Zeitenwandel

GeschichteKrimi / P12
Maya Fey Phoenix Wright
17.04.2019
12.06.2019
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Kapitel Acht: Kontaktaufnahme

Datum:  12. Oktober 2028
Zeit: 13:14 Uhr
Ort: Wright Anything Agency


Zurück im Büro fand Athena einen Zettel auf dem Schreibtisch. An den verschnörkelten Buchstaben erkannte sie sofort, von wem er stammte: "Hi Nick! Du hast im Gericht natürlich dein Handy abgeschaltet, darum wollte ich dich so an den Eltern-Kind-Kurs heute um 15 Uhr erinnern. Wir treffen uns vor dem Tempel in Kurain. Alles Liebe, Maya"
Phoenix griff sich an die Stirn. "Oh, nein! Das habe ich ja ganz vergessen!"
Athena warf einen Blick auf die Wanduhr."Wenn Sie sich beeilen, bekommen Sie noch den Zug um halb Zwei."
"Aber der Fall . . ."
"Keine Sorge! Ich komme inzwischen auch gut alleine klar", versicherte Athena und schlug die Faust in ihre Hand. "Fahren Sie nur! Ich werde das Kind schon schaukeln!"
"Das habe ich eigentlich vor", meinte Phoenix grinsend. "Aber gut, ich vertraue dir. Du hast schon bewiesen, dass du eine hervorragende Anwältin bist - du kriegst das hin."
Athena wurde ganz warm ums Herz. "Danke, Chef!"
"Also dann - bis morgen! Wir sehen uns im Gericht!"
Er lief schnell nach draußen, um ein Taxi zum Bahnhof zu erwischen. Athena sah ihm vom Fenster aus nach, wie er hektisch am Straßenrand winkte, bis endlich ein Wagen hielt und ihn mitnahm. Sie selbst hatte nur wenig Zeit mit ihren Eltern gehabt. Daher gönnte sie ihrem Mentor jede Minute, die er mit seiner Framilie verbringen durfte.
Ob sie selbst auch einmal Kinder haben würde? Bisher konnte sie sich das nur schwer vorstellten, immerhin stand sie gerade erst am Anfang ihrer Karriere. Die ersten Hürden hatte sie überwunden, doch noch galt es, sich einen Ruf aufzubauen, Erfahrungen zu sammeln und vor allem - Fälle zu gewinnen.
Also setzte sie sich an den Schreibtisch, holte ihre Notizen hervor und begann, sie gründlich durchzuarbeiten.

