Traumwelten

GeschichteSci-Fi / P16
Neo Persephone
14.04.2019
19.04.2019
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14.04.2019 1.955
 
~10 Pairings mal anders~


***Traumwelten***

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Vorwort der Autorin:

Die folgende Fanfiktion-Sammlung basiert auf dem Projekt "10 Pairings mal anders" von Pika-Rema. Hierbei ging es darum, zwei durchnummerierte Listen mit 10 weiblichen und 10 männlichen Charakteren aus einem Fandome zu erstellen, sie dann nach einer bestimmten Vorgabe miteinander zu "verkuppeln" und daraus dann jeweils eine Fanfiktion zu schreiben.

Aus dem Fandome "Matrix", das ich für das Projekt wählte, ergaben sich daraus folgende Personen-Konstellationen:

1.       1 und 5      Persephone und Neo
2.       2 und 7      Sati und der Architekt
3.       3 und 10   Trinity und der Trainman
4.       4 und 9      Zee und Agent Smith
5.       5 und 2      Niobe und der Merowinger
6.       6 und 6      Lacklady aus Club Hel und Morpheus
7.       7 und 1      Orakel und die Zwillinge
8.       8 und 4      Kuchenlady und Seraph
9.       9 und 8      Kellnerin und Schlüsselmacher
10.    10 und 3    Kemala und Rama

Des Weiteren möchte ich hinzufügen, dass sich aufgrund der "Personen-Konstellationen" und der Tatsache, dass es sich bei der Matrix um keine reale Welt handelt, möglicherweise nicht immer ein Prosatext aus der Arbeit an diesem Projekt ergibt. Der Titel "Traumwelten" soll darauf hinweisen, dass die Grenze zwischen Traum/Realität/Scheinwelt manchmal auch fließend sein könnte. Da ich für jedes Pairing einen eigenen Text schreiben werde und mich noch im Schaffensprozess befinde, weiß ich selbst nicht genau, was daraus wird.

Nun wünsche ich euch viel Vergnügen beim Lesen.

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Pairing Eins: Persephone und Neo  

"Entscheidung ist eine Illusion"

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Was für ein Kuss!

Persephone lehnte sich entspannt in das rote Samtsofa ihrer luxuriösen Kemenate zurück und lächelte immer noch bei dem Gedanken an den erpressten Kuss des neuesten "Auserwählten", der sie an den ersten Kuss ihres jetzigen Gatten erinnerte. Wenn diese eifersüchtige Freundin von Neo nicht gewesen wäre, hätte sie den Auserwählten dieser Epoche gewiss für sich gewinnen und in ihr Schlafzimmer locken können, während ihr Ehegespons mit dem blonden Dummchen in der Damentoilette beschäftigt war.

Diese Trinity war überaus naiv, worüber sich man bei einem Menschenwesen jedoch nicht wundern sollte. Schließlich ahnte die verliebte Frau nicht im Geringsten, dass es sich bei Neo keineswegs um einen echten Menschen, sondern um einen Mensch-Maschine-Hybriden handelte, der eigens für die Aufgabe des "Auserwählten" programmiert worden war und nach Beendigung seiner Mission eine neue Rolle innerhalb der Matrix bekam, so wie es ihrem Mann ergangen war. Childerich Merovech war der erste Hybrid dieser Art gewesen und bekam nach dem Ende der ersten Zion-Mission demgemäß auch den Rang, der ihm nicht nur von Geburt an, sondern auch in der Hierarchie der Programme zustand - er war der Herrscher der Exilanten (überaus passend, wenn man bedachte, dass seine DNA von einem Nachkommen des letzten Merowinger-Königs stammte, der durch Verrat seines Standes verlustig ging und ins Exil verbannt worden war). Einst hatte er sie verehrt, geliebt, umworben und schließlich zur Frau gewonnen, doch das war lange her und Childerich schien in all den Jahrhunderten seiner Existenz die Liebe zu ihr abhanden gekommen zu sein.

