Mein Date, meine Rechte

GeschichteAllgemein / P16
18.04.2019
18.04.2019
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Vor kurzem verbrachte ich einen sehr netten, interessanten Abend mit ein paar Freunden in einem Restaurant. An Gesprächsstoff mangelte es uns wahrlich nicht, denn jeder steuerte interessante Beiträge zur geselligen Runde bei, aus welchen ich für mich persönlich nicht nur Eindrücke, sondern vor allem auch Erkenntnisse mitnehmen konnte.
Unter anderem wurde im Laufe des Abends über das Thema „Dating“ geredet, welches eines der für mich interessantesten, aber zugleich auch schwierigsten Themen unserer „modernen“ Welt darstellt.
Besonders interessant und aufschlussreich war es für mich deshalb, weil mein Freundes- und Bekanntenkreis zum großen Teil aus trans* Personen besteht, welche oft die unterschiedlichsten Meinungen, Auffassungen und auch Überzeugungen beisteuern und mir auf diese Weise immer wieder vor Augen führen, dass man im Leben einfach nie auslernt.
Gerade für mich als „Außenstehende“ („nicht betroffen“ möchte ich an dieser Stelle ungern verwenden, da es für mich immer einen etwas zweideutigen Unterton hat und suggeriert, trans* sein wäre irgendetwas Verwerfliches) ist es stets äußerst aufschlussreich, den Erzählungen und Geschichten meiner Freunde zu lauschen, ihre Perspektiven zu hören und mich manchmal auch in diese einzudenken (zumindest, soweit das möglich ist).
Und gerade, was das Thema „Dating“ angeht, fasziniert und verwundert es mich immer wieder, wie unterschiedlich Menschen in diesem Punkt eingestellt sind.
Speziell die Thematik „Dating als trans* Person“ ist – zumindest, wenn ich nach den bisherigen Erfahrungen aus meinem Freundeskreis gehe – nochmal eine ganze Spur komplexer, gerade deshalb, weil in der cisnormativen Gesellschaft noch immer eine Unmenge an Missverständnissen, Vorurteilen und Klischees, sowie mangelnder Empathie für Menschen besteht, die eben nicht cis sind.
Vorab noch kurz zur Erklärung: Cisgender bezeichnet Menschen, deren tatsächliches Geschlecht mit dem Geschlecht übereinstimmt, dem sie bei der Geburt zugeordnet wurden. Es bildet somit also das Gegenteil von Transgender.

Das Gespräch mit meinen Bekannten habe ich zum Anlass genommen, mich mal genauer mit dem Thema „Dating als Transgender“ auseinanderzusetzen und dabei insbesondere die Privilegien von Cispersonen zu beleuchten, sowie auch deren oftmals als „selbstverständlich“ propagierte, in Wahrheit jedoch unverschämte Forderungen näher auszuführen.
Im Folgenden finden sich nun – auch anhand einiger Beispiele – ein paar Behauptungen und angebliche „Rechtsansprüche“, die Cispersonen gerne an trans* Menschen stellen und diese als „völlig normal“ präsentieren.
Aus dem Text geht aber hoffentlich hervor, dass auch im Datingbereich gilt, beziehungsweise gelten sollte, was in anderen Lebensbereichen auch der Fall ist: Gleiches Recht und gleiche Pflicht für alle!

