Lie [Yoonmin]

GeschichteRomanze, Thriller / P18 Slash
Jimin Kim Seokjin RM Suga
22.04.2019
30.06.2020
20
31.588
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30.06.2020 1.804
 
Noch lange waren die Worte seines besten Freundes ihm im Kopf herum gegeistert, hatten sich unter den intensiven Strom seiner Gedanken gemischt und ihn irgendwann vor Erschöpfung einschlafen lassen.
Welchen Nutzen hatten Gefühle, wenn sie jemandem gebührten, der ganz offensichtlich nichts mit ihnen zu tun haben wollte. Was nutzte es überhaupt zu lieben, wenn alles was man zurück bekam nur Schmerz war und warum ließen sich solche Gefühle nicht einfach unterdrücken, oder abschalten? Warum hatte einfach nicht alles so bleiben können, wie es vorher gewesen war. Vor der verhängnisvollen Party mit dem mysteriösen Mädchen. Vor den Sommerferien und vor Jimin.

„Weil ich deine Hilfe brauche.“
Kaum wahrnehmbar, spürte Yoongi den Hauch einer Präsenz, ganz dicht an seinem Ohr. Wie von Geisterhand wurde seine schweißnasse Stirn von wirren Strähnen befreit, welche zärtlich hinter sein Ohr geschoben wurden. Argwöhnisch blickte er sich um, versuchte in dem sterilen Raum aus weißen Wänden jemanden zu entdecken, aber er konnte niemanden sehen.
„Wer bist du?“
Die Hände hinter sich gestützt, kauerte er auf dem weißen Fliesenboden und rutschte ängstlich zurück, bis eine der kahlen Wände ihn stoppte.
Eigentlich wusste er genau, wem die Stimme gebührte, die ganz klar nach seiner Hilfe bat. Unverkennbar hatte Jimins Stimme sich in sein Gedächtnis geprägt und schmerzerfüllt schluckte Yoongi gegen den großen Kloß in seinem Hals an.
„Ich weiß es nicht... Ich weiß nicht, wann ich mich verloren habe.“
Jimins Stimme klang ängstlich, fast schon verzweifelt und als hätte er kurz davor heftig geweint. Besorgt rappelte Yoongi sich auf.
„Ich finde dich, Jimin. Du… du musst mir nur sagen, wo du bist. Bist du verletzt?“
Hektisch tastete er sich an den glatten Wänden entlang. Eine glich der anderen und bereits nach wenigen Sekunden war ihm, als hätte er komplett die Orientierung verloren.
„Ich habe mich verirrt, Yoongi und ich… ich verstehe nicht, warum es so weh tut? Ich kann es nicht verstehen.“
Wie ein Echo hallten die Worte von Zimmerecke zu Zimmerecke. Die Stimme hatte begonnen leise zu weinen und immer wieder ging ihm das schmerzerfüllte Zittern in ihr, durch Mark und Bein.
„Was tut dir weh? Rede mit mir, Jimin. Bitte geh nicht einfach weg. Ich kann dir helfen.“
„Nein!“
Erschrocken zuckte Yoongi zusammen.
„Du darfst nicht hier her kommen, hörst du? Du darfst niemals hier her kommen. Es ist zu gefährlich!“
Immer leiser wurde das bitterliche Flehen des jungen Mannes, der gesichtslos Yoongis Traum heimsuchte und ihm Gänsehaut bescherte. Es war ihm, als sickerte eisige Einsamkeit aus dem Abfluss, welcher sich mitten im Raum auf dem sterilen Fliesenboden befand. Einsamkeit, die sich derart entwaffnend und einnehmend um Yoongis Körper schlang, dass er sich keine Sekunde länger auf zwei Beinen halten konnte. Kraftlos brachen seine Knie immer wieder ein, während er sich die vierte oder fünfte Runde an den kahlen Wänden entlang tastete. Kontrastreiche Streifen, frischen Blutes hinterließen seine aufgeschürften Fingerkuppen und wütend schüttelte er den Kopf.
„Warum ist es gefährlich für dich, Jimin? Was ist denn los bei dir?“
Eine quälende Ewigkeit erhielt er keine Antwort, bis die wütende Verzweiflung ihn übermannte.
Mit einem erstickten Schrei schmetterte er seine Faust gegen die blutverschmierten Fließen, wild entschlossen sich notfalls gewaltsam aus der Isolation zu kämpfen, um Jimin helfen zu können. Doch weit kam er nicht.
„Gefährlich für dich, Yoongi. Für dich.“
Plötzlich ganz nah kroch die Stimme seinen Nacken hinauf. Der Geruch nach Blut, Bleichmittel und Angst raubte ihm beinah den Verstand und atemlos schreckte er aus seinem intensiven Traum.
