Kalypso - Pass auf wen du liebst

von el1509
GeschichteRomanze, Fantasy / P16
Emily Young OC (Own Character) Paul Sam Uley
15.04.2019
04.07.2019
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Am nächsten Morgen erwachte ich deutlich zu früh durch laute Stimmen, die wild durcheinanderriefen und lachten. Einmal hörte ich Emily „Jetzt seid doch mal leise! Jenna schläft noch!“ rufen, doch nach ca. 30 Sekunden hatte die Lautstärke wieder ihren vorherigen Pegel erreicht. Ich nahm mein Handy, um auf die Uhr zu sehen. Erst 8:30 Uhr. Normalerweise wäre ich um diese Uhrzeit schon längst wach und wäre bereits joggen oder ein paar Runden in unserem eigenen Pool schwimmen gewesen, doch normalerweise war ich auch nicht vorher zwei Tage am Stück Auto gefahren. Die lange Fahrt hatte mich wirklich mehr ausgelaugt als ich dachte, doch da ich nicht warten wollte, bis mein geliebtes Auto nachgeliefert wurde, hatte ich beschlossen, selbst nach La Push zu fahren. Auf meinem Display erschien eine neue Nachricht meiner Mutter, die sich erkundigte, ob ich auch gut angekommen sei. Ich legte mein Handy wieder beiseite und beschloss, einfach später erst zu antworten. Da ich nicht wusste, wo das Bad war, beschloss ich, in meinem knappen Schlafshirt und ohne vorher zu duschen erst einmal dem Lärm zu folgen. Ich gelangte in ein großes Esszimmer, das offen an den einladenden Wohnbereich angrenzte. In diesem Esszimmer stand ein riesiger Tisch, an dem mehrere Jungs saßen. Diese Jungs waren es vermutlich, die mich mit ihrem Lärm aus dem Schlaf gerissen hatten. Sie schienen mich aber nicht zu bemerken, da sie so auf sich selbst und die Unmenge an Essen, die sie verdrückten, fokussiert schienen. Doch das schien nicht genug zu sein, denn gerade kam Emily mit einer riesigen Pfanne Rührei und Speck, die sie noch auf den Tisch stellte, auf die sich die Jungs sofort stürzten. Sie war es auch, die mich als erstes bemerkte.
„Oh, guten Morgen Jenna, haben wir dich geweckt? Setz dich ruhig und nimm dir etwas zu essen, bevor die Jungs dir alles wegessen.“
Da sahen auch die Jungs auf. Ich erkannte bloß Sam und Jake, den Jungen von gestern Abend, doch auch alle anderen Jungen wiesen eine erschreckend große Ähnlichkeit mit den beiden auf, wie ich feststellte. Alle waren sehr groß, breit und muskulös, mit der für uns Quileute typischen gebräunten Haut und kurzen schwarzen Haaren.
„Morgen, Jenna“, nuschelte Jake mit vollem Mund und klopfte auf den freien Platz zwischen ihm und Sam, was ich als Aufforderung nahm, mich neben ihn zu setzen. Sam besaß wenigstens noch den Anstand, sein Essen herunterzuschlucken, bevor er zu sprechen begann.
„Und, hast du gut geschlafen?“ Als ich nickte, fuhr er fort. „Jungs, hört mal alle zu! Das ist Jenna, meine Schwester. Sie wohnt ab jetzt hier, also seid bloß nett zu ihr.“
„An die Jungs wirst du dich wohl gewöhnen müssen, die sind ständig hier. Wir sind so etwas wie eine große Familie“, erklärte Emily mir, während sie mir ein bisschen Rührei und Speck auf den Teller häufte. „Jake kennst du ja schon, die beiden neben ihm sind Quil und Embry und die drei Jüngeren sind Seth, Collin und Brady.“
„Wieso zählst du mich auch zu den Jüngeren?“, fiel einer der drei zuletzt genannten, ich hielt in für Seth, Emily ins Wort. Ich bin immer noch zwei Jahre älter als Collin und Brady!“
Emily grinste belustigt und verdrehte die Augen, ging jedoch nicht auf Seth ein.
„Leah, Seths Schwester, wirst du auch noch kennenlernen, aber sie ist nicht so oft hier wie die Jungs. Und außerdem noch Paul und Jared, aber die sind gerade … unterwegs.“
„Auf Patrouille?“, riet ich einmal so ins Blaue hinein. Emily sah mich überrascht an und ich bekam mit, wie Sam und Jake neben mir aufhorchten.
