9A

von Ariix
GeschichteAbenteuer, Übernatürlich / P12
12.04.2019
12.04.2019
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Die Wolken zogen über unsere Köpfte. Der Wind bliess durch unsere Haare. Wir, die Klasse 3A, standen vor unserer Schule, welche nur von Bauarbeitern, Kranen und anderem Baustellenzeugs umgeben war. Es gab viele, die sich vor uns fürchteten, viele, denen wir ein Strich durch die Rechnung sind. Trotzdem existierten auch viele, die ihre Hoffnungen in uns stecken. Und alles in einem, bin ich wohl doch zufrieden mit dem, wer wir heute sind, auch wenn der Weg zu unserem derzeitigen "uns" nicht der Schönste war. Ja, das war er. Das war der Moment, nach dem ich mich so lange gesehnt habe.

- 1 Monat zuvor -

Hastig schlüpfte ich in meine Schuhe, welche nicht nur recht eng waren, sondern auch ein mittelgrosses Loch am Ende meines grossen Zehs besassen. Also schwing ich mir meinen Rucksack hinter die Schultern, schlug die Türe auf und rannte los. Der Morgen war echt eine einzige Katastrophe. Ich habe nicht nur verschlafen, was vermutlich daran lag, dass ich bis 3 Uhr nachts meine heissgeliebten Serien geschaut habe, sondern habe ich auch noch vergessen, für den riesigen Biologietest, den wir direkt in der ersten Stunde haben, zu lernen. Das ist zwar nicht das erste Mal, dass mir sowas passierte, doch diese Prüfung machte ganze 33% der Gesamtnote aus. Und ausserdem, was zur Hölle ist bitte schon mit dem Wetter los? 20° Celsius um 7 Uhr morgens? Dabei ist es doch erst Anfang Sommer! Gestresst rannte ich über die Wiese, welche voller frisch erblühten Blumen erstrahlte, und welche ich immer als Abkürzung zur Bushaltestelle nahm, auch wenn darunter vielleicht ein oder zwei der schönen Pflanzen leiden mussten. Im letzten Moment sprang ich wie ein wildes Tier aus dem Gebüsch, nur um dann fast schon vor den Bus zu stolpern, welcher gerade kurz davor war loszufahren. Gerade noch geschafft. „Zack, wenn auf dem Fahrplan 07:08 steht, dann meint man damit auch 07:08." Herr Findich, für mich aber Hugu, welcher wie immer mit einer krummen Haltung vor dem Lenker sass, tippte mehrmals auf seine billige Armbanduhr, um darauf zu deuten, dass es schon 07:09 ist, und ich mich gefälligst daranhalten sollte. „Und trotzdem wartest du jeden Morgen auf mich." Ich schmunzelte und lief zu einem Platz, wo ich dann meinen viel zu schweren Rucksack ablegte und mich auf meinen Hintern setzte. „Für dich immer noch Herr Findich!", rief er mir noch hinterher, obwohl er genau wusste, dass ich ihn niemals so nennen würde. Ich kenne den Typen durch die Firma meines Vaters, die schnellste Transportfirma im ganzen Land. Und Hugu hatte einmal das Privileg den LKW zu bedienen. Nun ja, zumindest so lange bis er in eine Laterne fuhr und somit seinen Job verlor. Aber genug herumgetrödelt, ich muss die Zeit nutzen um zu Büffeln. Also öffnete ich meinen Schulranzen, nur um dann festzustellen, dass ich dieses verdammte Buch nicht dabeihatte. Mein Herz schien mir fast schon meine Rippen zu brechen, so stark schlug es. Verdammt, das wird meinem Vater gar nicht gefallen. Achja, mein Vater ist ein Mistkerl. Zwar macht er einen Umsatz wie kein anderer, jedoch wollte er mir „ein normales Leben" ermöglichen, weshalb er sein riesiges Budget nicht mit