Kalypso - Pass auf wen du liebst

von el1509
GeschichteRomanze, Fantasy / P16
Emily Young OC (Own Character) Paul Sam Uley
15.04.2019
04.07.2019
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Ein letztes Mal überprüfte ich noch, ob ich wirklich alles eingepackt hatte, dann schnappte ich mir meine Handtasche und den großen Koffer und wuchtete beides in meinen mattschwarzen Aston Martin. Nur zwei weitere Kisten mit wichtigen Dingen hatte ich noch gepackt, die mir bald per Post nachgesendet würden. Ich hatte 20 Stunden Fahrt vor mir und wollte noch heute Abend an dem kleinen Motel auf der Hälfte des Weges ankommen, welches ich mir bereits für eine Übernachtung herausgesucht hatte.
„Bye, Mom“, waren die einzigen Worte, mit denen ich meine Mutter verabschiedete, gepaart mit einem höflichen Lächeln. Mehr hatte sie meiner Meinung nach nicht verdient. Sie hatte beschlossen, mit ihrem neuen Freund nach Island auszuwandern, wo ich ganz bestimmt nicht mit hinwollte. Als würde das mit den beiden überhaupt noch lange halten! Ich tippte darauf, dass meine Mutter spätestens in drei Monaten wieder zurück nach San Diego kommen würde, ohne Job, ohne Haus und ohne Freund. Und ohne Tochter, denn ich musste, da ich nicht nach Island wollte, nun zu meinem Bruder Sam zurück nach La Push ziehen. Da wollte ich zwar auch nicht hin, es war aber um Längen besser als Island. Ich verstand zwar nicht, wieso meine Mutter nicht noch ein weiteres Jahr hätte warten können mit dem Auswandern, bis ich meinen Abschluss hatte, aber so war sie eben. Als ich sieben war und mein Bruder Sam zwölf, hatte meine Mutter herausgefunden, dass mein Vater sie betrog und wollte nur noch weg von ihm. Und bei der Trennung hatten die beiden sich eben darauf geeinigt, dass jeder ein Kind behalten durfte. Seitdem schleppte meine Mom regelmäßig neue Typen an, doch nie hielt es sonderlich lange. Jedes Mal dachte sie, diesmal sei es die wahre Liebe, doch wenn ich eins mittlerweile begriffen hatte, dann, dass es die wahre Liebe nicht gab. Aber andererseits hatte meine Mom den Umzug nach San Diego auch genutzt, um ordentlich Karriere zu machen. Dadurch war sie zwar selten zuhause, konnte mir aber jeglichen Luxus ermöglichen, wie beispielsweise mein eigenes Auto, teure Markenklamotten oder regelmäßigen Urlaub mit meinen Schulfreundinnen. Und all das gab sie jetzt auf für ihren neuen Typen.
Wehmütig sah meine Mom mich an und streckte kurz die Hand aus, als wollte sie mich umarmen, doch ließ sie gleich wieder fallen. Ich nickte ihr noch einmal kurz zu, alle wichtigen Worte waren schon gesprochen worden. Dann setzte ich mich in mein Auto und fuhr davon, ohne mich ein einziges Mal umzublicken. Ich fuhr die Fenster runter und drehte die Musik laut auf, genoss die warmen Sommertemperaturen und den Wind in meinen Haaren.
Am nächsten Abend kam ich gegen 23:30 Uhr endlich in La Push an. Ich hatte mich mehrmals verfahren, da die Beschilderung hier nur sehr schlecht und in der Dunkelheit kaum erkennbar war und dementsprechend schlecht gelaunt war ich auch. Noch dazu konnte ich nicht bis ganz an das Haus meines Bruders mit dem Auto heranfahren, da es im Wald lag, weshalb ich nun also mitten in der Nacht meinen Koffer durch den Wald schleppen musste, ohne überhaupt genau zu wissen, wie das Haus meines Bruders eigentlich aussah und wie ich es am besten finden konnte. Und um dem ganzen noch ein Sahnehäubchen aufzusetzen, musste ich nun auch noch feststellen, dass meine Schuhe nach dieser Waldwanderung wohl ruiniert wären. Na super! Dabei hatte ich sie mir doch erst vor zwei Wochen für – wenn man es objektiv betrachtete – viel zu viel Geld gekauft. Frustriert stöhnte ich auf und versuchte erneut, Sam anzurufen, doch der ging natürlich nicht dran. Ich hoffte bloß, dass es hier keine wilden Tiere oder so etwas gab.
