Can´t stay away

von Liany
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Hyungwon Wonho
12.04.2019
19.07.2019
12
19316
7
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Kapitel 3
Regret


Verschlafen blinzelte ich mehrmals, bevor ich mich ruckartig aufsetzte. Es war bereits acht Uhr am Morgen und in wenigen Stunden, würde mein Flug zurück nach Seoul gehen.
Mein Blick fiel neben mich, wo mich eine leere Bettseite begrüßte und ich konnte nicht verhindern, dass es schmerzhaft in meiner Brust zog.
Natürlich war Wonho nicht mehr hier, warum sollte er auch?
Es war eine einmalige Sache gewesen und er hatte das einzig Richtige getan. Er hatte uns einen peinlichen Morgen erspart und ich konnte anfangen, mich für meine überstürzte Handlung zu hassen.

Die Schmerzen in meinem Unterleib ignorierend, schlurfte ich ins Bad und wusch die getrockneten Überreste der letzten Nacht von meinem Körper. Da ich mich absolut beschissen fühlte, schlüpfte ich in eine Jogginghose und einen übergroßen Pullover und verdrängte die Tatsache, dass ich damit nicht besonders gut aussah.
Aber im Grunde war es mir auch total egal.
Wonho war mir egal.
Das miese Ende von meinem Ende war mir auch egal. Gerade wollte ich einfach nur noch nach Hause und mich in meinen eigenen vier Wänden verkriechen.
Schlecht gelaunt begann ich meine Taschen zu packen und kontrollierte mehr als nur einmal, ob ich auch wirklich alles hatte.
Die gepackten Koffer stellte ich anschließend neben die Tür und betrat den kleinen Balkon, der zu meinem Zimmer gehörte. Ich hatte noch ausreichend Zeit für ein Frühstück, doch so wirklich Hunger hatte ich nicht wirklich. Die Sache mit Wonho schlug mir auf den Magen und ich starrte missmutig zum Horizont. Die Aussicht war wirklich atemberaubend, aber auch damit besserte sich meine Laune nicht und versuchte Wonho mit aller Macht aus meinen Gedanken zu verdrängen.

Als es schließlich soweit war, versteckte ich mich hinter einer übergroßen Sonnenbrille und wartete vor dem Hotel, auf mein bestelltes Taxi. Für einen kurzen Moment hoffte ich sogar, dass Wonho auftauchen und sich von mir verabschieden würde. Dass der Gedanke total schwachsinnig war, musste mir natürlich niemand sagen.
Das einzige Positive an diesem Tag war, dass mein Taxi pünktlich war und ich somit keinen Zeitdruck am Flughafen haben würde. Ausatmend ließ ich mich auf den Beifahrersitz fallen und verzog mein Gesicht, als der Schmerz für einen Moment zurückkehrte. Munter redete der Fahrer auf mich ein und schien sich nicht daran zu stören, dass ich absolut nicht reagierte. Meine Stirn gegen das heiße Glas des Fensters gelehnt, warf ich einen letzten Blick in Richtung des Hotels und riss mir hastig die Brille von der Nase.
Ich traute meinen Augen nicht. Dort am Eingang stand tatsächlich Wonho und sah unentwegt zu mir. Sein gequälter Gesichtsausdruck verwirrte mich und ich wusste nicht, was ich davon halten sollte. Wollte er sich damit entschuldigen? Auch wenn ich auf ihn sauer sein sollte, schlug mein Herz bei seinem Anblick ein wenig schneller. Nur mit Mühe konnte ich mich davon abhalten, auszusteigen und zu ihm zu laufen. Zögernd hob ich stattdessen meine Hand und starrte in seine Richtung, als das Taxi langsam losfuhr.

Während der gesamten Fahrt fühlte ich mich unglaublich leer und ausgelaugt. Wonho war mir wichtiger als ich zugeben wollte und doch war es besser, dass wir uns nie wieder sehen würden.
Ich bemerkte das Gedränge am Flughafen nicht mal und ignorierte es einfach, dass ich öfters angerempelt wurde. Zusammen gesunken saß ich auf einem der unbequemen Plastikstühle und starrte apathisch vor mich hin. Mein Flug verspätete sich, was mich nicht mal wirklich wunderte.
Mit einem schlecht schmeckenden Kaffee, aus einem der unzähligen Automaten, vertrieb ich mir die Zeit. Kreischende Kinder, übel gelaunte Menschen und die langweiligen Durchsagen, begleiteten mich, bis mein Flieger endlich landete.
Den stundenlangen Flug, zurück nach Seoul, verschlief ich glücklicherweise und doch fühlte ich mich danach nicht wirklich ausgeruht.
Mit einem weiteren Taxi ließ ich mich zu meiner Wohnung fahren und war froh, dass der Fahrer dieses Mal einer der schweigsamen Sorte war.

Die Stille, in meiner kleinen Wohnung, war beruhigend für mein aufgewühltes Inneres und ich ließ meine Taschen einfach im Flur stehen. Nach zwei Wochen strahlendem Sonnenschein, weißen Sandstränden und türkisfarbenem Meer, war es in Seoul bedrückend grau und kalt. Rasend schnell war das Gefühl von Alltag zurück, obwohl ich noch zwei Tage frei hatte, bevor ich wieder arbeiten musste. Erschöpft und müde schlurfte ich durch meinen Flur und ließ mich einfach auf mein Bett fallen. Ich machte mir nicht mal die Mühe, mich meiner Klamotten zu entledigen, sondern schloss einfach die Augen.

