Wenn Sternschnuppen kreuzend über den Himmel ziehen

OneshotFantasy / P12
Arthur Pendragon Merlin
15.04.2019
15.04.2019
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Hunderte von Sternschnuppen zogen über den Himmel. Erhellten die Nacht mit ihrem Schein. Gekreuzt waren sie im ganzen Land zu sehen. So auch für die Magierin im Exil.
Mit einem zuversichtlichen Lächeln stand sie auf einer balancierten Felsformation und sah in den leuchtenden Nachthimmel auf. Ihr schwarzes Haar glänzte silbern im Licht der Sterne.
"Nach all den Jahren.. Endlich sehen wir uns wieder, mein Herz..", sprach sie mit sanfter Stimme. "Ich finde dich. Versprochen."
Eine Weile beobachtete sie noch dieses ungewöhnliche Naturschauspiel, bis es langsam vorüber ging. Sie musste mit dem jungen König sprechen. Es war an der Zeit, zu dem Ort zurückzukehren, von dem sie vor zehn Jahren vertrieben wurde. Und dafür...brauchte es eine Strategie.

In der Ratskammer herrschte gemischte Stimmung. Nach all der Zeit gab es noch immer Skeptiker unter den Menschen am Hof, die ihr nicht ganz trauten. Jemand, dem man im gesamten Land nachsagte, er habe versucht, ein Königreich zu stürzen und dazu noch eine Frau mit der absoluten Loyalität des Königs. Da gab es einige Bedenken. Besonders unter den älteren Herren des Rates. Jetzt, da es gerade um dieses Verbrechen ging, gab es dementsprechend Einwände. Auch wenn man die Magierin allgemein respektierte.
"Ihr seid also der Meinung, wir sollen einem Orden von Verbrechern helfen, sich wieder zu vereinen, Majestät?", warf einer der Schriftmeister ein und sah etwas ungläubig auf den Jungen am Kopf des Tisches.
Nichts trübte die Entschlossenheit in den violetten Augen seines Gegenübers.
"Lady Merlin ist keine Verbrecherin und das werden wir mit dieser Mission endgültig beweisen.", beharrte er, ehe ein anderer Kritiker das Wort erhob.
"Mylord, Seid ihr sicher, dass eure Loyalität dieser Frau gegenüber nicht ihr Mittel zum Zweck ist? Vielleicht nutzt sie euer Vertrauen, um sich dieses Königreich zu eigen zu machen, weil ihr das andere entgangen ist.", sprach der Sitznachbar des Schriftmeisters seine Bedenken aus. "Sie hat euch zu uns gebracht, um König zu sein. Euch als Kind darauf vorbereitet, das zu tun. Keinem von uns ist entgangen, dass ihr sie wie eine Mutter behandelt."
"Das ist sie auch. Ohne sie, wäre ich heute nicht hier. Aber wie ich zu ihr stehe, tut in dieser Mission und meiner Loyalität dem Volk gegenüber nichts zur Sache. Ich würde mein Leben jederzeit in ihre Hände geben, wenn es sein müsste."
In diesem Moment öffnete sich die Tür der Ratskammer und besagte Magierin trat hinzu. In ihren goldenen Augen schimmerte noch immer die Hoffnung. Das ließ den jungen König von Herzen lächeln.
"Verzeiht die Verspätung, die Herren. Ich habe die derzeitige Lage in Liones ausgekundschaftet, dass wir besser planen können."
Wie immer trat sie den Ratsmitgliedern und ihren teilweise unsicheren Blicken mit völliger Souveränität gegenüber, als sie sich an die Seite ihres Schützlings setzte.
"Merlin Sensei! Dann sind wir ja jetzt komplett. Gibt es noch Einwände?"
Forschend glitt der Blick des Goldschopfs durch die versammelten Reihen, doch alles blieb stumm. So nickte er zufrieden. Sie würden es schon noch merken, dass das damals alles eine Falle war.
"Gut. Fangen wir also mit dem Plan an. Wie sieht die Lage aus?"
Sie hatten ihn bereits unter vier Augen grob besprochen. Ihre Freude zurückzuhalten, war ihr sichtlich schwergefallen. Vor ihm konnte sie wenig verbergen. Wusste Arthur doch zu gut um ihre Gefühle für ihren Kameraden und Lehrer. So oft hatte sie ihm gesagt, wie sehr sie den zierlichen Sünder vermisste. Tränen vergossen, die er mit seinem Lächeln wieder trocknete, bevor er überhaupt wusste, warum sie weinte.
Ein magisches Hologramm erschien über dem länglichen Tisch. Es zeigte die Stadt und das Schloss von Liones. Darüber waren Bilder von zwei Männern, sowie einer jungen Frau zu sehen.
"Die Königsfamilie war lange Zeit nicht mehr zu sehen. Es heißt, dass König Bartra krank im Bett liegt und die Prinzessinnen, Veronica und Margaret, zu ihrem eigenen Schutz weggesperrt wurden. Die völlige Kontrolle über das Königreich liegt nun in den Händen der neuen Großmeister. Sir Hendrickson und Sir Dreyfuss."
Die Blicke der Ratsmitglieder lagen auf den Hologrammen. Gerüchte waren zu ihnen in den Süden gekommen, doch dass sie tatsächlich stimmten, wagte bisher niemand recht zu glauben.
"Unterstützt werden die beiden von Lady Vivian. Der Hofmagierin von Liones. Ihre Fähigkeiten sollten nicht unterschätzt werden. Sie war damals meine eigene Schülerin.", erklärte Merlin weiter.
Arthur war überrascht. Davon hatte sie ihm bisher nie erzählt. Umso sehr freute er sich darauf, eine ehemalige Schülerin seiner Lehrmeisterin kennenzulernen. Selbst wenn sie wahrscheinlich miteinander kämpfen mussten.
