STAR TREK - AFTERMATH: 01. Eiskalt erwischt

GeschichteAllgemein / P16
OC (Own Character)
12.04.2019
22.04.2019
9
26745
 
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
1

DAS TEAM


     „Was genau rührst du da eigentlich zusammen, Henriette? Dieses komisch grünlich schillernde Gebräu sieht ja geradezu lebensgefährlich aus.“
     Der Andorianer Kri´Styan Taner sah seiner Partnerin beim Dezernat der Kriminalpolizei Duisburg interessiert dabei zu, wie sie einen Cocktail mixte, dessen Rezept sie, einmal mehr, selbst entwickelt hatte. Wobei er unbewusst den Schnurrbart malträtierte, der für seine Spezies absolut untypisch war. Aber Taner war als solcher auch kein typischer Andorianer, weshalb man bei ihm nicht die üblichen Maßstäbe anlegen konnte.
     „Immer noch Henrike, wenn´s kombiniert!“, verbesserte die hochgewachsene, schlaksige Eurasierin ihren Freund und Kollegen erbost. Mit einer linken Hand vorsichtig die Flüssigkeit umrührend, fuhr sich Henrike Xi Manski, mit der Rechten, durch das lange und bereits früh ergraute Haar, dass sie hinter dem Kopf mit einem breiten, schwarzen Band aus andorianischer Seide gebändigt hatte. Einem Geschenk von Taner, zu ihrem letzten Geburtstag. „Ich erfinde ja auch keine willkürlichen Namen für dich, Dicker.“
     „Ach!“, schnappte der etwas beleibte Andorianer düster und betastete dabei unwillkürlich seine Magengegend. „Aber mich als Dicken zu verunglimpfen ist in Ordnung?“
     „Ne, ne, ne, du!“, widersprach die flotte Zweiundfünfzigjährige grinsend und zwinkerte dem Andorianer dabei keck zu. „Das ist Tatsache und keine Verunglimpfung.“
     Beide maßen diesem kleinen Geplänkel keine allzu ernste Bedeutung bei. Sie waren Kollegen seit drei Jahren und fast ebenso lange gut miteinander befreundet. So gut, wie man überhaupt miteinander befreundet sein konnte, ohne eine intime Beziehung zu führen.
     Taner musterte Henrike, die sich heute Morgen offensichtlich für eine eng sitzende, anthrazitfarbene Hose und einen dünnen, schwarzen Pulli entschieden hatte. An den Schultern schimmerte ihre helle, fast elfenbeinfarbene Haut durch mehrere, zwei Finger breite, Öffnungen, die durch silberne Zierklammern eingefasst waren. Irgendwie ein Tick zu neckisch für eine Frau ihres Alters, nach der Meinung Taners. Obwohl sie solche Sachen, bei ihrer schlanken Statur, zweifellos sehr gut tragen konnte.
     Die Frau hingegen konzentrierte sich wieder auf ihren Cocktail. Dabei fragte sie nach einer Weile abwesend: „Ist dir mal der Gedanke gekommen, dass selbst dieses Gesöff hier lediglich eine Ansammlung verschiedener Atome ist?“
     „Na, dann pass du bloß auf, dass du am Ende nicht noch davon in die Luft fliegst“, spottete der Andorianer hämisch.
     „Blödmann!“, fauchte Henrike gespielt finster. „Aber zu deiner Information: Wenn dieser Drink nicht aus verschiedenen alkoholischen Getränken und Fruchtsaft, sondern aus Uran bestehen würde, dann könnte man davon tatsächlich in die Luft fliegen, wenn man davon die kritische Menge… ja… weiß auch nicht… irgendwie…
     „Was?“
     „Jetzt habe ich den Faden verloren“, beschwerte sich die Frau. „Wenn man die kritische Menge von diesem Cocktail… irgendwie… verkasematuckelt hätte.“
     „Verkasematuckelt?“, echote der Andorianer verständnislos.
     „Ja, verkasematuckelt“, bestätigte die Hagere, erneut etwas gereizt. „Das ist ein ganz normales Wort in dieser Gegend, Dicker. Jetzt erzähl mir nicht, dass du seit drei Jahren hier bist und das Wort noch nie gehört hast.“
     Einen Moment später hatte die Frau ihre Mischung fertig und sie machte eine weiten Satz zurück, bei dem sie ihren Kollegen beinahe umgerannt hätte. „Jetzt pass auf! Gleich gehen dir die Augen, oder besser, die Ohren über!“
     Es dauerte nur einen Moment. Dann gab es einen ohrenbetäubenden Knall, bei dem der Andorianer spürbar zusammenzuckte.
     „Was, bei der schwarzen Kreatur der Verdammnis, war denn das?“, brüllte der Andorianer aufgebracht, während ihn Henrike triumphierend ansah. „Willst du das gesamte Dezernat in die Luft jagen, oder was?“