„Du blutest ja man!“
Mit besorgt geweiteten Augen lehnte Namjoon über ihm, als er die Lider aufschlug.
Verwirrt befreite er seine Hand aus der klammen Decke und fasste sich an seine Nase. Warm rann ein Blutstropfen seine Fingerkuppe hinunter und schweißgebadet versuchte er gegen die heftige Panik in seiner Brust anzukämpfen. Energisch stemmte er beide Hände gegen Namjoons Brust, schob ihn atemlos bei Seite und hinterließ einige Blutflecken auf seinem nackten Oberkörper.
„Ich muss gehen!“, keuchte er, zog geräuschvoll die Nase nach oben und strampelte sich aus dem Bett. Bitter rann das Nasenbluten seinen Rachen hinab und die Auswirkungen des heftigen Trips hingen ihm schwer an den Gliedern. Wild entschlossen kämpfte er gegen Übelkeit und Schwindel, während er seine wenigen Sachen zusammen suchte.
Wie auch immer er herausfinden würde, wo genau Jimin war, er musste es wissen und er musste ihm helfen.
„Es ist wegen Jimin, was?“
Gerade dabei sich das Blut der Nase am Handrücken ab zu wischen, verharrte Yoongi in seiner Bewegung und starrte Namjoon mit ausdruckslosem Blick entgegen.  
„Was?“
Er verstand nicht. Völlig desillusioniert war es ihm, als wäre Namjoon gar nicht richtig da. Dabei saß sein bester Freund mit tiefen Augenringen und seinem Blut auf der starken Brust direkt vor ihm auf der Bettkante. Unfassbar müde sah er aus und die, noch immer perfekt in Form gebrachten Haare vom Vorabend verrieten, dass Namjoon nicht geschlafen haben musste.
„Du hast seinen Namen gesagt. Im Schlaf meine ich.“
Verwirrt formte Yoongi ein Wort mit seinen trockenen Lippen, doch war sich dabei selbst nicht einmal klar darüber, was er überhaupt sagen wollte. Es war alles zu viel gewesen. Die Trennung von Jimin, obwohl sie noch nicht einmal zusammen gewesen waren, der gestrige Abend, die Drogen, Namjoons Geständnis und nun der Schmerz in seinen treuen Augen. Yoongi wollte ihn nicht verletzten und doch kämpfte er dankbar mit den Tränen, als Namjoon erneut begann zu sprechen.
„Ich habe dir doch gesagt, dass ich dir helfen werde. Soll… soll ich dich fahren? Zu ihm, meine ich?“
Unbeachtet stürzte ein Blutstropfen von Yoongis Kinn auf den edlen Parkettboden und verlor sich in einer der Fugen. Sein bester Freund hatte sich in Bewegung gesetzt, hielt ihm ein Taschentuch vor die Nase und hob versöhnlich schmunzelnd eine Augenbraue.
„Jetzt sag schon. Was kann ich tun?“
„Du musst mich fahren.“
Eilig wischte Yoongi sich über die blutende Nase und schüttelte den Kopf.
„Okay, wo hin?“
Bereits auf der Suche nach den Schlüsseln seines Motorrads, hastete Namjoon, nur in Boxershorts durch sein Schlafzimmer, ehe Yoongi sich gequält die Stirn rieb.
„Ich habe keine Ahnung wo er wohnt.“, murrte er genervt von sich selbst und biss energisch die Zähne zusammen.
„Du weißt nicht wo er… Was?“
„Joon, kann ich mir dein Handy leihen?“
Auf eine Antwort wartete er nicht. Eilig griff er nach dem fremden Handy, welches am Abend zuvor unbeachtet auf dem Nachttisch abgelegt worden war. Zahlen, die mehr Bedeutung hatten, als Yoongi bis jetzt bewusst war, bildeten sich in seinem Kopf.
Dass er Jimins Nummer auswendig gelernt haben musste war ihm nie aufgefallen, aber im Hinblick darauf, dass es die einzige Möglichkeit der Kontaktaufnahme für ihn war, hatte sein Gedächtnis die Notwendigkeit früher erkannt als er.
Ungeduldig knüllte er das blutige Taschentuch in seiner Faust, als der Signalton seines Anrufes ihm in den Ohren klingelte. Inständig betete er, dass es nicht bereits zu spät war. So sehr hoffte er, dass es Jimin gut ging und seine Vorahnung lediglich ein böser Traum gewesen war.
Es benötigte nur wenige Sekunden, um diesem Wunsch eine völlig neue Wendung zu geben.

