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All Good Things

GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Het
Dirk Matthies Regina Küppers
12.04.2019
18.03.2021
10
14.600
4
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20.04.2019 1.131
 
Dirk lehnte sich in seinem Strandkorb zurück und ließ sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Er schloss die Augen und grunzte zufrieden.


Er hatte sich letztlich für einen Urlaub auf der Nordseeinsel entschieden, auch wenn Daniel im davon abgeraten hatte. Zufälligerweise hatte die Schwester von Big Harry hier ein kleines Häuschen zu vermieten, weil ihre Mieter kurzfristig abgesprungen waren und so machte sie Dirk einen Sonderpreis.


Etwas ungewohnt war es ja schon, wenn man normalerweise auf einem Hausboot lebte, aber es war angenehm und es störte ihn niemand weit und breit. .


Schwimmen war er heute morgen schon gewesen und es war trotz des heißen Sommers noch recht frisch im Wasser. Aber er konnte das ja ab. War ja schließlich nicht aus Zucker.


Er grinste, als er die Augen schloss um ein Nickerchen zu machen. Sonne tanken hätte er auch in Hamburg können, aber hier war es einfach viel schöner und er war weit ab vom Hoff und hatte seine Ruhe. Wenn er Zuhause geblieben wäre, hätte er sowieso alle Nase lang Besucher gehabt und darauf konnte er auch mal für ein paar Tage verzichten.


Außerdem musste er dringend mit sich ins Reine kommen. Nach seinem Gespräch mit der Küppers war alles nicht mehr so wie es vorher war, im Gegenteil. Irgendwie waren sie sich schon näher gekommen und er wusste nicht so recht, wie er damit umgehen sollte. Schließlich hatte sie ihn Jahre lang abblitzen lassen und irgendwann hatte er es aufgegeben.


Und jetzt? Jetzt war sie plötzlich ganz anders und zuvorkommend. War sogar ganz plötzlich zum Du übergegangen und flirtete in einer Tour mit ihm. Nicht dass ihm das nicht gefiel aber er wusste schon ganz gerne woran er war.


Als er seinen letzten Arbeitstag vor dem Urlaub hatte, hatten sie Übergabe gemacht und waren sich sogar gefährlich nahe gekommen. Er hatte ihr gegenüber an ihrem Schreibtisch gesessen und sie hatte ihm eine Akte hingelegt, hatte sie geöffnet und hatte dabei versehentlich seine Schulter gestreift. . Sein Herz hatte gerast und sein Mund wurde in diesem Augenblick trocken. Er konnte ihr Parfum riechen und merkte beinahe die Wärme ihrer Haut. Sie erklärte ihm etwas und schaute ihm dabei tief in die Augen. Plötzlich war die Akte unwichtig. In seinen Ohren rauschte es und er verstand keinen Zusammenhang ihrer Wörter mehr. Sie beugte sich ein kleines Stück weiter in seine Richtung und schaute ihn erwartungsvoll an. Aber vielleicht hatte er sich das jetzt auch eingebildet? Schließlich streckte er sich minimal zu ihr. Sie wechselten einen tiefen Blick und es kribbelte gewaltig. Er war dankbar dass sie den Rollladen heruntergelassen hatte. Gab ja so Sachen, die mussten die Kollegen nicht mitkriegen.


In diesem Moment klopfte es an der Tür und Hannes Krabbe trat ein, ohne auf eine Antwort zu warten. Hastig und ertappt fuhren sie auseinander und Krabbe blickte irritiert von einem zum anderen.


Die Küppers strich sich souveränen mit der Hand durch die Haare, ging um ihren Schreibtisch herum und versuchte, die Contenance wiederzuerlangen. Ihr Herz raste und sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie ließ sich auf ihren Stuhl fallen und legte die Hände aufeinander.


“Herr Krabbe, ich habe weder ein Klopfen ihrerseits noch ein Herein meinerseits gehört “, sagte sie scharf und Krabbe zuckte zusammen.


“Tut mir leid, “sagte er entschuldigend und schaute bedröppelt drein.


Sie schaute zu Krabbe auf und versuchte, einen professionellen Gesichtsausdruck aufzusetzen.


“Herr Krabbe, was kann ich für sie tun?”, fragte sie in einem sehr neutralen Tonfall.


Sie hätte ihren Kollegen am Liebsten aus dem Büro geworfen, aber das konnte sie natürlich nicht bringen.