     Ohne dem Gemütszustand des Andorianers besondere Beachtung zu schenken rief die Frau begeistert aus: „Hast du das miterlebt? Das hat funktioniert! Gleich mein erster Test mit dem von mir neu kreierten Terror-Cocktail hat…“
     „Du willst Terror?“, blaffte Taner wütend. Danach immer lauter werdend, fuhr er seine Kollegin an: „Ich geb´ dir gleich Terror! Ständig, während der Dienstzeit, nebenbei dein Gemache und dein Getue! Ich will Ruhe haben!“
     Bevor die Situation eskalieren konnte, wurde von Nebenan die Tür aufgerissen und Hans van Gökhen sah, teils neugierig, teils perplex in den Raum und erkundigte sich, mit schleppendem Tonfall: „Was treibt ihr Zwei hier eigentlich?“
     „Raus!“, brüllte ihn Kri´Styan Taner aufgebracht an und der etwas beleibte Niederländer schloss ganz schnell wieder die Tür.
     Inzwischen hatte Henrike Xi Manski das funkelnde Cocktail-Glas in die Hand genommen und hob es lachend in Richtung des Andorianers an, auf dessen Gesicht sich Erschrecken widerspiegelte.
     „Keine Sorge, Dicker. Der Cocktail ist jetzt vollkommen ungefährlich. Allerdings muss man erst einmal abwarten, bis sich die langsam immer stärker aufbauende Oberflächenspannung des Cocktails explosiv entspannt hat. Das verursacht übrigens den lauten Knall. Deshalb auch der Name Terror-Cocktail.“
     „Mich wundert, dass das Glas das aushält“, gab Taner knurrig zurück. Offensichtlich war sein anfänglicher Zorn ebenso schnell verraucht, wie er zuvor über ihn gekommen war. Aber so sprunghaft kannte ihn Henrike, weshalb sie seinen lauten Ausbruch mit einer fast aufreizenden Gleichmut hinnahm.
     Die Frau lachte amüsiert. „Ein normales Glas hätte es voll zerrissen. Ich habe jedoch die kristalline Struktur dieses spezielle Kristallglases, vor zwei Tagen, durch Partikelbeschuss hochverdichtet. Das kannst du aus dem Fenster werfen und es würde nicht kaputtgehen.“
     Henrike Xi Manski prostete dem Andorianer zu und leerte das Glas mit einem Zug. Sich mit der Zunge genießerisch über die Lippen fahrend meinte sie, während sie das Glas auf den Schreibtisch stellte: „Ein herrlicher Tropfen.“
     Schneller, als die Frau reagieren konnte, schnappte sich der Andorianer das Glas, holte aus und warf es dann schwungvoll gegen die Wand. Zu seiner Überraschung zersplitterte es dort nicht, sondern prallte mit einem dumpfen Laut ab, wobei es eine Delle im Kunststoffbelag der Wand hinterließ. Mit hellem Klirren prallte es zu Boden, und Splitter von einer der Steinfliesen schwirrten über den Boden des Büros. Das Glas hingegen wies keinerlei Beschädigung auf.
     Während der Andorianer mit verblüffter Miene von der Wand zu dem Glas sah, bückte sich seine Kollegin, hob das Glas auf und schüttelte dann vorwurfsvoll den Kopf. „Du glaubst mir wohl gar nichts, was?“
     Bevor der Andorianer darauf etwas erwidern konnte, ging erneut die Bürotür auf und Hans van Gökhen kam einen halben Schritt in den Raum hinein.
     Henrike kannte den bärtigen Mann lange genug um an seinem Blick abzulesen, dass etwas passiert war und so fragte sie sachlich: „Was gibt es, Hänschen?“
     Fast etwas traurig wirkend fuhr sich der Mann durch das dichte, gelockte Haar und erwiderte mit Leidensmiene: „Was soll es schon geben, wenn man uns alarmiert? Tote gibt es.  Wann immer wir alarmiert werden – irgendwer ist gestorben. SO sehe ich ständig nur Leid um mich und…“
     „Komm endlich zur Sache!“, forderte Henrike Xi Manski scharf. „Sie wusste, dass Hans van Gökhen oft kein Ende fand, bei solchen Tiraden.
     Der Mann mit den braunen Haaren hob beschwichtigend seine riesigen Hände. „Tote Geschäftsleute. Gleich ein Dutzend. Unten, im Hafenviertel!“
     Von einem Moment auf den anderen wieder ganz bei der Sache hakte Kri´Styan Taner nach: „Könnte es ein Unfall gewesen sein?“
     „Hörte sich eher an, wie Mord“, verneinte der Niederländer.
     Henrike Xi Manski hatte sich erhoben und war bereits auf dem Weg zur Tür. Achtlos das Glas auf ihren Schreibtisch stellend warf sie Taner einen auffordernden Blick zu. „Komm mit, Dicker. Das sehen wir uns an.“

