme in seinem Kopf.
"Wer ist da!", fragte er in die Dunkelheit.
"Schont eure Kräfte Askjell, ihr könnt denken, ich höre es trotzdem.", sprach die andere Stimme in seinem Kopf ruhig.
"Seid ihr die Wassernixe?", fragte er in seinem Innern.
"Nein. Mein Name ist Aurora.",
"Was wollt ihr von mir?",
"Ich will euch helfen Askjell."
Plözlich spürte er seine Hände und fühlte eine Wärme die seinen ganzen Körper durchströhmte. Er nahm umrisse einer Gestalt war die ihn durch die Dunkelheit anlächelte und seine Hände hielt. Eine wunderschöne Fee sass vor ihm auf seinem Bett.
"Ich kann euch sehen!", sprach der Kobold erleichtert und hörte seine Stimme.
"Ja, das könnt ihr Askjell. Leider nur solange wie ich euch berühre und meine Heilenergie in euch fliessen lasse."
Er betrachtete das schöne Wesen. Ihre lockigen Haare fielen ihr über die Schultern runter bis zu ihrer Hüfte. Sie glühten Feuerrot und sahen wild aus. Das Rot untermalte ihre grossen, waldgrünen Augen mit der sie ihn zutraulich anblickte. Er erkannte knapp die Umrisse ihrer glizernden Schmetterlingsflügel. Sie schimmerten in gelb und rosa. Einen fast unerkennbaren, grünen Schimmer umhüllte ihr wohlgeformten Körper. Ihre Hände fühlten sich so weich und warm an, wie ein Kissen.
"Woher kennt ihr meinen Namen Aurora?", fragte er die Fee. Diese strahlte noch mehr als zuvor was in Askjell ein seltsames, unbeschreibliches Gefühl auslöste.
"Der Wind flüsterte mir zu, dass ihr Hilfe braucht.", sagte sie ruhig.
"Ihr könnt mir nicht helfen.", sagte er verbittert.
"Da habt ihr recht. Aber ich kann euch den Weg zur Heilung aufzeigen.",
"Wie? Ich glaube ich wurde verflucht."
Aurora nickte.
"Ihr wurdet von meiner Halbschwester reingelegt Askjell."
"Eurer Halbschwester?", fragte der Kobold und verstand gar nichts mehr.
"Vor langer Zeit, nachdem meine Mutter starb, lachte sich mein Vater eine Wassernixe an. Sie zog ihn mit ihrem Sirenengesang in Bann und zeugte mit ihm meine Schwester Lamashtu.",
"Aber euer Vater ist doch wohl auch eine Fee?",
"Gewiss. Darum ist Lamashtu eine der gefährlichsten Nixen die es je gab. Versteht ihr wieso? Sie besitzt nicht nur die fähigkeiten einer Nixe."
"Sondern auch die einer Fee.", ergänzte Askjell schockiert.
"Seit siebzig Jahren versuche ich sie schon aufzuhalten und heile ihre Opfer."
Dem Kobold brannten unzählige Fragen auf seinen Lippen.
"Warum tut sie dies?",
"Sie entzieht ihren Opfern, egal ob männlich oder weiblich, ihre Lebensenergie durch einen simplen Kuss. So wird sie selbst stärker und hält sich am Leben. Die verfluchten Wünsche erfüllt sie aus spass den anderen leiden zu sehen."
Entsetzt blickte Askjell in ihre wunderschönen Augen.
"Wie gedenkt ihr mich zu Heilen?", fragte er.
"Kommt darauf an was ihr euch von ihr gewünscht habt.",
"Alles was ihr hier seht."
Die Fee lächelte zwar aber sah dabei traurig aus.
"Askjell. Ihr müsst all dies hinter euch lassen. Es vergiftet euch noch mehr als es der Kuss allein täte. Es tut mir leid.",
Das machte den Kobold wütend.
"Das könnt ihr vergessen!", zischte er. Er wollte nicht ausziehen nachdem all seine Träume erfüllt wurden. Entrüstet zog er seine Hände weg und blitzartig schloss ihn wieder die Dunkelheit ein. Erneut ergriff ihn die Angst.
"Das würde euer Tod bedeuten.", hörte er ihre Stimme in seinem Kopf hallen.
