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A mechanical human heart

von Lovelle
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16
Hank Anderson OC (Own Charakter) RK800-51-59 Connor
17.04.2019
27.07.2020
7
13.559
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16.07.2019 1.711
 
Kapitel 3

Wir liefen schweigend an einen kleinen Tisch im hinteren Teil des Cafés. Das Nuit war bekannt dafür mit hunderten von Kerzen beleuchtet zu sein und bei Paaren war es der Treffpunkt überhaupt. Aber nicht nur Liebende konnte man hier antreffen: viele verschiedene Menschen von jung bis alt und verschiedensten Interessen trafen sich hier.
Manche in Gothic-Kleidung, manche in schriller Mode.

Das Tageslicht wurde durch die dicken, lichtundurchlässigen Vorhänge abgeschirmt und kreierte ein schummriges Licht. Früher mochte ich dieses Café sehr – es hatte etwas mystisches, aber nachdem ich anfing in anderen Kreisen zu verkehren und diese nie auch nur einen Fuß hier hineinsetzten würden, hatte ich aufgehört hierherzukommen. Ich musste schmunzeln, denn während ich mich umschaute bemerkte ich, dass sich rein gar nichts verändert hatte. Hinter der kleinen Theke hing immer noch das seltsame Bild, das ich selbst jetzt nach all den Jahren nicht identifizieren konnte: war es ein Pferd, ein Esel oder doch nur etwas, das vier Beine, Hufe und einen Schweif hatte und einem Maultier sehr ähnlich kam?

Angestrengt schälte ich mich aus meiner triefenden Jacke und hing sie über den Stuhl. Das Wasser, das von dem Stoff tropfte, hatte bereits eine kleine Pfütze gebildet und die Bedienung schaute mich scharf an, denn es war ihre Aufgabe dies später wegzuwischen. Ich drehte mich zu Connor und aus irgendeinem Grund überkam mich plötzlich ein unbehagliches Gefühl – er saß gerade mal 30 Zentimeter von mir entfernt, seine Hände ruhten sanft auf dem Tisch und sein Blick war so klar, sein Atem, wenn man es so nenne konnte, hinterließ eine Gänsehaut auf meinem Körper, denn anders als bei Menschen, war dieser kalt.

Während meiner Recherche hatte ich erfahren, dass sie fast gänzlich alle menschlichen Körperfunktionen auf Androiden übertragen hatten, um so ein noch stärkeres Gefühl der Gleichheit zu vermitteln. Selbst den Herzschlag, Speichel, sogar die Sexualorgane wurden standardmäßig eingebaut, wenn sie auch nur bei Androiden, die in Bordells eingesetzt wurden, von Nöten waren. Sämtliche andere Funktionen waren nicht enthalten. Für was auch? Ein Android aß und trank nichts und eigentlich waren dementsprechend die anderen Funktionen unnötig, aber so konnte man Androiden umprogrammieren und sie in anderen Bereichen einsetzten. Ich war geschockt und fasziniert zugleich, als ich dies erfuhr. Hitze stieg mir ins Gesicht, als ich an letzteres dachte während sich Connors Blick in meinen bohrte.

„Wissen Sie schon, was Sie trinken möchten?“ Die Bedienung riss mich aus meiner Starre und ich war froh darum.

„Ich nehme einen Kaffee – schwarz, kein Zucker, keine Milch – mit Schuss. Danke!“ Sie schrieb es auf ihren kleinen Block und war so schnell davon wie sie angekommen war.

„Du solltest auf die Nacht keinen Kaffee trinken. Das ist schlecht für….“

„Ist mir bewusst und völlig egal! Ich brauche jetzt Koffein und Alkohol!“ Er verharrte in seiner Bewegung, doch sagte nichts weiter. Es tat so gut! Niemand kommandierte mich herum! Weitere Momente verging bis er das Wort ergriff.

„Meiner Zusammenstellung des Protokolls zufolge war der Ermordete Mister Thompson im Bordell Eden Club dein Mann, von dem du dich vor einigen Monaten getrennt hast. Dem zufolge seid ihr noch verheiratet gewesen, als die Straftat passierte und du deswegen informiert wurdest.“ Leicht erschrocken über das Thema, zuckte ich zusammen bevor ich reagieren konnte.

