Happy Hour

GeschichteAllgemein / P16
Hermine Granger Lucius Malfoy
18.04.2019
12.06.2019
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Am nächsten Abend stand Hermine in ihrem Wohnzimmer und bereute es zutiefst, dass sie Ginny schon vor zehn Minuten fortgeschickt hatte. Es war fünf vor acht und sie war so nervös wie damals vor den Prüfungen in der ersten Klasse. Doch egal wie oft sich Hermine einredete, dass sie doch einfach nur mit Lucius zu Abend aß - ihre Unruhe wollte sich einfach nicht legen. Mit einem schwarzen Cocktailkleid würde sie nichts falsch machen, egal wohin er sie auch ausführte und in ihrer Handtasche hatte Hermine alles, was sie brauchte. Das hatte sie bereits dreimal überprüft.
Punkt acht Uhr apparierte endlich Lucius in ihr Wohnzimmer und begrüßte sie mit einem Lächeln auf den Lippen:
"Guten Abend, Hermine. Ich muss sagen, du siehst wundervoll aus. Schwarz steht dir!"
Er zwinkerte ihr sogar noch zu. Kein Wunder, dass er ihr schwarzes Kleid mochte, trug Lucius doch selbst fast ausschließlich schwarz.
"Danke! Du siehst auch gut aus!", erwiderte Hermine das Kompliment und das völlig zu Recht. Es war noch immer ungewohnt, ihn in einem Muggelanzug zu sehen, doch bei Merlin, stand er dem Zauberer gut.
"Wollen wir?"
Hermine hakte sich nur zu gerne bei ihm unter und prompt wurde sie aus ihrer Wohnung direkt auf einen Waldweg befördert. Neugierig sah sich Hermine um, doch sie hatte keine Ahnung, wo sie war. Sie befanden sich auf alle Fälle nicht mehr in London.


"Wo sind wir?", fragte sie zwar nicht misstrauisch, aber dennoch nicht weniger neugierig.
"Darf ich dir das Mirazur vorstellen? Es handelt sich um..."
"Das Mirazur?", unterbrach ihn Hermine und konnte es kaum fassen. Schon immer wollte sie dort essen, vor allem, seitdem es einen Ableger in England eröffnet hatte.
Lucius schien aufrichtig überrascht zu sein.
"Du kennst das Restaurant bereits?"
"Aber natürlich kenne ich das Mirazur. Es hat einen hervorragenden Ruf, nur leider habe ich noch nie einen Tisch hier bekommen. Ich will gar nicht wissen, wie du so kurzfristig hier reservieren konntest."
Lucius lachte leise in sich hinein und setzte sich in Bewegung. Bereits ein paar Schritte weiter machte der Weg eine Biegung und das Restaurant offenbarte sich in seiner ganzen Pracht. Es handelte sich um moderne Architektur, doch die klaren Linien blieben stets elegant und fügten sich überraschend gut in die englische Landschaft ein. Hermine blieb kurz stehen und genoss den Moment. Ihr Begleiter gab ihr diese Zeit freundlicherweise und beobachtete sie mit milder Belustigung.
"Es freut mich, dass ich anscheinend die richtige Wahl getroffen habe. Du musst wissen, dass ich hier regelmäßig Gast bin und genieße sowohl das Ambiente als auch die Küche hier aufs Äußerste", erklärte er und kam selbst beinahe ins Schwärmen.
"Ich bin überrascht, dass du Stammgast in einem Muggelrestaurant bist, Lucius. Aber es ist eine schöne Überraschung", meinte Hermine gut gelaunt, als sie Arm in Arm mit Lucius das Restaurant betrat.
"Ich bin vor allem ein Freund des guten Geschmacks. Etwas, das hier definitiv gegeben ist. Außerdem ist die Lage meiner Privatsphäre mehr als förderlich, ebenso die restliche Klientel. Fast jeder, der hierherkommt, möchte seine Ruhe haben und einfach nur sein Essen genießen. Auch manche Geschäftstermine werden hier abgehalten. Auf alle Fälle hat der Inhaber gesondertes Interesse daran, die Privatsphäre seiner Gäste zu schützen. Die Chancen stehen daher gut, dass wir uns morgen nicht in der Tageszeitung wiederfinden werden."
Natürlich! Das leuchtete Hermine ein und fasziniert beobachtete sie, wie Lucius fast schon wie ein alter Freund von der Empfangsdame des Mirazur begrüßt und zu einem Tisch geführt wurde.


