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Aufstand der Oktolinge (Limone x Agent 8)

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16
Agent 3 Agent 8 DJ Octavio Marie Octarian Octoling
16.04.2019
26.09.2019
6
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S E C H S – Süßwasser vs. Salzwasser

Beim Widerstand, 09:04 Uhr

Limone war gerade dabei sich erneut ihre neue Identität einzuprägen, als ihr Squidphone vibrierte.

Aioli:
„Komm zum ersten Okto-Distrikt. 3 und der andere Typ da sind hier!“
09:04

Tenten sah Limone fragend an, als sie das Handy wegsteckte und aufstand. „Vielen Dank, Tenten. Die Arbeit ruft, ich erkläre dir alles, wenn wir uns wiedersehen.“
Limone wollte gerade nach dem Notizbuch greifen, als die Salmon Runnerin Ihr Handgelenk festhielt.
„Das geht leider nicht. Diese Informationen dürfen auf keinen Fall in falsche Hände geraten. Wenn du alles im Kopf hast, wird dieses Notizbuch ohnehin zerstört.“
Limone verstand und zog die Hand zurück. Als sie vor dem Ausgang stand, zögerte sie. „Wie komme ich …“
„Wieder hier raus?“ Tenten lachte amüsiert. „Warte noch ein paar Minuten, dann kommt die Tiefsee-Bahn vorbei. Danach bring ich dich zum Gleis am Salmoniden-Viertel, von dort kannst du ja den Supersprung nutzen.“
Limone nickte dankbar.

~~~

Erster Okto-Distrikt, Aquamarine HQ, 09:33 Uhr

Limone landete möglichst elegant im ersten Okto-Distrikt, unweit von Kuttelfischs Hütte entfernt. Sie hatte diesen albernen Wunsch gut vor Noctiluca dazustehen, auch bei einem Supersprung.
Aioli kam ihr sofort entgegen gestützt und zog sie in eine alles erdrückende Umarmung. „Limone! Weißt du, was für Sorgen ich mir gemacht habe?!“
Limone ächzte, erwiderte aber lächelnd die Umarmung. „Ja, du hast es mir im Minutentakt geschrieben. Ich bin auch sehr froh, dich wiederzusehen.“
Aioli ließ sie los und musterte Limone eingehend. „Wie ist es so bei den Octarianern?“
„Weiß ich noch nicht. Ich bereite mich mit Lucas Leuten noch darauf vor eingeschleust zu werden. Im HQ erkläre ich dir und Opa alles. Wo ist …“ Ihr Blick strich über die felsige Landschaft bis sie Noctiluca entdeckte, der neben 3 stand. 3 hatte einen kleinen Elektrowels im Arm – sehr gut.
Zusammen mit Aioli ging Limone zu ihnen hinüber. Limone grüßte die beiden Agenten herzlich. 3s Augen blieben starr und ausdruckslos. Limone runzelte die Stirn – offenbar stimmte etwas nicht.
„Wir müssen zu Samael nach Hause“, sagte Noctiluca sofort, der ein genauso ernstes Gesicht machte. Limone sah ihn verdutzt ab –, zu wem nach Hause?
„3 ist Samael“, erklärte Aioli leise. Sie sah ihre Cousine bang an. „Wir befürchten etwas Schlimmes …“
Limone sah zwischen ihren Verbündeten hin und her und versuchte das Gesagte zu sortieren. 3 war Samael und bei ihm zu Hause war etwas Schlimmes passiert …
„Seit wann wissen wir deinen Namen?“, fragte sie schließlich ihren Agenten.
Aioli nickte grimmig zu Noctiluca.
Der Octoling räusperte sich. „Octario hat seine Hausaufgaben gemacht. Er weiß viel über euren Agenten, wahrscheinlich sogar mehr als Käpt'n Kuttelfisch. Octario hat Samaels Eltern ausfindig machen lassen …“
Limone starrte Noctiluca entsetzt an. „Wie lange weißt du das schon?!“
„Erst seit heute morgen“, murmelte er niedergeschlagen.
Kuttelfisch kam aus seiner Hütte geeilt, sein Gesicht vor Sorge zerfurcht. Er steuerte auf 3 zu und deutete auf den Wels. „Um ihn werde ich mich kümmern. Geh du mit Limone und Aioli zu dir nach Hause“, befahl er.
3 übergab den Wels und sah die anderen an. „Seid ihr so weit?“
„Ich komme mit“, meinte Noctiluca entschlossen. 3 widersprach nicht, Kuttelfisch war bereits auf dem Weg zur Hütte.
Nachdem allen klar war, zu welcher Adresse sie springen mussten, machten sie sich los.

