Your coffin or mine?

KurzgeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
Lestat de Lioncourt Louis de Pointe du Lac
10.04.2019
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Das gleißende Mondlicht hat sich in dieser Nacht einen zielsicheren Weg durch die dichte Wolkendecke gebahnt, und bringt das taufeuchte Gras auf dem alten Friedhof zum schimmern als habe jemand eine Millionen kleiner Perlen dort verstreut. Diamantene Tränen auf dunkelgrünem Samt, umhüllt vom tröstlichem Umhang der Finsternis.
Ich sitze auf dem Sockel eines Marmorgrabmals, eines riesigen, verwitterten Engels mit ausgebreiteten Schwingen und denke an den Tag, an dem ich das erste mal hier in mitten all der Gräber stand. Hier, auf diesem riesigem verfallenem Friedhof in New Orleans. Es muss mehr als 200 Jahre her sein.
Damals war ich hergekommen um nach dem Brand der Plantage Pointe du Lac mein eigenes Grab auf zu suchen, ein Moos überwucherter Steinquader mit verblichener Inschrift. An jenem Tag hatte ich nicht gewusst, was mich an diesen düsteren Ort gezogen hatte. Vielleicht war es mein trauriger, zerissener Geist gewesen der mich her geleitet hatte, oder vielleicht einfach nur ein morbider Scherz meines Unterbewusstseins, denn ich weiß heute Nacht genau so wenig was mich hier her getrieben hat, wie damals vor 200 Jahren.
Ein leises seufzen entweicht meinen Lippen als ich den Kopf zum Himmel erhebe um die Sterne am fernen Firnament mit meinem übernatürlichem Blick zu verfolgen. Wie schön sie doch sind, während sie gleichzeitig so fern und kalt auf diese Welt herabblicken! Ganz wie eine Schar hinreißender Liebhaber die nach einigen stürmischen Stunden nicht mehr als einen verächtlichen Blick für ihre Gespielinnen übrig haben, während sie ihre kalten Herzen in unerreichbarer Höhe halten und sich innerlich bereits auf ein neues Spiel vorbereiten.
Der Gedanke lässt mich frösteln und ruft einige unschöne Empfindungen in mir wach. Schaudernd verlagere ich mein Gewicht an der Seite des Marmorengels, dessen schönes, steinernes Gesicht ohne die geringste Anteilnahme für irgendjemandes Leid weiterhin auf die Gräber vor uns blickt. Ganz der treue Wächter der Toten.
Das Gefühl der Beklemmung in meiner Brust nimmt zu, während mir ungebeten das vertraute Bild eines hochgewachsenen jungen Mannes vor dem innerem Auge aufsteigt. Ich kann sein blondes Haar förmlich zwischen meinen Fingern spüren, kann seine funkelnden blauen Augen gefährlich aufblitzen sehen, wenn ihm der Sinn nach Schabernack steht, und kann sein diabolisches Lachen hören wenn er damit Erfolg gehabt hat. Lestat...
Es vergeht kein Tag an dem ich nicht an ihn denke, an diesen störrischen, tödlichen Vampir, diesen skrupellosen, gewitzten Mörder, dieses hinreißende, wunderschöne Monster. Mein Freund, mein Feind, mein Geliebter, mein Meister, meine Nemesis und das Verderben meiner Seele!
Nie waren meine Gefühle jemandem gegenüber so gespalten wie ihm. Er hat mich gequält, zu diesem Leben verdammt, einzig und allein um seine eigene, egoistische Einsamkeit zu bekämpfen, und oh ja, er wusste wie sehr ich als Vampir leiden würde! Lestat hat mich benutzt, belogen und betrogen. Er ist ein gewissenloses Ungeheuer und hat als solches Dinge getan, vor denen selbst die ältesten Vampire zurückschrecken würden. Ich hab ihn schon lange nicht mehr zu Gesicht bekommen, und wahrscheinlich wäre es das beste für die Welt, wenn irgend eines seiner verrückten Abenteuer ihn das untote Leben gekostet hätte. Ja, er hätte es wohl verdient!
Aber warum wird mir bei dem Gedanken an Lestats Tod so kalt? Warum brennt der kühle Nachtwind plötzlich so schmerzlich auf meiner toten, weißen Haut wie zu Lebzeiten nicht? Und warum fühlt sich mein lebloses, starres Herz so an, als wolle es gleich mit einem letztem finalem Schlag in tausend Stücke zerbersten?
