The truest form of Love

von Marena
GeschichteRomanze, Freundschaft / P12
Billy Black Embry Call Jacob Black OC (Own Character) Paul Quil Ateara
17.04.2019
17.06.2019
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   shelter  

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Konzentriert hatte Paul Lahote seinen starren Blick auf die Landstraße, über die sie nun schon seit einer gefühlten Ewigkeit hinwegjagten, gerichtet und umklammerte das Lenkrad des Volvos, der noch nicht einmal ihm gehörte, so fest, dass seine Fingerknöchel weiß hervortraten.
Einzig das Rattern der beiden unberührten Kaffeebecher erfüllte den Innenraum des Wagens und passten sich an, an das Ruckeln des unebenen Asphalts.

Gerne hätte Paul zumindest einen kleinen Schluck davon genommen, doch an einem Samstag um halb sieben Uhr morgens war sein Körper dermaßen verschlafen, dass er noch nicht einmal im Stande war, nach Koffein zu verlangen.
Je länger er darüber nachdachte, was er hier gerade tat und weshalb ihn sein bester Freund um eine solche Uhrzeit aus dem Bett geholt hatte, desto fester wurde der Griff, mit dem er das Lenkrad umschloss.

Die Sonne hatte sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, die dicke Wolkenschicht zu durchbrechen und ihnen ihren spontanen Ausflug zumindest durch einen malerischen Sonnenaufgang zu versüßen.
Entsprechend verbittert war auch das Stöhnen, das Paul von sich gab, als er eine scharfe Gabelung passierte und abrupt abbremste. Hätte er dort nicht längst abbiegen sollen?

„Verdammt“, brummte er missmutig vor sich hin und warf einen fahrigen Blick in den Rückspiegel, ehe er ein wenig geschicktes Wendemanöver mithilfe des nächsten Feldwegs vollführte.
„Ich hasse dich, weißt du das?“, polterte er schließlich seinem besten Freund, der schweigend am Beifahrersitz seines eigenen Wagens verharrte, entgegen. „Wieso mach ich das hier überhaupt, wenn ich noch nicht einmal wirklich von diesem Plan überzeugt bin?“

„Weil du’s tief drinnen eben doch bist“, antwortete Embry Call etwas verspätet und ging nun dazu über, in einem konsequent unregelmäßigen Takt gegen das Armaturenbrett zu trommeln. „Und gib‘ nicht mir die Schuld daran, dass du anscheinend noch nicht einmal mehr den Weg nach Port Angeles kennst.“

Seufzend heftete Paul seinen Blick wieder auf die Straße und presste fest die Lippen aufeinander.
Er war zu müde für diese Diskussion. Er war auch zu müde, um überhaupt seinen aktuellen Standpunkt in dieser ganzen Sache zu wissen.

„Weißt du, was verrückt ist?“, war es dieses Mal Embry, der die Stille durchbrach und noch im selben Moment unsanft gegen den Rahmen der Beifahrertüre gepresst wurde, weil Paul die kommende Kurve etwas zu scharf genommen hatte.

„Dass wir in aller Herrgottsfrühe nach Port Angeles fahren, obwohl wir auch hätten ausschlafen können?“, stellte der junge Indianer am Steuer seine Vermutung in den Raum und hämmerte ohne Vorwarnung auf die Bremse, womit sie auf einen Ruck locker dreißig km/h verloren hatten – sie hatten ein Ortseingangsschild passiert.

„Das auch“, zuckte Embry mit den Schultern. „Aber viel mehr, dass ich das wirklich tun werde. Wenn sie Ja sagt, dann werde ich mein Leben mit dieser einen Frau verbringen. Wir werden heiraten, wir werden zusammenleben, sie wird die Mutter meiner Kinder, sie…“
„Jetzt mal einen Schritt nach dem anderen, Embry“, versuchte Paul seinem besten Freund direkt den Wind aus den Segeln zu nehmen, als er an einer einsamen Kreuzung zum Stehen kam.
Kein Auto war in Sicht, doch das gleißende Rot der Ampel hielt Paul doch zum Warten an, was ihm auch genug Zeit verschaffte, um Embry einen skeptischen Blick zukommen zu lassen.
„Jetzt kaufen wir erstmal diesen verfluchten Ring und dann sehen wir weiter. Und dann kannst du dir auch nochmal durch den Kopf gehen lassen, dass du gerade mal achtzehn bist.“

Ein tiefes Seufzen entwich dem jungen Mann zu seiner Rechten, gepaart mit einem genervten Augenrollen.
„Zum tausendsten Mal, ich muss sie ja nicht direkt morgen heiraten“, erklärte er mit verständlicher Stimme. „Ich will sie bloß nicht ohne Ring am Finger aufs College verschwinden lassen.“

Paul schnaubte.
„Also nach deiner heutigen Hauruck-Aktion bin ich mir nicht mehr so sicher, ob du mich nicht schon morgen aus dem Bett schmeißt, um deine Hochzeit zu planen“, grummelte Paul und stieg sofort wieder aufs Gas, kaum war das Rot der Ampel dem grellen Grün gewichen.