"Nein, nein, nein! Bitte kommt zurück! Ich tue was ihr sagt.", flehte er innerlich. Askjell spürte nun ihre Wärme nicht von den Händen, sondern von seinen Lippen aus durch seinen Körper fahren. Sie hatte ihn geküsst.
"Was habt ihr mit mir gemacht?",
"Ich gab euch einen Teil meiner Kraft. Die Wirkung von diesem Kuss wird höchstens drei Tage anhalten. Bis dahin müsst ihr gepackt haben und fort ziehen. Ich werde euch dann wieder aufsuchen.", sprach sie ernst.
"Ich verstehe. Wie werdet ihr mich finden?",
"Der Wind wird mich führen.", sagte sie bevor sie aus seinem Schlafzimmer herauslief. Askjell betrachtete noch einmal ein wenig beschämt ihre wunderschönem Kurven von hinten und sprang danach aus dem Bett. Den ganzen rest des Tages verbrachte er damit seinen alten Holzkarren zu reparieren um seine liebsten Pflanzen zu transportieren. Am nächsten Morgen grub er sie vorsichtig aus, Topfte sie ein und stellte sie auf den Karren. Er packte seine alten Kleider in seine Tasche. Das restliche Hab und Gut das er vor den Wünschen besass lud er ebenfalls darauf. Am abend merkte er wie seine Kräfte wieder dahin schwanden. Askjell suchte die ganze Nacht seine Sachen zusammen. Als die ersten Sonnenstrahlen den Wald erleuchteten trafen wieder Bettler vor dem Haus ein und Askjell sprach zu ihnen:
"Begebt euch nach oben und nehmt was ihr braucht."
Schaaren weise kamen die Fabelwesen und teilten sich seine verwunschenen Sachen auf. Der Kobold fühlte sich Stück für Stück besser. Je mehr Dinge aus dem Baumhaus getragen wurden desto besser fühlte er sich. Er band Elisa und Emil am Wagen fest. Er blickte kurz zu den Gestalten die sich an seinem Reichtum erfreuten und stahl sich leise davon.

Am dritten Tag rastete Askjell beim Fjällräven und füllte seine Lederflaschen auf. Seine Schafe tranken aus dem Bach. Der Kobold merkte, dass ihn der Fluch der Nixe wieder mehr einnahm als zuvor. Der Kuss der Fee hörte langsam auf zu wirken. Er regte sich aber nicht auf sondern freute sich auf Aurora. Als er gerade Feuer machte erklingte ihre himmlische, glockenhelle Stimme. Es war als ob Aurora singen würde während sie sprach.
"Guten Abend Askjell.", sagte sie fröhlich;
"Wie ich sehe, habt ihr meinen Rat befolgt. Wie fühlt ihr euch?",
"Besser.", sprach er und drehte sich zu ihr. Aurora trug ein kurzes Kleid in einem grün, dass die selbe Farbe wie ihre Augen hatte. Sie trug keine Schuhe sondern war Barfuss unterwegs. Eine Tragetasche hing ihr um die Schulter die ebenfalls in einem Grünton war. Ihre haut wirkte wiederum Lila.
"Das ist weil ihr eure Sachen verschenkt habt.", sie lächelte ihm sanft zu und in Askjell breitete sich wieder dieses unbeschreibliche Gefühl aus.
"Ich bin aber immer noch nicht ganz geheilt.", brummte der Kobold mürrisch.
"Das werden wir jetzt in Ordnung bringen.",
"Wie denn?",
"Der Wind flüsterte mir etwas zu. Ich soll euch fragen wie viele Wünsche euch Lamashtu gewährte.", sagte sie und strahlte.
"Vier.", antwortete Askjel. Ihm dämmerte etwas. Ein Detail, dass er gar nicht wirklich wahrnahm.
"Wieviele Dinge habt ihr euch Gewünscht?",
"Drei!", rief Askiel begeistert und lächelte so schön wie noch nie.
"Na also. Lasset uns meine Schwester rufen, der Wind wird sie holen."
Aurora drehte sich zum Fluss - ihre Flügel flatterten bei der Bewegung umher - schloss ihre Augen und flüsterte leise vor sich hin. Es klang wie das Rauschen des Windes selbst. Danach setzte sie sich an das Feuer neben den Kobold der erwartungsvoll in den Bach starrte. Es ging nicht lange und Lamashtu stieg aus dem Bach raus. Askjell erschauderte als er den Anblick ihres nackten Körper betrachtete.