Die nächsten fünfzehn Minuten konzentrierte sie sich völlig darauf, sich nicht zu blamieren. Natürlich hatte sie gute Umgangsformen, jedoch lag ihr viel daran, vor Lucius eine gute Figur zu machen. Sie war kein kleines Kind, das noch nie in einem feinen Restaurant gewesen war. Zu ihrer Freude sagte Hermine das heutige Menü mehr als zu und sie freute sich aufrichtig darauf. Jeder Gang war von der Umgebung des Restaurants inspiriert. So ahmte die Vorspeise einen Fluss nach, der hier entsprang und die Hauptspeise war dem hiesigen Wäldchen entlehnt.
Als endlich der Wein bestellt war und sie nur noch auf ihr Essen warten mussten, entspannte sich Hermine endlich ein wenig.
"Werden hier eigentlich auch die meisten Zutaten aus dem hauseigenen Garten bezogen?", fragte sie interessiert. Zumindest in dem ursprünglichen Restaurant war dies der Fall. Saisonale Küche wurde dort großgeschrieben.
"In der Tat. Natürlich hat dieser her seine Grenzen, doch es gibt noch immer einen Markt in der näheren Umgebung, der hervorragende Zutaten liefern soll. Was ich bestätigen kann, auch, wenn ich bisher noch nicht dort gewesen bin", antwortete Lucius geduldig und schien generell recht gut über das Mirazur informiert zu sein.
"Danke, dass du mich hierher begleitest, Lucius. Damit machst du mir eine große Freude!"
Hermine hatte bereits jetzt das Bedürfnis, ihre Wertschätzung auszudrücken.
Lucius winkte nur ab und gemeinsam stießen sie auf einen schönen Abend an.
Ein Gedanke allerdings beschäftigte sie dennoch immer wieder.
"Bitte verstehe mich nicht falsch, es macht mir absolut nichts aus, mit dir gesehen zu werden. Aber wir sind gerade ein gefundenes Fressen für die Presse. Macht dir das überhaupt keine Sorgen?", fragte Hermine ihren Begleiter etwas nervös und sah sich noch einmal um.
"Tatsächlich nicht. Der Tagesprophet wird sich benehmen und um die Clandine-Affäre habe ich mich endgültig gekümmert", lautete die nüchterne Antwort.
Die Skepsis wahr ihr wohl allzu sehr anzusehen, denn gleich darauf fuhr er fort:
"Ich habe deinen Rat angenommen und tatsächlich das Gespräch mit Jakobus gesucht - mit Erfolg."
Hermine hätte überraschter nicht sein können.
"Moment, du hast dich mit Jakobus versöhnt? Wie hast du das denn angestellt?"
"Na ja, versöhnen würde ich das nicht gerade nennen. Wir werden eher nicht in absehbarer Zeit händchenhaltend Picknicks im Park abhalten, aber zumindest haben wir Frieden geschlossen. Du hattest recht, es erleichtert Dinge erheblich. Wusstest du, dass er bereits Pläne geschmiedet hat, wie er mein Leben weiterhin erschweren könnte? Er war kurz vor der Durchführung und allein deshalb bin ich dir zu Dank verpflichtet!", antwortete Lucius wieder so nüchtern und geschäftsmännisch, wie er nur konnte.
Hermine machte sich nichts vor - das war kein Akt der Herzensgüte gewesen, aber dennoch freute es sie vor allem für Jakobus.
"Darf ich fragen, wie es dir gelungen ist, den Mann umzustimmen?"
"Hartnäckigkeit. Zunächst wollte er kein einziges Wort mit mir wechseln, aber ich bin von recht sturer Natur, wie du ja weißt. Nach einigen wüsten Beschimpfungen seinerseits ist es mir dann endlich gelungen, ebenfalls etwas zu sagen und damit seine Aufmerksamkeit zu gewinnen. Ich will nicht lügen, es kann sein, dass ich ihn eventuell ein wenig an einen Stuhl gefesselt habe. Aber nicht lange, keine Sorge!"


