Can´t stay away

von Liany
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Hyungwon Wonho
12.04.2019
19.07.2019
12
19316
5
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Kapitel 10
I give up everything for you


Eine Woche später stand Yumi wieder vor meiner Tür. Tränen glitzerten auf ihren Wangen und mir war sofort klar, was passiert war. Wortlos zog ich sie in eine Umarmung und tröstete sie, ehe sie zu sprechen begann.
"Er ist zuhause und weint", murmelte sie kraftlos und mir wurde klar, wie stark ihre Bindung zueinander war. "Ich wusste, dass es schwer werden würde. Aber es hat mich doch härter getroffen als gedacht."
"Verständlich. Ihr habt so viel Zeit miteinander verbracht. Es wäre seltsam, wenn es einfach so an dir vorbeigehen würde", meinte ich und streichelte beruhigend über ihren Rücken.
"Du hast Recht", stimmte sie mir zu und löste sich verlegen von mir. Räuspernd trocknete sie ihre Tränen und lächelte mich dann gequält an.
"Ich bring dich zu ihm", sagte sie und wartete bis ich mich umgezogen hatte. Aufregung erfasste mich, denn ich hatte mir nicht wirklich überlegt, was ich sagen wollte. "Mach dich darauf gefasst, dass er nicht erfreut sein wird, dich zu sehen. Er hofft wahrscheinlich darauf, dass ich nochmal mit ihm reden möchte", teilte sie mir mit und zusammen machten wir uns auf den Weg. Schweigend liefen wir nebeneinander her und je näher wir Wonhos Wohnung kamen, umso nervöser wurde ich tatsächlich.

"Bist du bereit?", fragte Yumi mich, als wir schließlich vor seiner Tür standen.
"Nicht wirklich", gab ich zu und spielte nervös am Saum meines Pullovers herum. "Er wird bestimmt nicht mit mir sprechen wollen."
"Lass dich nicht abwimmeln und bleib hartnäckig. Auch wenn er sich sträubt", erwiderte Yumi und klopfte mir aufmunternd auf die Schulter. "Du schaffst das. Für mich gehört ihr zusammen."
Es rührte mich, dass sie so über Wonho und mich dachte.
"Wie hast du gemerkt, dass ich ihn mag?", fragte ich nach.
"An dem Tag, als ich überraschend vorbeigekommen bin, bist du später eifersüchtig abgehauen", meinte sie und lächelte mich verlegen an. "Du hast dich mit deiner Reaktion verraten."
"Hat Wonho dir erzählt, dass wir miteinander geschlafen haben?"
Überrascht klappte ihr der Mund auf und sie schüttelte hastig den Kopf. "Das ist mir neu. Aber es freut mich. Du bist der erste Mann, dem er seit Jahren so nah gekommen ist."
"Es irritiert mich immer noch, dass du das alles so locker aufnimmst", lachte ich. "Es sah so echt aus, wenn ich euch zusammen gesehen habe."

"Es ist für uns zur Normalität geworden, ein Pärchen zu sein. Aber ich habe immer wieder gehofft, dass er endlich jemanden kennenlernt. Bei dem er sich fallen lassen kann und sich nicht mehr versteckt", meinte sie und lächelte leicht.
"War das für dich nicht schwer? Immerhin hast du doch bestimmt einen Partner gesucht oder nicht?"
"Um ehrlich zu sein, bin ich schon seit einem halben Jahr in einer Beziehung", gab sie überraschend zu und  kicherte verlegen. "Wir führen eine Fernbeziehung, da er im Ausland arbeitet. Aber ich habe ihm alles von Wonho und mir erzählt. Er vertraut mir."
Mit einem Mal wurde mir klar, dass Yumi wirklich in Ordnung war und all meine eifersüchtigen Gedanken völlig unbegründet waren. Sie war einfach nur die beste Freundin, die man sich wünschen konnte und sie half mir gerade, mein eigenes Glück zu finden.
"Danke", murmelte ich und umarmte sie freundschaftlich. "Für alles."
"Schnapp ihn dir", grinste sie und drückte im nächsten Moment auf die Klingel. Das surrende Geräusch des Türöffners signalisierte uns, dass wir das Treppenhaus betreten konnten.
"Ich hab ihm eine Nachricht geschrieben, dass ich nochmal mit ihm reden will. Er denkt also, dass ich jetzt zu ihm hochkomme", warnte sie mich und hob zum Abschied die Hand. "Ich wünsche dir ganz viel Glück."
Einen Moment sah ich ihr noch hinterher und stieg dann langsam die Treppen nach oben.

Mit klopfendem Herzen ging ich um die letzte Ecke und erstarrte, als ich Wonho vor mir erkennen konnte. Seine geröteten Augen weiteten sich und er schnappte nach Luft. "Hyungwon", hauchte er und trat direkt den Rückzug an. So wie Yumi mich vorgewarnt hatte, wollte er mich tatsächlich aussperren. Doch mit ein paar hastigen Schritten war ich bei ihm und stemmte mich gegen die Tür, die er gerade zuschlagen wollte.
"Warte." Wonho erstarrte und blickte mir unsicher entgegen. "Ich möchte nur mit dir sprechen", flehte ich ihn an. Die Sekunden verstrichen und ich rechnete nicht mehr damit, dass er mich wirklich anhören würde.
"Nur wenn es unbedingt sein muss", murmelte er und machte mir damit keine großen Hoffnungen. Es war mehr als deutlich, dass er mich nur widerwillig eintreten ließ und ohne mich anzusehen verschwand er wortlos im Wohnzimmer.
Die Tür hinter mir schließend, stellte ich meine Schuhe in den Flur und folgte ihm schließlich. Ich war schon so oft hier gewesen und doch fühlte es sich heute anders an. Nach unserem Gespräch würde sich entscheiden ob ich nochmal herkommen würde oder nicht.

