Eine dominante Sirene

von Maja32
KurzgeschichteHumor, Übernatürlich / P18
Dean Winchester Sam Winchester
19.04.2019
21.04.2019
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Ihr Lieben,

herzlich Willkommen zu einer kleinen Kurzgeschichte. Diese Sache war eigentlich mal als Beitrag zum Ostercountdown geplant, lief mit 3 Kapiteln aber irgendwie etwas aus dem Ruder. Da sie am Osterwochenende spielt, habe ich mich dazu entschieden, sie jetzt auch an den passenden Tagen zu veröffentlichen, also heute bis Sonntag jeweils ein Kapitel.

Mein Dank geht an die liebe Tatu fürs Beta-Lesen und an Wildcat, die auch hier unwissentlich die Inspiration geliefert hat. Ich hoffe, ihr habt ein bisschen Spaß mit dieser Sache, ich freue mich natürlich über Rückmeldungen!

Liebe Grüße
Maja

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“Sammy, Sammy, Sammy, irgendwann wird dir diese Frühaufsteherei noch mal den Tod bringen.”
Sam klappte hektisch seinen Laptop zu, als Dean mit einem großen Kaffeebecher grinsend die Bibliothek betrat.
“Immerhin hat diese sonst sehr unangenehme Eigenart ja auch was Gutes. Ich muss mir morgens meinen Kaffee nicht selbst kochen.”
Dean ließ sich in den Stuhl gegenüber seines Bruders fallen und musterte den nun mit hochgezogenen Augenbrauen.
“Hast du wenigstens einen Fall für uns gefunden? Mir fällt die Decke auf den Kopf.”
Dean sah den Jüngeren irritiert an, als der etwas zu vehement den Kopf schüttelte.
“Nein, habe ich nicht.”
“Weißt du, Sammy, wir kennen uns doch schon recht lange, denkst du nicht?”
Sam musterte Dean abwartend. Er hatte keine Ahnung, worauf sein Bruder jetzt schon wieder hinaus wollte.
“Ja…?”
“Glaubst du wirklich, dass ich in all den Jahren immer noch nicht gelernt habe, zu erkennen, wann du lügst?”
“Ich lüge nicht!”
Sam selbst fand, dass er wirklich entrüstet klang, nur leider schien er der Einzige zu sein, der das glaubte. Dean schüttelte langsam den Kopf und sah ihn mit diesem Blick an, den der Ältere gern auflegte, wenn es darum ging, Sam wie ein Kleinkind zu behandeln.
“Also, spuck es aus. Was ist es diesmal? Was verbirgst du?”
“Ich… nichts!”
Seit dem Vorabend dachte Sam darüber nach, Dean von dem Fall zu erzählen, den er gefunden hatte. Allerdings konnte er sich schon ausmalen, wie es enden würde und genau deshalb wollte er keinen Ton verraten. Um manche Dinge mussten sich mal andere Jäger kümmern, fand er. Nur Dean schien das leider nicht zu denken, denn der starrte ihn jetzt fast in Grund und Boden.
“Los, Sam. Was ist es, das ich nicht wissen soll?”
Innerlich gab Sam auf. Sie wussten beide, wenn Dean es wirklich darauf anlegte, würde er es ohnehin herausfinden. Dann konnte Sam auch gleich mit der Wahrheit rausrücken und danach versuchen, das Schlimmste zu verhindern. Wie eigentlich immer, wenn er jetzt genauer darüber nachdachte.
“Vielleicht gibt es da einen Fall… aber Dean, das ist keine gute Idee!”
“Wenn ich nicht weiß, wovon wir hier sprechen, dann kann ich auch nicht sagen, ob es eine gute Idee ist, oder nicht. Also los, Sam. Was ist das für ein mysteriöser Fall?”

