Die Reise des Lichtes

von Gortolk
GeschichteAbenteuer / P16
OC (Own Character)
10.04.2019
18.06.2019
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"FREFEL!" - "Welch eine Ungeheuerlichkeit!" - "PRAIOS WÜRDE DAS NIE ZULASSEN!" die Stimmen der Praioten flutete das Heiligtum. Viele hielten ihre Laternen in die Luft, um ihre Exzellenz an die Doktrime ihrer Kirche zu erinnern. Andere wälzten verzweifelt ihre Bücher, um herauszufinden was sie denn gegen diesen Vorfall unternehmen konnten. Doch der alte Patriarch nur hielt beschwichtigend die Hand nach oben und bändigte mit gelassener Stimme die aufgeweckte Meute.

Eine der ältesten Priesterinnen des Sonnengottes trat an den Boten des Lichtes heran. Die Hände zitterten. Auch ihr stand der Schweiß auf der Stirn. Zögerlich fragte sie kleinlaut: "Eure Erhabenheit, ich bitte euch beim Herrlichsten: Seit ihr euch WIRKLICH sicher, dass ihr die Botschaft unseres Herrn Praios richtig gedeutet habt? Vielleicht sollten wir einen Borongeweihten um Rat fragen und ihm erlauben den Traum zu rekonstruieren, nur um Sicherheit zu haben das eure Sinne im Traum nicht getrübt waren und..."
"Das Alter mag mir zusetzen, Malzahla meine alte Freundin. Doch meine Sinne waren in dieser Nacht so scharf wie schon lange nicht mehr. Ich habe keine Zweifel daran, dass ich Praios Wort in Gänze verstanden habe. Ich verstehe euren Missmut, doch bitte habt vertrauen. Der Herr Praios ist weise und wird sich seiner Handlung bewusst sein. Ich bin mir Sicher er wird seine Gründe haben, warum er uns dies Zumutet und ich werde seinen Willen nicht in Frage stellen und seinem Wort treu Folgen.
Wir stehen alle hier und baden uns im Licht seines Auges, welches heute so hell scheint wie schon seit Monaten nicht mehr. Just am Tag des ersten Praios. Der Leuchtende gab dieser Frau seinen Segen und sein Auge straft mich nicht bei meinem tun. Mehr Beweise brauche ich nicht..."

Die Worte des Oberhauptes ließen auch die Buhlenden verstummen. Wenn gleich sie es nicht verstehen konnten, so mussten sie sich beugen. Momente des Schweigens ließen die Gemüter abkühlen. Yal'Lisa stand neben dem großen, goldenen, blank polierten Altar. Ihre Backen waren rot angelaufen. Nervös rieb sie sich die weißen Haare. Am Liebsten wäre sie im Boden versunken. Vom anderen Ende des Raumes wurde eine Senfte durch den Raum getragen. Angehoben von nicht weniger als sechs Legionären der Sonne und begleitet von nochmals so vielen. Sie trugen eine gleißende Sphäre durch den Raum. Hinter dickem Kristallglas ruhte das Heiligste der Praioskirche: Das ewige Licht.

Der Saal fiel sofort auf die Knie und sie preisten das Artefakt.

Neben den Legionären waren Lisa und der Patriachen die Einzigen die noch standen. Das Murmeln von hunderten Gebeten und Bitten füllte den Raum. Lisa nutzte die Chance um sich neben den Patriachen zu stellen und ebenfalls nochmal nachzufragen "Jetzt einmal im Ernst, eure Erhabenheit. Eure Beraterin hat da nicht ganz unrecht. Glaubt ihr wirklich, dass ICH dafür geeignet bin?" der alte Mann zog mit einem verschmitzen Lächeln die Augenbraue hoch. Lisa führte weiter aus "Ich meine, naja... ich denke im Hinblick was gerade los ist, sollte ich ehrlich mit euch sein: Ich bin nicht gerade die... Praios-Gefälligste - um es gelinde auszudrücken... ich habe einige Dinge gemacht, die vielleicht Herrn Phex gefielen, aber vermutlich nicht eurem Herrn der Sonne!"

"Als der Klang seiner Stimme mich aus meiner Nachtruhe riss, war das Erste was ich sehen konnte das beruhigende Licht seiner Flamme, dass sich in euren goldgelben Augen wiederspiegelte. Praios weckte mich nicht grundlos. Es war kein Zufall, dass ihr in dieser Nacht in meinem Zimmer wart!"
"Zufall nicht? Gier trifft es wohl eher eure Exzellenz... ich stolperte über einen eurer Sonnensteine und erhellte damit den Raum... Praios hatte damit wenig zu tun... Bei Phex - ich war in eurem Gemach, um euch ausrauben... hehe..."
"Ich danke euch für die Ehrlichkeit, doch mein Entschluss steht fest. Ich werde dem Heiligen nicht wiedersprechen, also schweigt und seht lieber das Positive, meine Liebe: Ihr landet nicht ins Gefängnis... oder auf den Scheiterhaufen!"