Behauptung eins: Trans* Personen müssen sich stets als trans* zu erkennen geben
Die erste Forderung, die von Cismenschen gerne gebracht wird, ist die sogenannte „Zwangsoutingsforderung“, durch welche beansprucht, beziehungsweise erwartet wird, dass trans* Personen andere Menschen stets über ihre Transsexualität/-identität aufzuklären haben und Abweichungen von den Erwartungen anderer Menschen umgehend richtigzustellen sind.
Im Datingbereich gilt dies insofern, dass man verlangt, dass trans* Personen einen cissexuellen Partner oder eine cissexuelle Partnerin direkt über ihre Transsexualität in Kenntnis setzen und sich somit „outen“.
Wenn also beispielsweise ein (Cis-)Mann eine (Trans-)Frau kennenlernt und eine Beziehung mit ihr eingehen will, hat diese Frau jener Ansicht nach die Pflicht, den besagten Mann von ihrer Transsexualität zu berichten – unabhängig davon, ob sie aktuell noch ein Thema ist oder nicht.
Wird im Gegenzug aber von trans* Personen erwartet, dass Cisgender sich ebenfalls zu erkennen geben und ihre(n) potentielle(n) Partner/in über ihre Cissexualität aufklären müssen, wird das hingegen häufig belächelt.
Dabei liegt hier, wenn man nach oben genanntem Ausspruch geht, in beiden Fällen klare Täuschung vor. Um näher zu erläutern, was ich meine, hier zwei konkrete Fallbeispiele als Vergleich.
Ein Cismann beginnt eine Beziehung zu einer Transfrau, in Unkenntnis, dass sie eine Transfrau ist – und findet es erst eine Weile später heraus. Nun ist es für betreffenden Mann selbstverständlich, sich getäuscht und betrogen zu fühlen, da er die Beziehung bei Kenntnis ihrer Transsexualität niemals begonnen hätte.
Und hier der Gegenfall: Eine Transfrau beginnt eine Beziehung zu einem Cismann, in Unkenntnis, dass er ein Cismann ist – und findet es erst eine Weile später heraus. Wenn die besagte Transfrau sich nun betrogen fühlt, da sie ja davon ausging, ihr Partner wäre ein Transmann und bei Kenntnis seiner Cissexualität nie eine Beziehung begonnen hätte, wird dies von der Gesellschaft als unsinnig und sogar empörend empfunden.
Cisgender sehen keinerlei Anlass dazu, ihre Cissexualität auch nur mit einem Wort zu thematisieren, sind gleichzeitig aber in der Erwartungshaltung, dass Transsexualität immer sofort thematisiert werden muss.
Da kann, zumindest meiner Auffassung nach, etwas nicht stimmen. Denn wenn ein Cismann mit einer Transfrau eine Beziehung eingeht, die diese bei Kenntnis der Tatsachen nie begonnen hätte, dann ist es genauso Täuschung wie in umgekehrtem Fall.
Statt das aber einzusehen, würde besagter Mann sich lediglich darüber empören, dass das völliger Blödsinn sei und er nicht extra dazusagen muss, dass er cis ist.
Da hat er Recht – allerdings gilt selbiges dann auch für trans* Menschen. Sie müssen dann ebenfalls nicht sagen, dass sie trans* sind. Wenn jemand etwas verlangt, muss er auch bereit sein, dasselbe zu geben, beziehungsweise zu tun. Ansonsten ist es keine Gleichberechtigung.
Wenn also Cispersonen ihre Cissexualität verschweigen dürfen, dürfen auch trans* Personen ihre Transsexualität verschweigen. Und wenn trans* Personen ihre Transsexualität thematisieren müssen, müssen Cispersonen ihre Cissexualität thematisieren.
Ansonsten ist es klare Täuschung. Und zwar in beiden Fällen. Die einzige Alternative, die es dazu meiner Meinung nach gibt, ist diese Erwartungshaltung abzulegen und zu akzeptieren, dass Mensch Mensch ist – egal ob cis oder trans*.