Ich sinke an der Seite des Marmorengels zu Boden, wobei ich das leichte beben meiner Schultern genau so wenig wahr nehme wie das taufeuchte Gras unter meinem erschöpftem Körper.
Zu meinem Unglück nimmt der Strom an Erinnerungen, der auf mich ein prasselt, kein Ende und ich schlage in einem hoffnungslosem Versuch der Abwehr die Arme vors Gesicht. Ich kann Lestat sehen, wie er mit Claudia auf dem Schoß in einem rotem Samtsessel sitzt und ihr aus einem altem Gedichtband vorließt. Ich sehe ihn, wie er mit seinem ausgelassenem Lachen den Kopf zurückwirft, während seine Hände über die Tastatur des Klaviers fliegen. Und ich kann ihn vor mir sehen, wie er mit einem schlanken, weißen Finger über meine Wange streicht und mir ein Lächeln bar jeglichen Hohnes schenkt.
Ich habe vorhin gelogen. Eigentlich weiß ich längst, was mich heute Nacht auf diesen Friedhof getrieben hat. Das, was mich jede Nacht umtreibt und von Stunde zu Stunde nur schlimmer zu werden scheint. Es ist die Sehnsucht nach Lestat, die kalte Einsamkeit in meinem Herzen und die Last meines ungläubigen Gewissens, die mir die Ruhe meines Daseins raubt.
Jetzt ist es raus, und mit diesem Eingeständnis schwindet auch noch der letzte Rest meiner Selbstbeherrschung. Blutige Tränen laufen mir über die Wangen und ich sehe wie ein Unbeteiligter aus weiter Ferne zu, während sie in das grün- schwarze Friedhofsgras fallen oder sich in meinem langem schwarzem Haar verfangen. Blutige Tautropfen gefangen in einem Meer schwarzer Seide.
Lestat...
Wie ein verzweifelter Hilfeschrei kommt mir der Name schließlich über die Lippen und ist doch nicht mehr als ein heißeres Flüstern in der Finsternis.
„Louis.“ In dem Moment, da ich denke vor Kummer und Einsamkeit sterben zu müssen, dringt eine Stimme an mein Ohr die meine Seele mit sanfter, doch eiserner Hand zurück in die Gegenwart drängt. Eine Stimme, die genau so unmöglich hier sein kann wie ich mich ihr zu entziehen vermag.
„Louis mein Schöner, sieh mich an.“
Hände kommen aus dem Nichts und umfassen mit sanfter Stärke mein Kinn, zwingen mich behutsam auf zu schauen. Ich reiße meine von blutigen Tränen verschleierten Augen auf, als ich vor mir sehe was ich längst vermutet habe aber nicht glauben kann.
Vor mir im Schatten des Marmorengels kniet Lestat. Er ist schön wie eh und jeh, mit seiner modernen Kleidung, der engen schwarzen Jeans, dem schwarzem Hemd und der Lederjacke über die seine blonde Haarmähne fällt wie gesponnenes Gold. Seine blauen Augen sind besorgt zusammen gekniffen und erst nach einem kurzem Moment des Schreckens begreife ich, das mein Zustand der Grund dafür ist. Wenn dies ein Traum ist, dann soll er nicht enden.
„Lestat, du bist es wirklich...“ meine Lippen Formen die Worte ohne einen Ton hervor zu bringen, doch er hat mich verstanden. Dabei verstehe ich mich bei dem Feuerwerk der Gefühle das in meinem Innersten tobt noch nicht ein mal selbst.
„Ja, Louis ich bin es,“ seine Finger haben begonnen mir die Tränen aus dem Gesicht zu wischen, die Berührungen sind leicht wie die einer Feder. „Was ist mit dir geschehen? Louis, hat dir jemand etwas angetan?“ Die Besorgnis in seiner Stimme wäre einem Taubem nicht entgangen.
Bedächtig schüttele ich den Kopf.
„Bist du verletzt?“
Erneutes Kopfschütteln.
„Was ist dann mit dir?“ ein leicht ungeduldiger Unterton schleicht sich in Lestats Stimme. Seine Finger halten auf meinem Gesicht inne, so dass sie beide Wangen umschließen.
