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Ein letztes Lächeln

von KiraCat
OneshotSchmerz/Trost / P12 / Gen
Azura Laslow
13.04.2019
13.04.2019
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Hallo :D
So, endlich kommt mal wieder Fire Emblem! Ich hab's furchtbar vermisst, etwas dazu zu schreiben. Und seitdem ich Herrschaft spiele und Azura und Laslow verkuppelt habe, muss ich immerzu an die zwei denken. War nur eine Frage der Zeit, bis mir zu ihnen was einfällt. Ich liebe das Pairing einfach. Sie singt, er tanzt dazu - passt perfekt. Aber genug der Vorrede, die interessiert ja keinen, viel Spaß beim Lesen! ^^

(Ich fand die alte Kurzbeschreibung übrigens so schrecklich, dass ich mich doch an einer neuen probiert habe. Ich halte sie nun für besser. Hier noch einmal die alte, sollte es jemanden interessieren:
[Laslow x Azura] Die Zeit ist wie ein Fluss. Erbarmungslos reißen ihre Fluten unsere Leben mit sich. Wir können den Strom vielleicht ein wenig umlenken, aber nicht gänzlich umkehren. Voran und voran, weiter und weiter fließen unsere Leben dahin, manche schneller, manche langsamer. Und wenn dieser Fluss schließlich ins ewige Meer, ins Reich der Verstorbenen mündet, bist du dann bereit? Bereit, um im Angesicht des Todes zu lächeln?)

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„Versteh es doch, Azura! Dieses Lied bringt dir nur Leid. Ich... Ich verbiete es dir, es noch einmal zu singen.“ Stumm schaute die Skaldin Laslow an, die Lippen fest aufeinander gepresst. Oh, wie er es hasste, seine Frau so verzweifelt zu sehen. Wie er es hasste, in solch einem harschen Tonfall mit ihr zu sprechen. „Das ist unmöglich, Laslow, das weißt du. Wir sind so kurz vor unserem Ziel, auf das wir so lange hingearbeitet haben. Wir sind so kurz davor, Garon zu stürzen und den Krieg zu beenden... Versagen ist jetzt keine Option mehr. Wenn Corrin mein Lied braucht, um den finalen Kampf zu gewinnen, dann werde ich es singen. Auch, wenn es bedeutet, meinen letzten Atemzug mit diesem Lied auszuhauchen.“ Das Herz des Söldners zog sich krampfhaft zusammen. Wie er es hasste, diese Worte aus dem Mund seiner Frau zu hören, als hätte sie schon mit ihrem Leben abgeschlossen. Mit beiden Händen fuhr er der Skaldin über das seidige, blaue Haar, umfasste das zierliche Gesicht und strich mit dem Daumen über ihre Wange, ganz vorsichtig, als wäre sie eine gläserne Skulptur. „Meine liebe Azura... Ich will dich doch einfach nicht verlieren...“, flüsterte er kraftlos, und während er ihr in die sanften, gelben Augen blickte, spürte er, wie im etwas Nasses über das Gesicht lief. Es rollte bis zu seinen Mundwinkeln, seinen Lippen und hinterließ einen salzigen Geschmack auf der Zunge. Bittere, salzige Tränen. Auch Azuras Augen glänzten unheilvoll. Langsam lehnte sie ihren Kopf gegen die Brust des Söldners. „Das weiß ich doch, Laslow... Das weiß ich doch.“ Am liebsten würde er seine Frau gar nicht mehr loslassen, sondern die ganze Zeit fest an sich drücken, immer in seiner Nähe wissen, damit sie bloß nicht die Möglichkeit bekam, ihn einfach zu verlassen. Aber eine dunkle Vorahnung sagte ihm, dass dieser Wunsch unerfüllbar war. „Azura, bitte versprich mir, dass du da draußen nicht stirbst. Versprich es mir!“
„Es tut mir so unfassbar leid... Doch ich kann es leider nicht.“

Die Skaldin sollte Recht behalten. Das stellte sich mitten in der letzten Schlacht heraus. Verbissen blockierte Laslow mit aller Macht den Weg zum Thron, wo Corrin und Azura gegen den wahnsinnigen Drachen kämpften. Der Söldner wusste, dass die beiden mit diesem Monster alle Hände voll zu tun hatten, weshalb sein einziges Ziel war, jeden Invasor, der zum Thron vordringen wollte, sofort zu eliminieren. Er hatte nur noch Augen für die flimmernden Gestalten um ihn herum, seine Gedanken galten allein dem Beschützen seiner Frau. So wütete er entschlossen und vehement auf seinem Posten, bis der Moment eintrat, den er die ganze Zeit gefürchtet hatte.

