Kuckuckskind

GeschichteRomanze, Familie / P16
Draco Malfoy Lucius Malfoy Narzissa Malfoy OC (Own Character)
23.04.2019
17.06.2019
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„Soll ich dich abfragen?“ Luna ließ den Kopf seufzend auf ihr Geschichtsbuch plumpsen. Gerade noch rechtzeitig zog ich die Müslischale neben ihr aus dem Weg, damit keine Cornflakes in ihren langen, blonden Haaren hängen bleiben würden. „Warum schmeißt Dumbledore den Binns nicht einfach raus?“, muffelte Luna anstatt einer Antwort. Mitfühlend legte ich ihr eine Hand auf die Schulter. „So schlimm sind die ZAGs gar nicht“, versuchte ich sie aufzumuntern.
Eine Bewegung im Augenwinkel erhaschte meine Aufmerksamkeit. Severus stand in der Eingangstüre zur Großen Halle, beinahe sichtbare Wellen von Zorn ausstrahlend. Neben ihm stand Harry Potter, dessen Gesichtsausdruck zwischen Schock und Wut schwankte. Als die beiden auf den Ravenclawtisch zukamen erhob ich mich mit einem absolut miesen Gefühl im Bauch. „Was ist passiert?“, wandte ich mich an den Hauslehrer Slytherins. Es war jedoch Potter, der sich räusperte und anfing, zu reden. „Malfoy liegt im Krankenflügel“, murmelte er. Entsetzt sah ich Severus an. „Stimmt das? Wie konnte das... Wie geht es ihm?“ Angst durchströmte mich bei Severus´ ernstem Blick.
„Er hat viel Blut verloren, wird aber durchkommen. Was passiert ist... Frag lieber Mr. Potter.“ An Harrys Stelle wäre ich schon längst schreiend aus der Großen Halle gelaufen, so bedrohlich klang Severus´ Stimme. „Ich wollte auf Klo und da war Malfoy. Kaum hat er mich gesehen zog er seinen Zauberstab. Ich hab mich nur gewehrt! Der Kerl hat einen Cruciatus nach mir geworfen!“ Tränen liefen mir über die Wange während ich Potter anschrie: „Als ob Draco dich einfach so angegriffen hat! Was ist wirklich passiert? Warum liegt er im Krankenflügel und du nicht?“
Ich schubste ihn überraschend fest nach hinten. Severus´ Augen funkelten. „Ich bin nicht derjenige, der seine eigene Schwester flach legt! Malfoy ist doch total krank im Kopf! Ihr beide seid...“ Ohne an die Konsequenzen zu denken verpasste ich dem Gryffindor eine Ohrfeige. „Zehn Punkte für Ravenclaw“, erklärte Severus mit öliger Stimme. Dann trat er zur Seite. „Bevor Minerva dich erwischt solltest du allerdings Draco im Krankenflügel besuchen gehen.“ Ich folgte seinem Rat, auch wenn ich am liebsten noch mal zugeschlagen hätte, was mich ziemlich verblüffte. Normalerweise neigte ich nicht zu Gewaltausbrüchen. Einzige Ausnahme war die Sache mit Padma auf dem Weihnachtsball gewesen.
Dann fiel mein Blick auf den Familienring der Malfoys, den ich seit Dracos Zeremonie kein Mal abgenommen hatte. „Warum habe ich nichts gespürt?“, zischte ich Severus zu. Ein verlegener Ausdruck huschte für wenige Sekunden über sein Gesicht. „Draco bat mich bereits letztes Jahr, die Verbindung zu unterbrechen. Er wollte nicht, dass du... leidest.“ Ich verdrehte die Augen, fand es andererseits aber auch ein bisschen süß. Ein ganz kleines Bisschen. „Idiot“, grummelte ich noch bevor ich mich endlich auf den Weg zum Krankenflügel machte.
Dabei dachte ich darüber nach, warum Luna mich einfach so einen ihrer Freunde hatte anschreien und schlagen lassen. Ich kam zu dem Schluss, dass sie eventuell von der ständigen Rivalität zwischen Gryffindor und Slytherin genervt sein könnte. „Mrs. Malfoy, kommen Sie rein! Er liegt dort hinten!“ Madam Pomfrey führte mich zu dem Bett, in welchem Draco blass und schlafend lag. „Wird er wirklich wieder gesund?“, flüsterte ich erstickt. Die Heilerin schob mir einen Stuhl neben das Bett, doch ich setzte mich direkt auf die Bettkante.