Dieses Geständnis war so typisch Lucius. Er hatte einen Mann an einen Stuhl gefesselt, aber schämte sich kein bisschen dafür. Im Gegenteil, vermutlich war er auch noch stolz darauf. Bevor sie ihn tadelte, nickte sie ihm nur zu und bedeutete ihm, fortzufahren. Erst wollte sie wissen, wie es weiterging.
"Zugegeben, ich bin kein sonderlich feinfühliger Mensch, daher war das Gespräch ein wenig mühsam. Er glaubte mir nicht und wollte nichts von den Verfehlungen seiner Mutter hören."
Das konnte sich Hermine gut vorstellen - ihr wäre es nicht anders ergangen.
"Aber nach einer hitzigen Diskussion ließ er sich endlich überzeugen. Diese Erkenntnis hat ihm jedoch recht wenig Freude gebracht."
"Lucius!", sagte Hermine lauernd und wartete auf den Haken der Geschichte. Er verriet ihr nicht die ganze Wahrheit.
Der Halunke sah ertappt aus und seufzte.
"Eventuell habe ich ihm ein paar meiner Erinnerungen gezeigt. Das war das einzige, das ihn auch nur ansatzweise überzeugen konnte."
Hermine glaubte kurz, sich verhört zu haben und fragte noch einmal nach:
"Einen Augenblick, ausgerechnet DU hast ihm deine Erinnerungen gezeigt? Soll ich jetzt beunruhigt oder beeindruckt sein?"
Sie wagte es, nur zu flüstern und lehnte sich ein bisschen weiter über den Tisch.
Er tat es ihr gleich und flüsterte ebenfalls:
"Ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht. Ich weiß nicht, ob ich diese neue Seite an mir mag. Aber auf alle Fälle habe ich jetzt erreicht, was ich wollte. Mister Malgrove wird uns in Zukunft in Ruhe lassen."
Ein kurzes, fast schon jungenhaftes Grinsen huschte über seine Lippen, ehe es wieder verschwand und Lucius sich wieder zufrieden zurücklehnte.
"Auch wieder wahr. Trotzdem tut es mir um den Ärmsten leid. Eine unschöne Situation", bedauerte Hermine Jakobus immer noch ein bisschen.


Dann fiel ihr wieder ein, wo und vor allem warum sie hier waren und wechselte das Thema:
"Ich hatte übrigens vor Kurzem einen sehr lustigen Abend mit Ginny und Luna. Sie haben wesentlich gefasster als die Jungs auf unsere Freundschaft reagiert."
Hermine musste bei dem Gedanken an diesen Abend erneut kichern. Vor allem Ginnys Reaktion kam zwar nicht überraschend, aber hatte sie dennoch sehr erleichtert.
Lucius hingegen sah etwas skeptisch, gepaart mit Amüsement drein.
"Ach, und was haben die beiden Damen zu sagen gehabt?"
"Das willst du lieber nicht wissen. Es ist einiges an Alkohol an diesem Abend geflossen und wir waren recht albern. Aber sie waren wirklich süß. Also Entwarnung auch von dieser Seite. Der Rest kann mir eigentlich fast schon egal sein."
Überraschung zeichnete sich auf Lucius' Gesicht ab und er runzelte die Stirn.
"Das sind in der Tat gute Nachrichten, aber Misses Potters Reaktion hätte ich zugegebenermaßen doch ein wenig anders eingeschätzt."
"Weißt du, Lucius, Ginny ist eben ein wundervoller Mensch. Und sie vertraut vor allem weniger dir, sondern eher mir und dass ich mein Gehirn nicht komplett ausgeschaltet habe. Was aber noch lange nicht heißen soll, dass du vom Haken bist. Ich soll dir ausrichten, dass sie dein Ende sein wird, falls du doch eine miese Nummer vorhaben solltest."
Hermine musste beinahe laut auflachen, als sie in Lucius' Gesicht blickte. Er sah aufrichtig besorgt aus und das mit vollster Berechtigung. Ginnys Flüche waren berüchtigt.
Zum Glück fing sich ihre Begleitung schnell wieder und lächelte leicht.
"Ich kann dir und Misses Potter versichern, dass ich keinerlei unlautere Absichten dir gegenüber hege, Hermine! Aber ich weiß es zu schätzen, dass sie dir eine treue Freundin zu sein scheint."
"Ginny hat mir übrigens erklärt, dass ich anscheinend alles falsch gemacht habe. Wie es aussieht, spricht man gewisse Dinge nicht derart direkt und plump an, denn das nimmt dem Ganzen "die Magie"", gestand Hermine nach kurzem Schweigen und spürte, wie sie leicht errötete. Sie war nicht sonderlich gut in solchen Angelegenheiten.
Lucius lachte auf, aber er schien sie nicht zu verspotten.
"Ich denke nicht, dass ausgerechnet wir beide uns um einen Mangel an "Magie" sorgen müssen. Abgesehen davon habe ich deine Direktheit zu schätzen gewusst. Wir haben unsere Absichten gerade genug geklärt, damit es nicht zu Missverständnissen kommen kann. Den Rest sollten wir auf uns zukommen lassen."
Der Mann sprach weise Worte, wie Hermine fand und beruhigte sich wieder ein wenig.
"Je mehr wir ab jetzt darüber reden, desto seltsamer wird es, oder?", mutmaßte sie und fragte sich, warum bei Merlins Bart er überhaupt mit ihr ausging. Sie hatte viele Talente, aber Romantikerin war sie ganz bestimmt nicht.
"Ja! Ja, das auf alle Fälle!", stimmte er ihr zu und erhob sein Weinglas.
"Aber das lässt sich bei uns beiden nicht vermeiden, wie ich befürchte. Also auf einen seltsamen Abend!", schloss er mit einem gewinnenden Lächeln.
Auch da hatte er recht und Hermine stieß gemeinsam mit ihm an.


