Denn nicht einmal der Tod kann uns trennen

OneshotDrama, Tragödie / P16
Bert Alfred George Banks Mary Poppins Micheal Banks
22.04.2019
22.04.2019
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Als kleine Vorwarnung: diese Story ist nicht gerade fröhlich..
Eigentlich wollte ich die Story nur schreiben, wenn man in Mary Poppins 2 nicht erfahren hätte, was mit Bert passiert wäre. Schreibe aber nach dem Oneshot mehr dazu.

Here we go:


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Januar 1918

Die steinernen Figuren der Friedhofsmauer blickten mit bösem Grinsen auf sie herab, als sie die großen, knarrenden Tore öffnete. Kaum betrat sie den Ort, der das dies- vom jenseits trennte, als ein unangenehmer, eiskalter Wind aufkam. Dieser Wind schob eine dicke Wolke vor die Sonne, die eben noch schien, und verdunkelte alles- es repräsentierte perfekt ihre Stimmung. Mit gerunzelter Stirn zog sie ihren Mantel zu und vergrub das Gesicht in ihrem Schal.
Tränen sammelten sich in ihren Augen; einerseits aufgrund der Kälte, andererseits wegen der Trauer, die mehr und mehr präsenter wurde. Übelkeit überkam Mary, als sie sich langsam aber sicher dem Block näherte, wo er begraben wurde. Ihre Füße kannten diesen Weg mittlerweile auswendig, weshalb sie sich oft in Gedanken verlor oder einfach abgedriftet durch die Gegend trottete.

Erst als ihre Beine zum stehen kamen, blickte sie auf und schaute direkt auf einen kleinen, rechteckigen und vor allem nichtssagenden Grabstein. Seinen Grabstein. Sie bekam einen Stich ins Herz, als sie seinen Namen darauf las:

Herbert Alfred
1877-1917


Wie jedes Mal, wenn sie dort stand, nahmen ihre Gefühle überhand und sie brach erneut in Tränen aus. Sie konnte es einfach nicht wahrhaben, dass der Mann, den sie über alles liebte nicht mehr unter ihnen weilte.
Unterbewusst spielte sie an dem filigranen, silbernen Schmuckstück an ihrem Ringfinger. Es war ihr Verlobungsring.
Am Abend bevor er in den Krieg zog, machte er ihr einen Antrag, wie er schöner hätte nicht sein können: simpel und liebevoll; ohne großen Aufstand.
Ihr Plan war es zu heiraten, wenn er aus dem Krieg zurückkehrte und all dies vorbei war. Doch es sollte ihnen nicht gegönnt sein. Dieser Abend und diese Nacht waren das schönste und intensivste, was Mary je erlebt hatte. Ihr schien es, als ob sie erst dann bemerkte, wie sehr er sie liebte und wie sehr sie ihn. Beide verband eine Liebe und Leidenschaft, wie sie sich es nie erträumt hatte. Sie konnte es immer noch nicht fassen, dass dieser Abend gerade mal vier Monate her war; und seit sechs Wochen weilte er nicht mehr unter ihnen.

Ihr Blick glitt zu dem Grab rechts neben seinem. Wie der Zufall es wollte, war dort ebenfalls ein bekanntes Gesicht:

George Banks
1870-1917


Das Einzige, was diese ganzen Gräber Unterschied waren die Namen, sonst war alles gleich.
Mary erinnerte sich an einen Tag vor einigen Wochen, an denen sie mit Winifred und den Kindern den Friedhof besuchte:
Michael war an jenem Tag das erste Mal am Grab seines Vaters und Mary würde niemals das Gesicht des Jungen vergessen: seine Haut war blass, die Augen musterten die Gräber und dann sagte er etwas, bei dem die Nanny eine unangenehme Gänsehaut bekam: „uniformierte Gräber“
Als er den fragenden Blick der anderen bemerkte erläuterte er seine Aussage, „Soldaten sehen in ihren Uniformen alle irgendwie gleich aus. So auch diese Grabsteine… Der Krieg zerstört einfach jedes Individuum!“
Ihr überkam ein Schauer, als sie an diesen Satz dachte.

Es gab drei Gründe wieso Mary an diesem Tag sein Grab besuchte:
Der erste Grund war, da sie ihn jeden Dienstag besuchte.
Der zweite Grund war, dass es sein 41. Geburtstag wäre und der dritte und wichtigste Grund war, das sie ihm etwas sagen musste und ein besonderes Geschenk für ihn hatte.

