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Bis zum Ende der Welt

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Faith Seed Jacob Seed John Seed Joseph Seed OC (Own Character) Rookie / Junior Deputy
14.04.2019
24.03.2020
14
46.718
15
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14.04.2019 1.412
 
Prolog

Wenn dich dein Bruder […], der dir so lieb ist wie dein Leben, heimlich überreden würde und sagen:
Lass uns hingehen und andern Göttern dienen, so willige nicht ein.
5. Mose 13,7-9



Der Junior Deputy wurde erst auf das wiederkehrende Funksignal aufmerksam, nachdem er von Mary May Fairgrave im Spread Eagle darauf angesprochen wurde. Sie feierten einen kleinen Sieg für die Resistance, welcher durch Damian, den Junior Deputy, erzielt wurde. Das Machtspielchen zwischen den Seeds und der Resistance war seit einigen Wochen nur noch ein schwaches hin und her. Keiner verlor großartig an Land und somit bewegten sich beide Parteien auf dem Fleck. Niemand wollte nachgeben und doch starben viele Menschen beider Seiten. Daher wurde Damian für das Einnehmen eines Außenposten gefeiert, wie der Held, der er für die Resistance auch war.

„Hast du schon von dem Funksignal gehört?“, hatte Mary May gefragt, während sie ihm ein Bier einschenkte. Seit Wochen war diese Nachricht wohl immer wieder auf der gleichen Frequenz ausgestrahlt worden, ähnlicher Wortlaut aber nie gleich. „Diese Frau, die immer wieder nach dir fragt, als würde sie dich kennen. Es hört sich dringend an.“ Es wurde nach ihm gefragt, sein Name genutzt, welchen er kaum jemanden in Hope Country verraten hatte. Daher lief im Hintergrund das Radio auf der speziellen Frequenz, das leise Rauschen des unbenutzten Senders, war durch die heitere Stimmung in der Bar kaum zu hören.

„Hallo Hope Country“, die ersten Worte gingen im Lärm der Bar unter, doch es war Mary, welche die sanfte Stimme als erstes hörte und Ruhe in den Raum brachte. Gespannt lauschte die Resistance. „Hallo Damian oder Rook, Deputy oder wie auch immer sie alle dich hier nennen. Weißt du noch, wer ich bin? Immerhin hast du dich eine ganze Zeit nicht mehr bei mir gemeldet.“ Damians Adamsapfel sprang einmal auf und ab, als er stark schluckte. Alle Augen im Raum waren auf ihn gerichtet, er jedoch starrte stur auf den Tresen vor ihm, musterte die Maserung im Holz. Was machte sie hier?

„Keine Sorge D, ich bin dir nicht böse ich habe bereits gehört, du hattest gut zu tun in Hope Country. Komischer Name eigentlich, allerdings gibt es dringlicheres zu besprechen. Wir müssen uns sehen. Ich hoffe, dass du mich zumindest heute hörst. Ich sende immer auf dieser Frequenz. Ich würde mich freuen deine Stimme zu hören, bevor mich irgendwer noch versehentlich erschießt.“ Ein leises Lachen, dann ein Seufzen – als hätte sie einen Witz machen wollen und dann Realisiert, dass es gar nicht so unwahrscheinlich war. „Bitte melde dich bei mir D, ich brauche dich.“ Dann Rauschen. Damian fühlte die Blicke in seinem Rücken, die Luft war so dick, man konnte sie förmlich schneiden.

Adelaide war die Erste, die das Wort erhob: „Huh, Fuck Dep. Du heißt Damian? Woher weiß die Kleine das denn? Eine Verflossene? Hätte dich nicht für so einen gehalten.“ Sie lachte, aber Damian war gar nicht zum Lachen zu mute. Er Schulterte sein Gewehr und stand auf, drehte sich mit ernstem Blick zu der Pilotin und antwortete angebunden: „Meine Schwester.“



Iris ließ den Knopf des Funkgerätes los und unterbrach somit das Signal. Seufzend ließ sie sich in ihrem Stuhl zurücksinken. In der Ferne das Rattern von Maschinengewehren und die lauten Explosionen von Bomben. Sie war erst einige Tage, vielleicht Wochen hier und trotzdem kam es ihr vor wie Monate. Sie musste ihren Bruder sprechen, es war dringend. Seitdem er vor Monaten zu diesem Auftrag aufgebrochen war, hatte sie ihn nicht mehr gesehen, aber in der Zwischenzeit war viel passiert und die Zeit rannte ihr davon. Was in Hope Country vor sich ging, war nicht viel schlimmer, wie das, was im Rest der Staaten passierte.

Zu sagen, dass die Exekutive die Kontrolle verloren hatte, war eine Untertreibung. In den Straßen herrschten bürgerkriegsartige Zustände. Demonstrationen hatten sich in wutgetriebene Versammlungen von Aufmüpfigen gewandelt und Iris dazu getrieben die Flucht zu ergreifen. Bomben waren gefallen, zwar außerhalb der Staaten, aber es war passiert. Die Zukunft war unsicher, aber eins wusste sie – der Krieg war unvermeidlich und doch kämpften in Hope Country zwei Seiten weiterhin gegeneinander, ohne zu wissen, was in den Ländern um sie herum eigentlich passierte. Sie wollte doch nur ihren Bruder hohlen und einen Ausweg suchen, war jedoch von einem Krieg in den nächsten geschliddert.

