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Wake Up

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
12.04.2019
08.04.2021
50
86.309
41
Alle Kapitel
125 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
08.04.2021 1.866
 
Tag 125: Mütter, Väter und der Rest der Familie...



Riley:

Er hatte ja damit gerechnet, dass Dany jemand war, der mit jedem gut auskam, aber dass er es sogar schaffte, sich ohne Probleme mit seiner Mum zu unterhalten, hatte keiner von ihnen erwartet.

Sie hatten abgemacht, am Tag vor Weihnachten, mit seiner Familie Mittag zu essen und abends dann mit Danys. Wenn er ehrlich war, freute er sich schon, wenn sie das alles hinter sich gebracht hatten und abends dann gemeinsam im Bett liegen konnten. Er wusste, dass es Dany genauso ging. Wenn man genau hinsah, dann bemerkte man, dass Dany angespannt dasaß, jederzeit bereit aufzuspringen und davon zu laufen. Immer wenn er die Hände zwischen die Oberschenkel steckte, wusste Riley, dass Dany versuchte das Zittern zu verstecken. Er selbst war auch nicht grad die Ruhe selbst. Er hörte mit beiden Ohren zu und war jederzeit dazu bereit, seine Mum zu unterbrechen.

Seine Brüder hatten die Idee gehabt sie auch einzuladen, auch wenn das Verhältnis zwischen ihnen noch immer einiges zu bemängeln hatte. Weihnachten hatten sie immer zusammen als Familie verbracht. Mehr oder weniger zumindest. Es war immer ein Desaster gewesen. Dad hatte irgendeine Frau mitgebracht, Mum hatte sich noch einen zwanzig Jahre jüngeren Typen gesucht und dann war die ganze Sache erst losgegangen. Meistens hatte es dann in einem riesen Streit geendet und er und seine Brüder waren gegangen.

Aber sie schien Dany zu mögen. Er gefiel ihr. Dany hatte keine Narben, keine Tattoos, keine Makel. Er war klein und schmal, sah niedlich aus, wenn man es so nannte. Mit den großen, immer blauer werdenden Augen, die einen völlig in ihren Bann zogen, wenn man einmal hineinsah und die kleinen Grübchen, wenn er lachte, alles an ihm schien einfach perfekt zu sein, genau das, was seiner Mum gefiel. Alles, was er nicht war.

Es hatte ihn nicht gewundert, dass sie ihm kaum Beachtung geschenkt hatte, nicht mehr als ein verwerflicher Blick auf seine Tattoos und auf seine Narben. Ein leises "Hallo Riley" und das wars auch schon gewesen. Als sie dann Dany gesehen hatte, war sie wohl neugierig geworden und hatte Alex gefragt wer das war. Seitdem saß sie nun da und unterhielt sich mit dem Jungen, dem es zunehmend unangenehm wurde.

Riley rutschte näher an Dany heran und legte einen Arm um ihn.

,,Sollen wir mal zu Alex in die Küche sehen?", Dany sah kurz zu ihm auf und nickte dann leicht. Riley konnte fast schon sehen, wie eine Last von den Schultern seines jungen Freundes fiel, als sie beide aufstanden und das Wohnzimmer verließen.

,,Tut mir leid, dass ich dich nicht schon früher von ihr befreit habe, D.", er drückte Dany einen Kuss auf die Stirn und strich ihm eine Strähne hinters Ohr.

Dany lachte leise und schüttele leicht den Kopf: ,,Mach dir keine Gedanken darüber. Sie ist eben neugierig. Meine Mum hat dich ja auch gar nicht mehr weglassen wollen. Vielleicht war sie nur ein wenig...gehaltener."

,,Ich kann es kaum erwarten heute Abend einfach ins Bett zu fallen und gar nichts zu machen.", er atmete tief aus und fuhr sich übers Gesicht. Viel geschlafen hatte er nicht und besonders viel Zeit zu zweit hatten sie auch nicht gehabt.

Dany schmunzelte: ,,Tatsächlich gar nichts?"

,,Vielleicht einen Film ansehen? Oder eine Massage? Das hätte ich mich doch verdient nachdem ich dich eben gerettet habe, oder etwa nicht?", Riley lachte leise und legte seine Arme fest um Dany und hob ihn hoch.

,,Mal sehen."

,,Ihr habt länger durchgehalten als ich gedacht habe.", Alex grinste schief und warf einen verschmitzten Blick zu Lucas.

