Kuckuckskind

GeschichteRomanze, Familie / P16
Draco Malfoy Lucius Malfoy Luna Lovegood Narzissa Malfoy OC (Own Character) Severus Snape
23.04.2019
24.06.2019
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Wir sind wieder in der Gegenwart. Es gibt Stoff für eure zahlreichen Theorien um Davinas Herkunft und Lupin taucht nochmal auf :-)
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Nach diesem Vorfall am See hatte einige Wochen lang eine ziemlich angespannte Stimmung zwischen Draco und mir geherrscht, doch irgendwann waren wir darin überein gekommen, die ganze Sache einfach zu vergessen. Zumindest nach Außen hin wirkten wir seitdem wieder wie das perfekte Geschwisterpaar. Es war fast wie früher gewesen bis Draco kurz nach dem Weihnachtsfest im fünften Schuljahr beschlossen hatte, nicht mehr mit mir zu reden. Schlimmer noch, er benahm sich jetzt auch mir gegenüber wie der Mistkerl, den die Gryffindors in ihm sahen. Ich hoffte trotzdem, dass wir im Angesicht der Verhaftung unseres Vaters und den neuesten Ideen des Dunklen Lords wieder enger zusammenrückten. Natürlich nur auf geschwisterlicher Basis, auch wenn meine Gefühle mit jedem Tag stärker wurden.
Jetzt stand ich in der Eingangshalle und überlegte, ob ich versuchen sollte mit Draco über den bevorstehenden Ball und die Zeremonie zu reden oder eher in die Bibliothek zu gehen. Dann fiel mir ein, dass ich für ebendiesen Ball noch ein Kleid brauchte. Seufzend machte ich mich auf den Weg zum Salon, in dem sich Narzissa und Bellatrix hoffentlich noch aufhielten. Da die beiden ein vertrauliches Gespräch unter Schwestern hatten führen wollen hob ich eine Hand, um zu klopfen. Als ich bemerkte, dass die Türe bereits einen Spalt offen stand trat ich zögernd näher. Normalerweise lauschte ich nicht, jedoch erwähnte Bellatrix gerade meinen Namen, natürlich wieder falsch.
„Zissy, gib es doch zu. Mir kannst du es sagen!“ Narzissa schien nicht so schnell antworten zu wollen, denn Bellatrix fuhr ungeduldig fort: „Ich bin nicht blind!“ Nach einigen weiteren Sekunden des Schweigens gab Narzissa leise zu: „Du hast Recht. Bitte, behalte es für dich! Alle denken, wir hätten sie aus der Öffentlichkeit herausgehalten, weil sie schwer krank gewesen wäre. Doch das ist nur die offizielle Version....“ Offizielle Version? Wo war ich denn dann gewesen, wenn nicht krank im St. Mungos?
Bellatrix lachte schrill, dann zischte sie: „Du bist dir sicher, dass Lucius kein Verräter ist? Hat er dir jemals den Namen genannt?“ „Welchen Namen?“, gab Narzissa genau so irritiert zurück wie ich mich fühlte. „Den Namen der Mutter! Ich habe es sofort erkannt...“ „Ob er mir... Natürlich nicht! Je mehr Details bekannt sind umso größer wird der Skandal! Er erwartete lediglich von mir, seine Bastardtochter in meinem Haus zu akzeptieren und den Mund zu halten!“
Bastardtochter? So langsam fragte ich mich, ob die immer noch von mir sprachen. Fassungslos stützte ich mich an der Wand ab als Narzissas nächste Worte mir endgültig die Augen öffneten. „Weißt du wie es ist, jeden Tag daran erinnert zu werden, dass der Mann, den du liebst, dich betrogen hat? Während ihr bereits verheiratet und mit einem gemeinsamen Kind schwanger ward? Es tut so unendlich weh! Natürlich kann Davina nichts dafür. Ich habe versucht, sie zu lieben, doch spätestens mit ihrer Einteilung nach Ravenclaw ist mir bewusst geworden, dass sie niemals ein Teil dieser Familie sein wird.“
Die beiden Schwestern schwiegen einen Moment, vielleicht umarmten sie sich sogar, obwohl mir Bellatrix nie wie der liebevolle Umarmungs-Typ vorgekommen war. Ihr Schweigen gab mir Zeit, das Gehörte zu realisieren, zu verstehen. Sie hasste mich also, weil ich nicht ihre leibliche Tochter war. Wobei, nein, das war falsch ausgedrückt. Hätten sie und Lucius mich gemeinsam adoptiert wäre ihr die fehlende Blutsverwandtschaft vermutlich gleichgültig gewesen. Sie hasste mich, weil ich die Tochter einer anderen Frau war. Wie demütigend und schmerzhaft musste es für Narzissa sein, mich all die Jahre aufwachsen zu sehen in dem Wissen, dass sie Lucius anscheinend nicht gereicht hatte.