Ich schüttele meinen Kopf ein drittes mal. Egal wie tief ich am Boden liegen mag, ich werde ihm nicht sagen wie sehr ich ihn vermisst habe, dass kann ich nicht. Ihn darüber spotten zu hören würde ich nicht ertragen. Egal wie besorgt er im Moment auch erscheinen mag.
Mit einem leichtem Schnauben lässt er mein Gesicht los, und ich kann mich gerade noch davon abhalten seine Hände wieder an mich zu ziehen.
„Ich finde dich hier, mitten in der Nacht, in tausend Scherben zerbrochen auf dem Friedhof, zu Füßen deines eigenen Grabes und alles was du für mich übrig hast ist ein Kopfschütteln?!“
Seine eisblauen Augen haben einen kalten Ausdruck angenommen, doch dahinter steckt noch etwas anderes. Wenn es nicht Lestat wäre würde ich sagen, er ist verletzt.
„Ich kann in tausend Scherben zerbrechen wo immer ich will.“ entgegne ich mit einer Stimme, aus der ich das Zittern kaum bannen kann; „es fragt sich doch eher was du hier treibst! Es ist Ewigkeiten her, dass ich dich zuletzt sah. Viele dachten, du wärst tot!“
„Pah! Hofften wohl eher.“ höhnt Lestat während er sich auf einem Knie abstützt.
Es ist kaum eine handbreit Distanz zwischen uns. Ein Teil von mir würde ihn am liebstem an sich ziehen und in seinen Armen versinken, der Rest würde ihm gerne eine reinhauen. Er kann so unausstehlich sein!
„Eigentlich wollte ich gar nicht her kommen. Es war reiner Zufall, dass es mich nach New Orleans verschlagen hat,“ fügt er in seiner großspurigen Art hinzu, „ich hatte nicht vor lange zu bleiben. Aber als ich hier an kam, spürte ich deine Gegenwart. Du meine den Nicht?“
Erstaunt lass ich den Blick über sein schönes Gesicht gleiten, bis ich schließlich an seinen eisblauen Augen hängen bleibe. Die Augen sind die Fenster zur Seele sagt man. Oh, und was für eine Seele das sein muss!
„Mir ging es nicht gut,“ bringe ich schließlich hervor, „ich hab dich wohl übersehen.“ Eigentlich ist daran nichts weiter verwunderlich, Lestat ist schließlich ein viel mächtigerer Vampir als ich es jemals sein werde. Oder sein wollte.
„Das habe ich ebenfalls gespürt.“ erwidert Lestat, wobei die Bissigkeit aus seiner Stimme bereits zurückgewichen ist, ja fast schon zur Sorge übergeht, während mir mit einem mal die volle Bedeutung seiner Worte ins Bewusstsein schlägt wie ein Holzpflock ins Herz.
„Lestat...soll das etwa heißen du bist meinetwegen hier?“
„Oh,Louis!“ genervt wirft er die Arme in die Luft. „Natürlich bin ich deinetwegen hier, du melancholischer Rattenschreck! Was sollte mich sonst dazu bringen mitten in der Nacht im Dreck auf einem Friedhof herum zu kriechen?!“
„Aber...“ ich schüttele leicht den Kopf, vollkommen durcheinander und irritiert von dem glühendem Funken Hoffnung der im hintersten Winkel meines Herzens zu glimmen beginnt, „Warum solltest du das tun, nach allem was zwischen uns geschehen ist?“
Ich wage nicht Lestat in die Augen zu sehen, aus Angst vor den Abgründen die ich dort erblicken könnte. Das brauche ich allerdings auch nicht, da er im nächstem Moment ein freudloses Lachen ausstößt.