Traurig, aber genau wie er wusste sie sich zu trösten und hatte sich später den einen oder anderen der "Auserwählten" zum Geliebten genommen. Wenn sie nur einen Weg wüsste, um diese Trinity von Neo abzulenken, dann könnte sie den neuen Retter von Zion gewiss für eine Weile als Bettgespielen gewinnen... obwohl ihr Mann getobt hatte, als sie den Hybriden und seine beiden menschlichen Freunde zu dem Schlüsselmacher geführt und es zugelassen hatte, dass die drei ihn aus seinem Gefängnis befreiten. Ach, Childerich würde sich nie daran gewöhnen, dass dies nun einmal der Ablauf war, um den "Auserwählten" zum Architekten zu führen... er hatte ganz vergessen, wie sie ihn einst dorthin geleitet hatte so wie sie dies nun mit Neo tat. Schließlich hatte sie als Ratgeberin des Architekten und damit auch der Quelle dieses Spiel ersonnen, um dem Freiheitsdrang der rebellischen Menschen Genüge zu tun und damit die Existenz der Matrix aufrecht zu erhalten. Da war doch nichts dabei, wenn man die Begegnung mit dem jeweiligen Auserwählten einer Epoche mit ein bisschen Spaß verband... bis jetzt allerdings hatte sie nur einen Kuss von Neo empfangen... aber er war überaus zärtlich gewesen, so wie einst der Kuss ihres geliebten Childerich...

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Schweißgebadet erwachte Neo in seiner Kabine und brauchte einen Moment, um zu realisieren, dass er sich an Bord der Nebukadnezar befand. Er setzte sich auf und vergrub sein Gesicht in den Händen. Warum um alles in der Welt hatte er von der Frau des Merowingers geträumt? Und warum hatte es ihn dermaßen erregt, dass er sich nach mehr sehnte? Er liebte doch Trinity und wollte keine andere. Sie machte ihn glücklich, sie hielt in jeder Lebenslage zu ihm und er konnte sich ein Leben ohne seine Liebste nicht mehr vorstellen... und dennoch... die Frau des Merowingers war sehr schön und ihre Lippen so weich. Wie sehr hatte er es genossen, sie zu küssen, nachdem er sich endlich wirklich darauf einließ. War Persephone tatsächlich ein Programm? Sie war so menschlich gewesen, ihr Leib weich, warm und anschmiegsam. Konnte es sein, dass sie am Ende eine menschliche Frau war, die der Merowinger entführt und sich gefügig gemacht hatte bis er ihrer überdrüssig war? Schließlich hatte er selbst gesehen, welche Mittel der Franzose einsetzte, um eine junge, nichtsahnende Frau in einen Rausch zu versetzen, damit er sie später umso besser verführen konnte. Wenn also Persephone tatsächlich ein menschliches Wesen war, durfte man sie da einfach in den Händen des Merowingers lassen? Am Ende war die Bitte um einen Kuss nichts anderes als ein Hilferuf nach Rettung? Und der Franzose? Er hatte seine angebliche Ehefrau kaum beachtet, doch die vielen Leibwächter waren gewiss nicht nur für den Merowinger da, sondern sicherlich auch, um eine Flucht der schönen Persephone zu verhindern. Er musste sie retten... er musste einfach...

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Persephone lachte innerlich, als sie die Gedanken von Neo auffing. Er hatte von ihr geträumt und es hatte ihn nicht kalt gelassen. Er erinnerte sich daran, wie ihr Leib sich an seinen geschmiegt hatte, während sie beide sich küssten. Daraus hatte Neo allerdings den irrwitzigen Schluss gezogen, dass sie ein Mensch war, den er retten musste. Es war wirklich rührend, wie gut die Programmierung des Auserwählten funktionierte, aber leider war nicht mehr genügend Zeit, sich mit ihm zu treffen und ein bisschen Vergnügen zu haben. Die Zeit lief davon und es galt, die Matrix aufrecht zu erhalten. Persephone erhob sich und machte sich auf den Weg in das Arbeitszimmer ihres Mannes. Dort stand der Computer, mit dem Childerich oder sie mit dem Architekten zu kommunizieren pflegten; und nun informierte sie den Architekten darüber, dass der Auserwählte begonnen hatte, Gefühle für sie zu entwickeln und in dem vermeintlichen Irrglauben, sie sei ein Mensch, daran dachte, sie aus den Fängen Childerichs zu befreien. Nachdem Persephone diesen notwendigen Schritt erledigt hatte, seufzte sie laut. Es war manchmal gar nicht angenehm, das intuitive Programm der Matrix zu sein...

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Die Frau des Merowingers ging ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf, obwohl Neo wusste, dass die Rettung Zions, der einzig verbliebenen Stadt, in der Menschen noch frei und außerhalb der Kontrolle der Matrix lebten, Vorrang hatte. Aber der Gedanke daran, Persephone einfach im Stich zu lassen, quälte ihn zusehens. Gab es denn keine Möglichkeit, sowohl Zion als auch Persephone zu retten? Immerhin hatte sie ihnen geholfen und sich ihrem Mann in den Weg gestellt, als sie mit dem Schlüsselmacher gerade das Schloss des Merowingers verlassen wollten. Gewiss verließ sie sich darauf, dass er sie aus den Fängen ihres angeblichen Ehemannes befreite...

