Songs of Light

von May21
GeschichteRomanze, Familie / P12
Bard Fili Kili Sigrid Thorin Eichenschild
10.04.2019
26.03.2020
9
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Hier kommt das nächste Kapitel, ich hoffe, es gefällt euch so gut wie das letzte :)

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Als sie am nächsten Tag wach wurde, fühlte es sich an, als würden große Steine auf ihr lasten, als ob sie nicht aufstehen konnte. Alle Glieder taten ihr weh, in ihrem Kopf hämmerte es. Sie blinzelte in die Sonne, die schon hoch am Himmel stand und durch ihr Fenster schien. Nach und nach kamen die Erinnerungen vom vorherigen Tag zurück.

Biarn, wie er eine andere Frau küsste. Biarn, dem sie so vertraut hatte, mit dem sie hatte alt werden wollen, bevor...bevor ihr Vater die Ehe mit dem Kronprinzen arrangiert hatte. Mit Fili, den sie zuerst hatte nicht in ihr Herz lassen wollen. Wegen ihm. Wegen Biarn, der sie nun hintergangen hatte. Das Wort hinterließ einen bitteren Nachgeschmack und erneut kamen ihr die Tränen. Wie hatte sie so naiv sein können?

Während ihr leise die Tränen hinabliefen, begann sie zu zittern. Schnell zog sie sich die Decke hoch und hielt sich den Kopf. Jetzt war sie wohl auch noch erkältet. Völlig kraftlos sank sie zurück in die Kissen. Oin wartete bestimmt schon seit Stunden auf sie. Sie biss sich auf die Lippen. Dann klopfte es leise an der Tür.

„Fräulein Sigrid? Ich soll fragen, wo Ihr bleibt?“, fragte eine Dienerin.

Sigrid wischte sich übers Gesicht und versuchte so gut es ging ihre Haare in Ordnung zu bringen.

„Komm herein.“, sagte sie dann mit belegter Stimme.

Als die Zwergin sie sah, ließ sie fast den Mantel fallen, den sie in der Hand gehalten hatte.
„Fräulein Sigrid, seid Ihr in Ordnung? Oh Mahal, was ist denn passiert?“
Sie trat völlig aufgelöst an ihr Bett und sah sie besorgt an.

Sigrid versuchte sich gerade aufzusetzen, zuckte jedoch zusammen, als der Schmerz in ihrem Kopfmehr wurde.
„Es ist nur eine kleine Erkältung, nichts Schlimmes, wirklich.“, versuchte sie unbeschwert zu sagen. Die Dienerin glaubte ihr wohl kein Wort.

„Keine Sorge, ich hole sofort Oin und lasse Prinz Fili zu Euch bringen, er macht sich bestimmt schon Sorgen!“, sagte die Dienerin lächelnd und bevor Sigrid etwas entgegnen konnte, hatte sie sich verbeugt und war davongestürzt.

Sigrid seufzte und starrte aus dem Fenster. Wundervoll, jetzt würde Fili sie auch noch so sehen. Sie war ihm dankbar für das, was er getan hatte, und doch war sie wütend auf ihn. Dadurch fühlte sie sich nur noch mehr, als könnte sie sich nicht selbst verteidigen.


Oin kümmerte sich so gut erkannte um sie und ließ sie schließlich mit einer Tasse Tee an ihrem Nachttisch und einer kalten Kompresse allein. Sie solle sich ausruhen und sich nicht darüber sorgen, ob er in der Zeit die Stellung als Heiler halten könnte.
„Wir Zwerge sind robust und halten viel aus. Ihr Menschen müsst viel mehr auf euch achten.“, hatte er gesagt und dabei sogar gelächelt.

Als sie erneut wach wurde, sah sie durch halb offene Augen, dass jemand neben ihr am Bettrand saß. Sie wollte gerade ihre Augen öffnen, als sie fühlte, wie eine Hand sanft über ihr Haar strich und dabei an der Perle innehielt.Als die hand schließlich zurückgezogen wurde und die Person aufstehen wollte, griff Sigrid mit etwas Mühe nach der Hand.

Fili drehte sich überrascht um.
„Du bist wach.“, sagte er dann und setzte sich erneut. „Warst du gestern zu lange spazieren?“

Sigrid sah ihn nur an. Dankbarkeit und Wut durchströmten sie. Er lächelte nur als keine Antwort kam, dann zog er etwas aus einer Tasche und hielt es ihr hin.

„Das habe ich gestern für dich vom Markt in Thal gekauft. Ich hoffe, es gefällt dir.“

Sigrid sah das gläserne, blaue Pferd in seiner Hand an. Es schien wild zu galoppieren, die Mähne flatterte m Wind. Es war wirklich schön.
Doch dann musste sie an den vorherigen Tag denken.

„Das hättest du nicht tun müssen.“, sagte sie dann.

Er blinzelte. „Ich weiß, aber es hat mich an dich erinnert. Ich verstehe, wenn du es nicht haben möchtest,aber...“

Sie schüttelte den Kopf. „Nein, nicht das Pferd. Es ist wirklich schön und ich danke dir dafür- Du hättest ihn nicht konfrontieren sollen. Das war meine Angelegenheit, Fili.“

Er schüttelte nun ebenfalls bestimmt den Kopf. „Nein, es war gut, dass ich es getan habe. Er verdient dich nicht. Was er dir angetan hat-!“

„Ich weiß, ich weiß.  Und ich weiß, dass ich ihm wohl nie vergeben kann. Doch ich hätte selbst damit fertig werden sollen. Es ist schließlich meine Schuld, dass ich so naiv war.“ Sie lächelte schwach.