mir teilte. Daher auch die Löcher in den Schuhen. Ich stieg an der richtigen Bushaltestelle aus und sprintete durch den Schulhof, schliesslich gab es noch die Möglichkeit, wenigstens vor dem Unterricht die Seiten kurz zu überfliegen. Ich öffnete die Glastüre, eilte durch den Flur und stürmte in das Klassenzimmer rein. Es waren bereits mehrere Klassenkameraden anwesend, unter anderem mein Sitznachbar. „Simon, Simon, pack deine Biologiesachen aus!" Noch während ich zu meinem Platz schritt schrie ich durch das Zimmer. Halbverschlafen schaute er mich an, als würde ich chinesisch sprechen. „Was ist los? Schlecht geschlafen?" Eigentlich sollte ich meine Fresse halten, schliesslich bin ich derjenige, der mitten in der Nacht noch mit seinen Serien beschäftigt war. „Hab’ bis halb 4 Morgens gezockt, lass mich in Ruhe", antwortete er mit einem mürrischen Gesicht, und machte es sich mit seinen Armen auf seinem Schreibtisch gemütlich. Bis halb vier zocken? Der Typ ist ja immer noch schlimmer als ich. Mittlerweile kenne ich ihn seit 3 Jahren, und ich habe ihn, zumindest am Morgen, noch nie richtig ausgeschlafen im Klassenzimmer gefunden. „Ich brauche dein Biologiebuch, ich hab’ komplett vergessen zu lernen." Ich schleuderte meinen Rucksack auf den Boden und setzte mich. Er starrte mich mit sehr auffälligen Augenringen an. „Wofür lernen?", entgegnete er mir. „Du hast doch nicht etwa vergessen, dass wir heute eine Prüfung haben?", fragte ich ihn. Eine Weile lang schaute er mich nur an, bevor sich sein Gesichtsausdruck von einem Gelangweilten in ein Verstörtes umwandelte. „Was!? Diese Prüfung ist heute!? Wann hat er das gesagt? Dieses verdammte Arschloch von Lehrer hat es wahrscheinlich in den letzten Sekunden vor dem Klingeln im Flüsterton gesagt!" Verdammt, also sitzt er genauso in der Patsche wie ich. „Komm mit, wir borgen uns ein Buch", sagte ich und stand auf. „Ne, bin sowieso geliefert." Der Kerl ist so motiviert wie eh und je. Also lief ich rüber zu der Person, von der ich überzeugt war, dass sie gelernt hatte. „Hey Jenni, kann ich dein-" ruckartig drehte sie sich rum und fing an zu reden. „Da bist du ja, hast du die neue Folge Prison Break gestern geschaut?" Stimmt ja, diese Idiotin ist ein noch schlimmerer Serienfreak als ich es bin. Sie ist zwar jemand, der gute Noten schreibt, und auch extrem viel lernt, aber um ehrlich zu sein macht sie auf mich nicht wirklich den hellsten Eindruck. Und das nicht nur weil sie latein-amerikanisch ist. „Hör zu, ich brauch einfach nur dieses verdammte Biologie Buch."
„Ach das. Das habe ich nicht dabei."
„Was meinst du mit ‘’Das habe ich nicht dabei’’?"
„Nun ja, heute haben wir doch die Prüfung, und die geht die ganze Stunde lang. Also warum sollte ich es dabeihaben?"
Das ist er. Der Moment, in dem ich so vieles bereuen muss. Und in 10 Minuten fängt auch schon die Lektion, und damit der Anfang des Untergangs, an. Es gibt nur eine Hoffnung. Ich blickte nach links, wo Lara, die beste Freundin von Jenni, stand. „Hey Zwerg, rück mal das Buch rüber." Sie glotzte mich an, so als ob ich etwas Falsches gesagt hätte. „Zwerg!? Wen meinst du mit Zwerg!?" Stimmt ja, sie mochte das nicht, das hatte ich fast vergessen. Um ehrlich zu sein hatte ich es nicht vergessen, ich feierte nur ihre Reaktionen.
