Can´t stay away

von Liany
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Hyungwon Wonho
12.04.2019
19.07.2019
12
19316
5
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Kapitel 9
Be there for him


"Hey", begrüßte Yumi mich lächelnd, während mir vor Überraschung der Mund aufklappte. Mir war schleierhaft warum sie hier war und was sie von mir wollte.
"Kann ich reinkommen?", fragte sie höflich und betrat meine Wohnung, als ich zögernd nickte. Wie selbstverständlich ging sie ins Wohnzimmer, sah sich neugierig um und setzte sich auf meine Couch. Ihre Hände faltete sie in ihrem Schoß und ich hatte das Gefühl, dass sie ein wenig nervös war.

"Ähm, kann ich dir was zu trinken anbieten?", fand ich krächzend meine Stimme wieder und rannte beinah aus dem Raum, als sie lächelnd nickte. Völlig abwesend griff ich nach einem Glas und einer Flasche Wasser, bevor ich tief durchatmete. Betont gelassen ging ich wieder zur ihr zurück, schenkte ihr etwas Wasser ein und setzte mich dann in einem gebührenden Abstand neben sie. Schweigend nippte sie an ihrem Getränk, bevor sie sich leicht zu mir drehte und sich räusperte.
Erwartungsvoll erwiderte ich ihren durchdringenden Blick und wartete gespannt darauf, was sie mir jetzt zu sagen hatte.

"Bist du in Wonho verliebt?"
Keuchend schnappte ich nach Luft und war froh zu sitzen. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken und meine Gedanken rasten. Fieberhaft dachte ich darüber nach wie sie es herausgefunden hatte und versuchte dabei so normal wie möglich zu wirken. Ich durfte mir nichts anmerken lassen und räusperte mich, bevor ich antwortete.
"Nein. Natürlich nicht. Wie kommst du darauf?"
Zu meiner Überraschung lachte sie leise und offenbarte mir kleine Grübchen, die unfassbar niedlich aussahen. "Mit dieser Anwort habe ich gerechnet", erwiderte sie und lehnte sich seufzend zurück.
Ich verstand absolut nichts mehr.
"Weißt du", begann sie und spielte mit dem Reißverschluss ihrer kleinen Handtasche. "Ich mag dich. Du bist der erste Mann, den ich echt gerne habe."
"Was?", piepste ich und verschluckte mich beinah an meiner eigenen Spucke. Hastig griff ich nach der Wasserflasche und trank gierig ein paar Schlucke.
"Wonho war schon lange nicht mehr so glücklich", meinte sie lächelnd und drehte sich wieder zu mir. "Nach seinem Urlaub war er ständig schlecht gelaunt. Er wollte mir aber einfach nicht sagen, was ihn beschäftigt", erzählte sie munter weiter und mit jedem weiteren Wort weiteten sich meine Augen. "Bis wir dich in diesem Café getroffen haben. Die ersten Tage hat er sich komplett zurückgezogen und mir immer wieder versichert, dass es ihm gut gehen würde. Bis es sich plötzlich geändert hat."
Ich wusste ganz genau wovon sie sprach und woher sein plötzlicher Sinneswandel rührte. Er hatte sich mit mir getroffen und ich hatte einer Freundschaft zugestimmt.

"Du weißt wovon ich spreche", stellte sie fest und kicherte leise. "Ich mache dir gerade ziemlich viel Angst."
"Ein wenig. Ich bin verwirrt", murrte ich, konnte aber nicht verhindern, dass ich errötete. "Warum erzählst du mir das alles? Er will doch nichts mehr mit mir zu tun haben."

Mit gerunzelter Stirn musterte sie mich und schüttelte dann den Kopf. "Er ist so ein Dickkopf."
Abrupt erstarrte ich, als sie plötzlich den Abstand zwischen uns verringerte und meine Hand in ihre nahm. "Es wird Zeit, dass du die Wahrheit erfährst."
Verständnislos starrte ich sie an und wünschte mir gerade, wo anders zu sein. Yumi war mir nicht geheuer und ich hatte panische Angst, was sie mir jetzt zu sagen hatte.
"Wonho und ich sind nicht zusammen."
Schwer hingen diese Worte zwischen uns und ich brauchte einige Zeit, um sie wirklich zu verstehen.
"Ich versteh es nicht", sagte ich tonlos und grub meine Nägel schmerzhaft in meine Handflächen. "Warum knutscht ihr dann rum, wenn ihr nicht zusammen seid. Warum glaubst du überhaupt, dass mich das interessiert?", redete ich mich in Rage und entzog ihr meine Hand.
Yumi ließ sich davon allerdings nicht abschrecken und zog mich einfach in eine Umarmung. "Beruhig dich. Ich werde es dir erklären und ich kann verstehen, dass es dich schockt", flüsterte sie und streichelte dabei vorsichtig über meinen Rücken.
"Geschockt?", lachte ich freudlos und löste mich aus ihrer Umarmung. "Ich fühle mich verarscht und bin verletzt." Tatsächlich fühlte ich mich einfach nur leer. Wonho hatte mich angelogen und ich verstand absolut nicht wieso. Warum hatte er mir gesagt in einer Beziehung zu sein, wenn er es überhaupt nicht war?