Eine Viertelstunde später hatte ich das Haus immer noch nicht gefunden, stattdessen war ich wieder bei meinem Auto, das ich am Waldrand geparkt hatte, angelangt, obwohl ich mich nicht daran erinnern konnte, im Kreis gelaufen zu sein. Ich versuchte es noch einmal, Sam anzurufen, doch erneut: Fehlanzeige.
„Verdammte Scheiße!“, motzte ich und war kurz davor, mein Handy auf den Boden zu werfen, wenn es mir nicht so heilig wäre. Plötzlich raschelte es hinter mir in den Bäumen. Ich zuckte zusammen und drehte mich erschreckt um, nur um zu sehen, wie ein sehr großer, muskelbepackter junger Mann aus dem Wald trat.
„Kann man dir irgendwie helfen?“, fragte er und seine Augen funkelten belustigt.
„Kennst du Sam Uley?“, entgegnete ich bloß.
„Ja, klar, er ist ein guter Freund von mir. Was willst du von ihm, vor allem um diese Uhrzeit?“
„Ich suche sein Haus. Was machst du überhaupt mitten in der Nacht im Wald, und dann auch noch ohne T-Shirt? Nicht, dass du es dir nicht leisten könntest …“
Bei meinem letzten Satz grinste ich kokett und zwinkerte ihm einmal frech zu, doch er ging gar nicht darauf ein. Merkwürdig. Normalerweise waren Männer von meiner Erscheinung und meiner Ausstrahlung immer direkt angezogen.
„Ich war unterwegs“, antwortete er. „Komm mit, ich bringe dich zu Sam. Ich bin übrigens Jake.“
Jake. Der Name sagte mir irgendetwas. Wenn das der Jake war, an den ich meinte, mich erinnern zu können, dann wäre er höchstwahrscheinlich okay. Da ich nicht im Auto schlafen wollte, um Sam morgen erst zu suchen, beschloss ich jetzt also kurzerhand, dem großen Jungen zu vertrauen und ihm zu folgen.
„Ich hoffe jetzt einfach mal, dass du wirklich Jake bist und nicht irgendein Vergewaltiger, der mich gleich am nächsten Baum tötet“, murmelte ich so leise, dass er es eigentlich gar nicht hätte hören dürfen. Scheinbar hatte Jake mich aber doch gehört, denn er lachte einmal kurz auf.
„Soll ich dir mit dem Koffer helfen?“, fragte er höflich und streckte direkt die Hand aus, um mir meinen Koffer abzunehmen. Dankbar überreichte ich ihn ihm, denn ich hatte wirklich keine Lust mehr, das schwere Ding mit mir durch den Wald zu schleppen.