„Ja, woher weißt du das?“, fragte Sam wachsam. Ich zuckte die Schultern.
„Gestern Abend hast du zu Jake gesagt, er müsste eigentlich auf Patrouille sein, also habe ich einfach mal geraten. Wieso patrouilliert ihr denn hier überhaupt?“
Ich beobachtete, wie sowohl Sam als auch Jake und Emily sich kaum merklich entspannten. Irgendetwas verschwiegen sie mir.
„Wir machen so eine Art … Nachbarschaftswache. Es ist in letzter Zeit nicht so sicher hier in der Nähe, vor allem in den Wald solltest du nicht so weit alleine gehen. Es gibt da Wölfe und andere … wilde Tiere.“, erklärte Sam, doch ich wusste, dass er mir nicht die ganze Wahrheit sagte. Dennoch beschloss ich, es erst einmal dabei zu belassen. Ich würde schon noch selbst herausfinden, was es damit auf sich hatte.
„Da wir dein Zimmer noch nicht fertig eingerichtet haben, schlage ich vor, wir fahren heute nach Port Angeles, die nächste größere Stadt in der Nähe, und kaufen ein paar Möbel für dein Zimmer“, schlug Emily vor und wechselte somit ganz galant das Thema.
„Ja, sehr gerne“, lächelte ich und auch Sam nickte zustimmend. Etwas sagen konnte er leider gerade nicht, da er schon wieder Essen in sich hineinschaufelte. Ich fragte mich wirklich, wo der das alles hinsteckte, Fett hatten diese Jungs ja alle überhaupt nicht.
„Dann gehe ich besser mal duschen“, ergänzte ich noch, ehe ich Emily fragend anblickte. „Wo ist denn das Bad?“
Eilig sprang sie auf. „Komm, ich zeige es dir!“

Wenige Minuten später genoss ich schon das Prasseln des warmen Wassers auf meiner Haut und seufzte auf. Bis jetzt war es ja ganz okay hier, auch wenn ich nicht wusste, och ich das so toll fand, dass hier regelmäßig eine Horde lauter Jungs einzukehren schien. Aber die Leute waren ganz nett zu mir, von daher war das schon ok. Dennoch freute ich mich überhaupt nicht darauf, nächste Woche schon hier in die Schule zu müssen und mein letztes Schuljahr hier zu bestreiten. Ich war die Sommerferien noch so lange es ging in San Diego geblieben, doch länger hatte ich den Abschied nicht herauszögern können.
Während ich aus der Dusche stieg, hörte ich, wie Sam die ganzen Jungs aus dem Haus warf, da wir gleich loswollten.
Mehrere Stunden später kehrten wir aus Port Angeles zurück, Emily und Sam waren beide total genervt davon, wie lange ich bei manchen Dingen gebraucht hatte, um mich zu entscheiden, während ich noch topfit war. Meine Shoppingmarathons mit meinen Freundinnen hatten immer deutlich länger gedauert. Außerdem wollte ich eben auch ein schönes Zimmer haben, auch wenn das ohnehin nichts gegen mein Zimmer in San Diego mit den ganzen Designermöbeln würde. Ich hätte die ja gerne mitgenommen, aber meine Mom hatte gesagt, die wären in La Push vollkommen fehl am Platz. Was zwar stimmte, mich aber trotzdem nervte. Die hätten auch gar nicht alle in mein neues Zimmer gepasst. Ich hoffte bloß, dass meine ganze Kleidung in den neuen Kleiderschrank passen würde.
Sam half mir, mein Bett und meinen Kleiderschrank aufzubauen, die Kommode, das Regal und das Nachttischchen, das wir noch gekauft hatten, würden wir erst morgen aufbauen. Meine Wände wollte ich nicht streichen, mir gefiel das neutrale weiß, in dem sie gehalten waren. Ich hatte noch nie etwas von zu viel Schnickschnack oder Dekorationen gehalten, weshalb ich bis auf den prunkvollen Spiegel, der noch von meiner Mom nachgesendet würde, auch nichts an den Wänden aufhängen wollte. Für mehr wäre vermutlich eh kein Platz in diesem Zimmer. Außerdem würde ich ja ohnehin nicht allzu lange hier wohnen bleiben. Ich machte mich also seufzend daran, meine ganzen Kleider und Taschen in den Schrank einzuräumen. Der Koffer wirkte von außen zwar schon riesig, es passte jedoch noch deutlich mehr hinein, als ein unwissender Betrachter vermuten würde. Da hatte ich ein bisschen nachgeholfen. Sonst hätten mir ja auch meine zwei zusätzlichen Kisten, die ich zuhause noch gepackt hatte, gar nicht reichen. Ich hoffte nur, dass diese und auch mein Spiegel bald ankämen, da ich in den Kisten noch einige wichtige Unterlagen und Bücher hatte.