Lisas blick ging hinüber zu einem der Sonnenlegionäre - ein großgewachsener Mann in schimmernder Rüstung mit spiegelndem Schild und gleißendem Schwert. Er blickte grimmig in ihre Richtung. Mit dem Daumen fuhr er langsam, quer über seine Kehle und kündigte einen tödlichen Kehlenschnitt an. Lisa schluckte kurz und blinzelte. Der grimmige Mann schaute wieder normal. Der Blick starr nach vorne und die Hände wie seine Kollegen noch immer hinter dem Rücken gefaltet.

Die Gebete waren beendet und die Priester erhoben sich wieder. Die Erhabenheit trat nach vorne zu dem Licht. Vorsichtig gingen die Senftenträger auf die Knie, damit der alte Praiot das Glas öffnen konnte. Vorsichtig griff er ins Innere des heiligen Scheins und zog eine kleine Kugel aus reinem Licht heraus. Seine alte Freundin hatte bereits die schimmernde, goldverzierte Laterne bereit und hielt sie dem Alten hin. Mit größter Sorgfalt platzierte der Mann das Bruchstück des Lichtes in der Laterne und schloss das Glas. Dann lief er zu der Hexe zurück.

"Hier Miss Yal'Lisa: Ein Bruchstück des Ewigen Lichtes - Es ist nun Euers! Geht mit seinem und meinem Segen! Ihr wurdet vom Höchsten selbst auserkohren, das Licht wieder erscheinen zu lassen. Kehrt nach Al'anfa. Von dort aus weiter gen Süden, bis ihr die Kälteste aller Regionen erreicht. Im ewigen Eis findet ihr einen seiner ältesten Tempel, der seit dem Fall des Boberat im Schnee begraben und vergessen liegt. Bringt neues Licht in seine Hallen. Füllte den Ort mit Wärme und lasst Praios in diesen Hallen residieren. Im Gegenzug sei euch der ewige Dank unserer Kirche gewiss!"
Lisa zog die Augenbraue hoch. Noch immer hoffte sie, dass das hier nur eine sehr lange Wahnvorstellung war. Schwer atmete sie ein und griff nach dem Henkel. Sie konnte förmlich die Blicke der Praioten unterhalb der Empore spüren, welche nur darauf warteten das sie in Flammen aufging. Der Patriach war vermutlich der Einzige im Raum, der von der Richtigkeit seines Handeln überzeugt war... sie selbst mit eingeschlossen.
Der Patriach hatte die Hand noch an der Laterne, da fragte Lisa nochmal nach: "Sie... sind sich WIRKLICH sicher, dass das 'ne gute Idee ist?"
"Ihr schafft das! Praios wird bei euch sein!"
"...und genau dort liegt ja mein Problem, eure Exzellenz..." stammelte sie in sich hinein. Ihr Blick ging hoch zu einem der leuchtenden Buntglasfenster. Die Ornamente zeigten die Großtaten der Praios-Heiligen wie sie die Dunkelheit vertreiben, Rechtschaffenheit lehrten und Hexen töteten... Alle Heiligen blickten entsetzt auf sie herab. Urteilend schüttelten die Glasfiguren den Kopf. Auch sie waren sichtlich fassungslos. Lisa konnte es ihnen nicht verübeln!

Ein Ruck ging durch ihren Arm, als der Patriach die schwere, goldene Lampe losließ und damit das volle Gewicht nun die Hand nach unten zog. Lisa war unvorbereitet und schwang im letzten Moment die Laterne wieder hoch, bevor sie sie sicher hielt. die ersten zwei Reihen der Priesterschaft waren nach vorne gestürzt und standen mit einem Fuß auf der Empore. Jeder war zusammengezuckt. Sie sahen schon das heilige Relikt auf dem Boden zersplittern.

"A-Alles gut, ich habs! Keine Sorge... alles noch ganz! Ihr könnt die Fackeln und Mistgabeln wieder wegpacken... hehe..." meinte die Zauberkundliche mit trockener Kehle. Die Legionäre steckten ihre Schwerter wieder weg. Lächend hoffte sie, dass der Tag bald ein Ende finden würde.
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