„Ich möchte jetzt nicht unhöflich sein und dich die ganze Zeit ausfragen, aber weiß Sam überhaupt, dass du kommst? Ich meine, du schlägst gleich mit diesem riesigen Koffer bei ihm auf, als wolltest du bei ihm einziehen …“
„Das hoffe ich mal für ihn, dass er weiß, dass ich komme“, grummelte ich missmutig. „Ich habe ihm zumindest Bescheid gesagt, aber auf diese Nachricht hat er mir irgendwie nicht mehr geantwortet.“
Jake zuckte die Schultern. „Naja, sehen wir ja dann. Schau, hier ist es schon, war eigentlich gar nicht so weit.“
Und tatsächlich erblickte ich ein kleines, süßes Häuschen zwischen den Bäumen. Ich konnte erkennen, dass in einem der Zimmer noch Licht brannte. Dann war Sam also noch wach. Aber meine Anrufe entgegennehmen konnte er trotzdem nicht, oder was? Ich merkte, wie meine Stimmung wieder weiter in den Keller rutschte. Ich war so in die Betrachtung des Hauses vertieft, dass ich gar nicht merkte, wie Jake die Tür einfach öffnete und das Häuschen betrat. Erst, als er laut „Sam, bist du da?“, rief, riss er mich aus meinen Gedanken und ich zuckte heftig zusammen. Ich konnte erkennen, wie ein noch größerer junger Mann ins Licht trat, der dann vermutlich Sam war, dennoch hielt ich mich zunächst etwas zurück. Der sah ja überhaupt nicht mehr so aus, wie ich ihn in Erinnerung hatte.
„Jake, was machst du denn hier? Du solltest doch auf Patrouille sein. Und was ist das für ein Koffer?“
Patrouille? Was zum Teufel?!
„Der ist von … Hey, sag mal, wie heißt du eigentlich?“, fragte Jake und winkte mich heran. Ich kam näher und trat nun auch in den Hausflur ein.
„Jenna“, antwortete ich. „Ich bin Sams Schwester.“
„Schwester?“ Jake schien aus allen Wolken zu fallen. „Du hast uns gar nicht erzählt, dass deine Schwester kommt, Sam. Dass du überhaupt eine Schwester hast.“
Entnervt sah ich ihn an. „Dein Ernst? Du hast aber schon mitbekommen, dass ich ab jetzt bei dir wohnen und hier zur Schule gehen werde, oder?“
„Oh, deshalb also der große Koffer“, fiel Jake Sam ins Wort, bevor dieser überhaupt zu sprechen beginnen konnte. „Aber das hättest du uns doch vorher sagen können!“
„Ich hätte es euch ja noch gesagt … aber ich hatte irgendwie im Kopf, dass Jenna erst nächste Woche kommt. Ich dachte du kommst erst kurz bevor die Schule wieder anfängt.“
„Es ist kurz bevor die Schule anfängt“, sagte ich genervt und rollte mit den Augen.
Verlegen kratzte Sam sich am Kopf und sah mich entschuldigend an.
„Das ist ja mal wieder typisch Sam“, hörte ich eine Frauenstimme. Kurz darauf sah ich auch schon eine junge Frau an Sam vorbeitreten. Sie war sehr hübsch, auch wenn sie zwei Narben im Gesicht hatte. Ob das wohl Sams Freundin war?
„Jetzt komm doch erstmal rein, Jenna, du bist bestimmt müde. Dein Zimmer ist jetzt leider noch nicht vorbereitet, aber dann musst du vielleicht heute erstmal auf der Gästecouch schlafen und morgen kümmern wir uns um alles Wichtige. Jake, danke, dass du sie hergebracht hast, aber ich denke, wir kommen ab hier alleine klar. Ich bin übrigens Emily, Sams Verlobte.“
Freundlich lächelte sie mich an und zog mich ein eine herzliche Umarmung. Es gefiel mir zwar, wie sie Sam und Jake im Griff zu haben schien, doch dieser ganze Körperkontakt war mir jetzt doch etwas viel. Entschuldigend sah Sam mich an.
„Tut mir leid, ich habe im Moment relativ viel um die Ohren, aber ich hätte dich trotzdem nicht vergessen dürfen.“
„Da hast du allerdings recht“, entgegnete ich spitz, beschloss aber dann direkt, es für heute erstmal gut sein zu lassen. „Aber ist schon ok, wir besprechen den Rest einfach morgen. Ich würde jetzt gerne schlafen, ich bin schließlich gestern und heute den ganzen Tag Auto gefahren.“
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