Plötzlich fuhr ein starker Schmerz durch Neos Kopf und er griff mit beiden Händen an seine Schläfen. Er hatte das Gefühl, sein Schädel platze gleich und einen Moment später überkam ihn plötzliche Übelkeit. Seine Knie begannen zu zittern und innerhalb von Sekunden umfing ihn Dunkelheit... der Boden unter seinen Füßen gab nach und er fiel und fiel...  

>>Sie ist verloren!<<  dröhnte es in seinem Schädel. >>Vergiss Persephone!<<  

>>Ich kann nicht!<< dachte Neo.  >>Ich liebe sie... ich liebe sie...<<  

>>Willst du wegen ihr deine Mission verraten?<<

>>Nein! Aber auch sie werde ich befreien!<<

>>Entscheide dich! Persephone oder Zion? Du kannst nur eine Mission erfüllen!<<

Neo schwieg, dann gab er in Gedanken zurück: >>Das ist nicht fair! Warum kann ich nicht Persephone und Zion befreien?!<<

>>Du hast nicht mehr viel Zeit, um Zion zu retten. Willst du wirklich wegen deiner Liebe zu einer Frau, die zudem noch einem anderen gehört, das Ende der Menschheit in Kauf nehmen? Dir sollte klar sein, dass du keine Wahl hast, denn dann wäre auch Persephone verloren!<<

>>NEIN!<<  schrie Neo auf - und plötzlich erwachte er erneut schweißgebadet, fand sich auf dem kalten Boden seiner Kabine wieder und erkannte, dass ihm tatsächlich keine Wahl blieb. Keine Zeit, um Persephone zu retten - er musste Zion retten, um ihr überhaupt eine Chance auf das Überleben zu geben...

Die Tür seiner Kabine ging auf und Trinity schaute mit besorgter Miene herein. Als sie Neo auf dem Boden liegend erblickte, eilte sie besorgt zu ihm, kniete sich neben ihm hin und half ihm dabei, sich aufzusetzen.

"Was ist passiert?", fragte sie.

Neo betrachtete sie einen Moment lang schweigend. Dann schüttelte er den Kopf und murmelte: "Ich habe schlecht geträumt und muss dabei aus dem Bett gefallen sein. Alles halb so schlimm."

Mit Trinitys Hilfe stand er auf und setzte sich dann auf den Rand seines Bettes.

"Kann ich dir irgendwas bringen?", erkundigte sich Trinity, die ihn immer noch voller Sorge betrachtete.

"Nein, ich muss mich nur noch eine Weile ausruhen", gab er zurück. "Lass mich ruhig allein."

Seine Geliebte sah so aus, als ob sie seiner Bitte nur widerwillig nachkommen würde, gab aber nach, küsste ihn zärtlich auf den Mund und strich ihm über den Kopf.

"Neo, wenn du etwas brauchst, dann..."

"Nein, danke, lass mich nun allein", wehrte er ab und schenkte ihn ein Lächeln, das seine Augen nicht erreichte. Als sie seine Kabine verlassen und die Tür hinter sich zugezogen hatte, atmete er auf. Trinitys Gegenwart war ihm äußerst unangenehm gewesen, was er sich überhaupt nicht erklären konnte. Aber seine Gefühle für sie waren wie weggeblasen. Stattdessen sehnte er sich nach der Frau des Merowingers, die er für Zion im Stich lassen musste.

>>Hoffentlich kannst du mir vergeben, Persephone<< dachte er wehmütig und plötzlich vermeinte er, in seinem Inneren ihre Antwort zu hören.

>>Aber ja, Neo. Mir ist es sehr wichtig, dass du deine Mission für Zion erfüllst. Darauf bin ich sehr stolz. Ein Mann muss immer seine Pflicht tun. Mir wird nichts passieren - und wenn alles überstanden ist, werde ich auf dich warten. Bis dahin wünsche ich dir viel Erfolg!<<

Ein Gefühl vollkommenen Glücks lief durch Neos Körper und in dem Wissen, dass er das Richtige tat und dafür den Segen der schönsten Frau erhielt, die er jemals gesehen hatte, war er fest entschlossen, Zion zu befreien und danach zu Persephone zurückzukehren...