,,Eine Wahl hatten wir ja nicht wirklich. Immerhin verkriecht ihr beide euch ja hier.", Dany setzte sich auf einen der Barhocker und zupfte am Ärmel seines Pullovers herum.

,,Wenn ihr wollt könnt ihr ja kochen, dann setzten wir beide uns zu Mum."

Das Essen verlief überraschend ruhig. Kaum ein Wort fiel, und wenn dann nur weil jemand Salz oder Pfeffer brauchte oder einen Nachschlag wollte. Dany wirkte manchmal recht abwesend oder nachdenklich. Vermutlich dachte er an das Abendessen mit seinen Eltern und deren neuen Partnern. Das Ganze kam ihm nur allzu bekannt vor...

Als sie sich dann schließlich nachmittags verabschiedeten und im Auto saßen, atmete Dany tief aus.

,,Alles in Ordnung?", er legte seinem jungen Freund eine Hand auf die Wange und legte fragend den Kopf schief. Dany nickte knapp und fuhr sich übers Gesicht.

,,Ich bin einfach froh, wenn der Tag heute vorbei ist. Ich weiß schon jetzt, dass heute Abend das reinste Desaster werden wird und es tut mir jetzt schon leid, dass du dabei sein musst..."

,,Mach dir keine Sorgen, D. Sag mir, wenn das ganze zu viel für dich wird und wir fahren zu mir. Das wird schon.", er drückte Dany einen Kuss aufs Haar und fuhr los.

Klar, war er selbst auch nervös. Er würde zum ersten Mal Danys Vater treffen und wenn er so daran dachte, was man ihm erzählt hatte, war dieser Mann nicht ganz so...freundlich. Aber er kannte immerhin den Rest von Danys Familie...



Dany:



Er beobachtete Riley dabei, wie er sich die Schuhe auszog und griff dann nach dessen Hand. Er konnte nicht genau sagen warum, aber zu spüren, dass Riley bei ihm war gab ihm das Gefühl von Sicherheit. Es war wie etwas, an das er sich klammern konnte, etwas, das ihm Halt gab und ihn stützte.

,,Ihr seid ja früh dran.", Nate kam ihnen entgegen, dicht gefolgt von Tamra, welche einen roten Weihnachtspullover trug, mit bunten Bommeln, die dem aufgenähten Christbaum als Schmuck dienten. Dany schmunzelte.

,,Mum hat wohl wieder die Pullover ausgepackt.", stellte er fest und Nate nickte knapp.

Riley folgte ihm erst in die Küche, wo seine Mum schon mit dem Abendessen beschäftigt war. David stand neben ihr, mit einer Weihnachtsmütze auf dem Kopf und schnitt etwas.

,,Ihr seid ja schon da! Essen gibts aber erst um sieben.", sie drehte sich kurz zu ihnen um und widmete sich dann wieder dem Essen. David hob grüßend seine Hand.  Es war seltsam zu wissen, dass er jetzt hier wohnen würde. David sah das genauso, aber sie würden sich daran gewöhnen.

,,Komm, gehen wir nach oben."

,,Aber seid bitte nicht zu laut, ja? Wir mussten schon deinem Bruder und Tam zuhören."

Dany errötete und schob Riley aus der Küche.

,,Ignorier sie einfach."

Riley lachte leise und folgte ihm nach oben.



,,Willst du dich umziehen?", Dany warf einen kurzen Blick zu dem Bett, wo Riley sich ausgestreckt hatte, und öffnete seinen Schrank.

Riley hatte mittlerweile auch etwas Kleidung bei ihm, sodass er nicht ständig alles mitnehmen musste.

,,Ich sehe lieber dir dabei zu."

,,Weiß ich doch.", Dany grinste schief und zog sich das Oberteil über den Kopf. Zuhause trug er meistens einen von Riley Pullovern. Er mochte die Größe und vor allem den Geruch. Er erschrak ein wenig, als er die Hände des anderen auf seinen Hüfte spürte. Dany hatte gar nicht gehört wie sein Partner aufgestanden war.

,,Den Pullover werde ich dann ja wohl nicht anziehen.", Riley drückte ihm einen Kuss auf die Wange und und schlang seine Arme fest um ihn.



Man merkte förmlich, wie die Stimmung kippte, als Mr. Prentiss das Haus betrat. Er wirkte überrascht, Dany ihm die Türe öffnete und ihm sogar ein leichtes Lächeln schenkte.

,,Mum ist in der Küche."

,,Wie geht es dir? Ich habe gehört du wirst bald entlassen."