„Ja…seitdem hatten wir keinen Kontakt  mehr…wie bereits gesagt!“ Meine Stimme wurde brüchig, denn es katapultierte mich unwiderruflich in das Szenario im Flur zurück.

„Seid ihr im Streit auseinander gegangen?“

„Was? Für was soll das wichtig sein?“ Ich wurde leicht gereizt. Warum wollte er das wissen? Was ging ihn das an? Und für was sollte das im Protokoll festgehalten werden?

„Es ist dahingehend wichtig, da ich gerne über seine neuen Partnerschaften Informationen sammeln, auswerten und diese im Zusammenhang mit seiner Aktivität als Freier stellen würde, um den genauen Grund für sein aggressives Verhalten gegenüber der zerstörten Androidin zu erklären. Daraus wiederum würde sich erklären, warum die andere Androidin aus dieser Erfahrung heraus ihn erwürgt hat und…“

„Ok, ok, ich hab verstanden. Ja, wir sind im Streit auseinandergegangen, aber ich habe keine Ahnung, mit wem er sich wann und wie oft getroffen hat!“

„Was war der Grund des Streits? War er während eurer Ehe gewalttätig?“

„Was? Nein…“

„Deinem schnellen Herzschlag und der leicht gereizten Art zufolge, sprechen wir hier gerade über ein sensibles Thema…“ Nun war mein Geduldsfaden wirklich gerissen. So gern, wie ich ihn zu mögen schien, war das Gespräch nach allem, was heute passiert war, das Letzte, was ich jetzt führen wollte.

„Ja natürlich, Connor. Mein Mann hat mich verlassen, weil ich unfruchtbar bin, um eine Familie zu gründen und dann werde ich bei diesem Wetter quer durch die Stadt in ein Bordell zitiert, um dort zu erfahren, dass er von einer Androidin während des Sex ermordet wurde. Wie soll ich mich da wohl verhalten, wenn mir jemand solche Fragen stellt?“ Ich hatte so laut gesprochen, dass sich alle Köpfe zu uns gedreht hatten und auch die Bedienung nur sehr vorsichtig den Kaffee abstellte. „Bringen Sie mir die Flasche mit dem meisten Alkohol, den sie besitzen!“, spie ich ihr entgegen, obwohl das eigentlich überhaupt nicht meine Art war.

Diese nickte eingeschüchtert und kam wenige Minuten später mit einer großen Flasche und einem Glas zurück. Wie automatisiert schenkte ich mir ein Glas nach dem anderen ein und hörte erst auf, als ich das fünfte hinuntergekippt hatte. Connor hatte kein einziges Wort gesagt bis ich ihn mit leicht verschwommenem Blick und erhitztem Körper näher rückte.

Eigentlich hasste ich betrunken zu sein, aber im Moment war das ein Gefühl, das mich von meinem Schmerz ablenkte – es betäubte meinen Körper und ließ meinen Geist frei sein.

„Dein Alkoholpegel ist jetzt bereits zu hoch, sodass dein Urteilsvermögen stark leiden muss. Ich würde daher empfehlen das Trinken jetzt einzustellen, um größere negative Auswirkungen zu minimieren.“

„Ach Connor, wieso bist du nur so schlau?“ Ich kicherte los, nachdem ich ihm die Worte entgegensäuselte. Meine Scham sank von Minute zu Minute und meine Wangen glühten bereits. Immer wieder versuchte ich seine Augen zu fokussieren, doch es gelang mir kaum mehr. Mein zierlicher Körper schien nicht viel von der starken Flüssigkeit zu halten und da ich sonst nichts trank, hatte ich sehr schnell mit der Wirkung des Alkohols zu kämpfen. Mit zittrigen Händen kippte ich mir erneut ein Glas ein, das ich mit schnellem Zug leerte und immer näher zu Connor rutschte.

„Lana, du solltest jetzt wirklich aufhören zu trinken, deine Werte sinken immer weiter und…“

„Ach scheiß doch auf die Werte, Connor. Ich will doch einfach nur ein bisschen Spaß haben. Sag mal, ist dir auch so heiß wie mir? Halt, du bist ja gar kein Mensch…wow – du verwirrst mich ganz schön…Connor…“ Ich lächelte ihn an und dachte für eine Sekunde ein gelbes Licht an seiner Schläfe gesehen zu haben, doch es dauerte nicht lange, bis ich in mir zusammensackte und die Welt um mich vergaß.

