welcome to paradise

von Lilli
GeschichteAllgemein / P12
Billie Joe Armstrong Mike Dirnt OC (Own Character) Tré Cool
09.04.2019
28.08.2019
5
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"Billie, ich brauche deine Hilfe."

Schon als Tres Stimme am Telefon ertönte, war mir klar, dass er in ernsthaften Schwierigkeiten steckte. Ich saß gerade mit Jason White, Bill Schneider und Eden Galindo in geselliger Runde bei einem Feierabendbier, als der Anruf kam.
Ich kannte Frank zu lange, um zu wissen, dass seine zitternde Stimme ernsthafte Hintergründe haben musste und ich hatte auch nicht viel Zeit, um darüber nachzudenken, denn er brachte das Problem ziemlich direkt zur Sprache.

„Sara wird gerade ins Krankenhaus eingeliefert. Es besteht der Verdacht auf eine Blinddarmentzündung und wir haben niemanden, der auf die Schnelle auf Mikey aufpassen kann“, spielte er auf seinen sechs Monate alten Sohn an, den ich gemeinsam mit Adrienne erst wenige Tage zuvor besucht hatte.

„Ich kann meine Eltern nicht erreichen und Mike ist doch mit Brittney in Europa. Kannst du vielleicht kurz einspringen?“

„Natürlich. Kein Problem“, stammelte ich völlig überrannt, ehe mir beim Blick auf meine feixenden Kollegen im Wohnzimmer erstmals bewusst wurde, was ich da gesagt hatte. Meine Frau war bei der Band meines Sohnes in London, um eines ihrer Konzerte zu besuchen. Ich war ganz allein zu Hause.
Kurz gesagt: Ich hatte ein Problem.

„Danke, das kann ich echt nicht wieder gut machen. Ich bringe dir den Kleinen dann in einer halben Stunde vorbei. Windeln, Spielzeug und sein Babybett bringe ich mit.“
Passierte das hier gerade wirklich? Auf was ließ ich mich da gerade ein?

„Frank, ich…“, versuchte ich zu einer Entschuldigung anzusetzen, aber er fuhr mir über den Mund.

„Es tut mir echt leid, aber ich weiß nicht wohin mit dem Zwerg. Also, ich bin bald bei euch. Und Danke nochmal. Ich muss mich jetzt beeilen.“
Dann hatte er aufgelegt.

Bill, mein bester Freund aus Jugendzeiten merkte sogleich dass etwas nicht stimmte, denn meine Blicke trafen sich mit seinen. Ich schloss noch einmal resignierend die Augen, ehe ich ziemlich geknickt in den Nebenraum trat.

„Ist irgendwas nicht in Ordnung?“, fragte er, während Eden und Jason sich noch angeregt über das aktuellste Equipment unterhielten. Etwas überfordert sah ich auf die Männer, die nun auf mich blickten, während ich mir zerknirscht durch die Haare fuhr.

„Das kann man wohl sagen. Jungs, wir bekommen bald Besuch. Genauer gesagt kommt ein kleiner Hosenscheißer, der hier für die nächste Zeit unterkommen muss. Frank hat eben angerufen. Seine Frau wurde ins Krankenhaus zur Not O.P eingeliefert. Und er hat niemanden, der auf Mickey aufpasst.“
Betretene Blicke. Was unsere Familien anging, waren alle immer sehr empathisch.

Und das war in den kommenden Stunden auch bitter nötig, wie sich kurz darauf zeigen sollte…
_____________________________


Mikey heulte herzzerreißend. Sobald Tré ins Krankenhaus gefahren und seinen Kleinen bei uns gelassen hatte, weinte das Baby wie am Spieß, was sicher auch nicht verwunderlich war.  Immerhin war der Junge erst sechs Monate alt und nun zum ersten Mal nicht nur von seiner Mutter, sondern auch von seinem Vater getrennt.

„Hast du versucht ihm vorzusingen?“, versuchte Bill gegen das Geschrei anzukommen, was aber ohne Erfolg blieb.

„Keine Chance. Der lässt sich nicht beruhigen.“
Mittlerweile lief ich die gefühlt zehnte Runde durch unser Wohnzimmer, während meine Freunde mit ratlosen Blicken auf der Couch saßen und das Schauspiel aufmerksam verfolgten.

Zwar hatten wir alle Kinder, aber den Großteil der Arbeit war an unseren Frauen hängen geblieben.

„Vielleicht hat er die Hosen voll“, mutmaßte Whitey, weshalb ich Mickey vorsichtig am Bäuchlein nahm und an ihm roch. Hatte Frank ihn nicht frisch gewickelt? Auf mich machte er nicht den Eindruck, dass es daran lag. Er schrie und schrie, kreischte unglücklich in meine Ohren.