Er legte eine Hand über die ihre und sah ihr fest in die Augen. „Vergiss nicht, dass deine Sorgen nun auch meine sind. Er ist es nicht wert, dass du wegen ihm weinst.“
Als er eine Träne von ihrer Wange wischte, erstarrte sie. Seine Hand war warm und ihr Herz begann schneller zu schlagen. Sie befeuchtete sich nervös die Lippen und ihr Blick traf den seinen. Die Hand auf ihrer fühlte sich...richtig an.

Wie von selbst begannen sie sich anzunähern. Sigrid schloss die Augen, als sie einen Atem auf ihrem Gesicht spüren konnte. Würden sie nun wirklich..?

„Dem werden wir eine Lektion erteilen, du hast mein Wort, Sigrid!“

Als Kili durch die Tür geschritten kam, sprangen sie fast auseinander. Sigrid zog die Decke bis zum Kinn, ihre Wangen fühlten sich heiß an. Fili sah auf trat einen Schritt zurück. Kili räusperte sich.

„Oh. Entschuldigung, habe ich etwas wichtiges unterbrochen?“, fragte er völlig sorglos. „Egal, ich verspreche, dass dieser Biarn nicht heil davonkommt für das, was er getan hat.“

Sigrid lächelte müde. Sie war froh, Kili hier zu haben. Wäre er nicht hereingekommen, hätten sie sich wohlmöglich wirklich geküsst. Ihre Wangen wurden noch röter.

„Natürlich wird er nicht unbestraft bleiben. Ich habe bereits König Bard eine Nachricht zukommen lassen. Da es sich um einen seiner Untertanen handelt, wird er über das Schicksal des Mannes entscheiden. Er wird es uns wissen lassen, sobald es soweit ist.“, meinte Fili und stellte das gläserne Pferd auf den Tisch.

Er räusperte sich erneut und sah fast verlegen drein. „Nun denn, ruh dich aus, Sigrid. Ich werde dir Bescheid geben, sobald dein Vater sich entschieden hat. Er wird Gerechtigkeit walten lassen.“, sagte er und lächelte ermutigend.

Sie konnte nur nicken, ihr Kopf war voller verschiedener Gedanken.
Sie legte sich erneut hin, das letzte, was sie sah, war das blaue Pferd neben ihr. Dann schlief sie erneut erschöpft ein.

Nach zwei Tagen fühlte sie sich wieder gesund. Den ersten Tag zurück bei den Heilern Erebors hatte sich wundervoll angefühlt, endlich wieder etwas zutun zu haben. So konnte sie sich auch gut von ihren gemischten Gefühlen ablenken. Sie hatte geholfen Wunden zu verbinden, einem Kind eine Geschichte vorgelesen, während Oin sich die Wunde angeguckt hatte und einige Schränke neu sortiert. Als am frühen Nachmittag Kili vorbeigekommen war, hatte Sigrid nicht schlecht gestaunt, als er Tauriel mit ins Zimmer geführt hatte. Eine Elbin in Erebor?

„Sigrid, ich glaube ihr kennt euch bereits, oder?“, hatte Kili gefragt.
„Natürlich, ich habe ihr vor einigen Jahren ein paar Heilkünste der Elben beigebracht.“, hate Tauriel lächelnd gemeint.

Während die Elbin sich die verschiedenen Utensilien angesehen hatte, hatte Sigrid Kili beiseite genommen.
„Ich hätte nie gedacht, dass eine Elbin in den Erebor kommen dürfte.“ Sie hatte kurz inne gehalten. „Du hast sie doch nicht heimlich hier hereingeholt?“

Doch Kili hatte protestiert. „Natürlich nicht. Onkel hätte es sowieso mitbekommen. Nein, er hat es zugelassen. Sie lebt schon länger nicht mehr in Thranduils Hallen, wurde verbannt und du weißt wie mein Onkel zu dem Elbenkönig steht.“

Sigrid hatte überrascht genickt. Das hätte sie nicht von König Thorin gedacht. Doch sie hatte ihn wohl falsch eingeschätzt.

„Natürlich lebt sie nicht hier. Onkel hat immer noch sein Misstrauen gegenüber Elben nicht abgelegt. Aber wer weiß, vielleicht mit der Zeit....“

Sigrid musste bei Kilis Worten lächeln. Wenn der Zwergenkönig sogar eine Elbin in sein Reich ließ, wenn auch nur vorübergehend, dann könnte diese Beziehung vielleicht sogar gedeihen.

Sie war positiv gestimmt an diesem Abend in ihr Schlafzimmer gegangen. Ihr Schlafzimmer. Das hörte sich richtig an. Mit einem Lächeln hatte sie sich umgezogen. Dann war ihr Blick auf ihren Nachttisch gefallen. Dort, unter dem gläsernen Pferd, lag ein Brief mit dem Siegel Thals.

Als sie die dort stehenden Zeilen noch einmal las, musste sich sich auf das Bett setzen.

Er würde ihn hängen lassen. Biarn würde sterben ,...für das, was er meiner Tochter angetan hat‘, stand dort in schwarzer Tinte. Und das morgen bei Sonnenuntergang.


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