Normalerweise war ich so professionell, dass ich meine privaten Probleme nicht mit zur Arbeit mitnahm, aber dieses Mal konnte ich es beinah nicht verhindern. Wonho hatte ich komplett aus meinen Gedanken verbannt und stempelte ihn als den größten Fehler in meinem Leben ab. Ein bedeutungsloser Urlaubsflirt.

Drei Wochen später hatte ich den stressigsten Morgen aller Zeiten und der Alttag hatte mich wieder. Fluchend war ich durch meine Wohnung gerannt und das nur, weil ich meinen Wecker überhört hatte. Schlecht gelaunt schaffte ich es nur einen Kaffee zu trinken und sprintete dann zur Arbeit. Ich kam eine halbe Stunde zu spät und durfte mir von meinem Chef erstmal etwas anhören. Wortlos ließ ich es über mich ergehen und sparte mir anzumerken, dass ich zum ersten Mal zu spät gekommen war. Erst als er rasend vor Wurt in seinem Büro verschwunden war, seufzte ich genervt und trat meine Schicht an.
Durch den schlechten Start in den Tag, war meine Laune nicht besonders gut und es fiel mir schwer, überhaupt zu Lächeln. Dass es ziemlich gequält aussah, war mir klar, aber anscheinend bemerkten es die Gäste nicht oder sie wollten es nicht sehen.

Das Klingeln der Türglocke kündigte einen weiteren Gast an und ich konnte mir nur knapp, ein genervtes Augenrollen verkneifen. Mit einem unterdrückten Seufzen räumte ich die letzte Tasse in den Schrank und drehte mich dann zum Tresen um.
"Guten Tag. Was darf es sein?", fragte ich trotzdem freundlich und erstarrte, als ich erkannte, wer dort vor mir stand. Unsere Blicke verfingen sich ineinander und nur langsam sickerte die Erkenntnis zu mir durch.
"Wonho?", fragte ich dümmlich und räusperte mich, als meine Stimme zum Schluss versagte. Wonho selbst, öffnete mehrmals den Mund und schloss ihn dann wieder, ohne etwas zu sagen. Es war mir nicht möglich aus seinem Gesichtsausdruck zu erkennen, ob er sich freute mich zu sehen oder ob er einfach nur geschockt war.
Zu einem viel tiefgründigerem Gespräch kamen wir allerdings auch nicht mehr, als sich plötzlich ein junge Frau neben ihn stellte. Mit einem Wimperaufschlag, den so mancher Mann umgehauen hätte, schmiegte sie sich an seine Seite. Meine Freude Wonho wieder gesehen zu haben, schlug direkt in Fassungslosigkeit um. Denn es war mehr als nur offensichtlich, dass die Beiden zusammen waren. Ihr verliebter Blick löste ein ungutes Gefühl in mir aus und als er auch noch ihre Hand nahm, wäre ich am liebsten einfach abgehauen.
"Hast du schon bestellt?", fragte Wonhos Begleitung und riss ihn damit aus seiner Starre.
"Ähm... nein", stammelte er und lächelte sie entschuldigend an. Leise kichernd, hauchte sie ihm einen Kuss auf die Wange und bestellte dann selbst.

Erleichtert, weil ich ihn nicht mehr direkt ansehen musste, kümmerte ich mich darum und presste meine Lippen zu einem schmalen Strich zusammen. Ich wusste nicht, was ich fühlen oder denken sollte und meine Hände zitterten so stark, dass ich beinah ihren bestellten Kaffee verschüttete.
"Hier bitte schön. Ich wünsche einen schönen Tag", lächelte ich und hatte im selben Moment das Bedürfnis zu kotzen. Noch immer wollte kein Wort über Wonhos Lippen kommen und er schmiss mir das Geld beinah auf den Tresen. Fluchtartig verließ er den Laden, während seine Freundin mich freundlich anlächelte und den Kaffee entgegen nahm. "Schönen Tag noch", flötete sie und folgte ihrem Freund dann.

Eine Welle aus Gefühlen brach über mir zusammen, als ich langsam realisierte, dass ich für Wonho wirklich nur ein kleiner Spaß für zwischendurch gewesen war. Obwohl er vergeben war, hatte er sich mit mir vergnügt. Wahrscheinlich hatte das halbe Hotel von seinen Qualitäten im Bett gewusst und ich war einfach nur blind in den größten Fehler meines Lebens gestolpert. Dass ich ihm damit wahrscheinlich etwas unterstellte, war mir in diesem Moment völlig egal. Ich hatte mit einem vergebenen Mann geschlafen, der anscheinend gegenüber seiner Freundin nicht mal ein schlechtes Gewissen hatte. Wütend pfefferte ich das Geld in die Kasse und biss mir schmerzhaft auf die Wange, um den nächsten Kunden nicht direkt anzuschreien.

Als könnte der Tag nicht noch schlimmer werden, war mein Chef immer noch auf mich sauer und versaute mir meinen ersehnten Feierabend. Drei Stunden verbrachte ich zusätzlich im Lager und sollte die Regale putzen und aufräumen. Meine Knöchel traten weiß hervor, während ich verbissen über das Metal wischte und trotzdem versuchte ordentlich zu sein. Beim Einräumen war mir schließlich alles egal, versuchte dabei nicht mal wirklich leise zu sein und warf meine Arbeitskleidung später aggressiv in meinen Spind.
Mit ein paar gemurmelten Worten verabschiedete ich mich von meinen Kollegen und war froh, als ich endlich an der frischen Luft war. Mit gesenktem Kopf und meinen Händen tief in den Hosentaschen vergraben, machte ich mich auf den Weg nach Hause. Verbissen verbannte ich Wonho aus meinen Gedanken und hoffte, dass ich ihn nicht nochmal treffen würde.
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