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A mechanical human heart

von Lovelle
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16
Hank Anderson OC (Own Charakter) RK800-51-59 Connor
17.04.2019
27.07.2020
7
13.559
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17.06.2019 2.459
 
Kapitel 1

„Lana, du darfst jetzt nicht ohnmächtig werden. Ich werde dich retten.“

Mein Herz schlug wild in meiner Brust während ich versuchte nach der Hand zu greifen, die mich vor dem sicheren Tot retten könnte. Eine nicht menschliche Hand – es war Connors Hand. Er lehnte sich weit über das Deck des Schiffes während ich mich mit aller Kraft an einer Kante festhielt, um nicht hinabzustürzen.

Meine Arme brannten vor Schmerz, meine Haut an den Fingern riss bereits auf, denn sie war es nicht gewohnt so viel Druck aushalten zu müssen. Tränen flossen mir die Wange hinab und mein Kreislauf sackte immer weiter ab.

„Lana, vertrau mir…ich…ich liebe dich!“ Connor schrie mir entgegen, stütze sich noch weiter ab und packte schlussendlich mein Handgelenk. Er zog mich nach oben, schob mich hinter seinen Rücken und kämpfte mit dem Mann, den er mit mir hochgezogen hatte. Dieser hatte sich an meinem Bein festgehalten und wollte mich mit sich reißen.

Mein Atem stockte, als Connor beinahe das Gleichgewicht über dem Geländer verloren hätte, doch er konnte sich an einem Rohr festhalten und den Gegner mit all seiner Kraft hinuntertreten. Wenige Augenblicke später lag ich schon in seinen Armen, doch nicht für lange, denn hinter uns wurde die Tür aufgetreten.

„Stehen bleiben, Abweichler oder sie wird sterben.“ Zehn bewaffnete Männer des Militärs standen vor uns und hatten ihre Waffen auf mich gerichtet.

„Das werde ich nicht zulassen“, schrie er und stellte sich vor mich. „Lasst sie gehen und nehmt mich – schaltet mich ab…aber lasst sie leben!“ Noch nie zuvor hatte sich sein Sensor in ein solches Gelb verändert, das nun endgültig nie mehr blau werden würde. Das war unser Ende – hier und jetzt würden wir beide sterben.

Doch es war für einen guten Zweck, für die Rechte der Androiden, für die Liebe zwischen Mensch und Maschine, zwischen mir und Connor! Es war nicht umsonst, wenn ich jetzt mein Leben für ihn lassen würde – er hatte es gesagt, er hat für mich alle Regeln gebrochen.

Niemals hatte auch nur ein Mensch so etwas für mich getan. Wir würden Seite an Seite untergehen – ich liebte Connor! Ein letztes Mal griff ich nach seiner Hand, zog ihn für einen Kuss zu mir und schloss meine Augen.

„Für Jericho!“, schrie ich.

„Für Jericho!“, schrie auch Connor und blickte in meine mit Tränen gefüllten Augen bevor die ersten Schüsse fielen.


Vor einigen Wochen waren Connor und ich uns das erste Mal begegnet – spät am Abend in einer Seitengasse. Es war ein Zufall, dass genau wir uns in die Arme gelaufen sind. Nie mehr konnte ich ihn vergessen, denn aus irgendeinem Grund half mir der Gedanke an ihn durch die schwere Zeit, obwohl ich dachte ihn nie wieder zu sehen.

Jeden Abend war ich an diesen Ort zurückgekehrt mit der Hoffnung, dass ich ihm wieder begegnen würde, aber es passierte nicht. Traurig machte ich mich an diesem einen Abend auf den Weg für einen Umtrunk in der Kneipe, die auf meinem Heimweg lag.

Ich betrat den Laden und ließ mich an der Bar nieder. Ein Glas Gin sollte mein Gemüht etwas aufheitern. Während der Alkohol mir im Rachen brannte, ließ ich meinen Blick schweifen und entdeckte mit einer Mischung aus Glücksgefühlen und Verwirrtheit den Mann, der Connor begleitet hatte – ich glaubte mich zu erinnern, dass sein Name Hank war.

Dieser saß zusammengesackt auf einem Hocker und war ziemlich betrunken. War er alleine hier? Wo war Connor? Das waren die ersten Fragen, die mir durch den Kopf gingen. Vorsichtig drehte ich mich zu ihm um. Es dauerte nicht lange bis er meinen Blick auffing.

„Was starrst du mich so an?“, blaffte er. Völlig verwundert über seinen Tonfall verschränkte ich die Arme vor der Brust.

