Drachenflamme

von Rubi
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18
Bloom Valtor
22.04.2019
27.10.2019
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Bewusstlos lag die junge Fee in dem kleinen Bett der Krankenstation Alfeas. Ihr Gesicht war noch immer entsetzlich blass, doch ihr Herz schlug mittlerweile wieder stark und regelmäßig. Ihr Atem kam gleichmäßig und beständig.
Sie hatte es geschafft.
Und überlebt.
Der schwarzmagische Zauber wirkte dennoch nach wie vor weiter. Sein Erzeuger musste wirklich absolut sicher gehen wollen, dass sie vollends … auftaute.
Im Raum hatten sich alle Feen des Winx Clubs versammelt. Die Prinzessin von Solaria saß auf einem Stuhl neben dem Bett und hielt die mittlerweile wieder warme Hand ihrer besten Freundin. Die anderen Feen hatten sich in einigen Schritten Entfernung versammelt und leisteten ihrer Freundin Beistand.
Auch Direktorin Faragonda war anwesend.
Ihr Blick ruhte voller Sorge auf der jungen Fee.
Dieses Mal war es entsetzlich knapp gewesen. Obwohl Bloom ihr Enchantix erlangt hatte. Faragonda hatte die Vermutung, dass es dieses Mal nicht Valtor war, der sie so zurichtete. Ansonsten hätte er nicht so krampfhaft versucht sie zu retten … doch er hatte etwas mit dem schlimmen Zustand ihrer Schülerin zu tun. Auch wenn sie immer noch nicht verstand, warum er sie gerettet hatte. Immerhin schien es keinen Sinn zu ergeben! Er hasste die Fee der Drachenflamme! Wie konnte er sie dann retten? Warum sollte er so etwas tun …
Die ältere Fee hatte sich geschworen Bloom zu beschützen. Die letzte lebende Tochter ihrer Verbündeten, ihrer Kollegen und … Freunde. Die Fee der Drachenflamme sollte nicht das gleiche Schicksal wie ihre Eltern oder Schwester teilen. Sie sollte leben. Glücklich sein und Frieden finden.
Doch Faragonda war klar, dass dies niemals geschehen würde. Nicht, solange er lebte.
Nicht-
Die schwarze Magie erhob sich auf einmal. Die gesamte Zeit über hatte sie ruhig auf und in der jungen Fee gelegen. Doch nun rührte sie sich.
Und löste sich von Bloom.
Wie eine dunkle Dunstwolke stieg die Magie auf, verweilte noch einen Sekundenbruchteil über ihr und kehrte dann zu ihrem Meister zurück.
Direktorin Faragonda erkannte sofort, dass Bloom aufwachte. Sie schlug die Augen auf.
Doch - sie blickte sich nicht um, starrte einfach nur an die weiße Decke der Krankenstation.
„Sie ist wach!“, hauchte Stella und beugte sich zu Bloom herunter. Auch die andere Winx traten einen Schritt vor, aber Bloom rührte sich nicht. Sie starrte einfach nur nach oben.
„Bloom?“, fragte Stella vorsichtig, drückte die Hand der Freundin.
Keine Reaktion.
Faragonda und die Winx verfolgten, wie Bloom geschlagene fünf Minuten an die Decke starrte … dann sammelten sich Tränen in ihren Augen, liefen geräuschlos über.
Bloom verzog nicht eine Miene. Ihre Augen weinten einfach.
Stumm und einsam.
Gebrochen.
„Was hat sie denn?“, fragte Flora leise, wollte näher an Bloom herantreten. Diese rührte sich noch immer nicht. Ihr Blick hing starr an der Decke, die Tränen sickerten in ihr dichtes Haar, malten glitzernde Spuren über ihre Wangen und Schläfen.
„Wir sollten sie ein wenig in Ruhe lassen“, hörte sich Faragonda selbst sagen.
Schmerz und Schock rangen in ihr um die Oberhand.
Bloom war … gebrochen.
Niemals hatte sie die starke, junge Fee so sehen wollen. Niemals hätte sie es zulassen dürfen.
„Aber-!“, setzte Stella an.
Bestimmt schüttelte Faragonda den Kopf, legte der Prinzessin von Solaria die Hände auf die Schultern, blickte ihr ernst in die Augen.
„Bloom hat schreckliches durchgemacht und braucht jetzt ein wenig Ruhe“, erklärte sie der Fee der Sonne und des Mondes.
Diese zögerte noch kurz.
Nun glitzerten auch in ihren Augen die Tränen.
„Ja-“, wisperte sie leise, schaute noch einmal auf die bewegungslos daliegende Freundin, erblickte ihr Tränen, die einfach nicht aufhören wollten … und stürzte aus dem Raum.
Musa hechtete ihr hinterher.
„Ich passe auf, dass sie nichts Dummes tut“, murmelte sie leise und war auch schon aus dem Zimmer. Der Rest des Winx Clubs verließ die Krankenstation nur langsam, zögerlich.
Sie waren überfordert. Wussten nicht, was sie tun konnten, wie sie ihrer Freundin helfen könnten.

