#Enkeltrick

GeschichteFamilie / P12
21.04.2019
15.05.2019
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Ich wünschte, die folgenden Zeilen wären Satire.

Sind sie aber nicht.

Die Satire findet zur Zeit im realen Leben statt, nicht nur, aber vor allem bei Twitter.

Twitter-Scherze zur Europawahl sind ab heute bei Twitter verboten.

Die prominenten Betroffenen der letzten Tage waren (Quelle: https://www.zeilenabstand.net/wie-twitter-wahlmanipulation-foerdert/):

Sawsan Chebli, Staatssekretärin, SPD-Politikerin
Gesperrt wegen eines Tweets, in dem sie sich gegen die von der AfD herbeidiskutierte Islamisierung Berlins durch die häufige Verwendung des Namens Mohammed wandte.
https://twitter.com/SawsanChebli

Thomas Stadler, Rechtsanwalt
Gesperrt wegen eines drei Jahre alten satirischen Tweets: „Dringende Wahlempfehlung für alle AfD-Wähler. Unbedingt den Stimmzettel unterschreiben.“
https://twitter.com/RAStadler

Christian Säfken, Rechtsanwalt
Gesperrt wegen der Wiederholung des Wahlwitzes von Stadler. Seine daraufhin erfolgte Sperrung veranlasste ihn zu einem bemerkenswerten Blogbeitrag, in dem er Twitter Rechtsbruch und ein Kippen nach rechts vorwirft.
https://twitter.com/Saefken

Tom Hillenbrand, Autor und Journalist
Gesperrt wegen der Wiederholung des Wahlwitzes von Stadler.
https://twitter.com/tomhillenbrand

Sven Kohlmeier, SPD-Abgeordneter
Gesperrt wegen: „Die Typen von der #AfD! So ein paar #Hitlerwein-Fotos schaden nicht der Parteimitgliedschaft. Wie rechtsradikal muss man eigentlich sein, um bei der #AfD rauszufliegen?“
https://twitter.com/KohlmeierSPD

Dietrich Herrmann, Politologe, Mitglied der Grünen
Gesperrt wegen der Wiederholung des Wahlwitzes von Stadler.
https://twitter.com/d_herrmann

Jüdische Allgemeine, wichtigste Zeitung des deutschen Judentums
Gesperrt wegen eines Tweets zu einem eigenen Artikel. Der Wortlaut des Tweets lautete „Lesenswert: Wegen der Haltung der AfD zum Holocaust meidet der israelische Botschafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff, nach eigenen Angaben jeden Kontakt zu der Partei.“
https://twitter.com/JuedischeOnline

Deutsche Wohnen & Co Enteignen, Initiative gegen Wohnungsknappheit
Gesperrt wegen eines satirischen Tweets über die Berliner SPD.
https://twitter.com/dwenteignen

Die PARTEI Niedersachsen
Die Partei führt das S für Satire bekanntlich bereits im Namen. Gesperrt wurde sie wegen ironischer Tweets.
https://twitter.com/PARTEI_Hannover


Die skurrilste Geschichte zu #Twittersperrt gibt es hier: „Die ziemlich kafkaeske Geschichte der Löschung meines Twitteraccounts“. Sebastian Baumer, ein Mann, der nach eigenen Angaben Naturfotos twittert, traf zuerst nur der Vorwurf „automatisiertes Verhalten“. Dann hieß es, er würde „violence promoten“. Über einen Zeitraum von zehn Jahren sendete er zweiundzwanzigtausend (22.000!) Tweets. Sein angeblicher Missbrauch besteht darin, Fotos aus dem Wald veröffentlicht zu haben. Gesperrt wegen Gesperrt. Sein zweiter Account wurde nämlich erst gesperrt, nachdem sein erster gesperrt wurde.
https://medium.com/@noemata/die-ziemlich-kafkaeske-geschichte-der-l%C3%B6schung-meines-twitteraccounts-605d49288b4f


Heute standen „Zensurvorfälle bei Twitter“ auf der Tagesordnung des Digitalausschusses des Bundestages. Die Entscheidung zu Sperrungen werden von Menschen aus Prüfteams getroffen, hieß es. Diese sitzen in Dublin, San Francisco und Singapur und sollen nun in Deutsch nachgeschult werden.

Der Spiegel schreibt: „Satire, sagte sie [Nina Morschhäuser von Twitter Deutschland], werde aber auch weiterhin zur Sperrung führen, wenn sie falsche Informationen zum Wahlprozess enthält.“ Ein Zwinkersmiley nützt nichts mehr.

In Deutschland werden pro Kopf zehn Mal mehr Beiträge gemeldet als in anderen europäischen Ländern. Die Einspruchsquote liegt bei 2%.

https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/twitter-scherze-zur-europawahl-sind-nicht-mehr-erlaubt-a-1267591.html
https://www.focus.de/digital/dldaily/zensurvorwuerfe-verliert-glaubwuerdigkeit-twitter-nach-anhoerung-im-bundestag-weiter-in-der-kritik_id_10715573.html
https://twitter.com/herrkloeckner/status/1128655050866397186


Zurück zu Sebastian Baumer. Der Mann mit den Waldfotos schreibt: „Was ich daraus lernen muss. … Der Fehler war, vor allem und mehr und mehr schwerpunktmäßig auf eine einzelne Plattform zu setzen. … Ich habe mich mit meiner hohen Aktivität auf dieser Plattform extrem von ihr abhängig gemacht. … Ich hätte diese Energie dringend in mein eigenes Blog oder eigene Plattformen investieren sollen, statt meine Inhalte auf den Server eines gesichtslosen, amerikanischen Konzerns hochzuladen.“
https://medium.com/@noemata/die-ziemlich-kafkaeske-geschichte-der-l%C3%B6schung-meines-twitteraccounts-605d49288b4f
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