Was wäre wohl passiert, wenn er nicht herein gekommen wäre?


Dirk Matthies rollte derweil mit den Augen. Er war genau wie sie  alles andere als begeistert über Krabbes Auftauchen.


Als der Wachhabende nicht sofort reagierte, wurde sie ungeduldig.


“Herr Matthies und ich machen gerade Übergabe und Sie störend, also wie um alles in der Welt kann ich Ihnen helfen? “, fragte sie ungeduldig.


“Frau Küppers, tut mir leid, aber komm´n Sie bitte mal?”; fragte Krabbe und blickte sie treudoof an.


Sie seufzte und rollte mit den Augen, stand auf und folgte ihrem Kollegen. Als sie neben Dirk stand, berührte sie kurz seine Schulter


“Es tut mir leid”, flüsterte sie und in ihren Augen funktelte es.


“Jo, mir auch”; antwortete Dirk und schaute ihr hinterher.


Als sie kurz darauf wieder gekommen war, hatte sich die Stimmung merklich abgekühlt und sie brachten die Übergabe so schnell wie möglich hinter sich. Der besondere Moment war verschwunden und einer gewissen Verlegenheit gewichen.


“Herr Matthies, ich wünsche Ihnen einen schönen Urlaub”, sagte sie leise und blickte ihn fas schüchtern an.


“Danke, Frau Küppers”, gab er zurück.


Wenn er ehrlich war, wollte er doch eigentlich gar nicht in den Urlaub fahren. Er wollte hier bleiben, bei ihr und ihr näher kommen. Und dieses Kribbeln im Bauch nochmal spüren.


“Wohin geht´s?”, fragte sie neugierig und sah ihn erwartungsvoll an.


“Zwei Wochen Amrum”, antwortete er grinsend.


Sie zog die Augenbraue hoch.

“Amrum?”,  wiederholte sie fragend. “Schön”, sagte sie schließlich


“Jo”, gab Dirk zurück. Was sollte er auch sagen?


Sie stand auf und ging um ihren Schreibtisch herum.


“Dann einen schönen Urlaub”, sagte sie grinsend.


“Und komm bald wieder”, sagte sie, räusperte sich verlegen als Dirk grinste.


“Äh und kommen Sie bald wieder”, verbesserte sie sich.


“Entschuldigung”, sie lächelte verlegen. .


Dirk grinste schief.


“Das ist schon in Ordnung”, sagte er mit leuchtenden Augen.


“Aber als der Ältere hätte ich Dir das Du anbieten müssen”, fuhr er fort.


Regina Küppers schluckte und zuckte mit den Achseln. Sie war all die Jahre nie auf den Gedanken gekommen, ihn zu duzen. So hatte sie auch immer ihre rein geschäftliche Beziehung vergegenwärtigen können. Jetzt konnte sie nicht mehr zurück.


“Ich heiße Dirk, aber das weißt Du ja”, sagte er und reichte ihr die Hand.

SIe ergriff sie.  “Regina”, sie lächelte verlegen.


“Regina”, er wiederholte ihren Namen mit seiner sonoren Stimme und grinste schief während sie eine Gänsehaut bekam.


Sie hatte zurückgelächelt und sich gefragt, ob das ein Schritt in die richtige Richtung war.


Lachend war er dann wenig später in den Urlaub gefahren. Seine Kollegen hatten ihm eine Luftmatratze in Form eines Krokodils geschenkt, als sie hörten, dass er in diesem Jahr wirklich mal in den Urlaub fuhr und seine freien Tage nicht einfach Zuhause verbrachte. Dieses thronte jetzt auf dem Dach seines Wagens  und die Hawaiianische Blumenkette, die Harry ihm grinsend in die Hand gedrückt hatte, baumelte an seinem Rückspiegel.


“Tschüss Dirk, erhol Dich gut”, hatte sie grinsend gesagt. “Endlich machst Du mal richtig Urlaub! “


Er hatte seine Sonnenbrille aufgesetzt und zum Abschied gehupt. Und dann war er einfach losgefahren. In den ersten richtigen Urlaub seit einer halben Ewigkeit.


[Anmerkung: Während Dirk im Urlaub verweilt, wünsche ich Euch frohe Ostern :) Genießt das schöne Wetter und habt ne gute Zeit.]
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