Villa Love

von Escanora
GeschichteHumor, Romanze / P18 Slash
23.04.2019
19.07.2019
26
40925
18
Alle Kapitel
123 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
NOAH

Ich wurde geweckt, als mir irgendein Sonnenstrahl ins Gesicht knallte. Grummelnd drehte ich mich zur Wand und knallte mit dem Kopf gegen etwas oder eher gegen jemanden. Dieser Jemand grummelte ebenfalls. Ich richtete mich auf und sah Caiden vor mir. Er lag mit dem Gesicht zur Wand und drehte sich gerade zu mir um.

"Oh, Hi."

Offenbar war er mindestens genauso verwirrt wie ich auch.

"Äh, Hi."

Da fiel mir dann auch wieder ein, was mir gestern gemacht hatten. Geschweige denn was er gestern gemacht hatte, bei mir. Ich bekam sofort einen roten Kopf und stand auf.

"Was ist denn los?", fragte er mich.

Entweder merkte er nicht, dass ich mich genierte oder er tat das mit Absicht, um mich aufzuziehen. Aber als ich ihn ansah, spürte ich keinen Hauch von Provokation in seinem Blick.

"Ähm. Das gestern Abend war schön."

Er lächelte mich an und kam auf mich zu. Bei dem Anblick der sich mir bot, musste ich unwillkürlich schlucken. Dieser Mann war einfach heiß.

"Hab ich doch gern gemacht...", grinste er mich an und tätschelte meine Wange. "Hast du was vor heute? Oder warte, haben wir eine Vorlesung heute?"

Caiden suchte sein Handy und sah auf das Datum.

"Nein, morgen erst wieder.", beantwortete ich seine zweite Frage. "Und nein ich habe nichts vor. Warum?"

"Ich habe nochmal über die Sache mit deinem Dad nachgedacht und ich finde, wir sollten ihn suchen."

"Wie kommst du denn jetzt darauf?", fragte ich etwas säuerlich nach.

Caiden seufzte. "Du hast einfach niemanden mehr und seit du mir das erzählt hast, geht mir das nicht mehr aus dem Kopf."

"Meinst du nicht, wenn mein Vater sich nur irgendwie für mich interessieren würde, dann wäre er schon mal von selber auf die Idee gekommen, mich zu kontaktieren?"

"Du meintest aber zu mir, dass dein Dad vermutlich nicht einmal weiß, dass deine Mum tot ist. Er wird denken, dass sie sich um dich kümmert."

"Tse."

Mehr fiel mir dazu gerade nicht ein. Ich wusste ja selber nicht, was ich wollte. Beziehungsweise, ob er mich überhaupt sehen wollte, liebte oder sonst irgendwas. Ich hatte ihn seit dem Rauswurf von Mum nicht mehr gesehen. Zumindest erinnerte ich mich nicht daran, ob es so war.

"Denk halt mal darüber nach."

Caiden küsste meine Stirn und verschwand dann im Bad. Ich ging vorerst wieder in mein Zimmer.


Die nächsten Stunden verbrachte ich damit, das Buch für die Vorlesung zu lesen. Ich wusste, dass Prof. Brooks morgen mal abfragen wollte, weil er der Meinung sei, einige von uns würden eh nur faulenzen. Und da ich immer das Glück mit so etwas hatte, kam ich mit Sicherheit dran.

Da klopfte es.

"Ja?", murmelte ich gelangweilt. Das lag aber eher daran, dass diese Lektüre wirklich schlauchend war.

Die Türe ging auf und Caiden kam herein.

"Stör ich dich?"

"Nein. Dann hab ich wenigstens einen Grund dieses dümmliche Buch mal zur Seite zu legen."

Ich legte es beiseite und klopfte auf mein Bett. Caiden schloss lachend die Türe und gesellte sich zu mir.

"Bist du sauer wegen heute Morgen?"

"Ach wo. Ich weiß ja, dass du es nicht böse meinst. Aber ich wüsste eh nicht wie wir weiter verfahren sollten."

"Naja, ich finde schon, dass dein Dad wegen deiner Mum Bescheid wissen sollte. Immerhin ist das Ganze nun schon weit über drei Monate her. Und ich bin mir sicher, dass du in den Sachen deiner Mum bestimmt auch was wegen der Adresse raus findest. Betrug hin oder her. Immerhin bist du ihr gemeinsames Kind, Noah."

Ich dachte kurz darüber nach und nickte dann.

"Wahrscheinlich hast du Recht. Ich hab Mum's Zimmer ja noch beibehalten. Komm wir schauen mal."


Mum's Zimmer war leicht eingestaubt, ansonsten sah es aus wie immer. Ich wurde ein wenig wehleidig, als ich es betrat und mich überkam ein Schauer. Immerhin waren das hier ihre Sachen. Ihr Bett, in dem sie geschlafen hatte. Ihr Kleiderschrank mit ihren Klamotten. Ich hatte es einfach nicht übers Herz gebracht, die Sachen zu entsorgen.

Ich öffnete den Kleiderschrank und musste direkt husten, weil mir eine Staubwolke entgegen kam. Außerdem hatten Motten die Sachen meiner Mutter mittlerweile zerfressen, aber das hätte ich mir ja eigentlich denken können. Seufzend schloss ich den Schrank wieder und dachte, dass ich hier wohl doch mal was tun müsste.

"Sieh mal.", sagte Caiden auf einmal.