Sie alle waren noch so entsetzlich jung.
Faragonda war die letzte, die den Raum verließ. Ihre Augen ruhten noch eine Sekunde auf Bloom. Dann wandte sie sich ab und schloss leise die Tür.
So etwas durfte nie wieder geschehen.
Dafür würde sie höchstpersönlich sorgen.



Schweigend ruhten seine Augen auf dem magischen Spiegel.
Jedoch zeigte dieser kein Bild.
Valtor wollte sie nicht sehen und konnte doch an nichts anderes denken. Seine Magie war vor wenigen Minuten zu ihm zurückgekehrt.
Sie hatte es geschafft.
Bloom hatte überlebt.
Wie knapp es tatsächlich gewesen war, wusste nur er allein.
Einen Fluch knurrend, ließ Valtor den verfluchten Spiegel verschwinden.
Er musste sich konzentrieren!
Immerhin hatte er noch eine Welt zu unterwerfen!
Das Solarsystem von Magix erschien vor dem Magier.
Ein Planet trat klar hervor.
Chill.
Oder auch Ohm genannt. Der Planet der inneren Ruhe.
Genau das, was Valtor gebrauchen konnte.
Binnen einer Sekunde hatte er sich auf den Planeten teleportiert. Die magische Quelle war ein Windspiel im Zentrum.
Schon von weitem konnte der Schwarzmagier die Wachen erkennen. Vier menschengroße Affen. Gekleidet in Ninjauniformen. Langschwerter auf dem Rücken.
Dies versprach interessant zu werden. Und das dumpfe Pochen in seiner Brust endlich zu vertreiben.
„Wie wird es sich wohl anhören, wenn ein Affe in einen Brunnen stürzt?“, fragte er und lenkte die Aufmerksamkeit der Wachen direkt auf sich.
Sofort gingen diese in Angriffsmodus.
Sehr gut.
Gelassen streifte Valtor sich den Mantel von den Schultern, legte ihn in seinem Spalt zwischen Raum und Zeit ab und machte sich bereit. Er konnte es kaum erwarten.
Der erste Schlag kam schnell und voller Kraft. Galant tauchte der Schwarzmagier unter dem Arm des Ninjas hindurch, schlug ihm mit der Handkante in die Seite, traf einen Nervenpunkt. Sofort wurde der Gegner langsamer. Doch drei weitere warteten schon auf ihre Chance ihn zu besiegen.
Mit einer Drehung schleuderte Valtor den Ninja, welcher ihm an nächsten war, durch die Luft, direkt auf einen weiteren. Sein langes Haar wehte einen Moment hinter ihm her.
Valtors Herz begann schneller zu schlagen, das Blut stärker durch seine Adern zu pumpen. Adrenalin flutete seine Venen.
Es war wie ein Rausch.
Und genau das, was Valtor jetzt gebrauchen konnte. Keine Gedanken, keine Erinnerungen, keine Schmerzen und auch kein innerer Drang, der ihn schier anschrie, nach der Fee zu sehen. Sich zu vergewissern, dass sein Zauber tatsächlich funktioniert hatte.
Den nächsten Ninja verpasste er einen heftigen Fußtritt, dass er durch die Luft an eine Säule des Windspiels krachte. Valtor hatte die Kontrolle, hatte die Macht diesen Kampf zu gewinnen. Er hatte die Kraft diese gebrochenen Augen zu vergessen und sich wieder seinem Ziel zuzuwenden.
