A mechanical human heart

von Lovelle
GeschichteDrama, Romanze / P16
Hank Anderson OC (Own Charakter) RK800-51-59 Connor
17.04.2019
27.07.2020
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17.04.2019 1.356
 
Prolog

Es war, als würden zwei Herzen schlagen – nur viel stärker, als wäre die Zeit für einen Moment stehen geblieben, als gäbe es nichts Wichtigeres im Leben, als diesen Augenblick – er sollte niemals aufhören.

Obwohl nur ein menschliches Herz schlug wusste ich, dass mein Gegenüber genauso fühlte. Seine braunen Augen schauten mich unaufhörlich an, in denen ich mich je verlor, als wir ineinander rannten. Seine Haare, seine Haut, einfach alles an ihm war perfekt – wie konnte es auch anders sein bei einem Androiden – Model RK800, ein Prototyp zur Festnahme oder Eliminierung von Abweichlern.

Trotz der Tatsache, dass ich wusste, dass er anders war als ich, waren wir doch gleich. Ich wusste, dass viele anderer Meinung waren und mich für verrückt hielten eine „Maschine“ zu lieben, die nicht empfinden kann, aber was ist, wenn ich dir sage, dass Abweichler meist menschlicher handeln, als unsere eigene Spezies?
Ich wusste nicht, wohin es mich führen würde, aber was hatte ich schon zu verlieren? Mein Herz sagte mir, dass dieser Weg der richtige sei – Ich liebte Connor und es gab keine Chance auf Umkehr. Die Zeit der Androiden war gekommen und lieber würde ich sterben, als ihn zu verleugnen.

Ich erinnere mich an die Nacht zurück, als Connor und ich uns das erste Mal begegnet waren. Es war verregnet in Detroit, wie zu dieser Jahreszeit üblich. Nach einem langen Arbeitstag lief ich gerne durch die Straßen der Stadt, um etwas runterzukommen. Runterzukommen von all dem Stress des Tages, von den Menschen um mich herum, die sich verhielten, als würde ihnen die Welt gehören, die so Ich-fokussiert waren, dass man sich fragte, für was man überhaupt lebt, in einer Gesellschaft, die sich selbst zerstört, wenn es keine drastische Wendung gibt, schlussendlich, um einfach runterzukommen vom Leben, das mir es seit einiger Zeit nicht leicht machte.

Ich zog mir meine Jacke enger um den Körper, als ich in die windige Gasse trat. Es herrschte völlige Stille bis auf hallende Schritte weiterer Menschen, die mir entgegenkamen. Als ich am anderen Ende nach rechts abbiegen wollte, rannte ich in jemanden hinein, stolperte und fiel zu Boden.

„Verzeihen Sie, hier nehmen Sie meine Hand.“ Ich blickte auf und erstarrte. Ein junger Mann lächelte mich freundlich an, mit solch durchdringendem Blick, der mich einschüchterte. Vorsichtig griff ich danach und fühlte, dass diese ganz kalt war. Keine Sekunde später stand ich bereits auf meinen Beinen, immer noch sprachlos, und blickte ihn an.
„Connor, wo treibst du dich rum? Ich habe doch nur einen Augenblick mit dem Officer gesprochen und plötzlich warst du verschwunden?“ Ein Mann, Mitte 50, trat aus einer Bar links von uns heraus und schaute uns skeptisch an.
„Verzeihung, Hank.“ Er blickte mich ein letztes Mal an, bevor er sich von mir abwandte und mit schnellen Schritten auf den Mann zuging, der mich interessiert anblickte.

„Guten Abend junge Dame. Ist bei Ihnen alles in Ordnung?“ Fragend blickte er mich an und ich versuchte mich aus meiner Starre zu lösen.

„Oh ja sicherlich. Wir beide sind gerade nur zusammengestoßen, das ist alles.“ Ich zeigte auf Connor und lächelte mit geröteten Wangen, bis ich plötzlich entdeckte, dass er einen Sensor an seiner rechten Schläfe hatte, der blau leuchtete. Erst jetzt bemerkte ich auch seine Kleidung – er war ein Android. Sofort blickte ich auf den Boden, denn ich schämte mich…für was auch immer: das warme Gefühl, das ich hatte, als er mir aufhalf - als er mich anblickte?

Ich schüttelte meinen Kopf, um wieder einen klaren Gedanken fassen zu können. „Ich werde dann mal weitergehen, einen schönen Abend noch!“ Ich blickte ein letztes Mal vorsichtig in die Richtung der beiden bevor ich mich mit starrem Blick auf den Heimweg machte.

Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, dass ich es geschafft hatte aus einem Androiden einen Abweichler zu machen, denn für einen kurzen Augenblick, so kurz, dass es selbst seinem Begleiter nicht aufgefallen war, blitzte sein Sensor gelb auf.