In der Halle wurde es totenstill, als Azuras Gesang einsetzte. Augenblicklich wurden sämtliche Kampfhandlungen eingestellt, jeder lauschte der kraftvollen Stimme, die die kalte Luft erfüllte. Laslow war wie versteinert, er konnte sich nicht rühren. Diese wunderschöne und doch so grauenvolle Melodie drang bis zu seinem Herzen und ließ es beben. Es fühlte sich irgendwie fast wie ein Abschied an... Nein, es durfte kein Abschied sein! Ein entschlossener Kampfschrei fügte sich in das Lied ein und ergänzte es scheinbar perfekt, harmonierte auf eine wundervolle Weise mit ihm, und trotzdem hörte es sich so falsch und unpassend an. Dann ein entsetzliches Brüllen. Ein dumpfes Beben ließ den Boden erzittern und der Gesang verstummte. Die Invasoren flackerten, verschmolzen immer mehr mit ihrer Umgebung, bis ihre Konturen verschwammen und und ihre Gestalten sich in Luft auflösten. Wie eine Kerze, die man ausbläst. Zitternd realisierte Laslow, dass es vorbei war. Das Lied war vorbei, der Kampf war vorbei. Er löste sich als Erster aus seiner Starre und drehte sich zum Thron, den er so hartnäckig beschützt hatte. Der riesige Drache kauerte erschlagen am Boden, das Yato ragte aus seiner Stirn. Daneben kniete Corrin und rang entkräftet nach Luft. Aber wo war Azura...? Da, sie lag etwas weiter im Hintergrund. Laslow stand am Fuße der Treppe, sodass er nur einen Teil ihrer himmelblauen Haarpracht erkennen konnte. Sofort ließ er achtlos das Schwert fallen, das klirrende Geräusch bohrte sich durch die Stille in seine Ohren, und er hastete die Stufen hinauf. Er ignorierte Corrin und stürzte regelrecht zu seiner Frau auf den Boden, wo er keuchend nach ihrer Hand griff. „Azura! Ist alles in Ordnung? Sag etwas!“ Keine Antwort. Sie war doch nicht etwa...? Nein, ausgeschlossen. Ihre Brust hob und senkte sich regelmäßig und ihre geschlossenen Lider zuckten ganz leicht. Sie lebte. Sie lebte. Der Söldner konnte sein Glück kaum fassen. Sie lebte. Jetzt würde alles gut werden. Vorsichtig schob Laslow eine Hand unter den Rücken der Skaldin, zog sie näher an sich heran und bettete ihren Kopf auf seinen Schoß. Tränen der Freude stiegen ihm in die Augen. Eine von ihnen tropfte mitten auf Azuras Gesicht, woraufhin sie zuerst die Augen zusammenkniff und dann erschöpft blinzelte. „Ugh... Laslow...?“ „Ja, ich bin's. Du bist jetzt bei mir. Wir sind zusammen. Lebendig. So, wie es sein sollte.“ „Gut... Ich bin bei dir.“ Ihre Lippen formten ein müdes Lächeln. „Ja... So wollte ich meine letzten Atemzüge auf dieser Welt verbringen. In deinen Armen.“ „Hm? Was--“

Seine Frage beantwortete sich von selbst, als er einen blau schimmernden Fleck auf der Schulter seiner Frau bemerkte, der ganz langsam an Größe gewann. Dem Söldner lief es eiskalt den Rücken herunter. „Nein“, hauchte er entsetzt und presste seine Hand auf die blaue Stelle, in der Hoffnung, eine weitere Ausbreitung verhindern zu können. Doch es half nichts, der Fleck wurde trotzdem immer größer. „Nein... Oh, ihr Götter... Das darf nicht wahr sein. Es muss doch irgendetwas geben...“ Verzweifelt sah Laslow sich um. „Elise... Wo ist Elise? Vielleicht--“ „Elise ist machtlos, der Fluch unaufhaltsam. Das ist mein Schicksal. Der Pfad, den ich wählte.“ Mittlerweile war Azura von Kopf bis Fuß mit den blauen Flecken übersät, die allmählich ihren Körper verschlangen. Die Augen der Skaldin waren kraftlos, hatten jedoch nichts von ihrem gelben Glanz eingebüßt, den der Söldner mit Schrecken als Akzeptanz deutete. „Also hast du es wirklich getan... Warum? Ist dir Corrins Ziel etwa wichtiger? Ist dir Corrin etwa wichtiger? Wichtiger als deine Familie?“, schluchzte er. Zitternd streckte Azura ihre Finger aus und tupfte die Tränen auf den Wangen ihres Mannes weg. „Nicht weinen, Laslow... Du verstehst das falsch. Ich tue das nicht für Corrin, ich tue es für dich. Für Shigure und Soleil. Damit ihr in einer schönen, sicheren Welt lebt, ohne Leid und Krieg“, erklärte sie schwach, ihre Finger wurden nun auch vom Fluch ergriffen und lösten sich langsam in funkelnde Partikel auf. „Komm, ich will dich nicht länger weinen sehen. Nicht an unserem Abschied. Lächelst du noch einmal? Schenkst du mir noch ein letztes Lächeln? Bitte...?“

