Elements of Perdition

von Sterling
GeschichteAbenteuer, Drama / P18
Hermine Granger Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle Salazar Slytherin
22.04.2019
22.10.2020
101
170.813
90
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18.10.2020 1.245
 
Und weiter geht es. Ich hoffe, ihr bleibt stark!


90. Kapitel Too late

Hogwarts, 1944

Die Übelkeit war zurückgekehrt. Zum dritten Mal in Folge. Hermine schlussfolgerte, dass ihr Magen rebellierte, weil ihr Körper langsam aber sicher an seine Grenzen stieß. Da sie Madam Pontmercy nicht mit ihrem neuerlichen Problem unter die Augen treten wollte, weil sie der Dame somit bewiesen hätte, dass sie sich nicht gut genug an ihre Verordnungen gehalten hatte, bestellte sie über Abraxas ein rezeptfrei erwerbliches Mittel gegen Übelkeit aus dem Angebot des Familienunternehmens. Ihr letztes bisschen Coven’s Reisegutrunk, der in aller erster Linie gegen Reiseübelkeit wirkte und Bestandteil eines Tranksets gegen kleinere Wehwehchen gewesen war, das sie Ende des Vorjahres in der Winkelgasse erstanden hatte, hatte sie bereits restlos aufgebraucht.
Hoffend, dass die Behandlung mit einem hochwertigeren Produkt ihren Magen wieder unter Kontrolle bringen würde, wartete sie ungeduldig auf das Eintreffen der Posteule.

Das verdammte Tier erschien erst am Anfang der nächsten Woche. Sein spätes Auftauchen hatte zur Folge gehabt, dass Hermine das Wochenende in ihren Zimmer verbracht hatte. Einen Eimer in unmittelbarer Nähe und einen besorgten Kater an ihrer Seite, der sie bedrängte endlich die Krankenschwester aufzusuchen und mit jeder weiteren Weigerung ihrerseits immer ungehaltener und unflätiger wurde.
Die Erleichterung, die sie bei Erhalt des Pakets am Montagmorgen überströmte, dauerte allerdings exakt so lange an, wie sie brauchte, um die große Halle zu verlassen, in ihr Zimmer zurück zu kehren und den Inhalt (sechs Fläschchen) in der obersten Schublade ihrer Kommode zu verstauen. Bis zu jenem Augenblick nämlich, da ihre Augen sich auf blütenweiße, unbenutzte Monatsbinden senkten.
Für eine quälend lange Weile starrte sie die Hygieneutensilien an, als wüsste sie nicht, was sie mit ihnen anfangen sollte.
Dann schlich sich die Erkenntnis darüber, wie lange sie bereits unangetastet in der Schublade gelegen hatten in ihren Blick, breitete sich über ihr Gesicht aus und verzog es zu einer grauenvollen Fratze des Entsetzens. Zwei der Medizinfläschchen zerschellten im Bruchteil weniger Sekunden auf dem Boden, ein durch das Krachen brutal aus dem Schlaf gerissener Kater stieß ein erschrockenes Fauchen aus und Hermines Mund öffnete sich zu einem gellenden Schrei.

*

Am Montag war sie nach dem Frühstück nicht zum Unterricht erschienen und als er sich bei der Krankenschwester erkundigt hatte ob seine Cousine wegen ihrer anhaltenden Übelkeit nun doch endlich vorstellig geworden wäre, hatte er feststellen müssen, dass Madam Pontmercy Gillian seit ihrem Ohnmachtsanfall nicht mehr gesehen hatte. Nach seinem Besuch auf dem Krankenflügel waren die Lehrer über Gillians unentschuldigtes Fehlen informiert worden. Es hieß, dass Dumbledore persönlich zu ihr gegangen wäre, um mit ihr über ihr Verhalten und die Gründe dafür zu sprechen. Da seine Cousine nach dem Besuch ihres Hauslehrers dem Unterricht für zwei weitere Tage fern blieb und kein weiteres Mal befragt wurde, nahm er an, dass Dumbledore in Absprache mit Pontmercy einer Eigenbehandlung mit dem Malfoyschen Antiübelkeitselixier zugestimmt hatte.
Er versuchte, sie dennoch zu kontaktieren. Um sicherzugehen, dass nicht doch etwas Schlimmeres geschehen war. Aber ohne Erfolg. Gillian reagierte nicht.
Beim Frühstück am Donnerstag sah er sie das erste Mal wieder und war entsetzt über ihren Anblick. Sie war deutlich grün um die Nase und ihre sonst so penibel frisierten Haare standen wirr in alle Richtungen ab. Tiefe Ringe lagen unter ihren Augen, ihre Haut wirkte blass und wächsern und als sie sich jetzt über ihren Teller beugte war der Ekel in ihren Augen beinahe überdeutlich. Abraxas ballte die Fäuste. Ein weiteres, deutliches Alarmsignal, wenn jemand den Appetit verlor. Was zum Henker war ihr bloß passiert? Und warum saß sie hier, in diesem jämmerlichen Zustand, und befand sich nicht schon längst im Krankenflügel? Es war doch klar, dass die Medizin ihr nicht geholfen hatte, dass sie eine intensivere Behandlung benötigte.
Wollte man denn zusehen, wie seine Cousine litt?
Er wandte den Kopf ab, ertrug ihren Anblick nicht länger. Seine Augen blieben an seinem Herrn haften, der seinerseits den Blick auf Gillian gerichtet hielt. Der nahezu undeutbare Ausdruck darin ließ ihn heftig schaudern.
Abraxas hatte schon seit geraumer Weile und mit wachsender Unruhe den körperlichen Zustand seiner Cousine beobachtet. Als er von ihrem Ohnmachtsanfall erfahren hatte, hatte er gehofft, sein Herr würde ihr eine zumindest kurze Erholungsphase von all den zusätzlichen Trainingseinheiten zugestehen, dass selbst er erkennen würde, dass er im Begriff war, seine Anhängerin körperlich aufzureiben. Aber das Gegenteil war eingetreten.
Er hätte es besser wissen müssen. Lord Voldemort kannte keine Rücksicht…