Während die Sonne an diesem Tag hinter mächtigen Bergen aus Regenwolken verborgen blieb, drang nur wenig Licht in das Schlafzimmer seines besten Freundes. Dennoch konnte Yoongi die Wände näher rücken sehen, als sich die Stimme einer jungen Frau auf der anderen Seite seines Anrufs meldete.
„Hoon, Yonsei Mental Health Department clinics, Seoul, geschlossene Abteilung. Mister Park ist gerade nicht zu sprechen. Melden Sie sich doch bitte direkt an unserem Empfang, wenn Sie ein Angehöriger sind.“

Das blecherne: „Hallo? Sind Sie noch dran?“, hörte Yoongi nicht mehr, als er kraftlos beide Hände sinken ließ.
Mental Health Departmnt clinics…
Yoongi kannte die berühmt berüchtigte Nervenheilanstalt, welche sich fast im Stadtzentrum der Millionenmetropole befand. Nicht weit von seinem Zuhause, seiner Universität und Namjoons Tonstudio entfernt. Jeden Tag fuhr Yoongi mit der U-Bahn daran vorbei, wenn er sich dampfende Nudeln von einem der Schnellimbisse holte, Einkäufe in dünnen Plastiktüten nach Hause trug, oder sich Gras beschaffte. Das Gebäude hatte sich über die Jahre in sein Leben integriert, war Normalität geworden und irgendwann vor seinen Augen verschwunden. Ausgeblendet, wie all die Schicksale, hinter den stillen Mauern.
Der hohe, graue Beton verlieh dem hochmodernen Gebäude eine kühle Ausstrahlung und die Gitter an den Fenstern glichen eher denen eines Gefängnisses, als denen eines Krankenhauses.
Nur die härtesten Fälle ergatterten einen Platz in der geschlossenen Abteilung des Klinikkomplexes und der Ruf, nie wieder aus eben dieser Abteilung heraus zu kommen, eilte ihr weit voraus.
In Südkorea Probleme mit der Psycho zu haben, stellte einen vor viele, unüberwindbare Hürden und Konfrontationen. Schnell wurde man als Fehler im System deklariert und durch das Raster der fleißig arbeitenden Gesellschaft gestoßen. Yoongi hatte diese Erfahrung selbst machen müssen und früh gelernt, dass man besser nicht zu laut jammerte, wenn die Depression einen wieder einmal in die Knie zwang. Doch dort, hinter Gitterfenstern und unter den strengen Augen hochgebildeter Fachkräfte, hatte man keine Chance mehr, unbemerkt weiter am Strom des Lebens teilhaben zu können. Sich Jimin in einer solch ausweglosen Situation vorzustellen, verschaffte ihm körperliche Schmerzen und doch überschattete die Frage, was ihn überhaupt dorthin gebracht hatte, alles.
„Fahr mich zu Hoon, Yonsei.“, räusperte Yoongi sich mit zitternden Händen und atmete tief durch.
„Diese Psychiatrie im Zentrum?“
Verwirrt steckte Namjoon den Kopf durch die Tür, eine Zahnbürste noch zwischen den Zähnen.
„Ist es wieder so schlimm geworden man? Ist es wegen den Medikamenten? Weil du die nicht nimmst?“
Energisch schüttelte der angesprochene den Kopf.
„Jimin… er wohnt da.“
Und noch immer setzten sich die Puzzleteile in seinem Verstand zusammen. Wieso Jimin nicht zu ihm kommen konnte und auch nicht zulassen konnte, dass Yoongi ihn besuchen fuhr. Weshalb er sich nie mit Freunden getroffen hatte, oder irgendetwas über seinen Alltag preisgegeben hatte. Warum er ihm immer ausgewichen war, bei allen spezifischeren Fragen und warum es ihm vermutlich nicht möglich war eine Beziehung mit ihm einzugehen.

› Ich habe dich die ganze Zeit angelogen. ‹
› Grenzen existieren nicht nur im Kopf. Manchmal sind sie auch real. ‹

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Hey ihr da draußen, heute mal keine direkte Anrede.
Ich muss mich bei euch entschuldigen und gleichzeitig für alle Nachrichten bedanken, die ihr mir geschrieben habt, während ich weg war. Es tut mir leid, dass ich keine davon beantworten konnte. Irgendwie glich mein Privatleben in den letzten Wochen eher selbst einer Fanfiction und tatsächlich habe ich für einen Moment gedacht, dass ich verlernt habe, wie das überhaupt geht mit dem Schreiben. Ich freue mich so sehr über alle, die noch hier sind und nicht inzwischen das Interesse verloren haben. Ich hoffe, dass es euch gut geht und ihr mir meine Abwesenheit nicht böse nehmt. Natürlich wird diese Story zu Ende geschrieben und endet nicht auf dem Friedhof der angefangenen Fanfictions (wie eine von euch schrieb <3). Keine Sorge! Das nächste Update wird nächste Woche kommen. Bis dahin wünsche ich euch eine gute Zeit und viel Spaß beim Lesen.
- Joel
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