Er hatte in den letzten Wochen und Monaten live miterlebt, wie sein bester Freund mit sich gehadert hatte und immer wieder Gefallen an der Idee gefunden hatte, seiner Freundin Adriene noch vor dem Schulabschluss einen Heiratsantrag zu machen.
Es war ihr letztes Schuljahr und Embrys Zukunftsplanung drehte sich in erster Linie um diese eine junge Frau.

„Versteh‘ mich nicht falsch“, seufzte Paul schließlich doch noch einmal und warf seinem Beifahrer einen entschuldigenden Blick zu. Nichts lag ihm ferner, als wieder unnötige Zweifel in seinem besten Freund zu wecken. „Ich bin ja froh, dass du dich endlich entschieden hast und dir so sicher damit bist. Aber ich bin eben trotzdem kein Morgenmensch.“

Der Angesprochene zeigte ihm ein leichtes Schmunzeln, ehe er verstehend nickte.
„Das weiß ich. Aber letzte Nacht ist es mir einfach klar geworden. Ich muss es tun“, erklärte Embry. „Ich brauche diesen Ring – jetzt. Außerdem darf Adriene auch nicht hellhörig werden. Hätte sie mitbekommen, dass wir an einem Samstagnachmittag allein nach Port Angeles fahren, wäre sie bestimmt hellhörig geworden.“

Wenig überzeugt legte Paul die Stirn in Falten.
„Naja, dass wir um halb sieben Uhr morgens ausrücken, ist sicherlich nicht weniger alarmierend“, grummelte er, doch auch das wusste Embry bereits abzuschlagen.
„Der Plan ist, dass sie das erst gar nicht mitbekommt. Wir sind längst wieder in La Push, bis sie merkt, dass wir überhaupt weg waren.“

Liebe machte bekanntlich blind, doch Paul war sich sicher, dass sie in Embrys Fall auch noch einiges anderes bewirkte.
Jeden anderen hätte er längst für verrückt erklärt und er wäre vermutlich sogar handgreiflich geworden, wenn sie ihn um diese Uhrzeit gezwungen hätten, nach Port Angeles zu fahren, um einen Verlobungsring zu kaufen.
In Embrys Fall jedoch hatte er sich hinters Steuer geklemmt – zwar kopfschüttelnd, aber dennoch war er auf der Straße und stand ihm zur Seite.

Obgleich Paul das junge Alter zu Denken gab, hatten Embry und Adriene in seiner Welt von Anfang an eine Sonderstellung eingenommen. Selbst, dass Paul das Konzept Ehe für veraltet hielt und wenig Wert darauflegte, war dabei zweitrangig und Embrys Hochzeit mit Adriene ein Fest, das er sich von ganzen Herzen wünschte.

„Wer hätte gedacht, dass es eines Tages tatsächlich noch soweit kommt, was?“, seufzte Embry verträumt, während er gleichzeitig den kleinen Knopf neben dem Lautstärkereglers des Wagens betätigte, damit sich das Fenster auf der Beifahrerseite senkte. Die kühle Morgenluft schlug den beiden Freunden entgegen und dankbar sog auch Paul sie ein, in der Hoffnung dadurch ein bisschen wacher zu werden.
Erst dann warf er schmunzelnd einen Blick auf Embry, der wohl gar keine Antwort auf seine Frage erwartete und mit geschlossenen Augen gegen das halboffene Fenster gelehnt saß.

Dennoch beantwortete Paul seine Frage im Geiste – denn er hatte es schon vor fünf Jahren geahnt.
Er glaubte an nichts, was über Freundschaft hinausging, doch Adriene und Embry waren von Anfang an die Ausnahme gewesen.
Während Jungs und Mädchen mit zwölf langsam anfingen, sich interessant zu finden und sich gegenseitig ärgerten, waren Embry und Adriene jedem einen Schritt voraus gewesen.
Aus ihrer kindlichen Freundschaft war Liebe entstanden und obwohl das strikt gegen Pauls Grundsätze ging, war er sich sicher, dass die beiden füreinander geschaffen waren.