Weiterhin saß sie im alten Klappstuhl, den Blick an die Decke gerichtet. Sie hatte ein kleines, verlassenes Häuschen im Wald bezogen – möglichst weit weg von den gewaltsamen Auseinandersetzungen der zwei Streitparteien. Jeden Tag sendete sie zwei Mal ihre Botschaft, gleiche Frequenz, gleiche Zeit. Irgendwann würde ihr Bruder sie schon hören, aber bis lang hatte er sich noch nicht gemeldet. Er lebt, das wusste sie. Damian war schon immer ein Sturkopf, Überlebenskünstler gewesen. Seine Wut hatte ihn noch immer in Schwierigkeiten gebracht. Doch nun war sie in Schwierigkeiten, sie konnte nicht mit Waffen umgehen, hatte keine Ahnung, wie man in der Wildnis überlebt und noch weniger, worum dieser Krieg überhaupt ging.

Damian hatte seine Arbeit und somit die Verschwiegenheitserklärung immer sehr ernst genommen – sie wusste nichts über seinen Fall, warum er so lange weg war und wen er überhaupt festnehmen wollte. Hope Country, das hatte er ihr gesagt. „Ich gehe nach Hope Country, Montana. Sollte nicht lange dauern. Ein paar Tage vielleicht.“ Aus ein paar Tagen wurden Monate, aber als sie sich bei der Polizei meldete, bekam sie keine Hilfe. Die Staaten hatten zu dem Zeitpunkt schon zu viele Probleme mit den bürgerkriegsartigen Zuständen in den Hauptstädten. Also nahm sie die Suche in ihre eigenen Hände.

Der Stuhl knarrte gefährlich, als Iris sich erhob und die Hütte durchquerte. Sie durchwühlte ihren Rucksack und suchte sich eine Dose Bohnen heraus, nahm ihr letztes Streichholz aus einer kleinen Schachtel und zündete einen fast leeren Camping-Gasbrenner an. Mit ihrem Taschenmesser öffnete sie die Dose, stellte sie dann auf die kleine Flamme. Ihr Magen knurrte bereits den ganzen Tag aber da sie keine Ahnung hatte, wann sie das nächste Mal etwas zu Essen finden würde, hielt sie sich mit ihren Rationen zurück. Während ihr Abendessen kochte, öffnete sie die Tür und machte ein paar Schritte vor die Hütte. Die Schüsse in der Ferne hallten durch den Wald und trotz der Entfernung, machten sie einen ohrenbetäubenden Lärm.

Wenn sie doch nur wüsste wie sie sich zu verteidigen hätte, dann wäre sie nicht so verdammt verängstigt und würde möglicherweise direkt nach ihrem Bruder suchen, anstatt sich in dieser verrottenden Hütte zu barrikadieren. Nervös begann sie an ihren Fingernägeln zu knabbern und hörte erst auf, als sie etwas Blut schmeckte. Der Kupferne Geschmack ließ sie auf ihre Finger schauen und aufseufzen. Ihre nervösen Ticks nahmen mit jedem Tag zu. In Gedanken verloren lief sie ein paar Schritte durch das trockene Laub vor der Hütte. Das Rascheln beruhigte sie und für ein paar Minuten sank sie noch tiefer in Gedanken, hörte das gefährliche Hissen nicht. Dann war es zu spät.

Ein stechender Schmerz entbrannte in ihrem Bein und stöhnend stolperte sie ein paar Schritte zurück. Ihr Blick viel auf die schmerzende Stelle und auf die Schlange, die ihre langen Zähne in Iris‘ Fleisch gerammt hatten. Schwindel überkam sie, Übelkeit durch den Schmerz. Fluchend rutschte sie zurück, doch die Schlange ließ nicht locker. „Bitte keine Giftschlange.“ Immer wieder wiederholte Iris diesen Satz leise, murmelte es wie ein Mantra, während sie weiter in die Hütte rutschte. Sie suchte ihr Taschenmesser, während Tränen ihre Sicht verhangen. Als sie die Klinge in der Hand hielt, zögerte sie nur kurz, rammte dann jedoch das Messer in den Körper der Schlange. Die Zähne steckten noch immer in ihrem Bein, aber nun konnte sie den Kopf der Schlange ohne Probleme abziehen. Der Schmerz jedoch blieb.

Keuchend zog sie sich am Tisch auf, winkelte ihr Bein etwas an, um nicht auftreten zu müssen – doch der Schwindel wurde stärker. „Kein Gift, bitte nicht.“ Schweiß stand ihr auf der Stirn, aber woher sollte sie nun wissen, was ihr bevorstand? Zittern hielt sie sich an der Tischplatte fest, das Schwindelgefühl nahm nur noch zu. Das Risiko konnte sie nicht eingehen. Mit unfokussiertem Blick griff sie nach dem Radio und machte ausnahmsweise eine dritte Übertragung für den Tag. Egal ob es jemand anderes hörte als ihr Bruder, sie brauchte Hilfe. „Damian, Dep, großer Bruder?“, ihre Stimme schwach, unkonzentriert, „Ich habe ein Problem. Giftschlangen und so.“ Leise keuchte sie in das Radio. „Bitte, hör das hier. Ich brauche deine Hilfe.“ Das Schwindelgefühl wurde stärker und mit den letzten Minuten bei Bewusstsein beschrieb sie den Weg zu der kleinen Hütte im Wald.
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