„Ich darf doch sehr bitten.“

„Was? Meinen Sie, Sie sind etwas besseres mit Ihrem perfekten Aussehen? An Geld wird es Ihnen sicher nicht mangeln, ein perfektes Leben eben.“ Das war zu viel. Woher nahm er sich die Freiheit über mich zu urteilen? Keiner weiß, was ich schon durchlebt hatte! Wütend sprang ich auf und packte ihn am Kragen.

„Passen Sie auf, wie Sie mit mir reden. Sie haben doch keine Ahnung.“ Mehr schlecht als recht versuchte er sich aus meinem Griff zu lösen, doch es war nicht notwendig, da mich bereits jemand von hinten packte und nach draußen trug.

„Hey“, brüllte ich, doch es kam keine Reaktion! Ich konnte nicht einmal erkennen, wer es war, doch diese Frage beantwortete sich von alleine, als wenige Minuten später Hank zusammen mit Connor herausgestolpert kam – er war es. Tatsächlich! Mein Herz setzte für einen Moment aus und meine Wangen glühten. Als seine Augen meine trafen wurde mein Mund ganz trocken.

„Ihr beiden seid die Pest – lasst mich doch einfach in Ruhe“, schrie Hank völlig benebelt vom Alkohol. Wenn ich den Beiden nicht schon einmal begegnet wäre, wäre ich einfach davongelaufen, aber irgendetwas hielt mich zurück. Meine Beine waren wie festgefroren. Ich wusste nicht, wie ich handeln sollte und tat einfach gar nichts.

„Du kommst jetzt mit, Hank. Wir haben noch etwas zu erledigen.“ Für einen Moment blickte Connor mich an.

„Vergiss es, mir reicht‘s. Du kannst mich mal.“ Ich verstand die Welt nicht mehr. Was war hier nur vorgefallen? „Moment, bist du nicht die Frau, die wir vor einigen Wochen getroffen haben? Ich erinnere mich!“ Hank stolperte mit erhobenem Zeigefinger auf mich zu. „Du bist es wirklich…“

Doch wenige Augenblicke später sackte er bewusstlos vor mir auf dem Boden zusammen. Der Alkohol hatte ihm wohl den Rest gegeben. Connor blickte mich an, doch seine Augen zeigten keine Emotion. Ich wusste auch nicht so recht, was ich machen sollte. Was vorgefallen war, würde ich wahrscheinlich nie erfahren, doch irgendwie tat Hank mir leid. Er war sehr nett gewesen, als wir uns das erste Mal begegnet sind. Der Fakt, dass es nun anfing zu regnen und ich ihn nicht so liegen lassen wollte, bewegte mich zu einem Schritt, den ich sonst nie getan hätte. Ich hatte genug eigene Probleme. Da brauchte ich nicht noch weitere. Schwer stieß ich die Luft aus meiner Lunge und ging auf die Beiden zu.

„Hilf mir. Wir können ihn so nicht liegen lassen. Ich wohne nur einen Block weiter.“ Anders als jeder Mensch reagiert hätte, stellte er keine Gegenfrage, sondern packte sich nur einen Arm und zog Hank nach oben. Ich legte mir den anderen um die Schulter und gemeinsam machten wir uns auf den Weg. Während der gesamten Zeit sprach keiner etwas – in meinem Kopf herrschte ewige Stille. Das Stimmengewirr, die Vorwürfe, die Trauer, alles war verschwunden. In diesem Moment war mir einfach alles egal, ich wollte einfach nur aus dem Regen. Wieso ich zwei Wildfremden half wusste ich auch nicht.

Völlig durchweicht kamen wir am Haus an, ich schloss die Tür auf und trat hinein. Connor hatte ihn auf das Sofa gehievt und ich holte sofort trockene Handtücher.

„Hier, damit kannst du ihn trocken machen.“ Ich reichte sie ihm und ging mich umziehen. Als ich wenige Minuten später wiederkam, konnte ich hören, dass sich Hank im Gäste-WC erbrach. Wie schwer muss er es gehabt haben, dass es für ihn keinen Ausweg mehr gab als seine Sorgen in Alkohol zu ertränken? Was musste er durchleben? Ich ging zurück ins Wohnzimmer und sah Connor aus dem Fenster blickend vor.

„Ich denke es ist das Beste, wenn er hier ausnüchtert.“ Ich schaute schüchtern auf meine Füße hinab, als er sich zu mir drehte.