Dany nickte bloß knapp und ging dann in das Esszimmer, wo Riley gemeinsam mit Tamra und Nate saß.

Höflich wie er eben war, stand Riley auf und stellte sich vor. Sein Dad wirkte ein wenig baff, als er Riley. Er war der Meinung, dass jeder der tätowiert war aus dem Gefängnis kam oder dorthin sollte. Zu aller Überraschung kam aber gar nichts. Kein spitzer Kommentar, keine seltsamen oder herablassenden Blicke. Gar nichts. Eine unangenehme Stille breitete sich aus.

,,Ich dachte du bringst jemanden mit.", Nates Stimme durchbrach schließlich die Stille.

,,Das dachte ich auch aber ich möchte den heutigen Abend mit meiner Familie verbringen."

Ganz plötzlich waren sie also seine Familie. Er hatte sich nicht wirklich nach ihm erkundigt, oder nach Nate, oder nach irgendwem. Einen ganzen Monat hatte niemand etwas von ihm gehört oder gesehen, und dann hatte sein Dad ihm hin und wieder aus Höflichkeit geschrieben. Für ein Telefonat hatte er nie Zeit gehabt.

Ein Blick zu seinem Bruder verriet ihm, dass er nicht alleine so dachte.

,,Ich weiß was ihr beide denkt. Ich sehe es euch an. Ihr seid sauer auf mich und dazu habt ihr auch jeden Grund, aber ich glaube, es ist besser wenn wir ein anderes Mal darüber streiten, nicht heute. Und vor allem nicht vor fremden Leuten."

,,Diese fremden Leute gehören genauso zur Familie wie du und ich.", Dany war froh, dass Nate das reden übernahm. Er selbst brachte sich nicht mal dazu aufzusehen. er starrte auf seine und Rileys ineinander verhakte Hand.

,,Schon gut, Nate. Ich möchte nur euch und eurer Mum den heutigen Abend nicht verderben. Ich weiß, wie wichtig euch Weihnachten ist. Darum halte ich es einfach für besser, wenn wir das alles auf ein anderes Mal verschieben.", so ruhig hatte Dany seinen Dad selten gesehen. Meistens war er schon bei einer Kleinigkeit laut geworden.

,,Hallo Derek. Ich sehe, du tyrannisiert schon mal unsere Kinder.", seine Mum stellte eine Schüssel mit Salat auf den Tisch und klopfte sich dann die Schürze ab.

,,Hallo, Tory."

,,Victoria. Das ist übrigens David....Wo ist deine Begleitung?"

,,Er ist zuhause geblieben.", überrascht weiteten sich Danys Augen. War er der einzige der gerade...ER gehört hatte? Es konnte doch nicht nur ihm aufgefallen sein...?

,,Er?", er flüsterte so leise, dass nur Riley ihn hören konnte und runzelte fragend die Stirn.

,,Ich glaube, dass du und dein Dad noch einiges zu bereden habt.", damit hatte Riley verdammt recht.



Der Abend verlief seltsam...friedlich. Niemand schrie sich an. Niemand maulte oder schimpfte. Eher im Gegenteil. Es wurde gelacht und später gab es sogar das ein oder andere Gläschen Alkohol. Natürlich nur für die Erwachsenen. Die Stimmung wurde immer heiterer. David und sein Dad verstanden sich überraschend gut.

Allmählich verstand Dany, dass es nicht an ihm oder Nate oder ihrer Mum gelegen hatte, sondern an etwas ganz anderem.



,,Weißt du was ich glaube?", Riley sah ihn an und hob fragend eine Augenbraue. Sie lagen eng aneinander gekuschelt im Bett, wie meistens, bevor sie einschliefen.

,,Mein Dad hat endlich das richtige für ihn. Auch wenn es uns alle ziemlich überrascht hat, außer meine Mum. Immerhin wusste sie ja, dass Dad nicht bloß auf Frauen stand. Ich glaube, er wird jetzt glücklicher, weil er jetzt alles an ihm offen akzeptiert hat. Ich habe ihn lange nicht mehr so...zufrieden erlebt.", Riley strich ihm durchs Haar und drehte sich dann zur Seite.

,,Das klingt nach einer guten Sache. Deine Mum ist glücklich, dein Dad auch. Du wirst bald entlassen und ich liege noch immer hier neben dir...Alles hat sich noch irgendwie zum Guten gewendet."

Dany grinste: ,,Ja, das hat es."
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