Trotzdem hätte es viel schlimmer kommen können. Durch Narzissas abweisendes Verhalten mir gegenüber erschütterte mich diese Neuigkeit nicht allzu sehr. Unwillkürlich fragte ich mich jedoch, ob Lucius mir irgendwann einmal die Wahrheit gesagt hätte. Apropos Lucius... „Du meintest vorhin, mein Mann könnte ein Verräter sein...“, fing Narzissa wieder an, zu sprechen. „Ich habe ein ziemlich gutes Gedächtnis für Gesichter. Außerdem kannten die beiden sich aus dem Ministerium, ich bin mir ziemlich sicher, Divanas Mutter war diese Aurorin aus dem Orden des Phönix.“ Es gab gerade wirklich wichtigeres, trotzdem ärgerte es mich, dass sich Bellatrix meinen Namen nicht merken konnte. Dann realisierte ich in welcher Zeitform sie von meiner Mutter gesprochen hatte.
Offenbar war das auch Narzissa aufgefallen. „War diese Aurorin? Dann ist sie tot?“ Bellatrix kicherte hämisch. Genüsslich erklärte sie ihrer Schwester: „Der Dunkle Lord hatte sich persönlich um sie kümmern wollen. Und Lucius mitgenommen. Soweit ich weiß, ist vor allem Lucius dafür verantwortlich gewesen, dass man sie hinterher nur schwer identifizieren konnte. Da ihn sein kleiner Seitensprung mit dieser Frau nicht eine Sekunde lang daran gehindert hat, bei ihrer Vernichtung mitzuwirken, ist er wohl eher kein Verräter.“

Ich taumelte zurück, nicht wissend, ob ich weinen, schreien oder mich übergeben sollte. Letztendlich entschied ich mich für Flucht. Sobald ich eine Hauselfe über meine Intention, in der Winkelgasse bummeln zu gehen, informiert hatte, griff ich nach dem Flohpulver und verschwand per Kamin. Natürlich wollte ich nicht in der Winkelgasse bleiben, doch dort würde erst mal niemand nach mir suchen. Shoppingtouren in meinem Alter waren nichts Ungewöhnliches.
Im Tropfenden Kessel angekommen stellte ich fest, dass mir Lunas Adresse nicht mehr einfiel. Zu viel schwirrte durch meinen Kopf. Sie war die einzige, mit der ich über alles reden konnte, deshalb setzte ich mich an einen Tisch in der dunkelsten, abgelegensten Ecke und versuchte, ruhiger zu werden. Für einen Moment war ich versucht, es dem Mann neben mir gleichzutun und einen Feuerwhiskey zu bestellen. Da er mich nicht zu beachten schien ignorierte ich ihn ebenfalls während ich über das eben Gehörte nachdachte.
Lucius hatte seine Todesservergangenheit nie verschwiegen. Wir wussten, dass er Menschen gefoltert und getötet, doch eine gewisse Grenze nie überschritten hatte. Bisher war mir nie in den Sinn gekommen, er könnte auch Menschen verletzt haben die er persönlich kannte. Doch zu hören, dass er am Tod meiner Mutter beteiligt gewesen war.... Ich kannte nicht einmal ihren Namen. War Lucius wirklich so eiskalt, mich jeden Tag zu sehen und trotzdem kein schlechtes Gewissen zu haben? Mein Bild von ihm war gehörig erschüttert worden.