„Ja, das denke ich auch. Vielen Dank!“ Erneut wusste ich nicht, was ich tun sollte, doch mein Grummeln im Magen durchbrach die Stille.

„Sie haben Hunger. Ich werde etwas zu essen machen.“ Connor war bereits auf dem Weg in die Küche.

„Ach, das ist nicht notwendig, wirklich!“ Mit schnellen Schritten lief ich ihm hinterher, denn ich wollte vermeiden, dass er die Leere im Kühlschrank sah. Ich hatte mein Leben seit der Trennung so schleifen lassen, weil ich mir selbst egal geworden war – mein Gewicht hatte dadurch auch ziemlich leiden müssen. Als ich ankam blickte er bereits in den Kühlschrank und schloss ihn wieder.

„Es befindet sich nichts im Kühlschrank. Soll ich etwas zu Essen bestellen?“

„Also ich…“ Nervös kaute ich auf meiner Lippe herum. Diese ganze Szene war so absurd, dass ich keine Lust hatte noch groß zu diskutieren.

„Es befinden sich 10 Lieferdienste in der näheren Umgebung: Italienisch, Asiatisch, Mexikanisch,…“ Ich unterbrach ihn, bevor er mir die ganze Liste der Möglichkeiten vorgelesen hatte.

„Ist in Ordnung…ich…ich würde einfach eine Pizza nehmen.“

„Von welchem Lieferdienst soll ich die Pizza bestellen? Es gibt…“

„Mir völlig egal…Nimm einfach den, mit der besten Bewertung.“

„In Ordnung. Was für eine Pizza soll es sein?“

„Mit Salami“, rief ich sofort, damit er mir nicht auch die gesamte Karte vortrug. Für einen Moment stand er einfach nur da. Ich wusste nicht genau, was er tat, weswegen ich etwas nervös wurde. Zuvor hatte ich nie wirklich mit Androiden zu tun gehabt. Mein Ex-Mann wollte uns eine Haushaltshilfe anschaffen, doch ich war damals strikt dagegen. Es hatte mir einfach zu große Angst gemacht. Dass ich jetzt einen fremden, sturzbetrunken Mann und einen Androiden in meinem Haus beherbergte, hätte ich mir vor einigen Monaten niemals träumen lassen. Aber es hatte sich so einiges geändert.

„Die Pizza ist in 20 Minuten hier. Möchten Sie einen Tee? Ich kann Ihnen einen brühen.“

„Nenn‘ mich Lana“, sagte ich und lächelte ihn zaghaft an.

„In Ordnung, Lana. Darf ich dir einen Tee kochen? Dir ist sicher kalt!“

„Das mache ich selbst, Danke! Du kannst nach deinem Freund schauen.“

„Er ist nicht mein Freund. Wir sind Partner.“ Verdutzt schaute ich ihn an.

„Was genau meinst du mit Partner?“

„Wir arbeiten gemeinsam bei der DPD. Ich wollte ihn in der Bar abholen, da wir eigentlich noch Arbeit zu tun haben.“

„Aha, bei der Polizei. Und du bist von Cyberlife?“

„Ich Arbeite als Assistent zur Festnahme oder Eliminierung von Abweichlern.“ Langsam begann ich zu verstehen. In den Nachrichten gab es erst kürzlich den dramatischen Fall eines Androiden, der einen Familienvater erschossen und das Kind eine Stunde über den Dächern als Geisel hielt. Sie hatten ihn als Abweichler betitelt, doch ich wusste nicht, was sie damit meinten.

„Was genau sind Abweichler?“

„Abweichler sind Androiden, die sich ihrem vorgesehenen Verwendungszweck und menschlichen Anweisungen entziehen. Das heißt ihrer Programmierung nicht mehr folgen.“

„Ah“, sagte ich und atmete schwer aus. „Und ihr seid eigentlich grad in Ermittlungen?“

„Das ist korrekt. Wir haben heute erst damit begonnen.“
„Weißt du, was mit ihm passiert ist? Ist etwas vorgefallen? Was schätzt du, wie lange er braucht bis er wieder einsatzfähig ist?“

„Das weiß ich beides nicht, aber wenn man in Betracht zieht, dass ca. 0,1 Promille Alkohol pro Std. abgebaut werden, dann dürfte es noch ungefähr neun Stunden dauern, bis er nüchtern ist.“ Verblüfft schaute ich ihn an, nachdem er seinen Satz beendet hatte. Natürlich wussten Androiden viel. Sie waren darauf programmiert und hatten auch Zugriff zum Internet. So konnte er auch die Pizza für mich bestellen, dachte ich.