„Beim Teufel noch eins, sag mir nicht, dass du das nicht weißt!“
"Was nicht weiß?“ So langsam werde ich wütend. Ist Lestat etwa nur gekommen um mich in meinem Elend noch zu verspotten? Haben die Grausamkeiten des Fürsten der Finsternis neue Dimensionen angenommen?! „Lestat, wenn du nur hier bist um mir weh zu tun, kannst du auf der Stelle wieder verschwinde! Du hattest Dekaden Zeit um mich zu quälen, also höre wenigstens jetzt auf mit mir zu spielen!“
Das letzte bittere Wort hat meine Lippen noch nicht verlassen, da spüre ich plötzlich zwei eiskalte Hände um meine Handgelenke. Keinen Wimpernschlag später bin ich flach in das feuchte Gras und den harten Erdboden gedrückt, und Lestat kniet über mir, eine dunkle unbarmherzige Silouhette vor dem Nachthimmel. Eine Hand hatte sich wie ein Schraubstock um meine verschränkten Handgelenke gelegt, die andere hält meine Kehle gepackt. Doch was mich letztendlich wirklich in Angst versetzt, sind seine Augen. In ihnen spiegelt sich ein Ausdruck bodenlosen, alles vernichtenden Zornes.
„Wie kannst du es wagen!“ ruft er aus und bringt sein Gesicht direkt über meines, „wie kannst du es nur wagen zu denken ich würde mit dir spielen! Ausgerechnet mit dir! Du hast es immer noch nicht verstanden, Louis! Damals nicht und heute auch nicht. Du bist mir viel zu wichtig um auf diese Art mit dir zu spielen! Du bist mein Zögling, mein Blut, mein Eigentum! Du gehörst auf ewig mir Louis, mit dir brauche ich nicht zu spielen. Weiß Gott, ich liebe dich!“
„Was?“ Bis dahin habe ich vergeblich versucht mich seinem klammerndem Griff zu entwinden, doch diese letzten drei Worte lassen meinen Widerstand augenblicklich erlöschen wie ein brennendes Streichholz im Regen.
„Was hast du gerade gesagt?“
„Ich liebe dich Louis!“ wiederholt mein blonder Teufel und drückte mich noch kräftiger in den Erdboden; „Ich habe dich immer schon geliebt und ich werde es auf ewig tun. Dein Starrsinn und deine verfluchte Moral mögen dir die Augen vor meiner Liebe verschlossen haben, aber davon hab ich jetzt genug!Wie kann ein so hinreißendes Wesen wie du nur so begriffsstutzig sein?!“
Unsere Gesichter trennen nur noch wenige Millimeter und ich kann das eiskalte Feuer in Lestats Augen auflodern sehen, jenes Feuer das mit der Entschlusskraft und dem ungebrochenem Willen eines Dämons einher geht. Ich fühle mich, als stände mein Körper in Flammen. Und obwohl jeder Teil meines Verstandes mir verzweifelt zuschreit, dass dies nur eine Falle, eine neue Teufelei Lestats sein kann, will mein starres, totes Herz ihm einfach glauben, ihm glauben um einen Grund zu haben wieder zu schlagen.
„Lestat wie gerne würde ich deine Beteuerungen für wahr nehmen!“ höre ich mich selbst, wie aus weiter Ferne flüstern, „aber nach allem was zwischen uns geschehen ist, wie kann ich da auch nur eines deiner Worte glauben?“
Lestats unwahrscheinlich schönes Gesicht verzieht sich zu einem gefärlichem Lächeln. Seine linke Hand, die bis dahin um meine Kehle gelegen hatte wanderte langsam über mein Kinn und meine Lippen hinauf zu meiner Wange. Ich erschaudere und er bemerkt es natürlich sofort.
„Wenn Worte dich nicht überzeugen können, mein schöner, liebster Louis, dann lass es Taten tun.“
Und dann küsst er mich.
Es ist der süßeste Schock als Lestat sich die wenigen Zentimeter nach vorne beugt, und den Abstand zwischen unseren Gesichtern überbrückt, wobei mich nun sein ganzer Körper besitzergreifend an Ort und Stelle festnagelt. Keine Worte dieser Welt vermögen seine Lippen zu beschreiben, die sich nun leidenschaftlich und fordernd und in ungezügelter Wildheit gegen meine pressen. Etwa zwei Sekunden lang halte ich diesem brennendem Ansturm seines Verlangens noch stand, doch mein Wille ist Schwach und mein Fleisch noch schwächer, so dass ich seinem drängendem Mund schließlich willig nachgebe. Lestat gibt ein zufriedenes knurren von sich, während seine Zunge sich einen Weg in meinen Mund bahnt, und seine Zähne leicht über meine Unterlippe kratzen.