"Falls das etwas aus uns wird, darf ich es dann Draco sagen? Bitte!"
Darauf wusste Lucius anscheinend nichts mehr zu sagen und lachte stattdessen einfach nur.
Der Rest des Abends verging viel zu schnell. Irgendwie waren sie wieder bei dem Thema Bücher angelangt und immer, wenn Lucius von seiner Bibliothek auf dem Manor erzählte, wünschte sie sich sehnsüchtig, doch einmal dort sein zu können. Er drängte sie nicht und vielleicht würde sie doch noch einmal einen Fuß in dieses Gebäude setzen können.
Lucius bewies wieder einmal, was für ein großartiger Gesprächspartner er sein konnte, wenn er es nur wollte. Sein feiner Sinn für Humor brachte sie zuverlässig zum Lachen und auch Hermine fiel es leicht, zu reden und zu scherzen.
Sie war beinahe enttäuscht, als auch das Dessert beendet und es Zeit zu gehen war.
"Was hältst du noch von einem kleinen Spaziergang oder einem kurzen Barbesuch, um den Abend ausklingen zu lassen?", schlug Lucius zu ihrer Erleichterung vor.
"Der Weg zum Dörfchen soll gut beleuchtet sein. Vielleicht kann man die beiden Dinge sogar verbinden?", antwortete Hermine und freute sich schon auf einen gemütlichen Abendspaziergang in der lauen Sommerluft.
Wie selbstverständlich bot Lucius wieder seinen Arm an und Hermine hakte sich gerne bei ihm unter, als sie ins Freie traten. Die Nähe zu ihm fühlte sich noch immer surreal, aber mindestens genauso berauschend an. Am liebsten hätte sie sich richtiggehend an ihn gekuschelt, doch sie ließ es bleiben. Auf keinen Fall wollte sie jetzt etwas falsch machen.
Der Spaziergang war fast schon still im Vergleich zu dem gesprächigen Abendessen, das gerade hinter ihnen lag, aber es störte Hermine nicht im Geringsten. Sie gingen in einem Einvernehmen nebeneinander her und genossen einfach nur die Gesellschaft des anderen.  Gut zu wissen, dass man anscheinend auch zusammen schweigen konnte. Etwas, das mit Ron und auch den anderen nie funktioniert hatte. Immer war die Stille schnell unangenehm geworden und man hatte irgendwie und unbeholfen etwas gesagt, einfach nur, damit gesprochen wurde.
Doch zwischen ihnen beiden ergab sich ganz von selbst immer wieder ein Gespräch, ohne dass sie sich anstrengend mussten. Auf einmal diskutierten sie hitzig über den Expressionismus in der Kunst und Hermine hatte keine Ahnung, wie sie zu diesem Thema überhaupt gekommen waren.


