Alpträume

von Rosalie18
OneshotSchmerz/Trost / P12
Alex
22.04.2019
22.04.2019
1
665
3
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
22.04.2019 665
 
Da mich der Film immer noch beschäftigt und es mir besonders der Charakter von Alex angetan hat, gibt es noch einen weiteren kleinen OS.

Viel Spaß beim Lesen.




Disclaimer: Ich habe keinerlei Rechte an den Charakteren, ich leihe sie mir nur aus und verdiene auch kein Geld mit der Geschichte.




Alpträume

„Nein.“ Schweißgebadet schreckte er aus dem Schlaf hoch. Sein Atem ging so schnell, als ob er gerade einen Marathon gelaufen wäre. Es war als würde sein Herz in einem eisenharten Klammergriff gehalten werden. Bis er wusste, wo er sich genau befand, dauerte es einen Moment. Er war in seinem kleinen Zimmer. In Sicherheit. Dennoch lauschte er in die Dunkelheit hinein. Kein Geräusch von feindlichen Schüssen oder Bomben drang an seine Ohren. So angestrengt er auch lauschte. Lediglich der Ruf einer Eule. Erleichterung durchströmte seinen Körper. Langsam beruhigte sich sein Herzschlag, aber nur ganz langsam. Seine Atmung beruhigte sich ebenfalls. Nichtsdestotrotz blieb das beklemmende Gefühl und sein Herz befand sich weiterhin festumklammert von der Angst. Die Angst, die er in Dunkirk verspürt hatte und die noch immer präsent war. Am schlimmsten waren jedoch die Alpträume, die ihn Nacht für Nacht heimsuchten und gegen die er nichts zu unternehmen vermochte. So stark und unerschrocken er am Tag war, so ausgeliefert war er ihnen in der Nacht.

Jede verdammte Nacht wurde er von den Dämonen des Krieges heimgesucht. Mal mehr, mal weniger intensiv. Doch die Bilder waren real und so blieb der Schrecken des Krieges gefangen in seinem Kopf. Naiv waren der Wunsch und die Hoffnung, dass es mit der Zeit besser werden würde. Vielleicht würde es wirklich besser werden, wenn der Krieg erst einmal vorbei war? Vielleicht würde seine Seele dann heilen können? Wer wusste das schon. Doch so weit war es noch nicht. Bis zu diesem Zeitpunkt war es noch ein verdammt weiter und steiniger Weg. Noch war er der Willkür des Krieges ausgeliefert. Seine oberste Pflicht war zu überleben. Nichts mehr und nichts weniger. Nicht wissend, wann er sich wieder in Wirren des Krieges stürzen musste. Ihm war bewusst, dass er dann vielleicht nicht noch einmal so ein großes Glück haben würde und sterben könnte. Es machte ihm Angst, gleichzeitig hatte er auch seinen Frieden damit gemacht, womöglich zu sterben. Er hatte sich zwangsläufig mit dem Tod auseinandersetzen müssen und daher war der Tod etwas das wie ein Damoklesschwert über ihm schwebte. Jederzeit konnte seine letztes Stündlein geschlagen haben. Wenn es so sein sollte, würde er für sein Land sterben. Vermutlich viel zu früh und viel zu jung. Er sollte das Leben genießen, einen Beruf erlernen, eine nette Frau kennenlernen, diese heiraten und eine Familie gründen. Vielleicht würde er all dies niemals tun. Schuld daran war nur dieser sinnlose Krieg, dem Bereits so viele Kameraden zum Opfer gefallen waren und bis zu seiner Beendigung noch würden. Ohne die Chance auf ein langes, erfülltes Leben. Es war nicht fair. Das Leben war nun einmal nicht fair. Der Krieg und seine Schrecken noch viel weniger.

„Versuch zu schlafen. Es war nur ein Traum", Bei dem Klang der sanften Stimme seiner Mutter schlich sich unwillkürlich ein kleines Lächeln auf seine Lippen. Er wusste, dass sie nicht real war, dennoch fühlte es sich für ihn so an. Als Kind hatte sie ihn beruhigt und in den Schlaf gewiegt, wenn er einen Alptraum gehabt hatte. Sein Körper entspannte sich und es dauerte nicht lange, da war er wieder eingeschlafen, hoffend ein wenig notwenigen Schlaf zu finden. Nicht wissend, wie lange ihm das warme, sichere Bett noch vergönnt war.


+++



Die Alpträume waren mit der Zeit immer weniger geworden. Er schreckte nicht mehr Nacht für Nacht aus seinem Schlaf auf. Was sicherlich der Tatsache geschuldet war, dass der Krieg endlich vorüber war und er ihn äußerlich unbeschadet überlebt hatte, doch innerlich hatte er Narben davon getragen. Seine Seele würde sich vermutlich niemals gänzlich erholen, aber er hatte die Chance bekommen sich ein normales Leben aufzubauen.

Was einem Wunder glich und dafür war er unsagbar dankbar.


***
Review schreiben