„Es werden Narben bleiben. Insgesamt wird sich Ihr... Mann jedoch vollständig von den Verletzungen erholen. Auch wenn er mir an sich nicht in einer stabilen körperlichen und seelischen Verfassung zu sein scheint.“ Narben waren nicht schlimm. Draco würde lernen, damit zu leben und wie sein Oberkörper aussah änderte meine Gefühle für ihn nicht. Natürlich wusste ich, dass Draco in den letzten Monaten viel zu wenig aß und schlief, doch er wollte mich partout aus seiner Aufgabe heraushalten, sodass ich nicht mehr tun konnte als für ihn da zu sein. Es machte mich glücklich wenn er zumindest in meiner Gegenwart entspannter und sorgenfreier wirkte.

Stundenlang saß ich bei Draco, die ganze Zeit seine Hand haltend. Irgendwann schlug er die Augen auf. Da er recht orientierungslos wirkte erklärte ich schnell: „Du bist im Krankenflügel. Severus hat dich hergebracht, nachdem du im Duell von Potter verletzt worden bist.“ Die Erinnerung kehrte zu ihm zurück und ächzend setzte er sich ein Stück weit auf. Als er die Verbände unter seinem Schlafanzug betasten wollte hielt ich seine Hand mit meiner noch freien fest. „Nicht. Lass es ordentlich verheilen.“
Wir schwiegen einen Moment, dann traute ich mich zu fragen: „Wolltest du wirklich den Cruciatus benutzen?“ Draco schüttelte den Kopf und sah mich eindringlich an. „Ich war durcheinander, panisch. Ich hab die Formel nicht einmal beendet.“ Erleichtert gab ich ihm einen sanften Kuss. „Weißt du, womit genau er dich...?“ Wieder schüttelte Draco den Kopf. „Keine Ahnung. Der Zauber kam mir nicht bekannt vor. Es war einfach nur... schmerzhaft. Wie von einem Schwert aufgeschlitzt zu werden.“ Woher kannte Potter einen solchen Zauberspruch? Das klang nach Schwarzer Magie.
„Was ist die offizielle Version? Was behauptet dieser...“ Schnell unterbrach ich ihn bevor er sich in die Beschimpfung Potters hineinsteigern konnte. „Er sagt, er wollte auf Toilette, ist auf dich getroffen und du hast ihn angegriffen.“ Aufmerksam beobachtete ich Draco. Er würde zwar niemals jemanden einfach so verfluchen, doch seine ständigen Provokationen und Sticheleien gegen die Gryffindors waren in den letzten Jahren schwer zu überhören gewesen. „Ich bezweifle, dass er dort seine... Bedürfnisse verrichten wollte. Da geht nie jemand hin, wegen Myrte.“ Ich schaute ihn fragend an. „Was hast du dann da gemacht? Bei der Maulenden Myrte?“ Draco zögerte kurz, dann gab er zu: „Geweint.“
„Warum bist du nicht zu mir gekommen? Dray, warum gehst du mit deinen Problemen zu einem selbstmordgefährdeten Geist und nicht zu deiner Frau?“ Verständnislos zog ich meine Hände zurück. „Davi, ich... Ich wollte dich nicht belasten. Es ist nichts, was ich dir erklären könnte, nichts, wobei du mir helfen könntest.“ Was ich in diesem Moment in seinen Augen sah erschreckte mich zutiefst. Angst, Verzweiflung, Resignation... Meine Entschlossenheit, ihm einen Teil dieser Last abzunehmen, wuchs.
„Rede mit mir, Draco! Sag mir endlich, welchen verdammten Auftrag du erledigen musst!“ Sanft fuhr er mit einem Finger meine Lippen nach, strich mir über die Haare und zog mich schließlich in seine Arme. „Das kann ich nicht. Lass mich dich einfach beschützen, bitte. Wenn es soweit ist werde ich dir eine Nachricht zukommen lassen, damit du alles Wichtige zusammenpackst. Bald sitzen wir in Frankreich und schauen aufs Meer. Bis dahin...“ Seine Stimme war weniger als ein Flüstern bei seinen nächsten Worten. „Frag nicht weiter nach. Ich habe sowieso schon Angst, dass du mich hasst wenn der Auftrag gelingt.“
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