Gejagt - Die Kupferchroniken

GeschichteFantasy / P12
17.04.2019
09.11.2019
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Am nächsten Morgen brachte mich Lynn sofort zu Mr. Cox‘ Büro. Eine „wichtige Besprechung“, wartete auf mich.
Mit wild pochendem Herzen stand ich da und zögerte einen Moment bevor ich klopfte. Ich wollte diesem unheimlichen dicken Mann, aus dem ich nicht schlau wurde, nicht noch einmal gegenüber stehen. Mit einem leisen Surren glitt die Tür auf. Ich trat ein und ging selbstbewusst auf Anthony Cox zu, der gemütlich hinter seinem Schreibtisch saß. Gerade setzte er sich seine frisch geputzte Hornbrille auf. Aus dem Augenwinkel bemerkte ich, dass auch Caitlin und ein mir unbekannter junger Mann in einer Ecke standen.
„Apryl, setzen Sie sich doch bitte“, sagte Cox freundlich und ich kam seiner Aufforderung nach, „Ich möchte mit Ihnen jetzt über Ihre Zukunft hier bei uns in Arvi sprechen. Ihnen wird natürlich klar sein, dass Sie nicht ewig in dem Zimmer im Krankenhaus wohnen können. Also habe ich mich mit Kollegen darüber beratschlagt, welchen Beruf Sie hier erlernen werden. Aufgrund Ihrer Gabe, haben wir beschlossen, dass Sie zu den Wächtern gehen werden.“
„Habe ich da nichts mitzureden?“, fragte ich ein wenig zu barsch.
„Nein“, antwortete Cox nun sichtlich weniger um Freundlichkeit bemüht, „die Abteilung für Jugend und Beruf entscheidet für jeden jungen Aerix, was er arbeiten wird. Das funktioniert einfach am besten so.“
„Wer sind die Wächter?“, wollte ich wissen.
Cox stützte sich mit seinen massigen Unterarmen auf der Tischkante auf und lehnte sich langsam nach vorne. Er ließ sich Zeit mit der Antwort, um mich entweder zu reizen oder weil es einfach seine Art war. „Die Wächter sind eine wichtige Berufsgruppe in unserer Stadt. Sie sichern Arvi, indem sie Patrouillen an den Stadtgrenzen durchführen. Dabei kontrollieren sie auch den Verbergungsmechanismus, der Arvi vor Menschen verbirgt, die sich eventuell hierher verirren. Es befinden sich auch immer Wächter außerhalb der Stadt in unserem Territorium, um auch dieses zu schützen und in Ausnahmefällen auch zu verteidigen. Dafür werden die Wächter immer fit gehalten und trainieren ihre Kondition und auch die Anwendung ihrer Gabe“, erklärte Cox.
Die Wächter waren also im Endeffekt Soldaten, dachte ich mit wachsendem Unmut, doch ich sagte es lieber nicht laut. Es war Cox dem Anschein nach ja wichtig, die Wächter gerade nicht als Soldaten zu präsentieren sondern als Beschützer.
„Aha“, machte ich bemüht unbeeindruckt in die künstlerische Pause, die Cox gerade einlegte.
„Sie werden ab heute ein rechtmäßiges Mitglied im Res Publica Aericium sein. Das bedeutet, dass Sie unter dem Schutz unseres Staates stehen. Dafür werden Sie unseren Regeln folgen, sich in Krisensituationen für die Mitbürger einsetzten und sich möglichst schnell in unsere Gesellschaft einfügen. Bei Ihnen ist alles natürlich ein wenig anders als bei den anderen jungen Aerix, weil Sie mit unseren Traditionen noch nicht so vertraut sind. Aber Sie werden sich schnell an alles gewöhnen. Für die ersten Monate wird Sie Caitlin als Ihre Mentorin unterstützen.“
Ich blickte zu ihr hinüber und sie nickte mir leicht zu. Sonst zeigte sie keine Gefühlsregung, sondern blieb einfach mit verschränkten Armen und gerade wie ein Stock stehen.
„Noch eine Sache, Apryl“, sagte Cox in einem unterschwellig bedrohlichen Ton, „es ist Ihnen verboten, mit den anderen Aerix über Ihr Leben in der Menschenwelt zu sprechen. Weichen Sie eventuellen Fragen aus! Wir leben hier in unserer Gesellschaft mit unseren Traditionen, da haben Dinge der Menschen nichts zu suchen. Haben Sie das verstanden?“
Ich schluckte und senkte meinen Blick auf die gläserne Tischplatte Ich wurde gezwungen, meine Vergangenheit ganz hinter mir zu lassen? Ich sollte alle anderen, Aerix über mein früheres Leben anlügen?
„Ja.“ Meine Stimmer zitterte ein wenig.
„Sehen Sie mich gefälligst an, wenn ich mit Ihnen rede!“, donnerte Cox.
Ich zuckte zusammen und schaute ihm direkt in die hervorquellenden hellgrauen Augen. Sein rundes Mondgesicht ekelte mich genauso an wie der blond-graue schmierige Haarkranz um seine Eierkopfglatze.
„Ja“, spuckte ich erneut aus. Cox nickte und seine Mundwinkel hoben sich zu einem boshaften Lächeln.                                                                                                                                  
„So, kommen wir jetzt zum formalen Teil“, sprach er weiter. Der drohende Klang war aus seiner Stimme verschwunden. Er zog mit einer schwungvollen Geste eine Schreibtischschublade auf, holte ein Blatt Papier und einen altmodischen kupfernen Füller heraus und schob beides vor mich hin.
„Ich hoffe, Ihnen ist die Festlichkeit dieses Moments bewusst, Apryl. Unterschreiben Sie doch bitte jetzt Ihre Bürgerurkunde, die Sie zu einem Teil unseres Staates macht“, wies Cox mich an.
Ich schaute auf die Urkunde aus dickem, hochwertigem Papier vor mir hinunter.
Das obere Viertel nahm ein großes Wappen ein. Es war eine Burg auf einem Felsen vor dunkelblauem Hintergrund. In kupferfarbenen Buchstaben stand „RPA“ auf dem Felsen, was vermutlich die Abkürzung für „Res Publica Aericium“ war. Darunter stand „Mitbürgerurkunde“. Ein wenig kleiner waren mein vollständiger Name, mein Geburtsdatum und das heutige Datum abgedruckt. Ganz unten befand sich eine freie Zeile, auf die ich wohl meine Unterschrift setzen sollte.
Während ich meine rechte Hand ganz langsam nach dem Füller ausstreckte, schien die Zeit stehen zu bleiben. Es klicke leise, als ich den Deckel abnahm.
Mir war nicht wohl dabei, doch gab es keinen Ausweg für mich, als ich durch eine lächerliche Unterschrift die Weichen für mein neues Leben stellte.  



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Hallo!
Endlich kommt mal wieder ein neues Kapitel! Ich weiß, es hat lange gedauert und drei Monate für ein Mini-Kapitel zu brauchen ist nicht gerade professionell, aber ich hatte einfach keine Zeit … Ich hoffe, ihr verzeiht mir ;)
Was sagt ihr zu Apryls Gabe? Und was haltet ihr von Anthony Cox? Würdet ihr ihm vertrauen?
Viele Grüße
Eure Charlie
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