~~~

Seeengel-Klamm, Vorort Inkopolis, 09:54 Uhr

3 wollte seinen Schlüssel ins Schloss schieben, als er merkte, dass die rot lackierte Tür bereits offen war. Sie standen vor einem kleinen Häuschen, das sich in einem der Vororte Inkopolis' befand. Es war aus Steinen gefertigt, die passgenau aufeinander lagen, ohne Mörtel oder Ähnlichem. Die Steine waren auch nicht bearbeitet. Es handelte sich um eine alte Bauweise, die sich seit einigen Jahren wieder großer Beliebtheit erfreute. Dieses Häuschen war teuer gewesen, aber Kuttelfisch hatte sich nicht lumpen lassen. Dass die Familie Deafwater hierher gezogen war, wurde geheim gehalten, aber offenbar nicht geheim genug …
Leise quietschend schwang die Tür nach innen auf.
Als 3 einen Blick hineinwarf warf, sprang ihm das Chaos entgegen. Es war alles kurz und klein geschlagen worden, einfach alles. Der junge Inkling bekam die Tür kaum aufgeschoben, weil ein Stuhl sich darin verkeilt hatte.
Als Limone, Aioli und Noctiluca folgten, herrschte bedrücktes Schweigen – niemand sagte ein Wort.
3 wühlte sich durch den Schutt, schob sich an zerbrochenen Bilderrahmen vorbei, drückte die Couch zur Seite, trat über Scherben und zerschlagenes Mobiliar. Seine Gedanken kreisten sich ausschließlich um seine Eltern, den Albtraum um ihn herum ignorierte er.
Die vier gingen durch das ganze Haus, jeder Raum war ein Schlachtfeld, die Küche demoliert, die Sanitären Anlagen herausgerissen, die Betten aufgeschlitzt, die Habseligkeiten überall verstreut. Es roch nach Kupfer. 3 kannte diesen Geruch nur allzu gut, er roch ihn immer, wenn er einen Octarianer erschoss – der Geruch von Blut.
Als sie 3s Zimmer erreicht hatten, sahen sie, dass ein Zettel über seinem Bett hing.

Samael, unser geliebter Sohn,
die See ist so salzig.