Behauptung zwei: Bei verschwiegener Transsexualität/-identität handelt es sich um Betrug
Wie oben bereits ausführlich erläutert, halte ich das für eine absolut unsinnige Unterstellung. Wenn trans* Personen ihr „trans* sein“ verschweigen – entweder, weil es in der Gegenwart nicht mehr relevant ist oder weil es in ihrem Leben keine große Rolle spielt, dann hat das rein gar nichts mit Betrug zu tun. Weder menschlich, noch rechtlich.
Eine trans* Frau, die sich beim Daten als Frau vorstellt, allerdings (noch) keine geschlechtsangleichenden Operationen in Anspruch genommen hat, respektive in Anspruch nehmen möchte, begeht keinerlei Vertrauensbruch, wenn sie behauptet, eine Frau zu sein. Sie ist schließlich eine.
Ein Cismann begeht schließlich auch keinen Vertrauensbruch, wenn er behauptet, ein Mann zu sein. Und wie oben gesagt: Wenn Cisgender beanspruchen, ihre Cissexualität nicht gesondert erwähnen zu müssen, dann brauchen auch trans* Personen ihre Transsexualität/-identität nicht speziell zu erwähnen.
Alles andere ist meiner Meinung nach purer Unsinn, der mit Gleichberechtigung nicht das Geringste zu tun hat.

Behauptung drei: Davon auszugehen, die andere Person sei cis, ist völlig normal
Wenn sich beim Daten zwei Menschen kennenlernen, von denen eine Person trans* und die andere Person cis ist, führt das häufig zu Problemen. Die Cisperson ist im Glauben, ihr Date sei ebenfalls cis – und die trans* Person denkt, ihr Date sei ebenfalls trans*.
Wird das Missverständnis aufgeklärt und die besagte Cispersonen macht einen Aufstand und regt sich auf, so ist das völlig in Ordnung. Tut die trans* Person aber selbiges und empört sich darüber, dass ihr Date cis ist, wird das belächelt und als Unsinn abgetan. Trans* sei schließlich die Minderheit – und Minderheiten haben sich nach der Mehrheit zu richten.
Kurz gesagt: Nö, das sehe ich nicht so. Man kann von einer anderen Person nicht erwarten, etwas zu tun, was man selbst nicht zu tun bereit ist. Wenn also ein Missverständnis wie oben genannt entsteht, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder beide Parteien sehen darüber hinweg und akzeptieren das – oder beide haben das Recht, sich über das Verschweigen des jeweils anderen zu empören.

Behauptung vier: Trans* Personen zu fetischisieren ist völlig in Ordnung
Viel zu viele Leute, die Cisgender sind (meistens handelt es sich um Cismänner), gehen davon aus, dass es völlig in Ordnung ist, trans* Personen zu fetischisieren, sie als Sexobjekte zu betrachten und zu gebrauchen.
Einen Fetisch für trans* zu haben, ist völlig okay – und es ist ebenso kein Problem, die Selbstwahrnehmungen von trans* Personen zu übergehen und sie einfach in irgendeine Schublade zu stopfen.
Transfrauen als Sexobjekte zu benutzen, ist absolut legitim und es kann keiner erwarten, dass man eine Transfrau so behandelt und betrachtet, geschweige denn, ihr bei einem Date mit derselben Höflichkeit und Empathie begegnet wie man es üblicherweise bei einer Cisfrau tun würde.
Sich darüber aufzuregen und lustig zu machen, wenn Transfrauen auf so ein Vorgehen wie oben genannt gekränkt oder empört reagieren, ist des weiteren auch absolut in Ordnung. Das sind schließlich nur Transfrauen, die sollten froh sein, dass sich überhaupt wer für sie interessiert.
Was ich nun dazu zu sagen habe? Das erkläre ich, wenn ich einen Kübel gefunden habe, in den ich mich übergeben kann.
Ganz im Ernst: Cismänner, die oben genannte Dinge tatsächlich praktizieren und als „selbstverständlich“ ansehen, dürfen froh sein, wenn sie von Transfrauen überhaupt angeschaut werden. Und sie müssen sich dann auch keineswegs darüber wundern, dass trans* Personen hin und wieder so feindlich reagieren. Daran sind die Cispersonen selbst schuld.
Wenn nun umgekehrt allerdings zum Beispiel eine Transfrau einen Fetisch für Cisgender hat und nur sexuelles Interesse an ihnen, dann wird das sofort wieder als beleidigend aufgefasst.
Ich dagegen sage: Das ist dann genauso in Ordnung. Und ich kenne tatsächlich trans* Personen, die nur deshalb auf Cisgender stehen, weil sie einen Fetisch dafür haben. Es ist also gar nicht so weit hergeholt wie man denkt.

