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Im Sinne der Gerechtigkeit

von - Leela -
KurzgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Bloo Coco Eduardo Frankie Wilt
20.04.2019
20.04.2019
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1.790
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20.04.2019 1.790
 
Diese Geschichte basiert auf der Geschichte »Wilt-A-Co-Co«. Dort findet man bereits ein paar hoffentlich hilfreiche Informationen zu den Charakteren. Für alle, die die Serie nicht kennen, kommen nachfolgend noch ein paar Ergänzungen zu Charakteren, die hier in der Geschichte dazukommen:
     ● Frankie: … ist die Enkelin von Madame Foster, welche »Foster’s Haus für Phantasiefreunde« gegründet hat, um Phantasiefreunden in Not eine vorübergehende Bleibe zu bieten, bis sie eine neue Familie gefunden haben. Frankie erledigt im Haus alle anfallenden Hausarbeiten, und ist eng mit den (meisten) Phantasiefreunden befreundet.
     ● Eduardo: … ist ein spanischer Phantasiefreund in Form eines Stieres mit violettem Fell. Er bringt eine große, massige, imposante Statur mit, hat aber ein sehr liebes, eher ängstliches Naturell und fürchtet sich vor fast allem. Auch wenn seine Präsenz allein schon respekteinflößend ist, ist er der beste Freund, den man sich vorstellen kann.



Im Sinne der Gerechtigkeit

Frankie vertrat die Überzeugung, daß Wilt die Beziehung mit Coco sehr gut tat. Seit die beiden zusammen waren, achtete sie darauf, daß er sich nicht mehr von anderen ausnutzen ließ – insbesondere bei Bloo hatte sie da ein scharfes Auge drauf.
      Ihr war es auch zu verdanken, daß die beiden ein eigenes Zimmer bekommen hatten. Zuerst dachten die beiden, es wäre nicht notwendig. Als sich aber die Wäscheberge im Gemeinschaftsschlafzimmer stapelten, weil Bloo sich beharrlich weigerte, seine Wäsche selbst zu machen, hatte sie mit Frankie gesprochen, und die junge Frau hatte mit einer guten Argumentation, die darauf abzielte, daß das Gemeinschaftszimmer ohnehin nur für zwei Personen gedacht war und nur deshalb umfunktioniert worden war, weil Coco ihr Nest selber mitbrachte und Wilt seit Bloos Einzug unter dem Bett auf dem Boden schlief, bei Herriman die Zuteilung eines eigenes Zimmer durchbekommen. Das machte es Coco einfacher, darauf zu achten, daß Wilt in seiner Gutmütigkeit nicht doch einknickte. Denn die letzten Wochen, als alle Zimmerbewohner in Bloos Wäsche versanken, waren eine Geduldsprobe gewesen.
      Jetzt war es wesentlich entspannter, auch wenn Coco noch immer alle Flügel und Füße voll zu tun hatte, da Wilt einfach nicht aus seiner Haut konnte. Jedes Mal, wenn sie einem anderen Freund im Hause begegneten, war die Vogeldame auf der Hut, um eingreifen zu können, wenn es notwendig werden sollte. Und das kam noch immer oft genug vor.
      So wie gerade jetzt. Wilt und Coco waren gerade auf dem Weg nach draußen, um sich einen schönen entspannten Tag im Garten zu machen, als Bloo ihnen entgegenkam. Der blaue zylinderförmige Phantasiefreund versuchte es immer noch. „Oh, hey, Wilt, kannst du mir einen Gefallen tun?“
