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Meet the new Candy

von Manganime
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Lysander Rayan Zaidi
12.04.2019
20.01.2021
5
6.787
2
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Dieses Kapitel
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01.12.2019 936
 
Mit einem kaum hörbaren Summen auf den Lippen schlenderte der junge Mann mit den silberweißen Haaren durch das Universitätsgebäude, schlicht und einfach aus dem Grund, da er es nicht eilig hatte in seine Unterkunft zu gelangen, jetzt da er den Schlüssel dafür hatte. Vielleicht war es nicht die beste Idee allein und ohne Plan den Campus zu durchstreifen, wenn man sich noch nicht auskannte, aber Lysander war guter Dinge und er wollte die Gelegenheit nutzten sich in Ruhe umzusehen. Die Ruhe wurde allerdings recht bald gestört durch einen kleinen Studentenauflauf vor einem der größeren Hörsäle, der eigentlich leicht übersehen, aber schwer überhört werden konnte dank einer ziemlich lauten Stimme, deren Tonfall den Silberhaarigen unwillkürlich an Amber denken ließ.

Es mochte zwar schon ein paar Jahre her sein, seit er sie das letzte Mal gesehen, geschweige denn gesprochen hatte, aber es war selbst für ihn schwer solch eine Stimme zu vergessen. Oder genauer gesagt: Der Ton, der die Musik der Verachtung spielte, war unweigerlich mit Amber in Verbindung geblieben.
„Auch im letzten Jahr hat man immer noch das Gefühl, als wäre man im Zirkus!“ Okay, es war nicht Amber, allerdings war Lysander sich jetzt schon sicher, dass er diese Person nicht würde leiden können. „Hat es dir die Sprache verschlagen? Du hast dich sicher im Hörsaal verirrt, stimmt´s?“

Er wollte wirklich nicht mithören, wirklich nicht, aber sie war kaum zu überhören, als er versuchte einen Bogen drum herum zu machen, da er keine Lust hatte sich einzumischen. Es war nicht sein Problem, und es waren doch sicher genügend Leute da, um dazwischen zu gehen, oder? „Das hier ist eine Fakultät für Kunst, aber sowas kennen Leute wie du wahrscheinlich nicht...geh zurück zu deinem Satanistenzirkel oder wo auch immer man das, was du anhast trägt!“ Dieser Satz ließ ihn dann doch abrupt anhalten. Zu wem hatte sie das gesagt?

„Leute wie du schaden dem guten Ruf dieser Uni.“
Und mit einem Mal trieb es die Rage in ihm hoch, so plötzlich, so unerwartet schwappte dieses siedende Gefühl in seinem Inneren hoch, dass er sich umdrehte ohne weiter nachzudenken und auf die Stimme der Verachtung zuschritt. Fing das ganze denn schon wieder von vorne an? Konnte man sich denn nicht mal auf dem Campus zivilisiert benehmen ohne andere niederzumachen? Er hatte es so satt, vor allem hatte er absolut keinen Bock mehr darauf, solche Kommentare zu hören, die genauso gut auf ihn zutreffen konnten! Und wer immer es war, dem diese Worte tatsächlich galten, sie hatten es sicher nicht verdient.

„Ist das dein Ernst?“, erhob Lysander seine sonst so ruhige Stimme, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Sowohl die Menge als auch diejenige, die offenbar gerade dabei jemanden runter zu machen, wandten sich daraufhin dem Neunankömmling zu. „Ha?“, gab die Schwarzhaarige sichtlich genervt von der Unterbrechung von sich, doch Lysander ließ sie nicht weiter zu Wort kommen.
„So wie ich das sehe, bist eher du es, die dem Ruf dieser Uni Schaden zufügt“, konstatierte er unumwunden, während er sich vor dem dunkelhaarigen Mädchen aufbaute, deren wohlfrisierte Lockenpracht und Style das Gefühl aufkommen ließ eine zweite Amber vor sich zu haben.

Immerhin schien sie sich weniger beeindrucken zu lassen, denn ihr Mundwerk wurde dadurch keinesfalls lahmgelegt: Ach ja? Was mischst du dich ein? Gehörst du etwa zu Morticia?“ Der herablassende Blick, den sie einer platinblonden jungen Frau zuwarf, deren Kleidungsstil eine auffällige Affinität zu schwarz aufwies, sagte mehr als genug. „Ich misch mich ein, weil ich dir mitteilen möchte, dass wir hier nicht mehr auf dem Schulhof sind“, gab er in hartem Ton zurück. „Also falls du dich nicht zufällig hierher auf die Uni verlaufen haben solltest, würde ich dir raten dieses unnötige Teenager-Gehabe abzustellen und dich angemessen zu verhalten.“ Das belustigte Kichern, das von der blonden Studentin kam, überhörte die Dunkelhaarige dank ihrer Empörung wohl. „Willst du mir etwa unterstellen...? Boah, weißt du was, für sowas hab ich echt keinen Nerv meine Zeit zu verschwenden! Macht doch was ihr wollt, ihr Freaks!“

Und mit einem dramatischen Hairflip, den Amber nicht besser hinbekommen hätte, zog die Beleidigte ab. Hoffentlich würde er dieser Person nicht mehr so schnell über den Weg laufen, denn er war sich sicher, dass das nicht das letzte Mal gewesen war. „Hey, danke für den Beistand“, erklang zum ersten Mal die Stimme der zierlichen blonden Studentin, die sich nun ihm zuwandte. „Gern geschehen“, erwiderte Lysander, noch immer mit zusammen gezogenen Augenbrauen den Blick auf den Lockenkopf gerichtet, der langsam in der Menge verschwand. „Hätte zwar nicht sein müssen, aber immerhin hast du mir die Mühe erspart, ihr einen Voodoofluch aufzuhalsen“, meinte sie belustigt, und zum ersten Mal sah Lysander ihr ins Gesicht. Ihre großen blauen Augen wirkten durch das dunkle Make-up noch strahlender und ihre schwarz gefärbten Lippen verzogen sich zu einem gut gelaunten Lächeln. Kein scheues oder schüchternes, so wie er es von Viola gekannt hatte.

„Gern geschehen?“ Für einen kurzen Moment zögerte er, welche Antwort er darauf geben sollte. „Auf jeden Fall tut es gut zu sehen, dass solchen Leuten auch mal von anderen die Meinung gegeigt bekommen“, sponn sie die Unterhaltung scheinbar mit Leichtigkeit fort, sehr zur Erleichterung des Silberhaarigen. „Ich hatte ehrlich gehofft, sowas nicht mehr an der Uni zu erleben“, gab Lysander zu, der noch immer die unangenehmen Erinnerungen an die Schulzeit vor Augen hatte. „Tja, leider werden nicht alle Menschen erwachsen“, erwiderte sie mit einem Schulterzucken. „Mein Name ist übrigens Chani“, stellte sie sich vor. „Auch wenn ich nichts gegen Morticia hätte“, fügte sie grinsend hinzu. „Lysander“, tat er es mit einem Lächeln gleich. „Ich wüsste auch nicht, wie man diesen Namen als Beleidigung auffassen könnte.“
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