*


Er folgte ihr in die unverschämt bittere Kälte des noch frühen Tages hinaus, wissend, dass er gerade im Begriff war, den Unterricht zu schwänzen. Aber er musste mit Gillian reden, ihr sagen, dass sie besser auf sich aufpassen musste. Auch wenn er selber keinen blassen Schimmer hatte, wie sie das anstellen und gleichzeitig Lord Voldemorts Anforderungen gerecht werden sollte.
Gillian ging zügig und Abraxas war fast versucht zu glauben, dass sie vor irgendetwas auf der Flucht war. Vielleicht hätte sie heute wieder in den Unterricht gemusst, hatte sich aber aus deutlich sichtbaren Gründen dafür entschieden, einen weiteren Tag fern jeglichen schulischen Drucks zu verbringen. Abraxas konnte es ihr nicht verübeln. Es war unverantwortlich, was Madam Pontmercy und Professor Dumbledore seiner Cousine antaten!
Er rief ihren Namen, doch sie hielt weder an, noch warf sie einen Blick über die Schulter. Was aber auch daran liegen konnte, dass der Wind so heftig ging, dass er seine Stimme mit sich fortzerrte. Höchstwahrscheinlich hatte Gillian ihn einfach nicht gehört.
Er beschleunigte seine Schritte, eilte ihr zu den Ausläufern der Schlossländereien hinterher.
Als er aufgeholt hatte, packte er ihre Schulter, wollte so endlich auf sich aufmerksam machen.

Im nächsten Moment riss es ihn von den Füßen und er verspürte das unmissverständliche Gefühl, an einem Haken durch die Luft geschleudert zu werden.
Unsanft landete er auf dem harten Untergrund eines hell erleuchteten Gangs. Mit einem Knurren richtete er sich auf und blickte sich um, in der leisen Hoffnung, einen Hinweis darauf zu bekommen, wohin Gillian mit ihm appariert war. Denn so unmöglich dies auch klang, schließlich konnte man die Ländereien und das Schloss nicht auf diese Weise verlassen, sie befanden sich zweifellos nicht mehr in Hogwarts.
Seine Umgebung war absolut schmucklos und nichtssagend. Weiß getünchte Wände, ein mit gelben und braunen Kacheln wenig ansprechend gefliester Boden, dunkle Holztüren, die sich auf jeder Seite des Ganges aneinanderreihten. In der Luft hing der durchdringende Geruch nach Karbolsäure.
Und doch war ihm der Ort nicht unbekannt. Wenn ihn nicht alles täuschte, befand er sich in einem Nebengebäude des St. Mungo Hospitals. Er erkannte die hässlichen Fliesen wieder. Als kleiner Junge hatte er sie gezählt, nachdem seine Mutter ihn auf einen Stuhl verpflanzt und ihn angewiesen hatte zu warten. Darauf, dass sie Tante Flora, die Schwester seines Vaters und ihr neugeborenes Kind besuchen konnten. Das Kind, das wenig später eines unerwarteten Todes gestorben war. Plötzlicher Kindstod hatte man das schreckliche Ereignis genannt, gegen das selbst Zauberer machtlos waren.
Was wollte Gillian hier?
Seine Augen blieben just in diesem Moment an einem weißen Emailleschild hängen, das mittig im oberen Drittel einer braun lackierten Holztüre angebracht worden war. In großen schwarzen Lettern prangten dort die Worte Theophanu Argyle – Heilerin- Gynäkologische Abteilung.
Die Vorahnung die ihn beschlich war ganz und gar lächerlich! Sie war nicht deswegen hier! Oder etwa doch? Was, wenn ihre andauernde Übelkeit in Verbindung mit ihrem anderweitigen Zustand bedeutete, dass…
Er wirbelte herum, sah seine Cousine wie erstarrt dastehen, geschockt über seine Anwesenheit. Abraxas suchte ihren Blick, las darin wie in einem offenen Buch. Und plötzlich ergab alles Sinn...
Nein Oh, nein!“, hauchte er tonlos.
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