Ein elektrischer Schlag scheint durch meinen ganzen Körper zu jagen, als Lestat seine Hand in meinen Haaren vergräbt und mich noch dichter an sich presst. Sein Körper, der mir so vertraut zu sein scheint wie mein eigener, schmiegt sich eng an den meinen. Oh Gott, bis zu diesem Moment war mir überhaupt nicht klar, wie sehr ich mich nach dem hier gesehnt habe!
Ich intensiviere unsern Kuss, lasse zu das unsere Zungen sich in einem heftigem Kontrollkampf um einander winden, denn Lestat mit unverschämter Leichtigkeit für sich entscheidet. Mittlerweile habe ich die Arme um seinen Körper geschlungen und bin zu nichts anderem mehr fähig als mich widerstandslos seinen starken Händen und den feurigen Lippen zu überlassen.
Ich höre Lestat leise auflachen. Dämon. Er weiß ganz genau, was er für eine Wirkung auf mich hat. Als er mich schließlich aus unserem unendlichem, feurigem Kuss frei gibt stehen seine Lippen jedoch keine Sekunde still. Sein sündiger Mund mit den todbringenden Zähnen wandert über meine Wange zu meinem Ohr und schließlich zu meinem Hals. Ich schließe die Augen und kann ein williges Stöhnen nicht unterdrücken, als seine Zähne aufreizend langsam über die Haut an meiner Kehle kratzen.
„Lestat...!“
Als ich plötzlich die kalte Nachtluft an meiner Hals spüre, öffne ich die Augen nur um festzustellen das Lestat direkt auf mich herabblickt. Es ist ein Bild das sich für immer in mein Gedächtniss einbrennt, wie er sich über mich stemmt, ein hinreißendes Ungeheuer aus Marmor, Blut und der Asche eines jungen Gottes, mit dem Sternen verschleiertem Nachthimmel im Rücken. Das Verlangen in seinen Augen wütet wie ein Feuersturm, und doch ist es dieser Ausdruck der Zuneigung, ja beinahe Verletzlichkeit der auf seinem Gesicht liegt, der meine letzten Zweifel an der Aufrichtigkeit seiner Worten hinwegfegt.
Lastat mag ein Teufel sein, ja. Aber er ist mein Teufel.
„Mein Louis, wie sehr habe ich dich vermisst.“
Seine Worte sind Musik in meinen Ohren. Mein Körper scheint schwerelos, und doch brennt eine Begierde in meinem Blut, die ich seit sehr langer Zeit nicht mehr verspürt habe. Das hier reicht nicht, er soll wieder her kommen, mich halten, küssen, berühren...
„Lestat?“ ich stemme mich in ein sitzende Haltung, wobei seine hungrigen blauen Augen jede meiner Bewegungen gespannt verfolgen.
„Was ist mein Schöner? Du wirst mir doch jetzt nicht sagen das du es nicht auch vermisst hast.“
Ich bin niemand der die Initiative ergreift, und er weiß das genau. Doch meine Gefühle und mein Verlangen sind heute Nacht stärker als mein Scham.
Ich blicke ihm direkt in die eisblauen Augen und frage leise; „Dein Sarg oder meiner?“
Ein kurzer Ausdruck der Verwunderung huscht über sein diabolisch schönes Gesicht, nur um gleich darauf einem spöttischem Grinsen den Weg zu bereiten.
„Louis, Louis! Du bringst es immer wieder fertig mich zu überraschen.“
Und noch während Lestat mich in einen weiteren, brennenden Kuss drängt, spüre ich wie er mich mit sich auf die Füße zieht ohne den Körperkontakt zwischen uns auch nur eine Sekunde lang zu unterbrechen. Gerade noch so kann ich einen letzten, flüchtigen Blick auf die Marmorstatue des Engels hinter uns erhaschen, sein strenger missbilligender Blick ruht auf unserer leidenschaftlichen Umarmung im Mondlicht. Für einen Moment erschauere ich, doch dann lassen mich Lestats feurige Lippen den strafenden Blick des Engels vergessen und ziehen mich in einen Strudel süßen Kontrollverlustes.