„Ach, das tut mir wirklich leid."
„Das hoffe ich doch."
„Ich nenne dich ab jetzt Gnom."
„Das ist ja noch schlimmer!", schrie sie mich an. „Hör zu, du bist 1.60 Meter, und damit die kleinste Person in diesem Raum. Wie sollte ich dich sonst nennen?" Das erinnerte mich an die Zeit, als ich noch neu in diese Klasse kam. Damals war ich auch noch ein Zwerg, ich und Lara waren auf derselben Höhe. „Ausserdem ist es mittlerweile schon zu spät, um deinen Arsch zu retten", sagte sie und deutete auf die Türe, welche gerade von unserem mürrischen, alten Biologielehrer geöffnet wurde. Verdammt, jetzt hab’ ich es vermasselt. Ich habe keine Zeit, um mich vorzubereiten. Alle sind schon dabei, sich hinzusetzen. „Zack, setz dich hin, die Prüfung beginnt." Der alte Sack hatte ein dämliches Grinsen auf seinem Gesicht, als ob er wusste, was vor sich geht. Also hatte ich keine Wahl, als mich dem Satan höchst persönlich zu stellen. Die Zeit verging, und als die Stunde, und damit auch die Prüfung, zu Ende ging, war ich ungelogen übermassen glücklich. Ich hatte die Prüfung zwar versaut, aber es gibt kein schlimmeres Gefühl, als von Aufgabe zu Aufgabe zu springen, ohne etwas ausfüllen zu können. „Man, die Prüfung war ja echt nicht schwierig." Als ich mich umdrehte, um der Person, welche diesen Bullshit gerade ausgesprochen hat, ins Gesicht zu spucken, kamen die anderen Jungs rüber. „Ich will sterben." Der Typ, der das gesagt hatte, war Janik. Kaum zu glauben, dass er einer der Schlechtesten in den Prüfungen ist. Denn so einen dummen Eindruck machte er gar nicht. „Ach kommt, so schlimm war es doch gar nicht." Eine weitere Person trat dem Gespräch bei. „Du hast es auch leicht, Andres, deine Noten sind übernatürlich und du büffelst wie ein Schwein!" Ach man, wie ich diese Klasse liebe. In meiner alten, also bevor ich das Jahr wiederholen musste, war es anders. Irgendwie konnte ich mich einfach nicht zurechtfinden, ich hatte kaum Freunde und der Alltag war eine Qual. Ich konnte mich nicht in die Klasse intrigieren, da ich fürchte, dass ich irgendetwas falsches sagen würde. Andauernd besass mich die Furcht vor dem unbeliebt sein, was dazu führte, dass ich wie ein Geist lebte – ohne dass ich gross auffiel. „Aber hey, Themawechsel, habt ihr schon Claw-Vorfall gehört?" Meine Aufmerksamkeit stieg, als diese Frage in die Runde geworden wurde. „Ja, hab’s in den Nachrichten gesehen. Anscheinend ist er noch auf der Flucht." Ja, es passierte schon wieder. „Was? Es gab noch einen Angriff? Was ist passiert?" Über dieses Thema schienen alle immer so aufgeregt. Menschen – nein – Menschenähnliche Monster mit übernatürlichen Kräften, die „Claws" genannt werden, treiben seit einigen Jahren ihr Unwesen. Wissenschaftler sind sich nicht sicher, woher sie kommen, aber eins ist klar: Diese Monster sind gefährlich. Immer wieder versucht der Staat, ein Exemplar gefangen zu nehmen, doch diese Viecher töten meistens ohne auch nur zu Zögern mehrere Soldaten. Allein in diesem Jahr gab es schon 163 Todesfälle, 132 davon waren Soldaten, der Rest normale, unschuldige Bürger. Einer dieser Bürger war auch meine Mutter, welche durch so ein Biest getötet wurde. Und das Schlimmste ist, dass der Täter immer noch frei herumläuft. „Zack, du willst doch in den Anti-Claw Trupp, oder?"