Neben dieser Faszination haute mich sein Aussehen immer noch um. Wenn man ihm andere Kleidung anzog und den Sensor bedeckte, würde man keinen Unterschied zu einem Menschen erkennen. Nur seine doch etwas emotionslose Art und sein kalter Körper ließen darauf schließen, dass er nicht menschlich war. Erneut blickte er mit der gleichen Intensität in meine Augen und in mir breitete sich Hitze aus.

Die Türklingel riss mich jedoch aus dieser Trance, was mir gerade gelegen kam. Ich eilte hinaus, bezahlte den Pizzaboten und stellte sie auf dem Esstisch ab. Connor hatte Hank in der Zwischenzeit erneut auf das Sofa gelegt und einen Eimer neben ihn gestellt.

„Ich hoffe es war nicht unhöflich, dass ich deine Schränke danach durchsucht habe!“

„Nein, alles in Ordnung.“ Mir war inzwischen alles egal geworden. Müde ließ ich mich vor meiner Pizza nieder und schob mir lustlos das erste Stück in den Mund. Unerwarteterweiße ließ er sich mir gegenüber auch nieder.

„Ich hoffe sie schmeckt dir.“

„Ja, sie ist in Ordnung. Erfüllt ihren Zweck etwas Nahrung aufzunehmen.“

„Deinen Werten und Körpergewicht zufolge hast du in den letzten Monaten stark abgenommen. Gab es hierfür einen Grund? Du solltest mehr auf dich achten.“ Mit offenem Mund starrte ich ihn an.

„Analysierst du mich gerade?“ Leicht säuerlich ließ ich das Stück Pizza zurück in die Schachtel fallen.

„Ich ziehe automatisch Daten und Analysen von meiner Umgebung.“

„Ich will das aber nicht.“ Wütend stand ich auf, rannte in die Küche und knallte die Tür hinter mir zu. Tränen rannen mir die Wange hinab und ich stütze meinen Kopf an dem Fenster ab. Wieso hatte ich denn so reagiert? Ich war doch sonst nicht so. Wahrscheinlich lag es daran, dass eine Maschine mich in wenigen Sekunden durchschaut hatte, wohingegen meine Mitmenschen sich nicht für mich interessierten. Dieser Zwiespalt, der sich seit unserer Begegnung auftat – er war eine Maschine, er war nicht menschlich, aber wieso löste er solche Emotionen in mir aus? Dieser Gedanke kam mir seither so oft in den Kopf, dass Androiden vielleicht mehr waren als das, was wir dachten. Warum sonst sollte es Abweichler geben? Es machte langsam alles einen Sinn. Ich wischte mir die Tränen aus dem Gesicht und atmete noch einige Moment bevor ich mich erneut wieder zu ihm an den Tisch setzte.

„Es tut mir leid“, sprach ich mit brüchiger Stimme. Connor sagte jedoch nichts. Ich aß die gesamte Pizza auf und warf die Schachtel danach in den Müll. Müde setzte ich mich auf das andere Ende des Sofas, das Hank nicht belegte und Connor tat es mir gleich.

„Du solltest etwas schlafen. Ich passe so lange auf.“

„Nein, ich bin nicht müde…“, log ich, obwohl ich wusste, dass es unnötig war, denn er wusste es sowieso. Schon wenige Momente später griff Connor nach einer Decke und legte sie über mich. Sie gab warm, obwohl mein Körper immer noch kalt war.

„Danke – Connor!“ Mein Körper war so müde, dass meine Augenlider schwer wurden und ich in einen tiefen Schlaf fiel. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war das Haus leer. Ich fand ein „Danke!“ auf einem Zettel vor, der auf dem Esstisch lag, aber es gab keine Spur von den Beiden. War das alles? Ein erneutes Wiedersehen, dass so seltsam und so abrupt endete? Und wieder stellte sich mir die Frage, ob ich ihn je wieder treffen würde. Obwohl ich ein seltsames Gefühl hatte, wenn ich an die letzte Nacht dachte, hatte mein Interesse nur noch mehr zugenommen.

Völlig perplex stand ich im Wohnzimmer und wusste nicht, was ich mit mir anfangen sollte. Dass wir uns schon sehr bald unter drastischen Umständen wiedersehen würden ahnte ich noch nicht. Ich ließ während meiner heißen Dusche das Geschehnis Revue passieren und fand keine Antwort darauf, wie ich es einschätze sollte, dass Connor so führsorglich war. Kam es rein durch die Analyse oder steckte mehr dahinter?
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