Datum:  12. Oktober 2028
Zeit: 16:15 Uhr
Ort: Wright Anything Agency


"Also gut", brummte sie drei Stunden später. "Gehen wir nochmal alles Schritt für Schritt durch."
"Durchgang Nummer: 12", informierte Widget sie.
"Ruhe! Es kann nicht schaden, alles nochmal . . . durchzukauen."
Ihr knurrender Magen erinnerte sie daran, dass sie seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hatte. Sie ging in die Küche, öffnete den Kühlschrank - wobei sie sich erneut wunderte, wie sie das Atoz-Logo an der Tür bisher übersehen konnte - und stellte fest, dass außer einem Glas Cornichons und zwei Tüten Milch nichts mehr da war.
"Großartig", seufzte sie. Sie nahm das Glas und ging zurück zum Büro.
Während sie auf einem der kleinen Gürkchen kaute, beschäftigten sich ihre Gedanken schon wieder mit dem Fall.
Alles hing irgendwie in der Luft, nichts hatte wirklich Substanz. Die Motive der möglichen Täter - Philly, Ditch und der große Unbekannte - waren bestenfalls schwammig.
Philly sollte ihren Chef ermordet haben, weil er sie feuerte?
Blödsinn. Das passte gar nicht zu der Frau, die sie glaubte, ganz gut einschätzen zu können.
Und Ditch?
Das wäre zwar eine Lösung, die ihr sehr gut passen würde - und ihrer Klientin - aber wenn sie genau darüber nachdachte, dann traute sie diesem Möchtegern-Indiana-Jones nicht mal zu, dass er eine Fliege töten könnte.
Sein mögliches Motiv war sowieso etwas vage, denn was hätte er schon damit erreicht, den Mann umzubringen, der eine Ausgrabung auf seinem eigenen Grund und Boden ablehnte?
Sie tippte sich mit einem Gürkchen gegen den Mund. Hmm. Eigenartig. WARUM war er eigentlich dagegen? So etwas dürfte für einen Mann wie ihn doch sehr interessant gewesen sein.
Auch wenn vielleicht gar nichts hinter den Legenden um den Kirchenschatz steckte, so konnte man doch eine solche Ausgrabung gut als PR-Aktion nutzen.
Oder wusste Stone-Picker bereits, dass da nichts mehr zu holen war? Hatte er den Schatz heimlich selbst gehoben und wollte es verheimlichen?
Sie schüttelte den Kopf. Nein, ich darf mich nicht in irgendwelchen Spekulationen verlieren. Bleiben wir lieber bei dem, was wir haben.
Also holte sie den Ordner hervor, in dem zu jedem Indiz eine Akte abgeheftet war. Rasch blätterte sie zu dem Foto, dass sie wieder zusammengesetzt hatte.
Die Frau darauf hatte dank Ditch einen Namen, aber der hatte Athena auch nicht viel weiter gebracht. Natürlich hatte sie im Internet nach einer Naturschützerin namens "d'Indole" gesucht und war auch fündig geworden. Doch das Ergebnis war ziemlich mager.
Sie hatte den Namen und ein Foto von ihr auf einer Website gefunden, die seit 1998 nicht mehr aktualisiert worden war. Damals war d'Indole Praktikantin einer Forschungsgruppe gewesen, die am Amazonas nach seltenen Insekten suchte.
Dann war sie anscheinend nach Australien gereist, um sich für den Schutz einer seltenen Känguruart stark zu machen. In einem Artikel einer Zeitung aus Alice Springs von 2005 wurde sie als "Tierexpertin" beschrieben, ein Titel, der vieles bedeuten konnte.
Ansonsten tauchte sie nur noch in einem mexikanischen Online-Magazin auf, wo sie ein paar Worte zum Naturschutz am Rio Grande von sich gab. Alles ganz schön, aber was hatte das mit Atoz und Bill Stone-Picker zu tun?
Es gab keinen Querverweis auf ihn oder seine Firma, das Einzige, was die Naturschützerin mit dem Millionär verband war dieses eine Foto.