Mit vierzehn hatten sie bereits eine feste Beziehung geführt, während alle anderen mitten in der Pubertät steckten. Nicht, weil sie frühreif waren, sondern einfach, weil sie zueinander passten.
In den darauffolgenden Jahren, in denen Paul die Vergänglichkeit der Liebe und gleichzeitig die Beständigkeit von Freundschaft bewusst wurde, waren Embry und Adriene längst ein Herz und eine Seele geworden.
Nie hatte Paul dabei um die Freundschaft, die ihn mit Embry verband gefürchtet und ihm zu jeder Zeit nur das Beste gewünscht.

Adriene war Embrys Gegenpol, sie glichen einander aus. Mit ihrer entspannten, gelassenen Art brachte sie den impulsiven und oft auch unvernünftigen Embry gerne wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.
Nur leider hatte sie an diesem Tag nicht die Gelegenheit gehabt und ihren Freund nicht daran hindern können, Paul im Morgengrauen nach Port Angeles zu jagen, um dort Hals über Kopf einen Verlobungsring zu besorgen.

„Danke“, wisperte Embry schließlich mit einer solchen Ehrlichkeit, dass Pauls Blick beinahe unmittelbar zu ihm hinüber geschnellt wäre und er schon wieder eine Abzweigung verpasst hätte.
„Für alles“, erklärte Embry bloß und starrte verträumt aus dem Beifahrerfenster. „Für deine Unterstützung, einfach für deine Freundschaft. Ich weiß, wie du zum Thema Ehe stehst und trotzdem sitzt du hier. Du bist ein wahrer Freund, von dem viele nur träumen können.“

Er schenkte ihm ein Lächeln – so offen, dass Paul glatt vergessen konnte, wie früh es war und wie verschlafen er sich fühlte.

„Kein Thema“, erwiderte Paul dann und musterte seinen Beifahrer.
Embry Calls dunkle Augen verloren sich irgendwo im Nichts dieses Wagens und nichts als vollkommene Zufriedenheit war darin zu erkennen. „Ich bin da, egal was ist.“

„Das weiß ich“, bestätigte Embry und nickte Paul noch einmal dankbar zu.
Dass Paul kein großer Redner war, wenn es um Gefühle ging, war ihnen beiden bewusst. Er ließ Taten sprechen und zeigte dadurch, dass er sich Vertrauen verdient hatte und wie sehr er seine Freunde wertschätzte, anstatt leere Phrasen zu formulieren.
Situationen wie diese waren eine Ausnahme.

„Aber jetzt genug davon“, würgte Paul die emotionsgeladene Stimmung daher auch direkt wieder ab. „Nicht, dass du hier noch mir einen Antrag. Heb‘ dir das mal für Adriene auf.“
Schmunzelnd richtete Embry seinen Blick wieder auf die vorbeiziehende Landschaft außerhalb des Wagens.
„Mach dir mal keine falschen Hoffnungen“, lachte er glücklich und ließ sich von der Schwerkraft zurück in seinen Sitz drücken, während Paul Lahote wieder kräftig aufs Gaspedal trat.



Mit leisen Ploppen fiel die große Tür des silbernen Kühlschranks zu, als James Lahote in seiner nächsten Bewegung direkt einen Flaschenöffner aus der Schublade neben sich fischte.
In der einen Hand eine kühle Flasche Bier, stemmte er sich mit der anderen rücklings gegen die Küchenablage.

„Sich verloben? In seinem Alter?“, schüttelte er verständnislos den Kopf und ließ, im Einklang mit dem Aufspringen des Bierdeckels, ein erhabenes Seufzen verlauten.
Ihm war der morgendliche Ausflug seines Sohnes nicht verborgen geblieben, doch seit er den Grund dafür gehört hatte, stand ihm permanent seine tiefe Denkfalte auf der Stirn.
„Ob Embry in diesem Fall seine Naivität nicht mal zum Verhängnis wird. Die erste Liebe ist zwar einschneidend, aber sie bleibt nie“, sagte James Worte, die Paul in den letzten Jahren vielmals gehört hatte.