“In Kansas City ermorden Männer ihre Ehefrauen.”
Dean sah ihn verständnislos an und Sam war sich durchaus bewusst, warum das so war.
“Ja, und? Ich habe mir sagen lassen, dass das überall auf der Welt mal vorkommen soll. Dann wahrscheinlich auch in Kansas City. Was daran ist ein Fall für uns?”
“Die Männer haben alle eine Gemeinsamkeit.”
“Was, dass sie Männer sind, vielleicht? Komm Sam, es ist noch früh, spann mich nicht auf die Folter.”
“Es ist halb elf!”
“Sag ich ja, früh. Also, was für eine Gemeinsamkeit haben diese Männer, mal abgesehen von der Tatsache, dass sie einen Schwanz haben, hoffe ich zumindest für sie?”
“Sie waren alle in dem gleichen… Etablissement.”
Sam biss sich auf die Zunge. Er brachte es einfach nicht über sich, auszusprechen, worum es ging. Weil er jetzt schon wusste, dass sie keine zwei Minuten später in Deans Baby sitzen würden. Eigentlich war ihm klar, dass es zu spät war und sich nicht mehr verhindern ließ, trotzdem wehrte er sich noch ein wenig dagegen.
“Also in einem Strip-Schuppen, oder was willst du sagen?”
“So ähnlich. Sie waren bei einer Domina.”
Jetzt war es raus. Und wie Sam erwartet hatte, fing sein Bruder an, zu strahlen.
“Wirklich? Na dann ist der Fall doch ganz einfach, oder? Männer bringen Frauen um, weil Domina es ihnen befiehlt. Und weil sie lieber Sex mit der haben, oder was auch immer sie sonst so von der wollten, als ihre Ehefrauen zu besteigen.”
“Komm Dean, denk ein bisschen weiter, als bis zu deinen Fußspitzen. Kommt dir das nicht irgendwie bekannt vor? Männer bringen Frauen um, weil…”
“Du meinst, die Domina könnte eine Sirene sein?”
“Möglich ist es, oder? Wäre zwar etwas ungewöhnlich, aber auch nicht vollkommen von der Hand zu weisen.”
“Ja, mag sein. Na komm, dann fahren wir und schauen uns die Dame mal an. Ist immerhin nicht so weit weg. Vielleicht können wir sie dann auch mal in der Praxis erleben…”
Deans Gesicht verzog sich vor Verzückung, während Sam fast schlecht wurde. Genau das hatte er geahnt. Und es kam noch schlimmer.
“Die hat bestimmt noch einen Termin frei, für uns. Immerhin ist Ostern und da sitzen die meisten Männer mit ihren Ehefrauen zu Hause. Also denen, die noch lebendig sind. Da kann sie uns bestimmt dazwischen schieben.”
“Dean!”
Dean grinste und zuckte mit den Schultern.
“Was, Sammy? Man wird doch wohl noch ein bisschen Spaß haben dürfen, oder?”
Sam verdrehte die Augen. Alle seine Befürchtungen wurden wahr. Dean und seine Vorliebe für dominante Frauen… dieser Fall musste ein Paradies für ihn sein. Und Sam konnte nur hoffen, dass er es schaffen würde, auf seinen Bruder aufzupassen.