Ein Foto, das auf den ersten Blick überhaupt nichts aussagte. Ein Schnappschuss, eine zufällige Momentaufnahme . . .
Athena blinzelte. Wo hatte sie so ähnliche Bilder in der letzten Zeit gesehen?
In der Hütte hingen welche an der Wand.
Sie sah erneut auf das Foto von d'Indole, aber diesmal konzentrierte sie sich nur auf den Hintergrund. Ja, da hingen tatsächlich Bilder an der Wand, so wie sie es in Erinnerung hatte.
Aber . . . irgendetwas war anders.
Mit einem Klick aktivierte sie Widget, rief das Archiv auf und suchte die Aufnahmen heraus, die sie selbst vor Ort gemacht hatte, als sie die Blockhütte besichtigte. Schnell wurde sie fündig, legte die Projektion so, dass sie direkt über dem d'Indole-Foto lag.
Die Bilder an der Wand stimmten nicht überein!
Athenas Aufnahme zeigte links eine Famile bei einem Besuch im Gourd Lake Park, in der Mitte einen Clown mit Luftballon und rechts eine Oldtimerparade in Beverly Hills.
Als d'Indole in der Hütte war, hingen dort Bilder einer Ruine, die Athena sehr vertraut vorkam - und mehrere Abbildungen des Funkmastes, der dort in der Nähe stand.
Um sicherzugehen, dass sie sich nicht irrte, rief sie im Internet die Bildersuche auf, um nach dem Ursprung der Aufnahmen zu forschen.
Die Treffer waren äußerst aussagekräftig.
Wie sie es geahnt hatte, zeigten die Fotos hinter d'indole die Ruine der Santa-Esmeralda-Kirche und den nahe gelegenen Funkmast, während alle anderen Aufnahme aus einer Ausgabe des Los-Angeles-City-Journals stammten. Offenbar hatte jemand einfach ein paar zu den Rahmengrößen passende Fotos ausgeschnitten und sie gegen die ursprünglichen Bilder ausgetauscht!
Die Frage war nur: Warum?
Und wer hatte das getan?
Vielleicht sollte sie sich doch noch einmal näher mit dem Grundstück beschäftigen.
Das Klingeln des Telefons unterbrach ihren Gedankengang. Während sie weiter im Ordner blätterte, nahm sie den Hörer, klemmte ihn sich zwischen Schulter und Ohr.
"Wright Anything Agency, sie sprechen mit Athena Cykes. Wir verteidigen Sie auch in ausweglosen Situationen! Was kann ich für sie tun?"
"Einen Gefallen."
Athena stutzte, legte den Ordner zur Seite. Der Anrufer hatte einen Stimmverzerrer aktiviert. Selbst Athenas feines Gehör konnte nicht unterscheiden, ob es ein Mann oder eine Frau war. Sie sah auf das Display, aber die Nummer war unterdrückt.
"Wer sind Sie?"
"Aber, aber. Denken Sie wirklich, dass ich Ihnen das sagen werde?"
". . . nein. Was wollen Sie?"
"Das ist die richtige Frage! Und was die Antwort angeht: Es wäre in unserem gegenseitigen Interesse, wenn Ihre Mandantin sich schuldig bekennen würde."
Mit der anderen Hand aktivierte Athena Widgets Aufnahmefunktion, hielt die kleine Kugel dicht vor den Hörer. "Wollen Sie mir drohen?"
"Gerne. Wenn Sie darauf bestehen: Phillippa Stance muss morgen schuldig gesprochen werden. Ansonsten wird es Konsequenzen geben . . . nicht nur für sie."
"Was meinen Sie damit?"
"Sagen wir es einmal so: Ich konnte Anwälte noch nie leiden. Lästige Störenfriede. Man sollte sie alle aufknüpfen. Wer würde sie schon vermissen?"
Athena starrte auf das Telefon und spürte, wie ihr ein kalter Schauer über den Rücken lief.
War das ernst gemeint? Was sollte sie jetzt tun?
"Nur noch eine Warnung", sprach die verzerrte Stimme am anderen Ende. "Denken Sie erst gar nicht daran, die Polizei einzuschalten. Und reden Sie am Besten mit niemanden über dieses Gespräch."
Dann war die Verbindung tot.