3 nahm den Zettel in die Hand und las ihn ein paar Mal, schon bald würde nichts mehr darauf zu lesens ein, denn er war mit der Tinte seiner Eltern geschrieben worden und die Tinte von Inklingen verschwand nach einiger Zeit. Es war also noch nicht lange her gewesen, dass seine Eltern entführt worden waren.
Die See ist so salzig
„Das waren nicht die Octarianer ...", sagte Noctiluca in die Stille, nachdem er den Zettel ebenfalls gelesen hatte.
Limone sah ihn fragend an. „Was meinst du, natürlich waren das die Octarianer! Octario ist dafür verantwortlich!“
„Ja das schon“, Noctiluca hob ein Familienfoto von 3 auf, auf dem er mit seinen Eltern am Strand saß und lachte, „aber Octario kann die Octarianer nicht nach Inkopolis schicken, ohne dass das auffällt.“
„Wie hat er das denn dann nur gemacht?!“, wunderte Aioli sich und kratzte sich am Kopf.
„Er hat nichts gemacht, er hat machen lassen.“
„Von wem“, wollte 3 mit eisiger Stimme wissen, den Zettel in seiner Faust.
Noctiluca sah ihm in die bernsteinfarbenen Augen. „Kamabo Corporation.“
3 sah, dass Limone und Aioli offenbar nicht wussten, was das für eine Firma sein sollte und er selbst war nicht minder ratlos.
Limone richtete ihre goldenen Augen auf 3. „Samael, ich …“
Er hob eine Hand. „Nenn mich nicht so. Samael gibt es nicht mehr, Samael ist heute gestorben. Eigentlich war er schon fort, als ich mich dazu entschieden habe mit euch zu arbeiten.“ 3 ließ eine Welle von tiefem Rot über seine cyanblauen Tentakel fließen, bis sie sich schwarz gefärbt hatten mit dunkelroten Ausläufen. „Wenn ihr mich bei einem Namen nennen wollt, nennt mich Akashou.“
Noctiluca blinzelte langsam und legte das Foto in seiner Hand vorsichtig auf auf einer halbwegs stehende Sitzgelegenheit ab. „Wer war Samael Deafwater?“
Limone und Aioli sahen ihn verdutzt an.
3 antwortete kurz angebunden: „Der Enkel eines Veteranen. Ich wusste schon immer, dass es die Octarianer noch gibt … Was spielt das noch für eine Rolle …“, 3 richtete sich an Noctiluca, „wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass meine Eltern noch leben?“
Der Octoling sah zerknirscht drein, seine königsblauen Tentakel bekamen schwarze Flecken. „Nicht sehr hoch …“
„Was ist Kamabo?“, hakte 3 weiter nach.
„Limone sollte es halbwegs mitbekommen haben“, sagte Noctiluca.
Limone sah überrascht aus. "Wie? Ach so, und wann hab ich das?"
„Die Tiefsee-Bahn. Sie gehört der Kamabo Corp., aber das ist nur ein Deckmantel.
Kamabo Corp. ist eine Art Zusammenschluss, ich weiß nicht wer da alles mitmischt, aber Octario ist ein großer Fisch in diesem Teich.“
„Okay, Moment!“ Aioli hob ihre Hände. „Ist das überhaupt eine Firma?“
Noctiluca sah sie achselzuckend an. „Jaein, es ist eine Scheinfirma.“
„Sind Inklinge Teil davon?“, fragte 3.
„Nein, sie sind eine der wenigen Spezies, die nichts damit zu tun haben. Aber es geht um das, worum es immer geht: Geld und Macht. Octario verspricht beides, er mischt schon lange bei Kamabo mit. Ihr erratet niemals, wer hauptsächlich mit Kamabo zu tun hat!“ Noctiluca lächelte verbittert.
Die drei Agenten schüttelten nur die Köpfe.
„Die Quallen.“
Aiolis Mund klappte auf, eine Weile blieb er offen, bis sie sich wieder gefangen hatte. „Du verarschst uns! Quallen?! Okay, als nächstes erzählst du uns, dass die hier auch die Bude zerlegt und 3s Eltern entführt haben!“
Noctiluca fing an, die Familienfotos einzusammeln, sein Blick hatte etwas traurig schmerzliches dabei. Manchmal strich er mit den Fingern über die Bilder oder strich scharfkantige Scherben herunter. „Die Quallen sind keine so harmlose Spezies, wie ihr denkt. Die haben eine Menge Dreck am Tentakel und es kümmert sich nicht so sehr, wer hier der größte Hai im Becken ist. Die Quallen wollen einfach nur ihre Ruhe und wenn sie den Eindruck haben, dass die Octarianer die nächste herrschende Spezies werden könnte, dann ist ihnen das genauso recht und stellen sich eben mit denen gut.“
„Diese verdammten Opportunisten!“, schrieb Aioli aufgebracht und hätte wohl am liebsten etwas zerschlagen, wenn nicht schon alles hier Kleinholz wäre.