"Wie war eigentlich das Quidditchmatch?", fiel ihr auf einmal auf. Sie war neugierig, wie er zu dem Sport stand.
Lucius seufzte, aber er klang stolz, als er davon erzählte:
"Tatsächlich hat Dracos Team gewonnen und die Leute haben äußerst begeistert gewirkt. Ich selbst kann dem Sport nicht allzu viel abgewinnen, aber sogar ich hatte eine angenehme Zeit. Das Spiel blieb die ganze Zeit über recht spannend und dauerte zum Glück nicht sonderlich lange. Ich bin also einigermaßen glimpflich davongekommen. Du weißt ja, wie lange solche Angelegenheiten dauern können. Eine zähe Geschäftsverhandlung ist nichts im Vergleich dazu."
Hermine wusste in der Tat, wovon er sprach. Sie hatte ihren Freunden zuliebe bei genügend Turnieren und Spielen zugesehen und mehr als einmal war sie versucht gewesen, ein Buch ins Stadion zu schmuggeln.
"Apropos Geschäfte. Wohin geht deine Geschäftsreise eigentlich? Und werde ich irgendwann einmal erfahren, was genau du da eigentlich machst, wenn du von Geschäften redest?"
"Natürlich! Du hast eben noch nie gefragt", antwortete Lucius wie aus der Pistole geschossen und klang selbst etwas verwundert. Tatsächlich hatten sie sich nie über dieses Thema unterhalten.
"Ich bin größtenteils im Finanzwesen tätig. Investitionen, Aktien und derartige Dinge. Doch ich befinde mich auch im Besitz verschiedener Unternehmen, die sowohl im Bauwesen als auch im Vertrieb magischer Zaubertrankzutaten und Kunst und Kultur tätig sind. Wie du siehst: Nicht gerade spannend für die meisten Menschen. Meine Geschäftsreise nächste Woche führt mich nach Florenz, wo ich eines der Unternehmen besichtigen werde und zusammen mit dem Management neue Konzepte ausarbeiten werde. Direkt danach werde ich noch ein paar andere Standorte prüfen und... Nun, das ist ja auch völlig egal. Verzeih mir, dass ich dich mit so etwas langweile."
Lucius lächelte etwas verlegen, was neu war, Hermine aber unheimlich gut gefiel.
"Nicht doch!", beharrte sie. "Ich habe doch auch gefragt. Und ich finde es außerdem nicht langweilig."
Hermine sprach die Wahrheit. Sie würde gerne noch ein bisschen mehr über Lucius' Leben erfahren.
So standen sie tatsächlich noch eine Weile da, als sie eigentlich schon längst unten im Dorf angekommen waren und irgendwann stellte Hermine erschrocken fest, dass es schon beinahe Mitternacht war. Sie hatte keine Ahnung, wo die Zeit hingekommen war, aber vermutlich irgendwo zwischen Munch und der Frage, ob manche Künstler nicht einfach nur versehentlich über ihre Farbeimer gestolpert waren.


Sie spürte, dass sich der Abend dem Ende zu neigte und auf einmal kam ihr eine womöglich dumme Idee in den Sinn. Eine Idee, die sie schon den ganzen Abend lang gereizt hatte.
Aus einem Impuls heraus machte sie noch einen Schritt auf Lucius zu, zögerte dann aber. Vorher wollte sie seine Reaktion abschätzen und ob sie sich gleich komplett zum Narren machte. Erst, als Lucius nicht zurückwich, traute sie sich sogar noch ein bisschen weiter und ließ ihre Hand langsam in seinen Nacken wandern. Hermine konnte kaum glauben, dass sie das gerade tat, doch mit sanftem Druck zog sie ihn zu sich hinab, bis sich ihre Gesichter beinahe berührten. Noch einmal verharrte sie kurz in ihrer Bewegung, doch er lächelte nur und überließ ihr die Führung. Endlich wagte sie es, den letzten Abstand zu Lucius zu überbrücken und küsste ihn.