Doch der Schwarzmagier wurde prompt unachtsam, ließ sich von der rohen Gewalt und dem Rauschen seines Blutes ablenken. Von der Erinnerung dieser azurfarbenen Tiefen …
Ein harter Schlag im Rücken riss ihn nach vorne. Mit Präzession fing Valtor sich ab, rollte sich zur Seite, bevor das Langschwert ihn treffen konnte. Schmerz explodierte in seinem Rücken.
Ein Lächeln erblühte auf seinen Lippen.
„Na dann tanzen wir!“, lachte der Schwarzmagier, sprang galant auf die Beine und winkte dem Ninja näherzukommen. Schweiß hatte sich in seinem Nacken gesammelt, lief ihm langsam in den Kragen. Das Rauschen seines Blutes erfüllte seine Ohren. Dumpfer Schmerz pochte durch seinen Körper.
Der Ninja kam auf ihn zu.
Valtor wich dem Schwert aus, schlug dem Affen hart ins Gesicht, setzte einen weiteren Treffer in die Rippen und den Bauch. Dann ein beherzter Fußtritt.
Nun raste sein Herz.
Macht und Stärke flutete seinen Körper. Doch es war keine Magie. Es war etwas Anderes. Etwas Animalischeres, Wilders … Besseres.
Siegessicher zeigte Valtor seine Zähne, als zwei der vier Ninjas zu Boden gingen und liegen blieben. Der Kampf ging weiter.
Valtor musste einige brutale Schläge einstecken. Dies heizte seinen Wahn nur noch an. Wie ein Tier kämpfte er. Scherte sich nicht länger um Aussehen und Eleganz. Es ging nur um den Schmerz, die rohe Gewalt und Kraft.
Nichts weiter!
Valtor brauchte es nur, sein Herz rasen zu fühlen, das Blut durch seine Adern rauschen zu spüren, die Kraft in seinem Körper, die Endorphine und die Macht. Diese einzigartige Macht, die ihm niemand jemals nehmen könnte.
Am Ende war der Kampf viel zu schnell vorbei.
Ein Affe landete tatsächlich im Brunnen. Blieb reglos im Wasser liegen.
Es war Valtor egal.
Gleichmütig wischte er sich das Blut vom Kinn, nachdem er die rubinrote Flüssigkeit ausgespuckt hatte. Sein Haar hing ihm wirr über die Schultern, das weiße Hemd war verschmutzt, die Weste hatte mehrere Knöpfe verloren und war zerrissen.
Kalt trat er an das im Kampf zerstörte Windspiel, streckte die Hand darüber aus.
„Man könnte doch meinen man würde die Essenz eines Planeten in einem etwas stabileren Gefäß aufbewahren“, murmelte er, als er die Magie in sich aufsog. Eigentlich hätte er zufrieden sein müssen. Gestärkt. Doch … er fühlte sich schwach. Mickrig und klein. Sein Herzschlag fing an sich zu beruhigen, sein Körper baute das Adrenalin schon wieder ab. Was zurückblieb, war der dumpfe Schmerz, der jeder seiner Bewegungen folgte. Und doch das Pochen in seiner Brust nicht unterbinden konnte.



