All Good Things

GeschichteRomanze / P18
12.04.2019
02.03.2020
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12.04.2019 1.244
 
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben (Herman Hesse)


Die B-Schicht des PK 14, ein Sondereinsatzkommando, Zahlreiche Sanitäter, das Entschärfungskommando und zahlreiche Schaulustige starrten gebannt auf das Gebäude in der Mendelssohnstrasse und wartete auf den großen Knall. Nichts passierte.

Dirk atmete entspannt aus und lehnte sich in seinem Wagen zurück. Er war gerade vorgefahren und erschrocken über das Szenario, dass sich ihm bot. Er hatte den Wagen neben seinen Kollegen geparkt, die Tür schon offen, weil er eigentlich aussteigen wollte.

“Die Minute kommt mir aber ganz schön lang vor”,  sagte Hannes skeptisch und schaute gebannt auf das Gebäude.

“Ein Glück, dass Olli zwei linke Hände hat”, kommentierte Nina trocken und grinste verhalten. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn das PK14 tatsächlich in die Luft gegangen wäre.

“Ah… nein!”, nuschelte Daniel und schaute genervt zu ihre herüber.

“Eine Rechte war mindestens dabei”, sagte er sarkastisch und hielt den Kühlakku dabei an seine linke Wange. Zum Glück hatte Olli Schwacke ihm keinen Zahn herausgeschlagen als sie vorhin im Keller diese Auseinandersetzung hatten.

Nina grinste mitleidig, beugte sich zu ihm herunter und berührte ihn tröstend an der Schulter.

“Wo ist der Mistkerl überhaupt”?, nuschelte Daniel fragend und schaute sich um. Waren Olli und Manni Schwacke getürmt? Er bezweifelte, dass die beiden Katastrophenbrüder weit kommen würden.

“Habt ihr Frau Küppers gesehen?”,  fiel Hannes ihm aufgeregt ins Wort und schaute sich suchend um. Er hatte die Chefin noch gar nicht hier draußen gesehen. Ob sie noch im Gebäude war? Eigentlich hatten waren alle evakuiert worden, aber vielleicht vergewisserte sie sich noch, dass auch wirklich alle das Haus verlassen hatten.

Bevor jemand antworten konnte, gab es einen lauten Knall und der Boden wurde erschüttert. Im Inneren des Gebäude explodierte etwas, grelles Licht, Scheiben barsten lautstark, Glas klirrte, Rauch und Staub wurden aufgewirbelt. Alles drang durch die kaputten Fenster nach draußen und ein Regen aus Staub und Asche ging auf sie nieder. Selbst Dirk, der noch immer im Wagen saß, hatte etwas abbekommen und war mit einer weißen Schichte aus Putz und anderem Staub bedeckt.

Die B-Schicht starrte fassungslos auf das demolierte Gebäude. Über dem Eingang machte gerade das blau-weiße Polizeischild einen Abgang und fiel lautstark mit einem dumpfen Quietschen zu Boden. Der Eingangsbereich selbst war auch kaum  noch zu erkennen. Die Scheiben kaputt und dort, wo vorhin noch das  Treppenhaus gewesen war, sah man große Löcher im Boden.

Von einer Sekunde auf die andere war das PK 14 plötzlich nur noch ein Trümmerhaufen. Alles lag in Schutt und Asche, es war so gut wie kein Fenster mehr heil, Türen waren aus den Angeln gerissen, überall lagen Trümmer und Schutt. Olli Schwacke hatte es geschafft, das Gebäude in die Luft zu sprengen. Ein Bild des Jammers.

Piet räusperte sich. Sprechen konnte niemand, aber das Entsetzen in den Augen aller sprach Bände.

Dirk schaute auf das Gebäude oder besser auf das, was davon übrig war und schluckte. Unfassbar, was da gerade passiert war. Das war sein Arbeitsplatz gewesen für so viele Jahre. Unter Richard, unter Bernd, er selbst hatte ein paar Monate auf dem Chefsessel gesessen und jetzt Regina. Er seufzte. So viele Jahre, sein zweites Zuhause.

“Frau Küppers?”, hörte er Hannes besorgt rufen; es drang aus wie aus weiter Ferne zu ihm.

“Frau Küppers?!”,  diesmal schwang Panik in der Stimme des Kollegen mit und holte Dirk aus

Er schaute sich ebenfalls panisch um. Er hatte Regina nicht aus dem Gebäude kommen sehen.

Wo war sie denn?

Sie stand nicht bei den anderen Kollegen!

Sein Herz klopfte schneller und er atmete schwer.

Was, wenn sie noch im Gebäude war?

Wenn sie es nicht mehr rechtzeitig heraus geschafft hatte?