Er stand am Schreibtisch meiner Mutter und hatte eine Schublade geöffnet. In der Hand hielt er ein Adressbuch.

"Vielleicht ist hier etwas drin?"

"Lass mich mal bitte sehen."

Er gab mir das kleine blaue Büchlein und ich suchte unter >S< für Samuel. Tatsächlich wurde ich fündig. Meine Mutter hatte sogar ausversehen erst >Samuel Watson< hingeschrieben und den Namen dann wieder durchgestrichen. Dieser wurde nun ersetzt durch Thompson. Dahinter stand eine Londoner Adresse. Keine Telefonnummer.

"Er steht drin.", sagte ich zu Caiden und zeigte ihm die Seite.

"Stimmt die Adresse denn?"

"Ich denke ja. Ich weiß ja, dass er nach London ist. Aber mehr auch nicht."

"Und? Willst du hin?"

"Du bist lustig. Wie soll ich mir das leisten? Selbst mit eurer Miete. Wir müssen ja auch da irgendwo wohnen. Ich werde bestimmt nicht im Haus meines Vaters und seiner neuen Familie schlafen.", blökte ich am Ende rum, da Caiden mich so merkwürdig ansah.

"Ist ja gut. Ich könnte meine Mut...", wollte Caiden netterweise vorschlagen, aber das wehrte ich sofort ab.

"NEIN! Ich nehme kein Geld von anderen. Da spare ich lieber selber etwas zusammen."

"Man, Noah. Wie lange soll das denn dauern? Bis dahin sind vielleicht wieder Monate vergangen."

"Du machst mich wahnsinnig!", rief ich und er lachte.

"Das weiß ich doch.", grinste er und ich wurde rot.

"Na gut, aber ich will mich wenigstens dafür revanchieren."

"Dazu kommen wir noch."

"Aber mal was anderes. Du könntest mir vorab bei etwas helfen."

"So?"

Ich stand auf und stopfte das kleine Adressbuch in meine Hosentasche.

"Ich will hier Ordnung schaffen."

"Bist du sicher? Dir liegt doch so viel daran."

"Ja, ich weiß. Aber es staubt alles ein. Die Motten haben bereits die Sachen meiner Mum zerfressen. Ich werde alles ordentlich in Kisten verstauen und in mein Zimmer bringen. Die Möbel könnten vorerst auf den Dachboden oder so."

"Na, schön. Aber lass uns die Anderen zusammen trommeln. Wenn wir mehr sind, schaffen wir auch mehr."

"Gute Idee!"


Bis auf Ben, der am arbeiten war, spannten wir alle Anderen mit ein. Fynn räumte den Schreibtisch auf und fand Fotos die er mir so gab. Der Rest der nicht so wichtig war, verschwand in Kisten. Holden leerte den Schrank und stopfte alles in blaue Säcke. Die Sachen konnte man eh vergessen. Merle und Caiden bauten das Bett und später auch den Schrank auseinander, damit es leichter wurde, es hinauf auf den Dachboden zu tragen. Ich hängte derweil alle Fotos von den Wänden ab und wischte überall den Staub raus.

Nach gut zwei Stunden war alles erledigt. Die Müllsäcke würden wir nächste Woche raus stellen, wenn er der Müll geleert wurde. Und die Möbel waren nun alle auf dem Dachboden. Ich sah mich in dem leeren Raum um. Ich hatte Mum ja nicht vollkommen aus meinem Leben gelassen. Ihre Erinnerungen waren allesamt noch da und vor allem in meinem Herzen.

"Was machst du nun hier raus?", fragte Fynn mich und riss mich aus meinen Gedanken.

"Ich weiß es nicht."

"Ihr könnt euch ja eine Sexhöhle mit Spielzeug und so etwas hier raus machen.", bemerkte Merle frech und mir stellten sich sofort alle Armhärchen auf.

Mein Gesicht nahm die Farbe einer ganzen Tomatenarmee an.

"Du bist echt ein Spast!", rügte Caiden seinen Kumpel und boxte ihm gegen den Arm.

"Was denn? Jetzt wo ihr endlich sexuell aktiv seid? Ja, sieh mich nicht so an, Cai. Ich hab Noah gestern ziemlich eindeutig gehört.", grinste dieser und ich suchte das nächste Mauseloch.

Auch Caiden genierte sich etwas.

"Nicht nur du.", brummte Holden im Hintergrund.

Fynn fing an zu kichern. "Da oben hört man auch alles!"

"Okaaay! Das reicht jetzt! Komm, Noah!", feixte Caiden und zog mich am Arm raus.

"Aber dieses Mal nicht so laut ja!", lachte uns Merle hinterher.

"Klappe!", blaffte mein Freund, seinen Freund an.


Caiden und ich lagen auf meinem Bett. Ich in seinem Arm und er streichelte mir über den Rücken.

"Fragst du deine Mum dann bald?"

"Jetzt kannst du es wohl nicht mehr erwarten, hm?", lachte er und ich zwickte ihm in die Seite. "Ey!"

"Ich bin schon neugierig und ich bin froh, dass du mit mir mitkommst."

Er zog mich fester in seinen Arm.

"Ich werde dir immer bei allem helfen, versprochen."

"Danke. Caiden?"

"Ja?"

"Ich liebe dich."

"Ich liebe dich auch, Noah." Und ich spürte noch sein Lächeln an meiner Stirn.
Review schreiben