Mary nahm aus ihrer Tasche zuerst einen wunderschönen Blumenstrauß, den sie liebevoll vor seinem Grabstein platzierte. Dieser zählte unzählige Blumen, in den verschiedensten Formen und Farben; diese sollten seine Vielseitigkeit und Lebensfreude repräsentieren.

„Alles Gute, Bert.“
Doch dann langte sie in ihre Manteltasche, zog etwas heraus und legte dies, zusammen mit einer kleinen Rose, auf den tristen Stein. Es war eine kleine, weiße Mütze- so eine wie Babys sie trugen. Eigentlich war dies nicht ihr Stil, doch sie wusste, dass es der von Bert war.

„Wir werden Eltern”, sie schniefte.

Sie legte ihre Hand auf ihren bereits geschwollenen Bauch und strich leicht mit dem Daumen darüber. Ja, sie, Mary Poppins, war schwanger. Schwanger von dem Mann, den sie über alles liebte. Aber auch Schwanger von dem Mann, an dessen Grab sie gerade stand.
Mary könnte in diesem Moment lachen und weinen zu gleich. Er wollte immer eine Familie gründen, dies hat er immer wieder unterschwellig erwähnt. Und er hatte es verdient seine eigene kleine Familie zu bekommen. Und nun? Nun würde er von all dem nichts mitbekommen. Alles nur wegen dem ätzenden Krieg, der so viele Leben kostete, so viele Familien zerriss und so viel Leid über die Welt brachte.
Als sie am Morgen diese Nachricht bekam, schwor sie sich so gut um sein Kind zu kümmern und es zu beschützen, wie sie nur konnte.
Es würde für sie nicht leicht werden als alleinerziehende Mutter ein Kind großzuziehen aber sie war guter Dinge.

Aber, dass sie gerade an diesem Tag, seinem Geburtstag, von der Schwangerschaft erfuhr, war ein merkwürdiger Zufall. Würde er noch leben wäre dies wohl das schönste Geschenk gewesen, welches er sich hätte vorstellen können. Mary blickte in den grauen Himmel und Tränen sammelten sich in ihren Augen: „Ich liebe dich, Bert…“

Doch dann passierte etwas, was selbst Mary verwunderte: die dicken und dunklen Wolken wurden vom Wind wieder zur Seite geschoben, weshalb die Mittagssonne wieder schien und alles erleuchtete; so auch die kleine Mütze. Ihr Blick blieb ungläubig an dieser hängen und ihr Herz blieb einen Moment stehen. Sie war so perplex, dass sie nicht bemerkte, dass es auch langsam anfing zu schneien.
Ein Windstoß wirbelte die bunten Blütenblätter, der vielen Blumen um sie herum, auf und lies diese, zusammen mit einem Rotkehlchen, um Mary tänzeln.

Und in diesem Moment war sich Mary sicher: sie müsste dies nicht allein durch machen. Er würde immer bei ihr sein. Er würde immer in ihrem Herzen sein. Denn nicht einmal der Tod kann uns trennen.

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Wie oben bereits erwähnt wollte ich die Story nur schreiben und auch hochladen wenn Bert in Mary Poppins’ Rückkehr nicht erwähnt worden wäre. Und dann auch in abgewandelter Form (da wäre sie weder Schwanger noch Verlobt gewesen). Jedenfalls habe ich die Story dennoch hochgeladen. Einfach weil ich aus persönlichen Gründen irgendwie sowas schreiben musste und… ja…

Ich habe die Geschichte im Februar geschrieben, aber heute sah ich den Grund, warum ich sie damals schreiben musste.

Manchmal vermisst man Leute und weiß nicht, wie man damit umgehen soll. Manchmal versteht dich niemand. Manchmal möchte man über all das sprechen, aber man hat niemanden, der zuhört. Manchmal muss man die Dinge einfach aufschreiben. Der Verlust von Menschen, die wir lieben, kann unser Herz brechen, uns in Löcher werfen... Aber wir müssen weitermachen. Und ich wette, das ist, was diese Menschen von uns wollen.

Vielleicht sollte ich auch einfach mal etwas glückliches schreiben, da irgendwie alles von mir sehr… depressiv ist.

(Und nein das ist nicht von Never Let You Go- es gibt viele Storys/Filme/Serien die solche Szenen haben. Und die ähneln sich eben in gewisser Hinsicht)