Datum:  12. Oktober 2028
Zeit: 17:24 Uhr
Ort: Bertram Street (?)


Mit großen Schritten lief Athena durch die Straße. Sie hatte nicht länger im Büro sitzen können, war nicht in der Lage gewesen, einen klaren Gedanken zu fassen. Die Warnung des Anrufers ging ihr nicht aus dem Kopf.
Zuerst hatte sie sich einzureden versucht, dass es sich um einen sehr schlechten Scherz handelte, aber ihr war inzwischen bewusst, dass der Erpresser es wirklich ernst meinte.
Lästige Störenfriede. Man sollte sie alle aufknüpfen.
Was für einen kranken Verstand musste man haben, um so etwas zu sagen?
Athena fühlte Wut in sich aufsteigen. Es gab Dinge, bei denen sie keinen Spaß verstand, und das hier gehörte eindeutig dazu.
Am Himmel donnerte es. Graue Wolken hingen über Los Angeles, und schon bald setzte der Regen ein. Dicke Tropfen klatschten auf den Boden, formten sich schnell zu einem Rinnsal, dass in Richtung Gully strebte. Athena flüchtete sich unter das Vordach eines Geschäftes.
Nervös blickte sie sich um. Wo war sie eigentlich? In Gedanken hatte sie sich einfach von ihren Füßen führen lassen, hatte nicht darauf geachtet, wo sie überhaupt hinlief.
Der Straßenname an der Ecke des Hauses sagte ihr nichts, sie war sich nicht einmal sicher, aus welcher Richtung sie eigentlich gekommen war.
Seufzend holte sie ihr Handy heraus, um sich ein Taxi zu rufen. Doch ein Blick auf das Display verriet ihr, dass sie schon wieder keinen Empfang hatte. Nicht schon wieder, dachte sie frustriert. Seit Tagen schon machte das Gerät Ärger, funktionierte einfach nicht mehr richtig. Sie würde sich wohl ein neues Handy kaufen müssen.
Was jetzt? Nur drei Meter weiter stand eine alte Telefonzelle, die aber anscheinend schon lange außer Betrieb war. Nicht, dass sie überhaupt etwas mit ihr hätte anfangen können, denn wie Athena beim Durchsuchen ihrer Jackentasche feststellte, hatte sie auch gar kein Kleingeld dabei.
Der Regen wurde stärker.
Athena hatte keine Lust, schon wieder völlig durchnässt zu Hause anzukommen. Sollte sie hier warten, bis das Unwetter vorübergezogen war? Unter dem Vordach war es ja noch einigermaßen trocken.
Sie knöpfte ihre Jacke zu, verschränkte die Arme vor der Brust, um sich warm zu halten. Ein kühler Wind kam auf, der immer wieder Regen unter das Vordach wehte.
Athena sah in das schmutzige Schaufenster. Was der Laden einmal verkauft hatte, war nicht mehr festzustellen, der Schriftzug auf der Scheibe völlig verblasst. Darunter starrte sie das Gesicht einer jungen Frau an, die müde und verloren auf der Straße stand.
Es dauerte einen Moment, bis ihr klar wurde, dass sie ihr Spiegelbild sah.
Athena lief los.
Der Regen peitschte in ihr Gesicht, aber das war ihr egal. Sie musste weiter, konnte nicht dort stehen bleiben. Ohne Orientierung lief sie einfach durch die nächste Straße, immer weiter, immer weiter.
An einer Bushaltestelle blieb sie schließlich stehen. Der Fahrplan informierte sie, dass sie den letzten Bus um fünf Minuten verpasst hatte. Der Nächste würde erst in sechs Stunden fahren. "DAS IST DOCH EINFACH ALLES SCH...", rief die in den Regen. Was hatte sie nur getan, um solches Pech zu haben?
"Athena!"
Sie fuhr zusammen, als hätte der Teufel persönlich nach ihr gerufen. Die Stimme kam von der anderen Straßenseite, wo ein Mann in Schwarz im Eingang eines Hauses stand. Er kam ihr sehr bekannt vor.
"Simon? Was . . . was machst DU denn hier?"
Blackquill hielt einen Schlüsselbund in die Höhe, zeigte damit auf die Tür hinter sich. "Ich wohne hier. Willst du hereinkommen?"