      „Na, sicher!“ setzte der große rote Phantasiefreund bereits an, als er von der Seite ein scharfes, bedeutungsvolles „Co-co…!“ zu hören bekam. Mittlerweile reichte das schon aus, um Wilt auf den richtigen Kurz zu bringen. „Oh, ähm… Sorry, Bloo, aber es geht gerade nicht. Ich habe schon etwas anderes vor. Ist das okay?“
      „Co-co!“ sagte Coco noch schärfer.
      „Oh, nein! Nicht okay! Ähm, ich meine… Ich habe schon etwas anderes vor. Ich werde jetzt nicht fragen, ob das okay ist!“ Er kam unter Cocos strengen Blick sichtlich in’s schwitzen, so daß er unkoordiniert vor sich hinstammelte. „Ist das okay? Nein, vergiß die Frage! Sehe sie als nicht gestellt. Sorry… Ähm…“
      Coco biß den Schnabel zusammen und schob ihn bereits weiter, damit diese Diskussion nicht ausartete, und so blieb Bloo frustriert allein zurück. Diese Erfahrung hatte der blaue Phantasiefreund in den letzten Wochen immer wieder gemacht; zuerst hatte er es mit an Entsetzen grenzender Verblüffung getragen, dann, nachdem er gemerkt hatte, daß er Cocos Intentionen ernstzunehmen hatte, hatte er es zuerst mit Einschmeicheln, dann mit Schreien und dann mit Weinen versucht, und als das alles nicht wirkte, hatte er das Pärchen mit Mißachtung gestraft, was nicht funktioniert hatte, da es Coco nicht scherte und sie gut darauf achtete, daß Wilt nicht in sein altes Muster zurückfiel.
      Als die Sabotage anfing, die Bloo den gleichen Aufwand kostete, als wenn er in der Zeit seine Wäsche gewaschen hätte, war es Coco zu viel geworden, und sie hatte dafür gesorgt, daß sie und Wilt das Zimmer verlassen durften. Zwar fühlten sie sich Eduardo gegenüber ein wenig schuldig, da sie ihn in der Situation nicht hängen lassen mochten – immerhin mußte er sich weiterhin das Zimmer mit Bloo teilen, doch der große Stier mit dem violetten Fell hatte ihnen gesagt, daß es in Ordnung war, solange sie Freunde blieben und trotzdem viele Dinge zusammen unternehmen konnten. So waren die beiden mit ein wenig gemischten Gefühlen in ihr eigenes Zimmer umgezogen, während sich Bloos Wäsche mittlerweile bis zu dem oberen Bett des Doppelstockbettes stapelte, in dem Eduardo schlief.
      „Sorry, Coco.“ bemerkte Wilt verschämt, als sie den Flur weiter entlanggingen. „Ich hab‘ das noch nicht so gut drauf, mit dem Nein sagen. Aber ich arbeite daran, das verspreche ich dir. Ist das okay?“
      „Co-co-co co!“ erwiderte sie stolz. Sie wußte, der Prozeß brauchte Zeit, und dafür hatte er sich gerade schon gut geschlagen, besser, als noch Tage zuvor.
      „Was meinst du, ob es immer noch um die Wäsche ging?“ fragte Wilt, als er und Coco das Fosterhaus verließen.
      „Co-co!“ erwiderte sie grimmig.
      „Das stimmt. Was sonst?!“ seufzte Wilt. Zumindest in der letzten Zeit schien es bei Bloo kein anderes Gesprächsthema mehr zu geben…

