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Elements of Perdition

von Sterling
GeschichteAbenteuer, Drama / P18 / Het
Hermine Granger Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle Salazar Slytherin
22.04.2019
22.10.2020
101
170.840
115
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
22.04.2019 1.664
 
1. Kapitel                                                                                            Six feet under

Es war ein kalter, trister Tag. Der Himmel, mit schweren Regenwolken verhangen, ähnelte einer schmutzig-grauen Decke. Ein eisiger Wind pfiff, rüttelte unnachgiebig an den Bäumen und entriss ihnen eine Vielzahl bräunlich-gelber Blätter. Haltlos trudelten sie zu Boden, blieben auf der schlammigen, dunklen Erde liegen, wo sie bald zu einem undefinierbaren braunen Brei zerfallen würden. Es war als wollte dieser Tag den Schmerz noch unterstreichen, den sie alle fühlten, als der unscheinbare Sarg in das klaffende Loch vor ihnen gesenkt wurde. Es hatte wieder zu regnen begonnen und auf der polierten Oberfläche des Sarges sammelten sich kleine Tropfen. Wie durchsichtige Perlen verharrten sie auf dem Holz und erzitterten leicht, als sie langsam in der Tiefe verschwanden.

Arthur schluckte und stellte fest, dass der Kloß in seinem Hals dicker geworden war. Tränen brannten in seinen Augen und er fühlte sich immens hilflos, als sein Sohn haltlos schluchzend auf die Knie ging. Was sollte er tun? Wie konnte er ihm diesen Schmerz nehmen? Es war schlimm genug für Ron gewesen, Fred zu verlieren. Aber nach so kurzer Zeit auch sie zu verlieren? Das Schicksal war eine grausame Göttin und oft genug strafte sie die falschen Leute ab. Arthur wischte sich mit einem Taschentuch über das tränennasse Gesicht und ging in die Hocke, legte vorsichtig einen Arm um seinen Sohn, dessen Schultern unter der Last des Schmerzes erbebten.
„Komm mein Junge, steh wieder auf!“, sagte er sanft.

Doch Ron schien ihn nicht zu hören. Er warf einen Blick zu seiner Frau, die bereits neben Ron auf die Knie gegangen war, und ihm den roten Schopf streichelte. Auch Molly trug einen Ausdruck blanker Hilflosigkeit im Gesicht.  Sie sprach nicht, keine beruhigenden Worte, nichts, was sie sonst gesagt hätte. Wie er selbst wusste auch Molly nicht, was sie Ron sagen konnte, um den Verlust erträglicher zu machen. Und so beließen sie es bei tröstenden Berührungen, die ihr Sohn vor lauter Kummer gar nicht wahrnahm. Arthur hob den Kopf und blinzelte zur Seite. Dort standen ihre Eltern, die Gesichter aschfahl. Mienen unendlichen Leids. Er wusste, was sie gerade durchmachten, fühlte sich mit ihnen verbunden. Auch er hatte ein Kind verloren. Auch er kannte den schwarzen Abgrund, der jegliche existierende Freude auf immer zu verschlingen drohte. Neben ihm regte sich jemand. Harry. Er hatte die Augen geschlossen und auf seinem Gesicht vermischten sich die Tränen mit den Spuren des Regens. Arthur holte zitternd Luft. Wann würde es endlich aufhören? All das Leid, die Trauer? Hatten sie alle nicht genug gelitten?
                                                                         
                                                                                                                             *
Es kam ihm immer noch so surreal vor. Fast glaubte er, sie würde jeden Moment wieder vor ihm stehen. Die Stirn in Falten gelegt und über die Möglichkeit philosophierend, was passieren würde, wenn sie die Abschlussprüfungen im siebten Jahr nicht bestünde. Als ob sie jemals etwas nicht bestanden hätte! Ein schwaches Lächeln zerrte an seinen Mundwinkeln, als er an ihre Panik dachte, wann immer sie das Gefühl gehabt hatte, in einem Fach durchgefallen zu sein.
Ich bin viel zu sehr auf  Odgens theoretische Ansätze eingegangen und zu wenig auf  Smethwyck. McGonagall wird mir mit Sicherheit einige Punkte abziehen müssen!

Aber sie würde diese Panik nie wieder haben müssen. Sie war fort. Ein für alle Mal fort und es fiel ihm schwer, so unglaublich schwer, diese Tatsache zu akzeptieren. Nach Sirius, nach Lupin, nach Fred, konnte er ihren Tod nicht auch noch akzeptieren. Es konnte nicht sein, dass Hermine Granger einfach so vom Antlitz dieser Erde verschwunden war. Es konnte nicht sein, dass sie Ron und ihn einfach so zurückließ. Sie waren immer zusammen gewesen, hatten die schlimmste Zeit ihres Lebens mit vereinten Kräften überstanden, hatten den Krieg gewonnen. Wie konnte es jetzt vorbei sein? Jetzt, da ihr Leben glücklich hätte verlaufen sollen? Harry ballte die Fäuste und stellte sich einmal mehr die Frage, ob er genug getan hatte, um sie zu retten. Sie hatte ihn aus jedem erdenklichen Schlamassel befreit und weiß Gott, es waren keine kleinen gewesen. Und er? Er war zu schwach gewesen, um das gleiche für sie zu tun! Tief in seinem Inneren wusste er, dass ihn keine Schuld traf. Dass er nichts hätte tun können, so sehr es auch versuchte. Aber das änderte nichts an seinem Gewissen. Und so blieb die Frage in seinem Kopf, nagte an ihm und hinterließ Fraßspuren der Schuld.