Seine Beine an die Brust gezogen, saß er in der hintersten Ecke der Couch und sah mit geröteten Augen an die Wand vor sich. Schweigend setzte ich mich neben ihn und wusste nicht wie ich das Gespräch beginnen sollte.
"Yumi hat mir alles erzählt", sagte ich leise und trotzdem zuckte Wonho zusammen. "Ich bin nicht sauer auf dich. Höchstens ein wenig enttäuscht."
Mir war klar, dass er nicht reagierte und seufzte enttäuscht. "Ich mag dich wirklich sehr. Die letzten Wochen war der Horror und ich habe dich vermisst", gab ich zu und redete mir alles von der Seele, was mich gerade beschäftigte. "Ich kann dich verstehen, dass du Angst hast. Sich seine Sexualität einzugestehen ist immer schwer. Ich hatte das Glück, dass meine Eltern hinter mir standen und mich unterstützt haben."
Unauffällig warf ich einen Blick in Richtung Wonho und stellte fest, dass ihm stumme Tränen über die Wangen liefen. Ich wusste nicht, ob er meine Nähe gerade ertragen konnte, weshalb ich mich nicht traute ihn zu trösten.

"Ich bereue keine Sekunde die ich mit dir verbracht habe. Es war die schönste Zeit in meinem Leben und ich würde nichts anders machen. Wenn ich die Chance hätte dich ein weiters Mal kennenzulernen, würde ich es wieder tun. Ich bin für dich da, auch wenn du mich nicht mehr sehen willst. Yumi hat mir gesagt, dass ich mich um dich kümmern soll und das habe ich vor", sprach ich einfach weiter und knetete nervös meine Finger. Wonhos leises Schluchzen schickte kalte Schauer über meinen Rücken. "Ich werde mich nur von dir fernhalten, wenn du es ausdrücklich sagst. Aber ich bin ehrlich. Ich kann nicht mehr ohne dich und würde am liebsten immer in deiner Nähe bleiben."
Ich machte eine kleine Pause, gab mir Zeit meine Gedanken zu sortieren und konnte nicht verhindern, dass mir vereinzelt Tränen in die Augen schossen. Ich litt mit Wonho und doch konnte ich ihm nicht wirklich helfen.
"Ich wäre bereit, alles für dich aufzugeben. Ich würde sogar eine heimliche Beziehung mit dir führen, solange du glücklich bist. Es gibt bestimmt eine Lösung für deine Angst und ich wünsche mir, so wie Yumi auch nur, dass du endlich frei sein kannst."

Wimmernd presste ich meine Hände auf meine Augen und ließ meinen Tränen freien Lauf. Es war alles zu viel. Wonho sagte kein Wort, meine Gefühle überrollten mich und Hoffnungslosigkeit machte sich in mir breit.
"Du willst es wahrscheinlich nicht hören und lieber bei Yumi sein. Sie ist wirklich toll und du kannst dich glücklich schätzen, solch eine gute Freundin zu haben. Ich kann sie nicht ersetzen und ich bin auch keine Frau, wenn es dir darum geht. Aber ich liebe dich. Mit jeder einzelnen Faser meines Körpers liebe ich dich."
Schluchzend senkte ich meinen Kopf, spürte die Tränen die über meine Nase auf meinen Oberschenkel tropften und krallte meine Finger in das weiche Polster unter mir. Ich hatte nicht mal vorgehabt zu weinen, doch dagegen wehren konnte ich mich nicht wirklich.
"Kannst du wenigstens etwas sagen?", wimmerte ich und hob den Kopf, um in seine Richtung zu sehen.

Wonhos gequälter Gesichtsausdruck raubte mir den Atem, bevor er zu meiner Überraschung zu mir rutschte. "Es tut mir Leid", wimmerte er und schlang seine Arme um meinen Hals, bevor er sich schluchzend an mich drückte. Überfordert legte ich meine Hände auf seinen Rücken und streichelte darüber. Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren und wusste nicht, wie lange wir einfach nur dagesessen hatten. Keiner von uns wollte den anderen loslassen und Wonho rutschte auf meinen Schoß, bevor er tief ausatmete.
"Ich wollte dich nicht verletzen", murmelte er an meinem Hals, was mir eine Gänsehaut bescherte. "Ich mag dich auch, Hyungwon."
Mein Herz machte einen kleinen Satz, als ich seine Worte vernahm und ich festigte meine Umarmung.
"Du würdest mir wirklich helfen?", fragte er schüchtern und löste sich minimal von mir, um mir ins Gesicht sehen zu können.
"Natürlich", sagte ich ohne zu zögern und legte meine Hand an seine Wange. "Ich meinte meine Worte so, wie ich sie gesagt habe."
Anstatt etwas zu sagen, erschien ein liebevolles Lächeln auf seinen Lippen. Sanft und zärtlich küsste er mich, zeigte mir somit, wofür er sich entschieden hatte.
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