Ich glaubte Bellatrix, was ihre Informationen anging. Sie kannte ihre Feinde. Und meine Mutter als Aurorin hatte definitiv zu ihren Feinden gezählt. Außerdem... Warum sollte sie lügen? Plötzlich erinnerte ich mich an meine Alpträume. Das grüne Licht, die kalte Stimme, die ich inzwischen dem Dunklen Lord zuordnen konnte, der Befehl, das Kind zu töten... Konnte es sein, dass ich vom Tod meiner Mutter träumte? Doch warum war Lucius dem Befehl nicht gefolgt, mich zu töten? Bei meiner Mutter, der Frau, mit der er mindestens ein Mal im Bett gewesen war, hatte er auch keine Skrupel gekannt.
Und ich? Ein uneheliches Kind, zudem von jemandem geboren, der für Dumbledore kämpfte... Warum war ich noch am Leben? Mir kam ein erschreckender Gedanke. Was, wenn ich als Geisel diente? Wenn Lucius den Orden mit mir erpressen wollte? Liebte er mich überhaupt oder hatte er mich nur all die Jahre in Sicherheit wiegen wollen? Konnte ich ihn noch lieben, nach diesen Neuigkeiten?
„Alles in Ordnung?“ Erschrocken drehte ich mich zu meinem Tischnachbarn herum. „Professor Lupin?“ Durch das schummrige Licht im Schankraum war die zusammengesunkene Gestalt in der Ecke bisher schlecht zu erkennen gewesen. Lupin sah furchtbar aus: Dunkle Ringe unter den Augen, strähnige Haare, nicht rasiert, dazu sein üblicher schäbiger Umhang und ein nicht unerheblicher Geruch nach Alkohol. Doch seine Augen musterten mich klar und aufmerksam. „Was ist los?“, fragte er leise, um keine Aufmerksamkeit auf unser Gespräch zu lenken.
Sofort wollte ich ein Lächeln, eine Maske aufsetzen, um meine Gefühle zu verbergen und meine Probleme mit mir alleine auszumachen, doch dann fiel mir ein, dass genau das etwas war, was Lucius tun würde. Und obwohl er immer ein Vorbild für mich gewesen war wollte ich ihm im Moment so unähnlich wie möglich sein. Schuldgefühle überkamen mich als mir bewusst wurde, dass Lupin wahrscheinlich aufgrund des Todes seines besten Freundes, Sirius Black, hier saß und sich betrank. Auch ein Todesfall, an dem Lucius beteiligt gewesen war.
Hatte Lupin meine Mutter auch gekannt? Bestimm, der Orden des Phönix war keine sonderlich große Gruppe. Ich musste mit jemandem reden, sonst würden meine umherrasenden Gedanken mich wahnsinnig werden lassen, doch wie konnte ich Lupin erklären, was ich erfahren hatte? Was Lucius getan hatte? Dass er eine Frau gefoltert hatte, die von Lupin gekannt und vermutlich auch gemocht worden war?! Wie konnte ich ihn zusätzlich mit meinen Problemen belasten wenn er ohnehin schon am Boden lag?
„Ich kenne jetzt den Grund, aus dem Narzissa Draco mehr liebt als mich“, gab ich schließlich zu, ohne jedoch auf die Details einzugehen. Ein leises Glucksen entrang sich meiner Kehle als ich feststellte, immerhin nicht mit Bellatrix verwandt zu sein. Ein durchaus erfreulicher Gedanke in all dem Chaos. „Verstehst du ihr Verhalten denn oder denkst du, dieser Grund rechtfertigt es nicht?“, riss Lupin mich aus meinen Gedanken an unliebsame Verwandtschaft. „Ich verstehe sie! Vielleicht finden wir jetzt eine gemeinsame Basis“, überlegte ich ehrlich. Ich könnte zugeben, sie belauscht zu haben, sodass sie mir gegenüber nicht mehr länger so tun müsste als wäre sie meine Mutter. Eventuell könnten wir uns über die gemeinsame Sorge um Draco trotzdem annähern.