Ein paar Stunden später runzelte Dean die Stirn. Sie waren nach Kansas City gefahren und hatten vorsichtig Nachforschungen gestartet. Das Ganze erwies sich als etwas schwieriger, als gedacht. In Kleinstädten mochte es kein Problem sein, sich als FBI-Agents auszugeben, aber es hatte seinen Grund, dass die Winchesters sehr selten in Großstädten zu finden waren. Dort waren in der Regel noch andere Ermittlungsbehörden ansässig, die Polizeireviere waren größer und die Gefahr, enttarnt zu werden, ungleich höher. Genau deshalb hatten sie sich jetzt auch nicht als Agents ausgegeben, sondern als Pressevertreter. Gut, um nicht enttarnt zu werden, aber nicht gut genug, um wirklich relevante Informationen zu bekommen.
“Ich glaube, so kommen wir nicht weiter. Wir müssen diese Domina live sehen, damit wir irgendwas herausfinden können.”
“Ja… ich hab hier was. Schau mal.”
Sam drehte seinen Laptop in Deans Richtung. Der hob die Augenbrauen.
“Du hast dir einen Polizeibericht besorgt? Wie zum Teufel…”
“Das würdest du ja doch nicht verstehen. Aber um es kurz zu machen: An die Berichte, die hier im Departement liegen, kommst du nicht ran. Barry Brubaker, je nachdem, wie man es sehen will, Opfer oder Täter Nummer drei, hat aber nicht hier gewohnt, sondern nur hier gearbeitet. Er wohnt etwas außerhalb der Stadt in einem kleinen Nest. Die dortige Polizei hat ihren Bericht auf einem Server gespeichert, der… nun ja, einsehbar ist. Und seine Akte enthält ab einem gewissen Zeitpunkt Querverweise auf die anderen Fälle.”
“Heißt was?”
“Dass wir jetzt wissen, wie die Ehefrauen gestorben sind. Sie wurden zu Tode gepeitscht.”
“Klingt ungewöhnlich.”
“Sag ich ja. Also, hast du Vorschläge, wie wir weiter vorgehen?”
Sam stellte die Frage, obwohl er wusste, was Deans Vorschlag sein würde. Und der grinste auch sofort breit.
“Nun ja… an die Täter kommen wir nicht ran, ohne die FBI-Karte zu spielen und das ist zu gefährlich. Die Opfer können uns nicht mehr helfen, weil sie tot sind. Einzige Möglichkeit ist also wohl, sich den potentiellen Auslöser vorzunehmen. Zeit für ein Treffen mit der Domina, oder? Hast du ihre Kontaktdaten zufällig in der Akte gefunden?”
“Nicht nur das. Sie betreut einen sehr exklusiven Kundenstamm und nimmt nur noch Neukunden auf Empfehlung auf. Mit Jahresgehältern, die wir uns nicht mal im Traum vorstellen können. Keine Ahnung, wie wir da rankommen sollen. Einfach reinmarschieren ist nicht. Und würde uns auch nichts nützen, wenn da nicht zufällig ein Spiegel ist, dann würden wir eine Sirene nicht mal dann erkennen, wenn sie dir auf die Schuhspitzen pinkelt.”
“Großer Gott, Sam! Ich stehe nicht auf diese Pinkelspielchen!”
Dean sah richtig entrüstet und vielleicht auch etwas angewidert aus. Sam hob die Augenbrauen.
“Das ist das Problem an diesem Fall, Dean. Ich habe eine gewisse Ahnung, aber ich weiß nicht genau, worauf du stehst. Und glaub mir, ich kann darauf verzichten, es herauszufinden. Aber du… ich werde nicht drum herum kommen, befürchte ich.”
“Das sehen wir ja noch! Gib mir die Nummer, Sam. Es ist kurz vor Feierabend für Büroangestellte und Manager, gute Zeit, um neue Termine abzusprechen. Ich wette, sie geht jetzt ans Telefon.”