"Nicht zu vergessen, dass du und die anderen Sins noch immer gesucht werdet. Wir können also nicht einfach durch die Vordertür spazieren. Nicht wahr?", fragte der junge König nach, doch die Magierin schmunzelte.
"Oh doch. genau das tun wir. Das hatten wir doch besprochen. Ein Ablenkungsmanöver, dass die anderen leichter in die Stadt kommen."
"Waas? Aber von Vordertür war gar nicht die Rede."
Ein Räuspern kam von der linken Seite des Tisches, wo ein in Rüstung gekleideter Mann nachdenklich zu den beiden sah.
"Wenn ich kurz unterbrechen dürfte.. Wie viele von unseren Männern werden euch begleiten, Mylord?", fragte der Ritter interessiert nach.
Arthur nickte und grinste dann.
"Gar keine. Es werden nur Merlin und ich auf die Reise nach Liones gehen. Stellt nur sicher, dass eine Gruppe zur Mittagsstunde auf dem Platz bereit steht."
Geschockte Gesichter sahen nun zu den beiden. Sie sollten ihren König ohne Eskorte in ein fremdes Königreich gehen lassen?
"Sire! Das kann unmöglich euer Ernst sein!", wandte der Ritter ein. "Ihr wollt allein in ein fremdes Königreich reisen, ohne überhaupt zu wissen, was euch erwartet?"
Die jung scheinende Magierin seufzte nur.
"Sir Lion.. Ich werde doch gar nicht allein sein. Merlin kommt mit.", erklärte der Goldschopf fröhlich, als wäre es ein Wochenendausflug in die Berge. "Undercover natürlich. König Bartra hat mir damals das Leben gerettet. Nun möchte ich ihm ebenfalls helfen."
"Das kann ich ja gut verstehen, aber.."
Etwas unsicher sah Lion kurz zu Merlin, die erneut seufzte.
Nur Geduld.. Es war immerhin ein schweres Verbrechen, das man ihnen anlastete. Dennoch ergriff sie nun das Wort.
"Ich versichere euch, dass ich den Jungen wohlbehalten zurückbringe. Ihr habt mein Wort."
Immerhin hatte sie die ganzen letzten zehn Jahre gut auf ihn aufgepasst und unfähig war er auch nicht durch ihr Training. Nur an reeller Kampferfahrung fehlte es ihm. Trotzdem war sie vollkommen davon überzeugt, dass er mittlerweile gut auf sich selbst aufpassen konnte. Zumindest eine Weile.
Darauf hatte der Ritter kein brauchbares Gegenargument. So nickte er nur und sah wieder in die Runde.
"Gut. Ich werde mit Hilfe eines Illusionszaubers ein Ablenkungsmanöver Starten.", fuhr Merlin fort und ließ eine Armee vor dem Stadttor Liones' erscheinen. "So erregen wir die Aufmerksamkeit der Ritter und ermöglichen meinen Kameraden freiere Bahn zum Schloss, um die Königsfamilie herauszuholen. Arthur. Du wirst demjenigen, der uns öffnet, sagen, dass wir gekommen sind, um dem König medizinische Hilfe zukommen zu lassen."
Der Junge nickte eifrig.
"Wird gemacht. Ich habe vollstes Vertrauen in deine Fähigkeiten."
Sie schenkte ihrem Kind der Hoffnung ein warmes mütterliches Lächeln.
"Wenn alle mit dem Plan einverstanden sind, erkläre ich die Ratsversammlung für beendet. Gibt es Einwände?", fragte der junge König und sah noch einmal in die Runde.
Zustimmendes Nicken war das einzige, das als Antwort kam. Das stimmte ihn zufrieden.
"Dann ist alles geklärt. Wir werden morgen abreisen. Stellt sicher, dass alles für die eventuelle Behandlung vorbereitet ist."
Damit beendete Arthur die Versammlung und ließ sich nach einer allgemeinen Verbeugung erleichtert zurück in den Stuhl sinken.
"Oh mann... Muss das denn immer so sein? Die behandeln mich ja, als könnte ich kein ordentliches Schwert halten..", meckerte er unzufrieden. "Und dich an meiner Seite zu haben sorgt auch nur für Unbehagen. Nur weil du kein Mann bist.."
Seine Ziehmutter ließ ein helles melodisches Lachen hören.
"Das wird schon werden. Du bist schließlich erst seit kurzem König. Sie kennen deine Fähigkeiten noch nicht, kleiner Drache. Und ich bin immer noch eine gesuchte Schwerverbrecherin."
"Hmm das mag ja sein. Aber ohne dich hätten sie gar keinen König hier sitzen. Denkst du wirklich, dass ich das schon kann?"
Da der Saal leer war, streichelte Merlin dem Jungen sanft über das Haar.
"Ich denke es nicht nur, ich weiß, dass du ein toller König sein wirst.", sprach sie sanft.
Er war ihr wie ein Sohn. Nie würde sie zulassen, dass ihm etwas geschah.
"Jetzt sollten wir aber schlafen gehen. Das wird morgen ein langer und aufregender Tag."
Ein Gähnen kam als Antwort von Arthurs Seite und er streckte sich kurz.
"Jaa.. da hast du wohl recht. Schlaf gut..Mutter.", grinste er und drückte sie noch einmal kurz, ehe er in Richtung seiner Gemächer verschwand.
Merlin sah ihm warmen Blickes hinterher und ging dann ebenfalls zu ihrem Turm hinauf. Morgen um diese Zeit wären sie wieder vereint. Alle sieben. Doch was noch wichtiger für sie war.. Ihr Herz würde dort auf sie warten.