Es sah ihr ähnlich, sich in Ausübung ihrer Pflicht selbst in Gefahr zu bringen und er traute ihr durchaus zu, dass sie nach der Evakuierung nochmal zurück gegangen war, um sich zu vergewissern, dass alle Kollegen draußen waren.

Aber das konnte nicht sein! Das durfte nicht sein!

Sein Herz schlug schneller und er atmete kurz. Ihm wurde abwechselnd heiß und kalt und er überlegte fieberhaft, was er tun sollte. Das Gebäude war gesperrt, es durfte niemand hinein, aber das war ihm egal.

Dirk schaute sich panisch um. Sekunden wurden zu Minuten und Minuten zu einer halben Ewigkeit.

Seine Gedanken schweiften plötzlich kurz ab und er dachte an den Sommer.  

Es war ein heißer Sommer gewesen. Richtig heiß. Die Medien  sprach von einem Jahrhundertsommer.

Jeder versuchte, sich irgendwie Erleichterung bei der Wärme zu verschaffen. Daniel Schirmer rieb sich das Gesicht mit Eiswürfeln ein, Hannes Krabbe stellte sich Schnee vor, Dirk hatte seinen Ventilator aus dem Keller geholt und selbst Regina Küppers trug die Ärmel hochgekrempelt und die Bluse ein paar Knöpfe weiter offen.

Sie saßen sich in Dirks Büro gegenüber und diskutierten darüber, warum der Junge ständig die Schule schwänzte.

Es war heiß, eine Klimaanlage gab es nicht und Dirks Ventilator lief auf Hochtouren, während sich Regina mit einer Zeitschrift Luft zufächerte. Ein leichter Schweißfilm überzog ihr Gesicht.
Dirk fragte sich kurz, ob sie in anderen Lebenssituationen wohl auch so aussah und so rosige Wangen hatte, rief sich dann aber sehr rasch zur Ordnung. Die Hitze schien ihm auch zu Kopf zu steigen.

“Der Junge… “,  begann Dirk und machte eine bedeutungsschwangere Pause ehe er fortfuhr, “geht ganz sicher nicht in die Schule”

Er hatte die Hände übereinander gelegt und sich vorgebeugt, während sie sich weiterhin Luft mit der Zeitschrift zuwedelte.

“Und wieso? “, fragte sie kurz und knapp.

“Er ist verliebt”, antwortete Dirk und schaute ihr bei diesen Worten tief in die Augen. Sie hielt seinem Blick stand.

“Da kann man eher ‘ne Boje unter Wasser gluckern”, fuhr er  vielsagend fort.

“Und woher wollen sie das wissen?”, erkundigte sie sich schließlich fast schon provokativ.

“Wer das nicht sieht”, er machte wieder eine Pause und schloss die eine Millisekunden die Augen, “war nie verliebt”, er lächelte sie an und in seinen Augen glomm ein Funke.

Regina stutze und hielt kurz inne, sie vergaß für einen Augenblick, sich Luft zuzuwedeln.

“Ist Ihnen vielleicht zu heiß?”, fragte sie schließlich trocken und begann wieder, die Zeitschrift hin und her zu bewegen.

“Vielleicht”, antwortete Dirk herausfordernd und grinste schief.

“Aber gegen die Liebe ist ja kein Kraut gewachsen”, fügte er hinzu und zog fragend eine Augenbrauen nach oben.

Sie erwiderte sein Lächeln und dachte nach. Schließlich holte sie tief Luft, unterbrach das Wedeln mit der Zeitschrift und beugte sich nach vorne.

“Herr Matthies, kann es sein, daß Sie gerade versuchen, mit mir zu flirten?”, fragte sie dann
.
Dirk schaute sie erwartungsvoll an, antwortete aber nicht gleich. Er machte eine vielsagend Pause.

“Frau Küppers, das kann durchaus sein”, sagte er grinsend und lehnte sich selbstzufrieden in seinem Stuhl zurück.

Von diesem Augenblick an war es plötzlich mehr gewesen als nur die kollegiale Beziehung auf Augenhöhe.

[Okay... ich hatte mal wieder Lust auf eine aktuelle Story und es ist ja in der vergangenen Staffel auch viel passiert... wie fast immer, weiß ich noch nicht ganz, wohin die Reise geht aber habe ein paar gute Ideen für einen Storybogen und ein paar schöne Dirk und Regina Kapitel ;) Im ersten Kapitel passiert ja noch nicht viel aber ich dachte, man könnte das, was war ein bisschen ändern, so dass es passt, der Rest kommt dann in weiteren Kapiteln ... und in eigener Sache, wer möchte, darf mir auf Instagramm für Spoiler und andere nette Posts rund um meine Geschichten unter Kaffeetante_79 folgen :)  )
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