Nachdem ich alles eingeräumt hatte, entschloss ich mich dazu, mich mal ein bisschen in der Umgebung umzusehen. Lange würde das sicherlich nicht dauern, schließlich war der Ort nicht sonderlich groß. Und ich konnte mich an so gut wie gar nichts erinnern, schließlich war ich erst sieben Jahre alt gewesen, als meine Mom und ich weggezogen waren. Das einzige, woran ich mich erinnerte, waren der Strand und die hohen Steinklippen, vor denen meine Mom mich immer gewarnt hatte, die aber stets eine unerklärliche Anziehungskraft auf mich gehabt hatten. So beschloss ich, auf direktem Wege zum Strand zu laufen. Ich googelte kurz den Weg und stellte fest, dass ich eigentlich nur durch den Wald laufen musste. Na super. Mal sehen, ob ich das finden würde. Doch das Glück schien mir heute hold. Nach kürzester Zeit konnte ich bereits das Wasser rauschen hören und das Salz des Meeres auf meiner Haut fühlen. Ich atmete einmal tief ein und merkte, wie ein leichtes Lächeln sich auf meinem Gesicht ausbreitete. Ich liebte das Meer, brauchte es zum Leben. Und auch wenn ich San Diego ebenfalls geliebt hatte, so fühlte ich in diesem Moment ein Gefühl der Zugehörigkeit, das ich so noch nie erlebt hatte. Ich hatte meine Verbundenheit mit diesem Ort lange Zeit verdrängt, doch jetzt zog mich das Wasser mehr an denn je. Langsam zog ich meine Schuhe und Socken aus, zumindest mit den Füßen musste ich jetzt ins Wasser. Ich krempelte die Beine meiner Röhrenjeans so weit hoch es nur ging und ging so weit ins Wasser, dass das kühle Nass meine Füße umspielte. Ich schloss die Augen und genoss das Gefühl der Friedlichkeit um mich herum. Um mich herum war es still, bis auf das Rauschen des Wassers und des leichten Windes. Einige Wassertropfen fielen auf mich, es begann zu regnen, doch ich machte trotzdem keine Anstalten, mich aus dem Wasser zu bewegen. Doch meine Ruhe wurde durch laute Rufe gestört.
„Jenna, was machst du da? Komm sofort raus aus dem Wasser, du wirst sonst noch krank!“, hörte ich Sams aufgebrachte Stimme. Ich lächelte nur leicht. Als würde ich krank werden. Das Wasser war es nicht, das mich krank machen würde, schließlich war es ein Teil von mir, ganz besonders dieses Meer. Doch ich war nicht scharf auf zu viele Fragen von Sams Seite, also schritt ich aus dem Wasser und folgte ihm nach Hause, um mich dort aufwärmen zu lassen.

„Was fällt dir eigentlich ein?“, wetterte Sam los, sobald wir zuhause angekommen waren und er mich in mehrere warme Decken gehüllt hatte.
„Sam, jetzt übertreib doch nicht gleich so“, stöhnte ich genervt. „Ich war nur mit den Füßen im Wasser, es ist Sommer, und ich werde mit Sicherheit nicht krank.“
Unwirsch schob ich die Decken wieder von mir weg.
„Was hattest du überhaupt da zu suchen?“, fragte er angesäuert. „So ganz alleine. Es gefällt mir nicht, wenn du immer so viel alleine draußen rumläufst. Es ist gefährlich!“
„Was soll denn da sein?“, motzte ich zurück. „Glaub mir, am Meer ist der letzte Ort, an dem mir etwas passieren kann.“
„Woher weißt du das so sicher, hm?“, fragte Sam. „Du kennst die Gegend hier nicht so gut wie ich, du warst seit 10 Jahren nicht mehr hier.“
Woher ich das wusste? Ich antwortete ihm nicht, denn die Antwort konnte ich ihm nicht sagen. Noch nicht. Nicht jetzt.
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