Im nach hinein bin ich mir nicht mehr sicher, wie wir in die riesige Hotelsuite gelangt sind, in der Lestat offenbar vorerst sein Quartier bezogen hatte. Vermutlich sind wir her geflogen aber es kann genauso gut sein das wir durch die Lobby gestürmt kamen und einige arglose Hotelgäste wohl bis an das Ende ihres Lebens verstört haben. Egal, in diesem Moment hätte ich wohl willig den Doomsday in kauf genommen um mit Lestat allein zu sein.
Die Suite ist riesig und mit edelen, rot-goldenen Teppichen und gleichfarbigen geschmackvollen Möbeln ausgestattet. Einige erhöhte Stufen führen zu einem Himmelbett mit zurückgeschlagenen, blutroten Vorhängen und einem daneben liegendem schwarz lackiertem Sarg. Lestat hatte schon immer ein Faible für Luxus gehabt, das bis hin zur Prunksucht reichte.
Mir bleibt jedoch nicht viel Zeit um die beeindruckende Ausstattung des Zimmers in Augenschein zu nehmen, da Lestat mir kaum einen Moment lässt, um zu Atem zu kommen. Mit unmenschlicher Stärke zieht er mich mit sich zu dem ausladendem Himmelbett und wirft mich darauf nieder, wie ein Löwe der seine Beute zu Boden schleudert. Mit einem verbotenem Lächeln ragt Lestat nun über mir auf und lässt sich einen Moment Zeit um mir mit seinen Blicken die Kleider vom Leib zu reißen. Seine blonde Mähne ist bereits von unserem Spiel auf dem Friedhof vollkommen zerzaust und seine Lederjacke hängt nur noch locker um seine Oberarme. Er sieht so unglaublich heiß aus.
„Jetzt gehörst du mir Louis.“ knurrte meine blonde Nemesis in einer Tonlage, die mir wohlige Schauer über den Rücken jagte, „so wie es schon immer hätte sein sollen und wie es von nun an auf ewig sein wird.“
Und damit fällt Lestat erneut über mich her. Unsere Lippen treffen mit neuer Heftigkeit aufeinander und ich knurrte auf als er mir mit seinen scharfen Zählen provozierend in die Unterlippe beißt. Starke Hände drückten mich in samtige Kissen, so dass es mich einige Mühe kostete ihm seine Lederjacke vom Körper zu streifen. Am liebsten hätte ich gleich mit seinem Hemd weiter gemacht, doch Lestat fängt meine fahrigen Finger mit einer beinahe beiläufigen Geste ein und führte sie zielsicher an seine Lippen wobei er beginnt jeden Zentimeter meiner Haut mit federleichten Küssen zu bedecken. Als er schließlich seine Zunge und Zähen mit dazu nimmt stöhne ich unwillkürlich auf.
„Lestat,“ hauche ich mit einer Stimme die so von Lust verschleiert ist, dass sie mir ganz fremd vorkommt, „ich will noch mehr...“
„Mehr wo von mein schöner, unschuldiger Liebster?“ fragt Lestsat mit gespielter Unwissenheit in der Stimme.
„Du Teufel!“stöhne ich als eben jener beginnt mit seiner freien Hand über meinen Hals und meine Brust hinab zu meinem Bauch zu fahren.
Er grinst. „Sag es.“
„Ich will dich, Lestat!“ bringe ich heißer hervor, „einzig und allein dich!"
„Dein Wunsch sei mir Befehl mein Engel!“ Höhnt der Teufel über mir. Keinen Moment später stürzt sich Lestat erneut auf mich. Mein ganzer Leib scheint in Flammen zu stehen und ich spüre pure Endorphine durch meine Blutbahn jagen. Bis zu diesem Moment war mir überhaupt nicht bewusst, wie sehr sich mein Körper und meine Seele nach Lestats Händen gesehnt haben, nach seiner kalten Berührung, die für so viele den Tod bedeutet hat und dennoch für mich in dieser Nacht neues Leben verheißt.
Seine Finger scheinen überall zu gleich zu sein, sie spielen mit meinen Haaren, fahren über meine Kehle, liebkosen meine Hüfte...
Ehe ich mich versehe, hat Lestat mich von meinem weitem dunklem Hemd und aus meiner gleichfarbigen Hose befreit, so dass ich nun bis auf meine Shorts unbekleidet seinen quälenden Händen ausgeliefert bin.