"Wonho und ich sind schon seid Jahren miteinander befreundet. Wir sind zusammen durch Dick und Dünn gegangen und haben ziemlich viele Krisen überstanden. Eine davon war, als er gemerkt hat, dass er schwul ist", begann sie und ich schnappte ein weiteres Mal an diesem Tag nach Luft. Mir lagen unzählige Fragen auf der Zunge, doch ich stellte sie nicht und hörte Yumi gespannt zu.
"Er wollte es nicht wahrhaben und hat sich vor der Wahrheit verschlossen. Egal wie oft ich ihm versichert habe, dass es nicht schlimm ist, er wollte es nicht hören." Traurig ließ sie den Kopf hängen und ich war sicher, dass sie sich an damals erinnerte.
"Warum hat er mir dann gesagt, dass du seine Freundin bist?", fragte ich vorsichtig nach und im nächsten Moment wechselte ihr trauriger Ausdruck zu einem lächelndem.
"Das war seine Idee. Man könnte sagen, dass ich sein Alibi bin. Damit niemand bemerkt, dass er nun mal auf Männer steht", antwortete sie und fuhr sich seufzend, mit den Fingern durch ihre langen Haare. "Ich wollte mich eigentlich nie darauf einlassen, aber ich konnte ihm keinen Gefallen abschlagen. Er hat die Karte ausgespielt, dass er mir auch schon so oft geholfen hätte. Weshalb ich dann eingewilligt habe."

"Aber er wusste, dass ich ihn m...", abrupt unterbrach ich mich und starrte geschockt zu Yumi hinüber.
"Keine Angst. Ich weiß was du sagen wolltest. Es ist völlig in Ordnung", beruhigte sich mich und lächelte mich zuversichtlich an. "Du kannst es ruhig zugeben."
Unsicher erwiderte ich ihren Blick und schluckte schwer. "Okay", begann ich. "Ich mag Wonho. Sehr sogar", nuschelte ich und errötete erneut. "Aber ich verstehe es immer noch nicht wirklich. Er weiß, dass ich ihn mag. Warum war er dann nicht einfach ehrlich zu mir?"
"Diese Frage kann ich dir leider nicht wirklich beantworten. Er weiß den Grund selber nicht mal, warum er sich seine Sexualität nicht eingestehen kann. Ich vermute aber, dass es etwas mit der Gesellschaft zu tun hat."
Grübelnd ließ ich meinen Blick durch mein Wohnzimmer schweifen und versuchte all die neuen Informationen zu verarbeiten. Ein wenig verstand ich Wonhos Beweggründe sogar, aber trotzdem ar ich verletzt.
"Was erwartest du jetzt von mir?", fragte ich sie und wunderte mich über ihren liebvollen Ausdruck im Gesicht.
"Wonho mag dich. Ich bin mir sogar sicher, dass er dich liebt", antwortete sie schließlich und lehnte sich etwas zu mir. "Er braucht dich. Nur mit dir kann er endlich so leben wie er es verdient hat."
"Wie soll ich das anstellen? Er ignoriert mich und reagiert auch nicht auf meine Anrufe", grummelte ich und war nicht wirklich überzeugt, dass ich der Richtige war der ihm helfen sollte.
"Überzeug ihn davon, dass es völlig in Ordnung ist schwul zu sein. Du versteckst es ja immerhin auch nicht. Ich werde noch mit ihm sprechen und ihm sagen, dass ich dir alles erzählt habe. Danach musst du für ihn da sein, weil ich mich dann erstmal von ihm fernhalten werden."
"Ist das nicht ein wenig hart?", fragte ich überrascht und hatte Mitleid mit Wonho. "Er zählt auf dich und dann willst du ihn verraten?"

"Ich weiß was du mir damit sagen willst, aber ich verrate ihn nicht. Ich möchte nur nicht, dass er einsam und unglücklich stirbt. Ich werde mich nicht für immer von ihm fernhalten, dafür bin ich viel zu gerne mit ihm befreundet", warf sie ein und sah mich hoffnungsvoll an. "Bitte sei für ihn da. Überzeug ihn und sorg dafür, dass er ehrlich zu sich selbst ist."
Ich war sauer auf ihn, aber trotzdem hatte sich mir gerade die Chance eröffnet, Wonho näher zu kommen.
"Ich kann es versuchen", murmelte ich zögernd und fand mich plötzlich in einer innigen Umarmung wieder.
"Ich danke dir so sehr", freute sich Yumi und klopfte mir mehrmals auf den Rücken.

Sie blieb nicht mehr lange und verabschiedete sich zuversichtlich von mir. So wirklich überzeugt war ich eigentlich nicht und ein wenig hatte ich sogar Angst. Wonho würde am Boden zerstört sein und ich bezweifelte, dass er dann mit mir reden wollte.
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