"Was wollt ihr Aurora.", sprach sie in einem feindseeligen Ton.
"Ihr müsst diesem Kobold noch einen Wunsch erfüllen Schwester.",
"Nennt mich gefälligst nicht so!", fauchte die Nixe und fletschte ihre Fangzähne. Sie begab sich in eine Position als ob sie Aurora angreifen wollte. Askjell stand beschützend vor die Fee und sprach ruhig:
"Ich wünsche mir, dass ihr, Lamashtu, eure Feenkräfte auf der Stelle verliert und niewieder jemandem schaden könnt."
Entsetzt blickten Lamashtu und Aurora den Kobold an. Im nächsten moment verwandelte sich die schöne Nixe in eine hässliche, runzlige, alte, frauenähnliche Gestalt. Ihr Gesicht wurde faltig und ihre Haare fielen aus. Ihr Körper sah plözlich aufgedunsen aus. Die Nixe kreischte so markerschütternd, dass sich die anderen zwei reflexartig die Ohren zuhielten. Zu Aurora's erstaunen zersetzte sich die Nixe.
"Was habt ihr nur getan?", fragte die Fee und starrte den Aschehaufen an wo vorhin noch ihre Halbschwester stand.
"Habe ich etwas falsch gemacht?", fragte er verunsichert.
"Ich dachte ihr wolltet euch gesund wünschen.",
"So müsstet ihr für immer hinter Lamashtu aufräumen und dies wollte ich nicht.", erklärte Askjell und lächelte schief.
"Ihr habt mich befreit.", stellte Aurora fest. Sie lächelte ihn warm an. Plötzlich stürmte sie auf ihn zu und schloss den Kobold in ihre Arme.
"Das kann ich nie wieder bei euch gut machen.", flüsterte sie in seinen Nacken.
"Ihr habt schon zu viel für mich getan Aurora.", sagte er ruhig. Als sie sich aus der Umarmung löste schloss ihn wieder die Dunkelheit ein. Diesmal bekam er aber keine Angst davor.
"Ich weiss wie ich es euch zurück geben kann.", hörte er die Fee in seinem Kopf. Er spürte wieder ihre Lippen auf seinen. Die Wärme durchströhmte den Kobold. Er sah Aurora mit geschlossenen Augen vor ihm. Sie drückte ihn fest an sich. Askjel schloss seine Augen ebenfalls und genoss ihre Energie. Es war das schönste Gefühl, dass er jemals spüren durfte. Als sie sich von einander lösten erkannte sie die Wirkung von ihrem Kuss. Der Kobold sah viel jünger aus als zuvor. Weniger runzlig und weniger mürrisch. Seine Augen waren voller Leben und Freude. Aurora fragte:
"Wo gehen wir als erstes hin Askjell?",
"Wollt ihr mich begleiten?", stellte er die Gegenfrage und sah verwirrt aus.
"Ich werde niemals von eurer Seite weichen.", sprach sie sanft.
"Wir werden uns vom Wind führen lassen.", sagte Askjell.
So zogen die beiden um die Welt. Sie durchquerten Wälder, besuchten Städte und reisten über die See. Askjell pflegte stehts seine Pflanzen, die mit Aurora's Kräften noch viel besser wuchsen. Elisa und Emil waren zufriedender als je zuvor. Wenn der Fluch wieder seine Wirkung zeigte und Askjell seine Sinne raubte, drückte Aurora ihm einen liebevollen Kuss auf die Lippen um ihn zu heilen. Dieser konnte dann weitere drei Tage ohne Probleme die Zeit mit ihr verbringen. Sie waren immer Glücklich zusammen. Sie erlebten viele schöne und abendteuerliche Geschichten. Sie sprachen es zwar niemals aus aber sie liebten sich unendlich fest. Und dies tun sie heute noch. Wer weiss, vieleicht wirst du ihnen eines Tages, wenn du draussen in der Natur bist begegnen. Immer wenn du den Wind flüstern hörst, achte dich auf die glockenhelle oder auf die krächzende Stimme darin. Achte dich auf Askjel und Aurora.
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