„Genau das hab ich mir zuerst auch gedacht“, versicherte ihm Paul, der auf dem vordersten Platz der Eckbank saß und die Füße weit von sich gestreckt hatte. „Aber dann ist mir wieder eingefallen, wer sie sind. Das sind Embry und Adriene, nicht Mum und du. Ich glaube wirklich, dass sie füreinander geschaffen wurden.“

Wenig überzeugt rümpfte James die Nase.
„Und dann auch noch heiraten. Wieso muss man immer direkt heiraten? Sieh‘ dir Anne und mich an, wir heiraten auch nicht. Ein Ring am Finger hat doch nichts zu bedeuten“, blieb er bei seiner Linie und wieder wurde Paul klar, weshalb er über die Liebe dachte, wie er nun einmal darüber dachte.
Seit der Scheidung hatte sein Vater keine Gelegenheit ausgelassen, sich über Paarbeziehungen und Ehe auszulassen – und selbst wenn Paul bewusst war, dass das lediglich die individuellen Erfahrungen seines Dads waren, hatten ihn seine Worte scheinbar doch geprägt.

Nun meldete sich aber Anne Shoyo höchstselbst vom anderen Ende der Eckbank zu Wort.
„Ach was, Jimmy“, lächelte sie ihren Liebsten beschwichtigend an. „Da muss wohl jeder seine eigenen Erfahrungen machen. Nur weil wir beim ersten Anlauf kein Glück hatten und uns erst so spät gefunden haben, muss das doch noch lange kein Naturgesetzt sein. Und wenn doch, dann ist das auch kein Weltuntergang.“

Mit lockerem Achselzucken lächelte sie die Männer in der Runde an.
Zwar hatte Paul seine Zweifel, ob die Liebe seines Vaters für die Frau mit dem schwarzen, krausen Haar und strahlend grünen Augen tatsächlich ausreichte und sie somit die letzte Frau an James Seite sein sollte, doch in diesem Punkt konnte er ihr ohne zu zögern zustimmen.

„Eben“, unterstrich Paul mit einem kräftigen Nicken Annes Aussage. „Und wer weiß, wann er ihr den Antrag tatsächlich macht. Und bis sie dann heiraten, wird sicherlich auch nochmal ordentlich Zeit verstreichen.“

„Das klingt doch vernünftig“, lächelte Anne zuversichtlich. „Seid ihr in Port Angeles denn fündig gewo-“
„Dein Gesicht würde ich sehen wollen, wenn Jessy plötzlich verlobt wäre!“, fuhr ihr James jedoch noch einmal dazwischen und schien sich immer noch mit dem alten Thema zu beschäftigen.

Gekonnt überging Anne aber den Einwand ihres Partners.
„Apropos Jessy“, hakte sie stattdessen lediglich beim Namen ihrer Tochter ein und lenkte ihren Blick wieder auf Paul. „Sie will gleich noch vorbeikommen. Bestimmt freut sie sich, dich zu sehen.“

Überrascht, aber begeistert schnellten Pauls Augenbrauen nach oben.
Dass die neue Beziehung seines Vaters auch eine neue Freundschaft in sein eigenes Leben bringen würde, hatte Paul zwar nicht erwartet, doch umso genialer fand er nun den Umstand, dass Anne ebenfalls eine Tochter aus erster Ehe mit in die Partnerschaft gebracht hatte.

„Cool, ich freu mich auch“, erwiderte Paul ehrlich und warf einen Blick auf die energisch tickende Wanduhr.
Der Tag war lang, wenn man erst mal so schrecklich früh aufgestanden war.
Obwohl er sich fühlte, als hätte er heute schon zwei volle Tage verlebt, war es doch gerade mal mittags.

Da Embry also beschäftigt war, Pläne zu schmieden, wie er Adriene am besten einen Antrag machen sollte, war Jessy eine willkommene Beschäftigung für diesen freien Tag – obwohl Samstage in La Push ohnehin niemals langweilig wurden.
Das Reservat war zwar klein, doch zumindest hatte Paul hier all seine Freunde beisammen.

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Hey, ihr Lieben!
Das erste "richtige" Kapitel und ich will nur kurz noch die Basics loswerden:
Auch hier sind die Jungs schon etwas älter und werden sich demnach auch erst in diesem Alter verwandeln, anstatt schon mit 16.
Und auch, was die Reihenfolge der Verwandlungen angeht, werde ich mich nicht zwingend am Buch orientieren.
Ansonsten habt ihr wohl schon festgestellt, dass die Lahotes etwas erweitert wurden, aber ich denke, dass sich die Konstellationen und Ausgangssituationen ohnehin noch zeigen werden :)

Vielen Dank jedenfalls schon mal für die vielen Favos und sogar 2 Sternchen nach dem Prolog! ♥
Und natürlich auch danke an Naddi82 und Simone Balthasar für die ersten Reviews!
All das hat mich riesig gefreut!

Alles Liebe!
xx
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