Lupin nickte langsam und obwohl er aus meinen Andeutungen gar nicht schlau werden konnte, war er zu rücksichtsvoll, um nachzufragen. „Was genau machst du hier?“, wollte er schließlich wissen. Mir war Lunas Adresse immer noch nicht wieder eingefallen, dafür kam mir eine andere Idee. Eventuell könnte es uns beide für einen Nachmittag von unseren Problemen ablenken. „Kommen Sie, wir gehen shoppen! Wenn Sie mir helfen, ein Kleid für einen Todesser-Ball zu finden, spendiere ich Ihnen ein paar neue Umhänge.“
Keine fünf Minuten später standen wir auf der Tottenham Court Road, mit erstaunlich wenig Protest von Lupin, dafür jedoch mit einem vollen Beutel voller Muggelgeld. Hauselfen waren schon praktisch, trotzdem behandelte ich sie nicht wie eine Selbstverständlichkeit sondern immer freundlich und höflich. Hätte Lucius´ Umgang mit Dobby mich schon vor Jahren die Wahrheit erkennen lassen müssen?
Ich holte Lupin einen Kaffe, obwohl er für jemanden mit vier Gläsern Feuerwhiskey intus erstaunlich wenig betrunken wirkte. „Werwolf“, beantwortete er meine unausgesprochene Frage. „Mein Körper baut Giftstoffe schneller ab.“ Danach schlenderten wir an den Schaufenstern vorbei und versuchten, ein unverfängliches Gesprächsthema zu finden. Gerade erzählte ich von meinen ZAG-Prüfungen, da unterbrach er mich abrupt. „Darfst du dich überhaupt mit mir sehen lassen?“ Ich erwiderte ohne zu zögern: „Das ist mir gerade total egal! Ich bin halt keine brave, kleine Todesserin! Außerdem konnte ich unmöglich zulassen, dass Sie noch mehr Alkohol in sich reinschütten. Werwolf hin oder her, das ist nicht gesund!“
Die ganze Zeit über hatte ich versucht, jeglichen Gedanken an Draco beiseite zu schieben. Jetzt jedoch musste ich mir eingestehen, dass ich nie, niemals das Dunkle Mal annehmen könnte. Nicht einmal für Draco. Nicht mit dem Wissen, auf welcher Seite meine Mutter gestanden hatte und aus welchem Grund sie gestorben war. Zum ersten Mal erlaubte ich mir die Frage, ob sie mich geliebt hatte. Hatte sie genau wie Lily Potter versucht, mich bis zu ihrem letzten Atemzug zu beschützen?
„Warum gehst du auf einen Todesser-Ball, wenn du keine von denen sein willst?“ Ich antwortete, ohne lange überlegen zu müssen. „Weil ich eine Wahl habe. Luna glaubt an das Gute in mir. Sogar Sie, Professor, würden mir helfen. Draco jedoch hat niemanden auf der anderen Seite. Ich würde alles für ihn tun, wirklich alles. Außer, zur Verräterin zu werden.“ Denn genau das wäre es, würde ich das Dunkle Mal annehmen: Verrat. Verrat an meiner Mutter, von der ich so wenig wusste und die mir doch schon nach kurzer Zeit emotional viel näher stand als Narzissa. Sie hatte sich mutig gegen den Dunklen Lord gestellt und dafür mit ihrem Leben bezahlt. Das Dunkle Mal zu erhalten würde bedeuten, dem Mann zu dienen, der sie getötet hatte. Und weiterhin den Mann zu unterstützen, der sie gefoltert und mich entführt hatte: Lucius Malfoy.
Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet mein Vater mir einmal das Herz brechen würde.
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