Behauptung fünf: Transfrauen und -männer nicht als das zu sehen, was sie sind, ist normal
Gerade beim Daten zwischen trans* und cis muss man ganz klar zwischen zwei Gruppen unterscheiden: Zum einen Personen, die eine ernsthafte, langfristige Beziehung zu einer trans* Personen möchten und ihr den nötigen Respekt entgegenbringen, den sie einer Cisfrau auch entgegenbringen würden.
Und zum anderen Personen (meist Cismänner), die sexuelle Fantasien mit Transfrauen haben und diese zu verwirklichen suchen. Erfahrungsgemäß handelt es sich dabei meist um Bisexuelle, die Transfrauen irgendeinen „Reiz“ andichten und nach der Befriedigung eines Fetisches Ausschau halten.
Dabei werden Transfrauen jedoch nie als das betrachtet, was sie sind, sondern eben als reines Sexobjekt und Spielzeug. Des weiteren ist es für solche Leute oft selbstverständlich, zwischen „Frauen“ und „Transen“ zu unterscheiden – und Transfrauen wird jegliches Recht darauf abgesprochen, eine echte Frau zu sein.
Darüber hinaus scheint es für Cisgender absolut selbstverständlich zu sein, Transfrauen und -männer nicht als das anzuerkennen, was sie sind, sondern sie als das Geschlecht zu sehen und zu behandeln, dem sie bei der Geburt zugewiesen wurden (Hebammengeschlecht).
Selbst Menschen, die auf trans* Personen stehen, verwenden häufig die Unterscheidung „Transfrauen“, beziehungsweise „Transmänner“ und „echte Frauen“, beziehungsweise „echte Männer“, was ich an sich schon für völligen Nonsens halte.
Dass dieses Verhalten natürlich NICHT in Ordnung ist, muss ich wohl nicht extra erwähnen – mache es der Vollständigkeit halber aber trotzdem. Also: Eine Transfrau ist eine Frau, war immer eine Frau und wird immer eine Frau sein. Selbiges bei Transmännern. Das war immer ein Mann und wird immer ein Mann bleiben.
Und ob der Körper von Anfang an zum Geschlecht gepasst hat, später angeglichen wurde oder nicht, ändert am Geschlecht rein gar nichts. Es bleibt dasselbe. Von Anfang an.
Nun das Gegenbeispiel: Auch wenn es für Cisgender auf den ersten Blick absurd klingen mag, aber es gab und gibt trans* Personen, die mit Cispersonen ähnlich verfahren wie sie normalerweise mit ihnen. Sprich: Trans* Personen, die Cisgender nicht als das sehen, was sie sind und sie nicht als „echte Männer“, beziehungsweise „echte Frauen“ betrachten.
Für manche trans* Personen ist nur echt und normal, wer selbst trans* ist. Das bedeutet also: Sie erkennen Cisgender nicht an und sprechen ihnen ihr Geschlecht ab, so wie cis das üblicherweise mit trans* macht.
Dazu fällt mir gerade ein gutes Beispiel ein, welches ich mal irgendwo gelesen hatte und in welchem es auch um Dating ging: Eine Transfrau erzählte einer Freundin von ihrem Date, welches total schiefgelaufen war. Grund dafür war, wie die Transfrau berichtete, dass sie einen „echten Mann“ daten wollte – und keinen Cisgender, der sich als Mann ausgibt.
Zwar tue ich mich schwer, diese Ansicht zu verstehen, da mir in der Regel egal ist, ob jemand cis ist oder trans*. Doch andererseits wiederum kann ich nachvollziehen, dass manche trans* Personen nur solche Menschen anerkennen wollen und können, die selbst trans* sind. Und für die Cisgender ein rotes Tuch – oder schlicht und ergreifend gesagt – Fakes sind.
Das bedeutet also, sie sehen Cisfrauen als „Personen, die Frauen sein wollen“, beziehungsweise, „sich als Frauen ausgeben“ und Cismänner als „Personen, die Männer sein wollen“, beziehungsweise „sich als Männer ausgeben“.
Und in Anbetracht der Tatsache, dass cis in der Regel so über trans* denkt, kann, will und werde ich es niemandem verübeln, wenn trans* so über cis denkt und mir unterstellt, ich würde „eine Frau sein wollen“ oder „mich dafür ausgeben“.
Mir persönlich ist es wie gesagt egal, da für mich der Mensch zählt – aber wenn eine trans* Person mich nicht als „echte Frau“ sehen möchte oder kann, dann kann ich ihr das nicht übel nehmen. Im Gegenteil: Ich verstehe diese Sichtweise zum Teil sogar.
Warum sollten trans* Personen nicht dasselbe Recht haben, Cisgender zu diskriminieren wie Cisgender es üblicherweise bei trans* Personen tun?
Auch das ist, so verschroben es auch klingen mag, einfach nur Gleichberechtigung. Was die eine Seite darf, darf auch die andere. Auch wenn es noch so verworren erscheint.
Und bevor jemand darauf hinweist: Ja, hier liegt eine Spur von Sarkasmus drin. Aber wirklich nur eine leichte. Das mit dem Recht ist hingegen absolut ernst gemeint.