Als ich aufwachte, schien der Mond auf mein Gesicht. Orientierungslos blickte ich ihm Raum umher und erkannte, dass ich in meinem Bett lag. Das Haus lag in völliger Stille und als ich mich aufrichtete wurde mir unglaublich schwindelig, weswegen ich mich zurück in die Kissen fallen ließ.

In meinem Kopf drehte sich alles und meinem Magen schien das überhaupt nicht zu gefallen. Ich versuchte mich zu erinnern, was passiert war und plötzlich fiel mir ein, dass Connor mich hierhergebracht haben musste. Anders konnte ich mir nicht erklären, wie ich von dem Café in mein Bett gekommen war. Langsam erhob ich mich erneut und blickte im Zimmer umher als ich ihn plötzlich auf einem Hocker neben dem Fenster sitzen und mich beobachten sah.

„Hast du mich erschreckt!“, sagte ich, als er aufstand und auf mich zukam.

„Wie geht es dir?“

„Das weißt du doch schon...deine Analyse ist sicher besser als meine Worte…“ Geknickt ließ ich meinen Kopf sinken und war völlig überrascht von dem, was Connor als nächstes tat. Er ließ sich neben mir aufs Bett sinken und zog mich in eine Umarmung. Völlig perplex starrte ich zuerst ins Leere, bevor ich meine Arme ebenso um seinen Körper schlang. Es fühlte sich weicher an, als ich gedacht hatte – irgendwie menschlicher, wenn sein Körper auch viel kühler war. Er hatte keinen Eigengeruch, doch das störte mich nicht.

„Meiner Internetrecherche zufolge hat eine Umarmung eine beruhigende Wirkung auf Menschen, weswegen ich dachte, dass es in Ordnung ist dies zu tun.“ Ich löste mich leicht von ihm und blickte in seine Augen.

„Connor, du weißt gar nicht…wie viel mir das bedeutet gerade…“ Meine Wangen erröteten erneut, doch dieses Mal nicht wegen des Alkohols, sondern wegen der Nähe zu ihm. Minuten vergingen bis sich mein Puls langsam wieder normalisiert hatte. „Danke, dass du mich nach Hause gebracht hast.“

„Das ist selbstverständlich. Immerhin waren wir in einem Verhör, das ich tadellos zu Ende bringen musste…“ Ich fuhr erschrocken zusammen.

„Das war alles? Sonst hättest du mich einfach liegen gelassen? Vielen Dank auch!“ Ich löste mich aus seiner Umarmung und drehte den Kopf in die andere Richtung.

„Warum bist du jetzt sauer?“

„Warum ich sauer bin? Das ist doch wohl offensichtlich…Ich…“ Doch selbst ich hatte keine Antwort auf seine Frage und konnte mir meine Reaktion überhaupt nicht erklären. War das noch der Alkohol oder steckte doch etwas Tieferes dahinter. „Ich möchte alleine sein, bitte geh jetzt!“, spie ich ihm beinahe entgegen. Völlig gleichgültig stand er auf und war schon fast zur Tür hinaus, als ich ihm Hals über Kopf hinterherrannte. „Wieso gehst du jetzt?“

„Du hast gesagt du willst alleine sein, also gehe ich. Zudem habe ich es für angemessen gehalten, nichts mehr zu sagen, da dein Gemüht bereits aufgebracht ist.“ Mit offenem Mund stand ich an der Treppe, Connor auf dem untersten Absatz.

„Verschwinde!“ Und ohne einen letzten Blick, verließ er das Haus. Ich sackte auf dem Boden zusammen, kauerte mich mit angezogenen Beinen an die Wand und weinte. Stunden vergingen bis ich mit schmerzenden Gliedern zurück in mein Bett kroch, die kalten Füße versuchte mit der Decke  zu wärmen, während mein Hals sich anfühlte, als hätte ich eine Hand voll Sand geschluckt.

Ich verfiel in einen tiefen, traumlosen Schlaf und erwachte am nächsten Morgen erst gegen Mittag, der Wecker hatte sich zu Tode geklingelt und mein Handy hatte zehn verpasste Anrufe meines Chefs, der sich fragte, warum ich nicht zur Arbeit erschienen war.
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