So nicht, denke ich mir mit dem letztem bisschen Stolz das mir noch geblieben ist und reiße Lestat mit einer einzigen kräftigen Bewegung sein Hemd vom Leib.
Er lacht überrascht auf, als die Knöpfe nach allen Seiten davon springen. „So stürmisch mein süßer Liebster?“ haucht er mir ins Ohr und ich seufze ergeben nur beim Klang seiner Stimme. In einem wilden Rausch aus Berührungen und harten Küssen sind in kürze auch unsere restlichen Kleider von unseren Körpern verschwunden. Ich verliere mich in der hitzigen Umarmung Lestats, lasse meine Finger ungestüm über seinen heiligen, sündigen Körper gleiten und höre ihn leise aufstöhnen.
Mein Verlangen hat den Punkt des beinahe Unerträglichen überschritten, als mein blonder Dämon sich endlich dazu erbarmt seine seidigen Lippen über meine Kehle wandern zu lassen, und die empfindliche Haut dort mit seiner Zunge zu markieren. Als seine todbringenden Zähne sich schließlich in meinen Hals bohren, kann ich einen Aufschrei nicht verhindern. Der Schmerz ist so Süß wie die pure Lust die meinen Geist umfängt und mich in den Wahnsinn treibt. Ich vergesse alles um mich herum, nichts existiert mehr, nichts spielt mehr eine Rolle, außer Lestat und diesen hinreißenden Qualen die er mir bereitet. Oh Gott, wenn dies eine Sünde ist so verbringe ich dafür mit Freuden den Rest der Ewigkeit in der Hölle.
Als Lestat sich nach unzähligen Momenten wieder von mir löst ist sein Mund blutverschmiert und sein Blick Lust verschleiert. Nie hat er für mich schöner ausgesehen.
„Küss mich, Louis.“ flüstert er heißer.
Sein Wunsch ist mir Befehl, und schon im nächstem Moment treffen unsere Lippen erneut auf einander, ich kann mein Blut auf seiner Zunge schmecken. Lange scharfe Fingernägel fahren mit leichtem Druck über meinen Bauch und meine Hüften, gerade fest genug um mich bluten zu lassen. Ich zische leise auf und Lestat kichert, er schiebt sich langsam abwärts um das Blut von meinen Wunden zu lecken.
Das Gefühl seiner tanzenden Zunge auf meinem geschundenen Körper versetzt mich in höchste Erregung, und dennoch ist es etwas anderes, dass ich dies smal suche. Ich kann meinem schönen Teufel ja nicht auf ewig die Führung überlassen.
Mit einer blitzschnellen Bewegung packe ich Lestat an den Oberarmen und drücke ihn mit einer geschmeidigen Bewegung auf die samtene Bettwäsche. Jetzt bin ich derjenige der auf ihm sitzt und seine Hände in die weichen Kissen drückt.
Lestat lacht auf. Seine blauen Augen blitzen schalkhaft. Wenn er es darauf anlegen würde, könnte ich es körperlich nicht mit ihm aufnehmen, wir beide wissen das, und dennoch ist er bereit mir für diesen einen Moment die Illusion der Kontrolle zu schenken.
„Du hast ja richtig Feuer mein Schöner,“ schnurrt Lestat eine Spur zu selbstgefällig, „ich frage mich was du sonst noch -“
Doch weiter kommt er nicht mehr, denn in dem Entschluss ihm sein selbstverliebtes Grinsen vom Gesicht zu wischen habe ich mich bereits ohne Vorwarnung auf seine Kehle gestürzt.
Ich kann meinen Liebsten nach Luft schnappen hören als meine Fangzähne seine Haut durchstoßen. Das Gefühl ihn überrascht zu haben ist beinahe so süß wie das heiße rote Blut das mir verheißungsvoll über meine Lippen stöhnt. Ein berauschendes Gefühl. Beinahe steigen mir die Tränen in die Augen, denn es ist mehr als nur der hinreißende Geschmack des Blutes, der in diesem Moment meinen Körper und Geist erfüllt. Nein, es sind die Erinnerungen, die Gefühle und die Wünsche Lestats die ich in diesem Augenblick so deutlich wie nichts anderes wahrnehme, nur überschattet von seiner tiefen, aufrichtigen und alles verzehrenden Liebe und seinem Verlangen nach mir. Himmel, er hat sich mindestens so sehr nach mir verzehrt wie ich mich nach ihm. Meine letzten Zweifel an seiner Aufrichtigkeit schwinden dahin, als ich schließlich den Kopf hebe und Lestat unter einem Schleier schwarzer Haare hervor anblicke. Seine sonst so spöttischen, eisblauen Augen spiegeln einen bis dahin nie gekannten Ausdruck der Verletzlichkeit, gemischt mit der offenen, ehrlichen Hoffnung eines wahren Liebenden.