Datum:  12. Oktober 2028
Zeit: 17:45 Uhr
Ort: Wohnung von Simon Blackquill


Athena wickelte sich ein Handtuch um ihre nassen Haare, nahm dankbar die Tasse Tee entgegen, die Simon ihr anbot. "Danke! Ich wusste echt nicht mehr, was ich machen sollte", seufzte sie. "Mein Handy spinnt gerade, ich konnte mir noch nicht mal ein Taxi rufen."
"Du kannst gerne von hier aus telefonieren", meinte Simon. "Aber warum hast du dir nicht über das Internet eines bestellt?"
"Ich hab' doch gerade gesagt, dass mein Handy nicht funktioniert!"
Simon zeigte auf die Kugel an Athenas Hals. "Und was ist mit deinem kleinen Begleiter? Ich dachte, der hat auch Internetfunktion."
Athena sah auf Widget, der gelb glühte, und schlug sich gegen die Stirn. "Daran hab' ich gar nicht gedacht!"
Es donnerte wieder. "Was hast du bei diesem Wetter eingentlich da draußen gemacht?", wollte Simon wissen.
Einen Moment lang überlegte Athena, ob sie ihm etwas über den Anruf erzählen sollte. Er würde ihr glauben, davon war sie überzeugt. Auch wenn sie im Gericht Kontrahenten waren, so war Simon doch ein Freund.
"Ich kam nicht mehr mit meinen Gedanken zurecht", sagte sie, ohne zu wissen, was das zu bedeuten hatte. Doch Simon nickte nur verstehend.
"Wenn du hungrig bist, lade ich dich gerne zum Abendessen ein", bot er an. "Vorausgesetzt, du magst Sushi."
"Ich LIEBE Sushi!"
Er führte sie in das Wohnzimmer, das von einer großen Couch und einem Breitbildfernseher beherrst wurde.
"Nett", meinte Athena, die doch etwas enttäuscht war.
Für jemanden, der so japanophil war wie Simon Blackquill, sah die Wohnung erstaunlich westlich aus. Keine Bilder von Samurai an den Wänden, keine Pergamentrollen mit Schriftzeichen, keine Bonsai-Bäumchen in Pflanzschalen. Nur ein Katana, dass auf einem Display stand, erinnerte an das Land der aufgehenden Sonne. In einer Ecke stand ein Glaskasten, über dem eine rote Lampe hing.
"Was ist das? Ein Terrarium?"
Athena sah durch die Scheibe auf etwas, dass eindeutig ein Nest war. In der Mitte lag ein großes Ei. Sie wusste sofort, was es damit auf sich hatte. Entzückt schlug sie die Hände zusammen. "Ohhhhhhhhhhhhh! Du brütest einen neuen Habicht aus!"
Sie sah zu Simon, der plötzlich peinlich berührt schien. "Hmm, noch ist nicht sicher . . . ähm, also, es dauert noch, bis . . . Hrrmm."
Er verschwand schnell in der Küche, um mit zwei Platten zurückzukommen, die voller Hoso-Maki und Nigiri waren. Dazwischen lagen auch einige weiße Sushi.
"California-Rolls?", erkannte Athena amüsiert. "Ich dachte, echte Japan-Kenner würden die gar nicht mögen?"
"Wenn es gut schmeckt, dann sollte es egal sein, was andere Leute darüber sagen."
"Ist das eine Weisheit aus Japan?"
"Nein. Das hat meine Mutter immer gesagt."
"Oh!"
Kurz zuckte ein Lächeln über Simons Gesicht. "Sie hat ständig solche Sachen von sich gegeben. Es hat ihr Spaß gemacht, sie in so einem Alter-Karate-Meister-Stil zu sagen, du weißt schon."
Athena hielt die flache Hand vor die Brust, deutete eine Verbeugung an. "Hai! Weise Frau sagt: Über Geschmack streiten ist Geschmacklos!"
Simon reichte ihr schmunzelnd ein Paar Esstäbchen. "Ich wage nicht zu widersprechen."
Sie aßen schweigend einige Minuten lang, genossen die würzigen Rollen. Gerade hatte Athena ein besonders gutes Stück Lachs auf der Zunge gehabt. "Hmm, das ist wunderbar. Hast du die selbst gemacht?"
"Ich bilde mir ein, sie ganz gut hinzubekommen", gab Simon zu. "Es freut mich, dass es dir schmeckt."
Athena sah ihn nachdenklich an. Irgendwie wirkte Blackquill angespannt, nicht so lässig, wie sie ihn sonst kannte. Die Worte ihres Chefs gingen ihr durch den Kopf. Auch er hatte eine Veränderung bemerkt. Simon wirkte irgendwie . . . menschlicher. Besser konnte sie es im Moment nicht beschreiben.
Eine Frage wollte sie ihm schon seit Beginn des Prozesses stellen. "Warum hast du dir diesen Fall geschnappt?"
Simon antwortete nicht sofort, kaute erst noch einen Bissen Sushi. "Ich . . . brauchte wieder eine Aufgabe", sagte er schließlich. "Das wochenlange Nichtstun bekommt mir nicht."
"Aber warum gerade diesen Fall?"
Er sah ihr tief in die Augen. "Weil ich wusste, dass ich gegen dich antreten würde."
Athena ließ ihre Stäbchen fallen. "Wa . . . was?"
"Ich kenne Oberstaatsanwalt Edgeworth inzwischen gut genug. Mir war klar, dass er einen solchen Fall richtig einschätzen würde. Und natürlich würde er seinem alten Freund aus Schultagen einen Tipp geben . . ."
"Und woher wusstest du, dass ICH die Verteidigung übernehme? Es hätte ja auch Mister Wright sein können."
Simon schüttelte den Kopf. "Er ist viel zu beschäftigt mit seinem Nachwuchs, um sich wirklich auf diesen Fall konzentrieren zu können. Nein, er ist in diesem Prozess nur der Gehilfe - die Rollen sind vertauscht, du hast gerade das Sagen."
"Warum ist das so wichtig für dich?"
Er senkte den Kopf, schien nach den richtigen Worten zu suchen. "Weil ich wissen muss, wie gut du inzwischen bist. Weil ich in dir . . . mein Gegenstück sehe."
Athena fühlte, wie sie rot wurde. "Was redest du da", murmelte sie verlegen.
Doch sie verstand, was er sagte.
Sie verstand sehr gut.



+++
Gefühle sollte man nicht unterschätzen!
Ich hoffe, das Kapitel hat euch gefallen - bis nächste Woche!
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