Für einen Augenblick verlor sich Hermine einfach nur in dem Kuss und in der Nähe zu Lucius. So hatte sie sich schon seit einer Ewigkeit nicht mehr gefühlt und sie wollte unbedingt mehr! Doch dann schaltete sich ihr Gehirn wieder ein und von sich selbst überrascht, zog sich Hermine zurück. Sie erkannte sich selbst nicht wieder und eine alte Unsicherheit kehrte zurück, die jetzt gierig an ihr zerrte. Hermine hatte gespürt, wie zurückhaltend Lucius ihren Kuss erwidert hatte und Zurückweisung machte sich in ihr breit.
"Entschuldige. Ich hätte dich nicht so überfallen sollen", flüsterte sie beschämt und merkte, wie sie rot anlief.
"Nicht doch", antwortete Lucius genauso leise und zog sie wieder an sich.
Er hauchte ihr einen vorsichtigen Kuss auf die Lippen und lächelte dann beinahe bedauernd.
"Bist du dir sicher, dass du das willst?"
Das war eine gute Frage, doch die Antwort fiel ihr leicht. Ja, das wollte sie wirklich und nickte Lucius nervös zu. Daraufhin beugte er sich wieder zu ihr hinunter und strich ihr zärtlich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, ehe er sie endlich richtig küsste. Der sonst so kühle Geschäftsmann überraschte Hermine mit einer Leidenschaft, die sie ihm nicht zugetraut hatte. Lucius wusste, was er tat und hatte keine Scheu, sein Können anzuwenden. Es war himmlisch und sie wollte unbedingt mehr von diesem Mann! Doch auch Hermine wurde mutiger. Begegnete seinen weichen Lippen selbstbewusster und wagte es endlich, ihn weiter zu berühren. Langsam ließ sie ihre Hände über Lucius' Schultern wandern, ertastete den warmen Körper unter dem edlen Anzugstoff und vergrub schließlich eine Hand in seinen Haaren. Lucius zog sie noch näher an sich und vertiefte den Kuss, als sie auf einmal ein entrüstetes Hüsteln neben sich hörten.


Wie von einem Hippogreif gebissen, fuhren die beiden auseinander und mussten eine ältere Dame entdecken, die anscheinend zusammen mit ihrem Dackel einen Nachtspaziergang machte.
Sowohl Hund als auch Frauchen sahen missmutig drein, wobei sich das Tierchen fast augenblicklich auf den Boden legte und einrollte. Anscheinend wäre er jetzt viel lieber in seinem gemütlichen Bettchen.
"Also wirklich, Sie sind hier in der Öffentlichkeit! Reißen Sie sich zusammen!", tadelte die Dame die beiden und schüttelte verständnislos den Kopf.
"Ich bitte um Entschuldigung", wollte Hermine schon beginnen, als sie unterbrochen wurde.

"Ich war noch nicht fertig, junge Dame! Stellen Sie sich doch einmal vor, es wären Kinder vorbeigekommen", fuhr die Frau fort und machte damit allen klar, dass sie keine süße alte Lady war.
Hermine und Lucius sahen sich zuerst etwas verdattert an, ehe sie ihre Blicke durch die Dunkelheit schweifen ließen.
"Bei allem Respekt, Madam", versuchte es Lucius mit seinem höflichsten Tonfall. Er wirkte etwas derangiert und Hermine konnte hören, wie sein Atem immer noch beschleunigt war. Ihr selbst ging es nicht anders. Ihr erster gemeinsamer Kuss hatte es in sich gehabt.
"Sparen Sie sich den Respekt. Wenn Sie den hätten, würden Sie hier nicht wie die Teenager mitten auf unserem schönen Stadtplatz herum... herum... na ja, ihr wisst schon!", keifte die alte Frau weiter und Hermine überlegte schon, sie einfach zu obliviaten.
Zunächst aber wollte sie auch noch einmal versuchen, mit ihr zu reden.