Behauptung sechs: Einen Cisgender nicht daten zu wollen ist Cisphobie
Als ich diese Behauptung zum ersten Mal hörte, war ich mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich darüber lächeln oder in Verwunderung den Kopf schütteln soll.
Es gibt also tatsächlich Menschen, die behaupten, es sei cisphob, nur weil man auf Beziehungs- und Datingebene kein Interesse an Cispersonen hat. Aber natürlich ist es nicht transphob, wenn man kein Interesse an trans* Personen hat.
Ich denke, es sollte sich von selbst erschließen, wie unsinnig diese Behauptung eigentlich ist. Schließlich ist das Daten eine der persönlichsten und auch intimsten Angelegenheiten überhaupt. Und beim Daten kann – so ungehobelt es klingen mag – jeder nach Herzenslust diskriminieren wie er will und frei darüber entscheiden, mit wem er eine Beziehung möchte und mit wem nicht.
Wenn also ein Cismann keine Lust auf Sex mit einer Transfrau hat, dann ist das ja auch keine Transphobie, sondern eine persönliche Vorliebe, Geschmack, eine bewusste Entscheidung.
Hat besagte Transfrau aber keine Lust auf Sex oder ein Date mit besagtem Cismann, dann ist das ganz klar Cisfeindlichkeit, die man nicht hinnehmen muss.
Entschuldigung, wenn ich das so sage, aber: Geht's noch? Das hat nichts – und zwar rein gar nichts – mit Feindlichkeit zu tun. Wenn man eine Person oder Personengruppe auf sexueller oder zwischenmenschlicher Ebene für sich ablehnt, weil man nicht darauf steht, dann ist das nur eins, nämlich Recht auf freie Entscheidung.
Niemand, egal ob cis, trans* oder was anderes, kann eine andere Person zu etwas zwingen, das sie nicht möchte. Und die Entscheidungen einer jeweiligen Person sind zu akzeptieren.
Wenn also eine Transfrau keine Lust auf Sex oder Beziehung mit einem Cismann hat, weil sie nicht auf Cisgender steht, dann hat sie jedes erdenkliche Recht der Welt dazu. Es ist ihr Leben – und nur sie allein bestimmt die Wahl ihrer Sexual- oder Beziehungspartner.
Das muss man akzeptieren und hinnehmen – und sich nicht künstlich darüber aufregen, dass da ein cisphobes Motiv dahintersteckt. Wenn beispielsweise ein Transmann keine Lust hat, mich zu daten, weil ich cisgender bin, dann ist das seine Entscheidung und sein Recht.
Gehe ich deshalb hin und beschimpfe ihn als cisphob? Natürlich nicht. Wenn ich umgekehrt keine Lust auf ihn hätte, wäre das ja auch nicht transphob.
Also bitte, was soll der Blödsinn? Soll das irgendeine Art Racheakt von Cisgendern sein, die sich durch trans* Personen benachteiligt oder übergangen fühlen? Oder sind manche Cismenschen wirklich so eitel und selbstherrlich, dass sie meinen, niemand hätte das Recht dazu, sie abzulehnen oder zurückzuweisen? Oder meinen sie, es sei was anderes, wenn Cispersonen trans* Menschen ablehnen, als wenn trans* Menschen Cispersonen ablehnen?
Nein, liebe Freunde. Es ist exakt dasselbe. Die Wahl seiner Sexual- und Beziehungspartner bestimmt jeder Mensch für sich selbst. Es wäre schließlich auch kein Rassismus, wenn man keinen Sex mit einem Asiaten oder Japaner möchte.
Nur man selbst entscheidet, was man will. Sonst niemand. Das nennt man persönliche Präferenz. Und wenn wie gesagt Transmänner mich ablehnen, weil ich cisgender bin, dann dürfen sie das auch. Genauso wie ich ablehnen darf, was mir nicht gefällt. Das hat nichts mit Feindlichkeit zu tun. Das ist schlicht und ergreifend menschlich.
Deshalb abschließend an alle Mit-Cisgender, die diesen Text hier lesen: Wenn Ihr von trans* Personen abgelehnt werdet, dann macht keinen künstlichen Aufstand, sondern fragt Euch lieber mal, warum trans* Personen so reagieren. Ablehnung und Feindlichkeit entstehen schließlich nicht ohne Grund.
Und vergesst diesen Unsinn mit der Phobie. Ich bin schließlich auch nicht cisfeindlich, nur weil ich Cismänner als Partner ablehne. Das ist meine Entscheidung. Und die muss man einfach akzeptieren. Auch wenn das eigene Ego dadurch einen Knacks bekommt.