Bevor Sam etwas erwidern konnte, hatte Dean bereits den Laptop fest im Griff und tippte die Nummer von “Lady Lovely” in seinem Handy ein. Er grinste Sam breit an, als sie beide das Tuten in der Leitung vernahmen, nachdem Dean auf Lautsprecher gestellt hatte.
Es meldete sich eine junge Dame und Dean ließ diese kaum zu Wort kommen, sondern erzählte stattdessen etwas von freier Presse und einem Interviewwunsch. Nachdem er geendet hatte, blieb es in der Leitung lange still, bevor ein Räuspern ertönte.
“Hören Sie mal… wer auch immer Sie sind, so läuft das nicht. Lady Lovely ist eine vielbeschäftigte Frau. Sie haben also zwei Möglichkeiten. Entweder, Sie gehen dahin, wo der Pfeffer wächst und das ganz schnell, oder aber, Sie betteln die Polizei um Informationen an. Lady Lovely hat der Polizei gegenüber bereits eine Aussage gemacht und der auch nichts hinzuzufügen. Also stehlen Sie gefälligst nicht unsere wertvolle Zeit!”
Ein weiteres Tuten in der Leitung signalisierte, dass die Dame am anderen Ende aufgelegt hatte.
“Uh…”, Deans Gesichtsausdruck strahlte Freude aus, “die Dominatrix hat eine Sekretärin. Und sogar die hat diesen Befehlston drauf.”
Sam schüttelte den Kopf. Das alles machte seinem Bruder deutlich zu viel Spaß.
“Dir ist aber schon klar, dass du gerade einen Korb bekommen und gar nichts herausgefunden hast, oder?”
“Ja, mag sein.”
Dean zuckte mit den Schultern und zeigte Sam deutlich, dass ihm das offensichtlich nicht das Geringste ausmachte.
“Dann fahre ich eben kurz persönlich vorbei und schaue mich mal um.”
Sam schüttelte vehement den Kopf, als sein Bruder ihm zuzwinkerte. Das hatte der doch schon die ganze Zeit gewollt.
“Kommt nicht in Frage, Dean. Wenn es wirklich eine Sirene ist, kann es sein, dass sie dich ver…”
“...sext?”
“Verhext, wollte ich sagen! Allein ist es zu gefährlich und wenn du es schaffen würdest, dein Blut mal wenigstens fünf Minuten lang wieder in dein Gehirn zu leiten, dann würdest du das auch merken. Das ist ein Fall, Dean. Hör auf, nur mit deinem Schwanz zu denken!”
“Nur weil du gar nicht mehr weißt, wie man sein Blut weiter nach unten an die wichtigen Punkte bekommt, muss das ja nicht auch für mich gelten! Aber gut, ich habe es verstanden. Du willst gern mitkommen und bist nur zu schüchtern, das zu sagen. Kein Problem, Sammy. Du musst eh anrufen, mich kennt die Sekretärin ja nun schon. Also denk dir eine gute Geschichte aus und mach einen Termin für uns beide.”
“Da gibt es diverse Probleme, die du in deiner momentanen Kurzsichtigkeit noch nicht bedacht hast.”
“Und die wären?”
“Na ja, wenn sie eine Sirene ist, wird sie sehr gut darin sein, unsere Gedanken und Stimmungen zu lesen. Sie wird sofort durchschauen, wenn wir ihr irgendein Lügenmärchen auftischen und uns als jemand ausgeben, der wir nicht sind. Davon mal abgesehen nimmt diese Dame sicher ein Honorar, das wir uns auf keinen Fall leisten können.”
Dean lachte laut auf.
“Sam, wenn sie eine Sirene ist, wollen wir sie umbringen, schon vergessen? Eine Bezahlung ist dann sicher überflüssig. Und für den Rest… wir könnten Rowena anrufen. Vielleicht kennt die einen Zauber, der uns ein bisschen immun macht, gegen gedankenlesende Sirenen?”
“Habe ich das gerade richtig verstanden, Dean? Du willst dahin marschieren, um dich mit einer möglichen Sirene über diverse Sexualpraktiken zu unterhalten und um das zu können, willst du dich auch noch von Rowena verzaubern lassen? Das ist dein Plan? Großer Gott, du denkst wirklich gerade nur noch mit dem Schwanz.”
Dean grinste und zuckte mit den Schultern.
“Mag sein. Aber du nicht. Also komm, erzähl mir, was für einen Plan du unter deiner seidig glänzenden Haarpracht ausgebrütet hast. Ich bin natürlich offen für bessere Vorschläge.”
Sam schnaubte. Nicht nur, dass Dean schon wieder auf seiner Frisur herum hackte, viel schlimmer war nur noch, dass Sam eben keinen besseren Plan hatte, obwohl er sich in dieser Angelegenheit den kühleren Kopf zuschrieb.
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