Durch Cocos Einfluß lernten viele Phantasiefreunde, sich nicht mehr darauf zu verlassen, daß Wilt für sie die Arbeit schon erledigte. Statt dessen achtete sie darauf, daß er auf sich achtete und sich und seine Gutmütigkeit nicht mehr ausnutzen ließ. Für Wilt bedeutete das eine ganz neue Lebensqualität, und die meisten Phantasiefreunde hatten auch Verständnis, und lernten, ihre Dinge wieder selbst in die Hand zu nehmen. Und Bloo…? Zumindest hatte Eduardo in den letzten Tagen nichts zu dem Wäscheproblem gesagt.
      Und wo wir gerade schon bei dem Thema Wäsche sind: Auch da machte Wilt eine ganz neue Erfahrung, seit er mit Coco zusammen war. Natürlich hatte er es sich sofort zu eigen gemacht, in ihrer Beziehung darauf zu achten, daß alle Arbeiten erledigt wurden und war ganz Gentleman, um ihr die Welt zu Füßen zu legen. Bemerkte sie allerdings, daß er sich allein daran machte, die Wäsche zu erledigen, schimpfte sie wieder und ging ihm zur Hand.
      Nicht nur die Wäsche; alle Arbeiten erledigten sie zusammen. Das war Coco ein ebenso großes Bedürfnis wie ihre Bemühungen, Wilt dazu zu bringen, nicht mehr die Arbeit von anderen Leuten zu erledigen. Zuerst hatte Wilt es mit einem Seufzen genommen; mittlerweile aber erkannte er, was er schon an dem Tag festgestellt hatte, als er mit Coco zusammengekommen war: Gemeinsam machte die Arbeit viel mehr Spaß, und war viel schneller erledigt. Nicht nur für ihn war es viel lustiger und kurzweiliger; auch Coco hatte ihren Spaß an der Arbeit, weil sie so mit ihm zusammen sein und etwas mit ihm zusammen machen konnte.
      Mittlerweile freute Wilt sich auf die gemeinsamen Hausarbeiten und fragte sie sogar, ob sie ihm half, wenn eine neue Aufgabe anstand – ein großer Schritt in die richtige Richtung. Coco war sehr stolz auf ihn. Und alles andere würden sie auch noch hinbekommen. Immerhin hatte Wilt in den vergangenen Wochen schon gemerkt, daß er keine Freunde verlor, wenn er Nein sagte. Alle respektierten und mochten ihn trotzdem, genauso wie er war, und waren ihm nicht böse deswegen. Gut, alle, bis auf eine blaue, zylinderförmige Ausnahme. Doch auch darauf hatte Coco ein besonderes Auge, daß Wilt sich deswegen nicht schuldig fühlte.
      Gerade füllten Wilt und Coco zusammen einen großen Wäschekorb mit gebrauchter Wäsche, und hatten eine Menge Spaß dabei. Socken, Handtücher, die Fan-T-Shirts von Wilts Lieblings-Basketballmannschaft, Cocos Dresses, die sie bei ihren kleinen Showauftritten trug… Alles landete nach und nach in dem Korb, oder auch mal auf der Gegenseite, wenn sich die beiden mit den Klamotten beschmissen und mehr Unsinn machten, als richtige Arbeit. Am Ende hatten sie aber immer mit viel Spaß und Vergnügen das Ziel erreicht, das sie sich vornahmen.
      Als der Korb gefüllt war, machten sie sich auf den Weg zum Waschraum. Auch hier hatten sie bereits eine Routine: Gemeinsam sortierten sie die Wäsche vor – Wilt füllte die oberen Waschtrommeln und Coco die unteren, was zu bügeln war, landete bei Coco und Wilt legte alles feinsäuberlich zusammen, bis sie alles wieder gemeinschaftlich in ihren Schrank einsortieren konnten.
      Als sie heute in den Waschraum kamen, blieben sie überrascht im Zugang stehen. Weiter kamen sie nicht, weil alles mit gebrauchter Wäsche voll lag. Coco kniff die Augen zusammen, und entdeckte plötzlich inmitten der Wäsche ein Stück violetten Fells. Auch Wilt hatte ihren Freund in der Stoffflut bereits bemerkt. „Eduardo? Bist du das?“
      „Si, Señor Wilt.“ antwortete der spanische Phantasiefreund geschäftig.
      Wilt und Coco ließen entgeistert den Blick über die Massen an Wäsche schweifen, gegen die Eduardo versuchte anzukommen. Sie selbst hatten maximal zwei Maschinen im Korb, wenn überhaupt, doch obwohl der Waschraum 48 Waschmaschinen hatte, schienen sie heute keine Chance mehr zu haben, ihre eigene Wäsche zu machen.
      „Co-co-co co-co?“ fragte Coco vorsichtig, einer vagen Ahnung folgend.
      „Si, Señorina Coco. Das sein Señor Bloos Wäsche.“ bestätigte Eduardo, während er die einzelnen Kleidungsstücke in verschiedene Maschinen warf.
      „Co-co-co co-co-co?!“ wollte Coco wissen.
      „Ja, warum machst du das?“ fragte auch Wilt erstaunt.
      „Ja, wißt ihr…“ Eduardo scharrte verlegen mit dem Fuß über den wäschebedeckten Boden. „Señor Bloo hat sich geweigert, seine Wäsche zu machen, und so wurde es mucho zu viel. Zuerst war es noch ganz praktisch, weil die Wäsche sogar meinen Sprung abfederte, wenn ich aus dem Bett gesprungen bin. Aber dann wurde es so mucho, daß ich bekam kaum noch Luft, und bevor ich ersticke in meinem Bett, dachte ich mir, dann mache ich das lieber…“
      Coco und Wilt wechselten einen Blick. Sie wußten gar nicht, was sie dazu sagen sollten. Erneut mischte sich ein latentes Schuldbewußtsein ihrem Freund gegenüber in ihre Gemüter.
      Wilt räusperte sich. „Meinst du, wir sollten…?“
      „Co-co co-co…“ gab Coco nachdenklich zurück.
      Und so gingen die beiden Eduardo zur Hand, und machten mit ihm die Wäsche zusammen. Gemeinsam, diesmal zu dritt, machte es wieder eine Menge Spaß. Und auch wenn es nun doch Bloos Wäsche war, die sie machten – Wilt und Coco taten es für Eduardo, nicht für Bloo!
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