* * *

     Bereits zehn Minuten später saßen die beiden ungleichen Kriminal-Ermittler in einem ihrer Dienstgleiter und flogen zum Tatort. Während die schlangen Finger ihrer gepflegten Hände über die Steuerkonsole huschten, fragte Henrike Xi Manski den Andorianer an ihrer Seite: „Hänschen sagte mir, vor Verlassen des Dezernats, dass bereits ein gutes Dutzend Männer und Frauen vom Trachtenverein vor Ort sind. Ich hoffe nur, dass die sich darauf beschränken werden, alles weiträumig abzuriegeln.“
     Taner lachte humorlos. „Deine Ausdrucksweise könnte auch etwas respektvoller sein. Nur weil die Kollegen in Uniform…“
     „Vergiss es einfach“, murmelte ihm die hagere Frau gedankenverloren. „Was wirklich unsere Aufmerksamkeit erfordert ist die Tatsache, dass der Firmengründer selbst unter den Opfern sein soll. Hat zumindest Hänschen behauptet. Dieser Uly´Khuen Tharan – verdammt wie schaffst du es eigentlich solche Namen auszusprechen, ohne dir dabei die Zunge zu verknoten – ist einer der reichsten Männer innerhalb der Föderation gewesen.“
     „Vermutlich auch außerhalb“, meinte Taner, wobei sich seine Antennen unwillkürlich nach Innen bogen. „Dieser Kerl ist der schlagende Beweis dafür, dass auch heute noch die Kohle nach oben fällt und nicht nach unten.“
     Henrike lachte hell auf und drückte kurz den Unterarm des Andorianers: „Klasse, du lernst ja doch so langsam, wie man in dieser Gegend redet. Aber zurück zum Job. Wer hat eigentlich den Mord, oder besser gesagt die Morde, gemeldet?“
     „Ein anonymer Anruf. Hans meinte, der Anrufer sei sehr beherrscht gewesen.“
     „Seltsam“, grübelte Henrike, wobei sie sich abwesend eine Haarsträhne, die sich aus der Schleife, hinter ihrem Kopf, gelöst hatte, hinter das linke Ohr schob. „Da ruft einer, ganz trocken, die Kriminalpolizei an und meldet einen mehrfachen Mord. Wenn ich so etwas zum ersten Mal sehen würde, dann würde ich mich zuerst übergeben und wäre danach total aufgelöst. Aber dieser ominöse Anrufer bleibt ruhig genug, um darauf zu achten, uns seinen Namen nicht zu nennen. Also, entweder hat der Anrufer nicht zum ersten Mal Leichen gesehen, oder aber er hatte selbst damit zu tun.“
     Die Antennen auf dem Kopf des Andorianers richteten sich auf die Eurasierin, als Taner sie zweifelnd ansah. „Wer wäre denn verrückt genug, uns mit der Nase drauf zu stoßen, wenn er mehrere Morde begeht?“
     Henrike Xi Manski wedelte mit der Linken durch die Luft, ohne den Andorianer anzusehen. „Genau das ist hier die Frage, Dicker. Natürlich kann es auch sein, dass ein Veteran aus dem Irdisch-Romulanischen Krieg die Leichen fand. Das würde dann zwar die Ruhe des Anrufers erklären, nicht aber, dass er sich nicht identifizieren wollte. Die von der Sternenflotte halten doch etwas auf sich und ihren Ehrenkodex, wenn ich mich nicht irre.“
     „Das musst du doch am besten wissen“, schnaubte Taner. „Du warst doch dabei. Bis kurz vor dem Krieg jedenfalls. Du hast nie darüber geredet, warum du da weg bist. Ist dir die Sauferei zum Verhängnis geworden?“
     Mit der verkehrten Rechten schlug die hagere Frau ihrem Begleiter fest auf den Bauch, bevor sie grimmig meinte: „Ganz vorsichtig, ja?“
     Während sich Taner, ein wenig überrumpelt, den Bauch rieb, deutete Henrike durch die Frontscheibe des Dienstgleiters und sagte ablenkend: „Benimm dich, wir sind gleich da.“
     Taner vergaß das vorangegangene Geplänkel und beugte sich vor. „Da unten herrscht ja bereits ein mächtiger Betrieb. Die warten bestimmt nur auf uns, und hoffen garantiert, dass wir schnell damit durch sein werden uns die Leichen anzusehen, um sie endlich ins Medi-Zentrum der Stadt schaffen zu können.“
     „Hoffentlich ist die Spusi schon weitgehend fertig, sonst werden wir es sein, die auf Andere warten müssen.“
     „Die was?“
     „Spurensicherung, Dicker! Kurz: Spusi.“
     Der Andorianer gab ein leises Seufzen von sich wobei sich seine Antennen leicht nach Innen krümmten. Ein sicheres Zeichen von Verärgerung. „Du und deine ewigen Abkürzungen. Das machst du nur, um mich zu ärgern, stimmt´s?“
     „Du bist gar nicht so blöd, wie du aussiehst“, versetzte Henrike mit breitem Grinsen. „Wir sind unten, also los. Ich habe nicht vor hier den gesamten Vormittag zu vertrödeln.“
Review schreiben