Das war unmöglich. Wie könnte er lächeln, während seine Frau gerade vor seinen Augen verschwand? Aber wenn es sie glücklich machte... Er holte tief Luft. „Okay.“ Auf, du schaffst das. Du tust es bereits dein ganzes Leben, also kriegst du es auch jetzt wieder hin. Und dann lächelte er. Er lächelte und erinnerte sich an all die schönen Momente mit seiner Frau. Wie sie zusammen im Mondlicht sangen und tanzten. Wie sie zusammen Hand in Hand über die Weiten der Astralebene schlenderten. Wie sie zusammen Soleil und Shigure in den Geheimen Reichen besuchten und mit ihnen spielten. Zusammen. Winzige Momente, so kostbar wie ein Tropfen Wasser in der Wüste, der sich jedoch im Fluss der Zeit wieder verlor. Eine Welle der Zuneigung überkam Laslow und spülte die Trauer hinfort. „Danke für alles, Azura. Ich liebe dich“, flüsterte er und schenkte ihr das ehrlichste und liebevollste Lächeln, das er je aufgebracht hatte. Der Atem der Skaldin ging flach und stockend, doch auch sie lächelte. Noch mehr jedoch zeugte das glückliche Glitzern in ihren Augen von ihrer Freude. „Ja... Das ist das wunderschöne Lächeln, das ich sehen wollte. Danke...“ Ihre Stimme war nicht mehr als ein heiseres Hauchen, aber es berührte Laslows Herz mehr als alles andere. Beide schauten sich noch ein letztes Mal zugleich dankbar und wehmütig an, dann geschah es unheimlich schnell. In rasender Geschwindigkeit zerfiel Azuras Körper in Unmengen an funkelnde, winzig kleine Partikel, gleichsam einer Schar von Glasscherben, die sich in Form einer Säule zur Decke wanden. Zuletzt ballten sie sich zu einer Art Stern, der gleißend hell aufleuchtete, als wolle er sich noch einmal von allen verabschieden. Nach wie vor das Lächeln auf den Lippen legte Laslow den Kopf in den Nacken und blickte dem Stern hinterher, bis dieser erlosch. Es war immer das Gleiche. Schon wieder war eine Person, die er unfassbar liebte, einem Drachen zum Opfer gefallen. Das Gefühl von Einsamkeit übermannte ihn urplötzlich. Doch er lächelte.

Einige Tage später ging der Söldner mit seinen Kindern zum See. Dort besuchten sie einen kantigen, etwa hüfthohen Stein, der aus dem seichten Wasser am Ufer ragte und keinerlei Inschrift trug. Das war Azuras Grab. Zumindest stellte sich die Familie vor, dass es das sei, auch wenn es nicht ganz korrekt war. Andere hätten einen solchen Grabstein wohl als schmucklos und trist empfunden, aber Laslow und den Kindern gefiel es. Die Skaldin war von Prunk und Ähnlichem nie begeistert gewesen. Der Söldner und Shigure standen schweigend einige Meter entfernt und beobachteten, wie Soleil einen grauen, von den Fluten glatt polierten Kiesel auf den Grabstein legte. Ihre Schritte plätscherten leise, als sie zurück zu ihrem Vater und ihrem Bruder trat. „War das ein Geschenk?“, fragte Laslow und strich ihr über den Kopf. „Jepp. Für Mutter. Ich fand den Kiesel irgendwie hübsch. Und er ist weder schwarz noch weiß. Er ist grau.“ „Eine schöne Symbolik, Schwesterherz“, meinte Shigure und lächelte. Laslow tat es ihm gleich. Und auch Soleil strahlte über das ganze Gesicht.

Meine Lieben, euer Lächeln ist das schönste Geschenk überhaupt.
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