"Ich glaube nicht, dass uns um diese Uhrzeit sonderlich viele Kinder über den Weg laufen werden. Es ist bereits... halb eins in der Nacht!"
"Das geht Sie überhaupt nichts an!", gab die Dackeldame einfach nur zurück, schreckte den Hund auf und zog mit ihm von dannen.
Perplex sahen sie der Frau hinterher, bis sie schließlich um eine Ecke bog und verschwand.
Als sich Hermine wieder ihrem Begleiter zuwandte, rang der bereits um Fassung.  Die ganze Situation war so surreal und als er schließlich gänzlich in Gelächter ausbrach, konnte sie gar nicht anders, als mit einzustimmen. Hermine spürte, wie sich die Anspannung auflöste und als Lucius einen Arm um sie legte, lehnte sie ihren Kopf gegen seine Schulter und genoss die vertraute Nähe zu ihm.
Wieder standen sie einfach so eine Weile da und hingen ihren Gedanken nach, ehe Lucius die Stille durchbrach.
"Darf ich dich noch nach Hause begleiten?", bot er höflich an und zog bereits seinen Zauberstab.
"Danke, aber wenn es dir nichts ausmacht, würde ich gerne selbst apparieren. Bitte versteh mich nicht falsch, ich habe keine Zweifel an deiner Kompetenz, aber so ist es mir einfach lieber!"
Kurz sorgte sich Hermine, dass sie ihm damit auf die Zehen getreten sein könnte, aber Lucius lächelte sie nur verständnisvoll an und deutete eine leichte Verbeugung an.
"Aber selbstverständlich. Ich appariere auch immer lieber selbst. Ist es dir überhaupt recht, wenn ich dich noch begleite?"
"Es ist mir sogar mehr als recht. Bis gleich, Lucius!", antwortete Hermine noch schnell, ehe sie verschwand. Es war draußen doch etwas kühl geworden und sie freute sich auf ihr warmes Wohnzimmer.
Eine Sekunde nach ihr tauchte Lucius auf und stand etwas verloren neben ihrem Kamin.
Hermine nutzte den Moment und stellte sich direkt vor ihn.
"Danke für einen wirklich wundervollen Abend. Ich hatte eine schöne Zeit."
Lucius nickte nur andächtig, nahm ihre Hand und hauchte einen Handkuss auf ihre Finger.
"Ich habe zu danken, Hermine. Es war in der Tat ein wundervoller Abend und ich würde mich sehr freuen, ihn zu wiederholen. Vorausgesetzt natürlich, du möchtest das auch!"
"Nur zu gerne!", antwortete Hermine mit einem breiten Grinsen und rückte provokant noch ein bisschen näher.
Lucius verstand die wortlose Aufforderung und küsste sie noch einmal. Sie lösten sich schon nach wenigen Augenblicken wieder voneinander, doch Hermines Handflächen kribbelten aufgeregt und sie musste aufpassen, dass sie ihre Finger bei sich behielt.
"Ich würde sagen, die weiteren Details klären wir dann per Eule", schlug sie vor, um sich ein bisschen davon abzulenken, dass sie anscheinend gerade den Verstand verlor.
"Das klingt nach einem guten Arrangement. Ich werde dich wissen lassen, wenn ich wieder von meiner Geschäftsreise zurückgekehrt bin."
Lucius stoppte kurz, legte den Kopf schief und lächelte wieder auf diese undurchsichtige Weise.
"Gute Nacht, Hermine. Ich hoffe wirklich, du bereust das nicht schon bald."
Doch die verdrehte nur die Augen und schüttelte den Kopf.
"Sei nicht albern! Schau ich aus wie jemand, der sich kopflos in etwas Dummes stürzt? Schlaf gut, Lucius!"
Der Zauberer sah tatsächlich etwas beruhigter aus, drückte noch kurz ihre Hand und disapparierte dann aus ihrem Wohnzimmer.

Nachdem Hermine kurz unschlüssig herumgestanden war, legte sie einen Stillezauber auf ihre Wohnung, drehte die Musik auf volle Lautstärke und tanzte jubelnd durch ihr Wohnzimmer.
Ginny und den Jungs würde sie erst morgen damit auf die Nerven gehen.






Liebe Grüße aus der Klischee-Kiste. Hier gefällt es mir. Hier werde ich bleiben ^^
Ach und das Mirazur gibt es wirklich und steht eigentlich in Frankreich (wer hätte es gedacht :D ). Es gilt als das drittbeste Restaurant der Welt, ist wunderschön gelegen und das Essen sieht traumhaft aus :D seit der zehnten Staffel Masterchef: The Professionals will ich da unbedingt hin, aber das wird wohl eher nichts :D
Daher verzeiht mir, dass ich spontan ein Tochterrestaurant für England erschaffen habe. Wird ja durchaus ab und an so gehandhabt :D
Ach und sorry, dass das neue Kapitel etwas länger gedauert hat, aber ich hab aktuell furchtbar viel Stress und außerdem wollte ich mir dafür ein bisschen mehr Zeit lassen. Ist ja doch nicht unwichtig :D
Habt alle noch einen wunderschönen Tag/Abend oder eine gute Nacht :)
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