Bloom klopfte leise an die große Tür.
„Herein!“, erklang die bekannte Stimme.
Langsam schlüpfte die junge Fee in das Büro der Direktorin. Faragonda stand mit dem Rücken zu ihr am großen Fenster.
„Setze dich bitte, Bloom“, sprach sie, ohne die junge Fee anzuschauen. Zögernd nahm Bloom vor dem großen Schreibtisch Platz.
Sie war seit einigen Tagen wieder auf den Beinen. Nachdem ihre Körpertemperatur wieder ein normales Level erreicht hatte, war es ihr schnell besser gegangen. Doch Faragonda hatte gewollt, dass sie noch eine Woche auf der Krankenstation verbrachte.
Diese Woche war nun um.
Und Bloom würde wieder zum Unterricht gehen.
Doch irgendwie konnte sie sich nicht darüber freuen. Auch das Wiedersehen mit ihren Freunden war anders gewesen. Natürlich war sie erleichtert, alle wohlauf zu sehen, aber Bloom fühlte sich … leer.
Etwas fehlte, oder war da, wo es nicht hingehörte.
Es stimmte einfach nicht.
Irgendetwas stimmte nicht in ihrem Inneren.
„Wie geht es dir, meine Liebe?“, fragte Faragonda. Noch immer hatte sie sich nicht zu Bloom umgedreht.
„Gut“, sagte die Fee leise. Dabei hielt sie den Blick auf ihre Hände gesenkt.
Ihr ging es … gut.
„Möchtest du über das Geschehene sprechen?“, fragte die Direktorin. Als Bloom nicht antwortete, drehte sie sich endlich zu der jungen Fee um.
„Nun?“
Schweigend schüttelte die Fee der Drachenflamme den Kopf. Ihre Augen waren noch immer auf ihre verschränkten Hände gerichtet.
„Ich respektiere das“, sagte die Direktorin. Doch ihr Tonfall wurde weicher, sanfter. Bloom schaute überrascht auf. Ein freundliches Lächeln lag auf den Lippen der älteren Fee.
„Ich weiß nicht, was geschehen ist. Und ich will es auch nicht wissen, wenn ich ganz ehrlich zu dir bin. Doch ich werde immer ein offenes Ohr für dich haben, solltest du bereit sein darüber zu sprechen“, versprach die Direktorin.
Bloom quittierte dies mit einem kleinen Lächeln, das schnell wieder verschwand.
Eine Weile schaute Faragonda sie noch an, dann kam sie auf Bloom zu. Ihre Miene wurde eindringlicher, ernster.
„Ich weiß, wer mit dir auf Glacies war. Ich weiß nicht, was passierte, was ihn dazu brachte dich mit einem solch starken Schutzzauber zu belegen, aber-“ Die Direktorin zögerte. Sie sprach den Namen bewusst nicht aus, bis- „Ich möchte, dass du dich von Valtor fernhält.“
Die Fee zuckte bei dem Namen zusammen.
Kurz schloss die Direktorin die Augen. Sie hatte es gewusst.
„Du wirst nicht länger gegen ihn kämpfen. Das ist ein Befehl“, sprach sie weiter.
Die junge Fee starrte wieder auf ihre Hände. Verkrampft lagen diese in ihrem Schoß.
„Versprich es mir, Bloom“, bat die ältere Fee eindringlich, legte ihre eigene Hand über die der jungen Fee.
Diese hob den Blick.
Was Faragonda darin sah, brach ihr das Herz.
„Ich verspreche es“, sagte Bloom tonlos.
Faragonda suchte ihren Blick. Noch nie hatte sie sich der jungen Fee so fern gefühlt.
„Gut“, nickte die ältere Fee schließlich, trat hinter ihren Schreibtisch.
Bloom ließ ein kurzes Lächeln aufblitzen, bevor sie ging.
Faragonda hatte erkannt, dass es die traurigen, blauen Augen der Fee nicht erreicht hatte.
Sorgenvoll blickte sie ihr nach.
„Ach, Bloom -“



***
Hallo!

Da sich am Ende des letzten Kapitels einige gefragt haben, ob die Trix wirklich komplett aus dieser FF verschwunden sind: Ja, sind sie. Es wird noch mal eine kleine Anmerkung geben, doch ansonsten tauchen sie nicht mehr auf.

Und deswegen mache ich noch mal dreist Eigenwerbung für alle, die die Trix vermissen werden:

Eiskalte Rache ist eine kleine FF über die drei Hexenschwestern und spielt vor ihrem Angriff auf die Winx in der Omega Dimension.

Da sich zudem gewünscht wurde, dass ich Blooms Sichtweise näher erläutere: Dies wird im nächsten Kapitel geschehen. Hier wollte ich mich erst mal auf Faragonda konzentrieren, weil es gerade gut gepasst hat.

LG
Rubi

P.S.: Vielen, vielen Dank für die Empfehlung! Ich habe mich sehr darüber gefreut! ^^
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