Es hatte ganz simpel angefangen. Mit Kopfschmerzen. An einem Sonntagmorgen im Fuchsbau. Hermines Gesicht war während des Frühstücks plötzlich so bleich wie Kreide geworden, sie begann über stechende Schmerzen zu klagen und sah sich gezwungen, sich wieder ins Bett zurück zu ziehen. Einen Tag später hatte ihr Zustand sich derart verschlechtert, dass sie sie ins St. Mungos gebracht hatten. Es schien nichts allzu ernstes zu sein. Zumindest hatten die Heiler ihnen keinen Anlass zur Sorge gegeben. Trotzdem behielt man sie über Nacht da, nur um ganz sicher zu sein. Und damit nahm die Tragödie ihren Lauf. Gegen Mitternacht traten ihre Adern so deutlich hervor, dass es schien, als hätte sich ein fürchterlich groteskes Netz aus blauen Linien über ihre Haut gelegt. Sie fieberte stark, konnte nicht mehr sprechen und atmete flach. Die beunruhigten Blicke der Heiler waren Harry nicht entgangen, als man ihn, Ron und die restlichen Weasleys aus dem Krankenzimmer geworfen hatte.

Entschlossen, herauszubekommen, was mit seiner besten Freundin nicht stimmte, hatte er die erstbeste Gelegenheit beim Schopf gepackt und eine Heilerin abgefangen, die eine halbe Stunde später aus dem Zimmer schlüpfte und sich eiligen Schrittes entfernen wollte.
„Wir wissen nicht, was ihr fehlt!“, hatte sie nach kurzem Zögern zugegeben.  
„Es tut mir leid, aber mehr kann ich Ihnen derzeit nicht sagen!“
Die ganze Nacht über hatte man versucht sie zu retten. Vergeblich. Am Morgen des nächsten Tages bat man darum, ihre Familie zu verständigen. Es bestünde keine Hoffnung mehr auf Rettung.
Keine Stunde später löste sich Hermines Körper vor seinen Augen auf. Ganz langsam verschwanden ihre Beine, dann ihr Oberkörper, bis sie schließlich fort war. Nur die Delle in dem verwaisten Krankenbett deutete darauf hin, dass hier ein Körper gelegen hatte. Dass sie tatsächlich existiert hatte.

Es war eine Sache, einen Toten zu verabschieden. Man konnte ihn berühren, fand vielleicht Trost in diesem letzten Abschied. Aber es war etwas gänzlich anderes, Zeuge zu werden, wie jemand sich einfach so in Luft auflöste. Einfach unwiederbringlich verschwand. Als hätte es diesen geliebten Menschen nie gegeben. Er hatte es damals nicht wahrhaben wollen und auch jetzt noch weigerte sich sein Verstand, zu akzeptieren, dass sie nicht einfach nur fort, sondern tot war. Für immer verloren. Wie konnte er auch, wenn der Sarg zu seinen Füßen nichts als ihr Porträt enthielt?
                                                                                                                                     *
Von ihrer Position aus, konnte sie sehen, wie mehr und mehr Trauergäste auf das schwere, schmiedeeiserne Tor zuhielten, hinter dem sich der kleine Muggelfriedhof verbarg. Für jemanden, der nicht vollständig unaufmerksam war, war es nicht schwer, die Mitglieder der magischen Welt unter den Trauergästen zu erkennen. Hier und da blitzte ein schwarzer Umhang zwischen schwarzen Muggelmänteln auf und etwas weiter vorne schritt ein hochgewachsener Mann, dessen Spitzhut weithin sichtbar war. Die alte Dame schüttelte den Kopf. Sie blickte in den Rückspiegel und betrachtete das Gesicht ihres Enkels. Diesem war nicht zum Lachen zumute und der Anblick seiner aufrichtigen Trauer traf sie tief.

Sie wusste, dass er das Mädchen gekannt und gemocht hatte. Als er in seinem vierten Jahr auf Hogwarts gewesen war, hatten sie sich oft in der Bibliothek gesehen, waren ins Gespräch gekommen. Es hatte sich zwar keine feste Freundschaft entwickelt wie jene, die das Mädchen zu Ron Weasley und Harry Potter gehabt hatte, aber man hatte sich gerne gesehen. Ihr Tod ging ihm nahe.
„Möchtest du, dass ich mitkomme?“, fragte sie ihn leise.
Sie konnte sehen, wie er den Kopf schüttelte. Dann schnallte er sich ab, öffnete die Autotüre des magisch veränderten Vauxhall Victor und schlüpfte hinaus. Sie blickte ihm nach, bis er den Tross der Trauergäste erreicht hatte.
„Also ist es wirklich vorbei?“
Die alte Dame wandte den Kopf zur Seite und musterte das Gesicht ihres Ehemannes, der bis jetzt in brütendes Schweigen versunken gewesen war. Sie war erstaunt, als sie die Sorge bemerkte, die in seinem Blick lag.
„Hast du etwa daran gezweifelt?“, fragte sie.
Er nickte und strich sich durch sein weißes, aber immer noch volles Haar.
„Sie hätten ihre Todesanzeige sonst wohl kaum im Tagespropheten veröffentlicht, oder?“, versicherte sie ihm.
„Dann… müssen wir uns keine Sorgen mehr machen?“, fragte er, dennoch beunruhigt.
„Nein, Liebster. Alles ist gut! Du hättest gar nicht erst zweifeln müssen, weißt du?“
Er atmete tief aus ob ihrer Worte, griff nach ihrer Hand und streichelte sie.

[Anmerk.:]
VIelen Dank fürs Reinschauen und Lesen dieses ersten Kapitels. Es würde mich freuen, wenn ihr dran bleibt, auch wenn ich ein kleiner Geheimniskrämer bin.
Sterling
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