The magic Twins

GeschichteAllgemein / P12
09.04.2019
04.07.2019
37
41704
3
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
Malis Vater hatte Wort gehalten und war mit Mari zurück in die Innenstadt gefahren, wo die Schüler der Collège Françoise Dupont den Tag verbracht hatten. Es war seltsam, wieder hier zu sein, diesmal ohne Mali. Zusammen mit ihr hatte Mari sich um einiges stärker gefühlt. Jetzt war sie so allein und unsicher wie noch nie.
,,Und? Hast du was gefunden?"
Ihr Vater winkte vom Parkplatz herüber. Mari war zuerst in den kleinen Wald gelaufen, zu der Quelle, wo Mali und sie sich zum ersten Mal begegnet waren. Doch von dem Armband war weit und breit nichts zu sehen gewesen. Jetzt suchte sie in den hohen Gräsern, wo Mali und sie sich am Nachmittag versteckt hatten und einander so nahe wie Schwestern gewesen waren.
,,Noch nicht!", rief sie zurück. Der Regen hatte inzwischen aufgehört, aber das Gras war noch nass. Mari grub hier und dort, stocherte an verschiedene Stellen im Gras, jedoch vergeblich. Alles, was sie fand, waren ein paar von Malis abgeschnittenen Haaren.
Mit wachsender Panik sah sie sich überall um, und trotz des kühlen Winds, der über das Gras strich, traten ihr Schweißperlen auf die Stirn. Wenn sie das Armband nicht wiederfand, wie konnte sie dann jemals nach Hause zurückkehrende u?
Und selbst wenn es ihr gelang, wie sollte sie ihrer Mutter unter die Augen treten? Und Blido... Beide hatten sie ausdrücklich vor der Menschenwelt gewarnt - und was hatte sie getan? Sie hatte die Grenze zwar nicht absichtlich überschritten. Doch hätte sie das Armband nicht gestohlen und die Burg verlassen, wäre sie niemals auf die Kummlinge getroffen - und ohne die Kummlinge wäre auch alles andere nicht geschehen.
Mari machte sich große Vorwürfe. Noch vor ein paar Stunden war ihr egal gewesen, was ihre Mutter und ihr Leibwächter dachten. Aber jetzt, da der Tag sich neigte und es so aussah, als würde sie für immer hierbleiben müssen, sahen die Dinge ganz anders aus.
Sie fühlte sich einsam und verloren und wünschte sich, wenigstens Mali wäre hier gewesen. Sicher war sie inzwischen längst zu Hause angekommen und fragte sich, wo ihr Vater und ihre Doppelgängerin blieben.
Mari bemerkte ein schmerzhaftes Ziehen in der Magengegend, wie immer, wenn sie etwas ausgefressen und ein schlechtes Gewissen hatte. Bislang waren das allerdings nur harmlose Streiche gewesen. Diesmal hatte sie das Gefühl, etwas wirklich Schlimmes angerichtet zu haben.
,,Mali?", rief ihr Vater wieder.
,,Ich komme gleich", versicherte sie.
Was sollte sie nur tun?
Wenn sie jetzt aufgab, würde sie das Armband niemals wiederfinden. Andererseits würde ihr Vater bald Verdacht schöpfen, und was dann?
Mari schüttelte den Kopf. Schweren Herzens rang sie sich zu einer Entscheidung durch. Sie musste zurück und Mali erzählen, was geschehen war. Vielleicht hatte die ja eine Idee, wo das Armband sein könnte. Oder hatte sie es womöglich eingesteckt und mitgenommen?
Mari stand auf und ging gesenktem Kopf zurück zum Wagen, um ihrem Vater zu erklären, dass sie die Viola wohl endgültig verloren hatte. Wahrscheinlich würde er sie schimpfen, aber das war Mari ja gewohnt, und außerdem würde sie ja mit Mali bald wieder auftauchen.
Das Armband allerdings würde verschwunden bleiben.
Und das war viel schlimmer.
Review schreiben