Die darauffolgenden Wochen musste ich immer wieder an diese eine Nacht denken. Wieso bekam ich ihn nicht aus dem Kopf? Was stimmte nicht mit mir?  Ich wollte mehr von ihm wissen, ihn kennen lernen. Warum? Was würde er mir erzählen, wo er doch eigentlich nicht lebte?

Aber diesen Gedanken verwarf ich gleich, da es nicht stimmte. Er war eine Maschine, das stimmte. Er hatte keinen menschlichen Körper, das stimmte. Aber er hatte ein Gehirn, wenn es auch nicht aus dem gleichen Material bestand wie meines, aber es funktionierte gleich, wenn nicht sogar besser.

Eine Maschine kann lernen und aus Erfahrungen Schlüsse ziehen. Wieso also versuchten die Menschen das zu verdrängen? Wahrscheinlich hatten sie Angst, dass Androiden die Welt übernehmen könnten und sie nicht mehr das ranghöchste Wesen auf diesem Planeten wären.

Und damit waren wir wieder bei dem Thema, dass es sicher nicht mehr lange dauern würde, bis es zu einem erneuten Krieg kam, denn anders als Androiden, lernten Menschen nicht dazu. Sie machten immer und immer wieder den gleichen Fehler nur um am Ende festzustellen, dass sich nichts verändert hat.

Das war Wahnsinn, den wir immer wieder verleugneten oder war es gar die Grenze des menschlichen Verstandes? Ich wusste es nicht, aber war selbst von diesen Vorurteilen infiziert – bis zu diesem einen Tag, als ich Connor traf. Alles hatte sich verändert und nach allem, was passiert war, fühlte ich mich zu einer anderen Spezies, wie ich es nenne, mehr hingezogen, als zu meiner eigenen, die sich nach so vielen Epochen immer noch in Rassenkriegen umbrachten, obwohl wir doch eigentlich alle gleich waren.

Erschöpft nach einem erneut stressigen Tag lag ich in der Badewanne und ließ meinen Gedanken freien Lauf. Lange hatte ich versucht die Vergangenheit zu verdrängen, doch jetzt konnte ich es nicht mehr. Es war an der Zeit weiterzuleben und aufzuhören sich selbst zu bemitleiden für etwas, wofür ich selbst nicht einmal etwas konnte.

Es schmerzte mir die letzten Worte meines Mannes in Erinnerung zu rufen, bevor er mich verließ.
„Ich suche mir jemanden, mit dem ich eine Familie gründen kann, jemand, der nicht unfruchtbar ist – ich kann das nicht, das alles hier ist ein Witz. Was soll ich mit einer Frau, die keine Kinder bekommen kann?“

Ein letztes Mal trafen sich unsere Blicke, bevor er mit dem Karton aus unserem Haus ging und mit dem Transporter davonfuhr. Ich hatte gewusst, dass es vorbei war, suchte jedoch trotzdem das Gespräch. Wie dumm von mir zu glauben, es hätte noch einen Sinn gehabt…Als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, brach ich in Tränen zusammen. Wieso strafte mich die Natur nur so sehr? Ich dachte ich könnte mein restliches Leben mit diesem Menschen verbringen, eine kleine Familie haben…

Man hätte auch Kinder adoptieren können, aber diese Option wurde sofort von ihm zerstört, als ich es nur erwähnte. Er wollte eigene Kinder haben, seine eigene DNA weitergeben – genau wie ich, doch das würde nie passieren…
Wie lange ich auf dem Boden kauerte und weinte wusste ich nicht, aber meine Augen brannten, als ich sie langsam wieder öffnete. Monat für Monat schleppte ich mich seither durch das Leben, das keinen Sinn mehr für mich ergab.

Die Tatsache, dass ich niemals eigene Kinder haben könnte, schmerzte mir so sehr, doch von meinem Mann verlassen zu werden, der mir versprochen hatte, dass wir auch in schlechten Zeiten zusammenhalten würden, brach mir das Herz.
Ich kapselte mich von der Gesellschaft ab, ich hatte die Menschen so satt! Schon öfter hatte ich darüber nachgedacht, was mein Leben noch lebenswert machte, denn nach all den Strapazen gab es für mich nichts mehr außer meine Eltern. Selbst meine Freunde hatten sich von mir abgewandt, da sie mit meiner Trauer nicht weiter umgehen konnten.

Wieder einmal bewies dies mir, dass Menschen scheinbar nicht anders konnten als an sich zu denken. Natürlich verstand ich, dass man sich am Ende aus Dingen rauszog, wenn sie einem nur schaden, aber wozu hatte man denn Freunde? Für einen weiteren Moment schloss ich meine Augen und ließ meinen Tränen freien Lauf.

Ich tauchte hinab in das Wasser, das diese ohne Probleme davonwischte. Wenn das alles nur so einfach mit meinen Sorgen gehen würde. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, wie sehr sich mein Leben schon bald ändern würde.
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