„Louis...?“ Seine Stimme lässt keinen Zweifel daran, dass er weiß, was ich gesehen habe. Er zittert leicht. Erschrocken muss ich feststellen, dass ich ihn, den Fürst der Finsternis, Rockstar, Dandy und Teufel, noch nie so verwundbar gesehen habe, bis zu dieser Nacht.
„Lestat,“ auch meine Stimme ist nicht ohne Beben, „ich liebe dich.“
Seine Augen nehmen einen dunklen Glanz an, als er mich zu einem leidenschaftlichem Kuss zu sich herunterzieht.
„Und ich liebe dich, mein Louis.“

Den Rest der Nacht vermag ich kaum zu beschreiben, sie besteht aus einem wildem Ansturm aus zärtlichen Berührungen, wilden Bissen und stürmischen Küssen. Der Morgen graut schon beinahe als wir schließlich in enger Umarmung auf der zerwühlten Bettdecke ruhen. Lestat hat die Arme um mich geschlungen, und mein Kopf liegt an seiner Brust, während ich mit einer seiner langen, goldenen Haarsträhnen spiele.
Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte mal so glücklich war.
„Der Morgen bricht an, mein geliebter Louis,“ flüsterte Lestat plötzlich mit einem belustigtem Unterton.
„Und?“ fragte ich und drehte leicht den Kopf um ihm in die Augen schauen zu können.
„Und ich hab nur einen Sarg...“beginnt er mit schalkhaftem Grinsen. Ich stimmte in sein Lachen ein. An dem Punkt waren wir schon ein mal.
„...wirst du bei mir schlafen, mein Schöner?“
Langsam drehte ich mich auf die Seite und stützte mich so auf den Ellenbogen ab, das unsere Gesichter direkt neben einander liegen. Lestat blickt mich erwartungsvoll an.
„Lestat de Lioncourt,“ flüstere ich leise und mit all der Wahrheit, die mein wieder belebtes Herz mir in den Mund legt, „du magst ein Monster sein, ein Dämon, ein Höllenfürst den die Launen des Schicksals als hinreißendsten Fluch der Menschheit ausersehen haben. Du magst viele Grausamkeiten begangen haben, aber dennoch, ich weiß, tief in deinem Innersten hast du ein Herz das so rein und weiß und schimmernd ist wie das eines Kindes. Denn du bist "mein" Dämon, "mein" Höllenfürst, "mein Teufel" und ich will an deiner Seite sein, heute Nacht und für alle weiteren Nächte die uns die Ewigkeit bescheren mag.“
Lestats Lächeln strahlt wie die aufgehende Sonne, deren Licht mir auf ewig versagt bleibt. Doch wozu brauche ich eine Sonne, wenn ich ihn haben kann?
Eine sanfte Berührung meiner Wange reißt mich zurück in die Gegenwart und ich sehe, dass Lestat mich mit einem Ausdruck der Verzückung betrachtete, bevor er sich langsam aufsetzt und mich dabei mit sich zieht.
„Dann Louis, sei das Herz zu meiner Grausamkeit, der Inquisitor meiner Vergehen, und der Engel zu meiner Teufelei. Sei mein Gefährte mein Freund und mein Geliebter!“
„Für immer.“ flüsterte ich glücklich als Lestat mich kurzerhand hoch hebt und zu seinem Sarg trägt.
„Für immer!“ wiederholte Lestat verschwörerisch.
Und als sich der Sargdeckel über uns mit den ersten Sonnenstrahlen des heran brechenden Tages schließt und ich in des Armen meines Geliebten in den Schlaf des Todes hinübergleite, da weiße ich das erste mal seit sehr langer Zeit wieder was das Wort „Glück“ bedeutet.
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