„Ja."
„Was echt? Irgendwie hätte ich schon Schiss, so ein Ding zu bekämpfen."
Der Anti-Claw Trupp. Wie der Name schon sagt, ist dies eine Eliteeinheit, die extra dafür ausgebildet wurde, um Claws zu jagen und niederzustrecken. Diese Leute sind die wahren Helden der Erde. Da Fernkampfwaffen, welche durch Munition betrieben werden, angeblich nur wenig bis gar keine Auswirkungen auf diese Monster haben, müssen sie sich sogar in den Nahkampf wagen. „Es gibt eine Theorie, dass Claws nur Menschen mit einer Krankheit sind. Das würde jedoch nicht ihr aggressives Verhalten erklären." Robin, welcher in das Gespräch eintrat, erzählte das mit voller Begeisterung, so als ob er die Theorie selbst aufgestellt hätte. Eine Krankheit? Von wegen! Das sind einfach nur Monster, die sich als Menschen tarnten. Ja, es sind nur Monster. Keine Gefühle, kein Herz, es sind nur Monster. „Naja, die Legende von Ikrol interessiert mich irgendwie mehr." Immer mehr Schüler kamen dazu, was kein Wunder war. Das Thema Claws ist gerade sehr beliebt, schliesslich ist es das erste übernatürliche Phänomen das bewiesen wurde. „Die Legende von Ikrol?"
„Als ob du noch nie davon gehört hast? Diese Theorie sagt aus, dass vor rund 200 Jahren eine Insel in der Luft existierte. Auf dieser sollen angeblich nur Claws gelebt haben. Jedoch wurde diese Insel auf Grund eines Krieges zwischen den 5 Herrschern, auch genannt den 5 Göttern von Ikrol, zerstört und fiel somit mitsamt den Claws auf die Erde", meinte ich.
Ja, es kann natürlich sein, dass ich, nachdem ich von dem Tod meiner Mutter erfahren habe, mich sehr über Claws und deren Theorien informiert habe. „Ist das nicht ein bisschen zu Fantasy? Ausserdem erklärt keiner dieser Theorien das Basis- und Erweitert-Prinzip", antwortete Robin auf meine Erklärung. Ja, dieses Prinzip war eines der ersten Sachen, die ich über diese Monster aufgenommen habe. Die Claws können nämlich in zwei Gruppen aufgeteilt werden: Basis und Erweitert. 94% aller Claws haben die Basis Eigenschaft. Diese gibt dem Besitzer übermenschliche Kraft, sowohl Physisch als auch Psychisch. Ausserdem haben sie die Fähigkeit, Energie in Form von grün Leuchtender Materie auszustrahlen. Als ich das das erste Mal durchlas, war ich verwirrt, doch seitdem ich mehrere Aufnahmen von Claw Angriffen angeschaut habe, verstehe ich es. In den meisten Fällen schiessen sie grüne, laserähnliche Geschosse aus ihrem Körper. Oft kommt diese Energie als Blitze hervor. Diese Biester tragen auch oft altmodische Waffen, wie Schwerter oder Äxte bei sich, die sie mit krasser Geschwindigkeit und unglaublicher Kraft einsetzen können. Die Fähigkeiten von Erweiterten sind noch merkwürdiger. Diese unterscheiden sich nämlich komplett voneinander. Anders gesagt gab es Fälle, bei denen ein Claw fliegen konnte. Ein anderer konnte Schallwellen erzeugen, die fast ein Haus zum Einsturz brachten. Nunja, egal wie stark sie sind, oder was für eine Fähigkeit sie besitzen, es sind immer noch Monster. Und ich werde irgendwann zur Elite, und mich aufmachen, um all diese Bestien niederzustrecken.
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