3 war überrascht, dass sie das Wort überhaupt kannte. Bis jetzt war ihm Aioli nicht besonders clever vorgekommen, das schien mehr Limones Part zu sein.
„Zugegeben, die Quallen haben vermutlich wirklich nicht hier randaliert, das traue ich mehr den Ruderschnecken zu … Aber egal, wer es war, Kamabo hat seine Finger im Spiel und damit ist noch eine Partie mit eingestiegen, die uns große Probleme machen kann. Ich hab es euch ja gesagt“, Noctiluca reichte 3 alle Bilder, die er hatte finden können, „Octario holt zum ultimativen Gegenschlag aus. Es sieht ziemlich düster aus für die Inklinge … Und die Aquamarine ist gerade nicht in ihrer Blüte …“
Limone kam zu 3 herüber und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Wenn du aussteigen möchtest …“
3 schnaubte verächtlich. „Wir wussten alle, dass das passieren kann! Käpt'n Kuttelfisch hat mich über die Risiken genau informiert. Ich werde nicht klein bei geben, nicht jetzt, ganz besonders nicht jetzt!“
Limone sah ihn noch eine Weile schweigend an, Aioli wirkte vor allem niedergeschlagen, Noctiluca hatte die Arme vor der Brust verschränkt.
Schließlich legte der Octoling 3 die Hände auf die Schulter. „Akashou, bei uns Octarianern würde man sagen, dass du aus dem richtigen Haifischzahn geschnitzt bist. Wenn es eine Möglichkeit gibt, deine Eltern noch zu retten, werde ich nichts unversucht lassen! Limone und ich kümmern uns darum, dir und der restlichen Aquamarine so viele Infos zu liefern wie es geht. Je mehr du weißt, desto besser kannst du Octario in die Flanken fahren.“ Dann trat er einen Schritt zurück und wandte sich den Squid Sistern zu, unter seinen Schuhen knirscht ein zerbrochener Bilderrahmen. „Limone, Aioli. Euer Käpt'n muss wissen, auf was für einen Krieg er sich da vorbereiten muss.“
„Das weiß er!“, rief Aioli felsenfest entschlossen.
Noctiluca zog eine Augenbraue hoch. „Über Kamabo und die Salmoniden scheint er nichts zu wissen …“
Jetzt sah Aioli tatsächlich etwas verlegen aus. „Bald weiß er es … Er wird wissen, was zu tun ist.“
„Machen wir uns bereit“, sagte Noctiluca und atmete tief ein. Er sah noch einmal zu 3 hinüber, der seine Familienfotos fest an sich drückte. „Akashou … Gib gut auf sie Acht … Du musst wissen, mir war es nie vergönnt, noch etwas von meinen Eltern zu besitzen. Mir bleiben nur meine Erinnerung …“
3 dachte über die Worte des jungen Octolings nach, plötzlich legte er die Bilder auf die Seite und holte sein Squidphone heraus.
Noctiluca runzelte die Stirn. „Was hast du vor?“
3 winkte seine Verbündeten zu sich. „Es ist jederzeit möglich, dass wir uns in dieser Konstellation nicht mehr wiedersehen.“ Er hielt das Handy weit von sich und zog die anderen so zu sich, damit sie auf dem Display zu sehen waren.
Aioli grinste begeistert, murmelte aber aus dem Mundwinkel. „Verstößt das nicht gegen unser Sicherheitsprotokoll?!“
„Wenn dich einer fragt, waren wir nur bei Starfish Bucks“, sagte Limone und grinste schief.
„Und die Trümmer im Hintergrund?“, fragte Noctiluca prustend.
„#itsbeenlikethis“, sagte 3 trocken und drückte auf den Auslöser.

~~~

Cephalon HQ, 18:12 Uhr

Zusammen mit Octario ging Noctiluca durch die Hallen, in denen die Schusswaffen hergestellt wurden.
„Vielleicht fragst du dich, wo wir all die Ressourcen dafür herbekommen“, meinte Octario guter Dinge.
Noctiluca schwieg.
„Kamabo gewährt uns einen großzügigen Vorschuss … Wie dem auch sei … Sag mir, 8. Sind die Netze ausgeworfen?“
Der junge Octoling sah grinsend zu seinem Anführer, seine spitzen Zähne glänzten im künstlichen Licht des Untergrunds. „Ja, und die Fische schwimmen geradewegs hinein.“
Octario brummte zufrieden und nahm einen der Oktokleckser in den Tentakel. „Gut, sehr gut. Bring sie auf die richtige Spur, 8. Das ist sehr wichtig, das ist jetzt eine Frage des Timings …“
Octario richtete die Waffe auf einen Oktorekruten, einem Tentakel auf winzigen Beinchen, der seines Weges ging. Mit einem gezielten Schuss erledigte Octario ihn.
„Denk immer dran, 8. Zum Wohle aller müssen wir Opfer bringen, ohne zu zögern.“
„Ja, großer Octario.“
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