Zu guter Letzt möchte ich noch einmal die wichtigsten Kernaussagen dieses Textes zusammenfassen:

1. Niemand sollte und darf gezwungen werden, sich zu outen, auch nicht beim Daten. Und wenn man sich, wie in den Beispielen genannt, darüber empört, dass eine trans* Person ihr trans* sein verschwiegen hat, sollte man sich den Spiegel vorhalten und bedenken, dass man selbst sein cis sein ja auch verschwiegen hat. Denn in etwa 98 Prozent aller Fälle ist das so.

2. Standardmäßig davon auszugehen, was eine andere Person ihrer Erscheinung nach ist, ist in der Regel immer falsch. Falls man es wirklich sicher wissen muss, sollte man nachfragen. Und ansonsten sollte es eigentlich keinen Unterschied machen.

3. Vorlieben und Präferenzen sind jedermanns Recht, auch Fetische – solange sie nicht auf Kosten von Menschenwürde und Persönlichkeitsrechten gehen.

4. Eine andere Person wissentlich zu misgendern oder ihr Geschlecht zu missachten, ist respektlos. Stellt Euch mal vor, wie es Euch gehen würde, wenn Euch jemand Euer Geschlecht abspricht und Euch falsch anredet. Perfektion verlangt niemand, aber als zivilisiertes Wesen sollte man in der Lage sein, den Wünschen anderer Menschen nachzukommen und sie richtig anzureden.

5. Beim Daten hat jeder Mensch seine persönlichen Präferenzen – und es steht jedem absolut frei, diese auszuleben. Niemand kann gezwungen werden, jemanden zu daten, für den er nichts übrig hat. Deshalb ist er nicht automatisch feindlich. In der Liebe und im Bett darf jeder ausschließen, was immer ihm nicht zusagt oder gefällt. Auch Cisgender.

6. Rechte und Ansprüche, die Cisgender auf trans* Personen anwenden und einfordern, dürfen umgekehrt ebenso von trans* Personen auf Cisgender angewandt und eingefordert werden. In jeglichen Belangen.
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