„Oder Hunger?“, warf Eden in die Runde, weshalb ich ziemlich genervt zum Sofa lief und den weinenden kleinen kurz entschlossen meinem vorherigen Tourmanager in den Arm drückte.
Die Männer sahen nachdenklich auf das Baby, das sich wie ein Aal in seinen Armen wandte und hysterisch kreischte. Unterdessen bereitete ich alles für sein Fläschchen vor.
Für einen kurzen Moment musste ich an die Zeit mit meinen Kindern zurück denken. Verdammt, was hatte bei Jake und Joey funktioniert, wenn die am heulen waren? Mit Joey war ich aus Verzweiflung auch schon nachts mit dem Auto durch unser damaliges Wohnviertel gefahren. Der Sound unseres Ford Fairlines hatte ihn meist immer beruhigt und schließlich zum Einschlafen gebracht.

Letztendlich goss ich die Milch in das Fläschchen und zog mir einen Stuhl zur Couch heran, auf den ich mich setzte. Ich nahm das Baby entgegen, das nun noch impulsiver und unleidlicher war.
Zu meiner Verzweiflung drehte er den Mund weg. Er wollte absolut nichts aus der Flasche haben. Wir stöhnten synchron und zogen ratlose Gesichter. In diesem Moment hätte ich Tré an die Gurgel gehen können.

„Vielleicht hat er auch Bauchweh? Meine Zwillinge haben abends immer Koliken“, spielte Eden auf seine zwei Töchter an, was in mir nur bedingt Hoffnung erweckte.

„Er ist aber erst so quengelig seitdem Frank weg ist. Davor war er ganz ruhig und ausgeglichen.“
Ich nahm das sich windende Würmchen nach oben an meine Schulter und schaukelte ihn leicht in meinen Armen.

„Schh… Süßer. Mom und Dad sind bald wieder da.“
Sein Gesicht war schon ganz rot vom Weinen. An sich hatte ich Mickey immer als ein ruhiges Baby erlebt, aber an diesem Abend zeigte er sich offenbar nicht von seiner besten Seite und drehte voll auf.

Ich ließ mich nicht von seiner Unruhe verleiten, strich ihm gleichbleibend über den Hinterkopf, was wenigstens dazu führte, dass er sich mit den Händchen rudernd an mein T Shirt lehnte.
Der Erfolg währte nur kurz, denn kurz darauf drehte er wieder voll auf.

„Gib ihn mal mir. Ich versuche das, was ich immer mit meinen Mädels mache“, streckte Eden die Hände nach Mickey aus, weshalb ich ihm ratlos den kleinen Jungen entgegen reichte.

Eden nahm ihn in den Fliegergriff. Davon hörte er zwar auf zu kreischen, aber die Stimmung hielt ebenfalls nicht lange an.

„Vielleicht will er ja lieber bewegt werden“, kam es schließlich von Bill Schneider der Eden den Kleinen aus der Hand nahm und mit ihm auf und ab tanzte. Im Gegensatz zu den bisherigen Bestrebungen klappte das aber noch viel weniger.

„Ich gebs auf. Ich rufe Adrienne an“, zückte ich mein Smartphone, auch wenn mir die Sache  ziemlich unangenehm war. Und nicht nur mir. Auch meine Musikerkollegen schauten alles andere als zufrieden. Als Väter war es schon ein ziemliches Armutszeugnis, was wir uns hier ausstellten. Es ließ sich allein mit der Tatsache begründen, dass jedes Baby individuell war und daher über eigene Gewohnheiten verfügte, durch die es sich trösten ließ.
Gleichbleibend  tutete es am Ende der anderen Leitung.  Wir Männer sahen gebannt auf das Telefon.
Nach mehreren Sekunden der Verzweiflung meldete sich die erlösende Stimme meiner Frau.

„Ja, Billie?“

„Adie, ich brauch deine Hilfe. Als Mutter. Mickey ist hier. Frank musste Sara ins Krankenhaus bringen. Blinddarmentzündung und Not O.P.  Jetzt ist der Kleine hier, aber der weint die ganze Zeit. Du hörst es ja“, hielt ich ihr den Lautsprecher hin und versuchte dann wieder trotz des Krachs mit ihr zu reden. Mittlerweile probierte Jason White sein Glück.

„Eden, Jason und Bill sind auch hier. Wir versuchen gerade, dass er aufhört, aber er heult seit über einer Stunde durch. Bitte, du musst uns helfen.“

„Was habt ihr denn  bisher probiert?“, hörte ich die engelhafte Stimme meiner Frau. Die Antwort kam prompt.

„Alles“, heulte ich theatralisch.

„Durch die Gegend tragen, Fliegergriff, ihn hin und her schaukeln, sein Fläschchen, die Windeln sind auch nicht voll und er heult und heult. Wir sind am Ende.“
Meine Frau seufzte und das klang alles anderes als viel versprechend.

„Was hat euch Frank denn noch alles mitgegeben? Was beruhigt ihn denn normalerweise?“

„Ja, keine Ahnung. Der ist ja hier total überstürzt los gefahren. Das Babybett, Wickeltasche, Windeln, Babynahrung und dieses komische Tragetuch.“

„Habt ihr mal versucht ihn zu pucken?“
Pu was?

„Was ist das denn jetzt wieder?“, verzweifelte ich, ehe meine Frau für Aufklärung sorgte.

„Damit begrenzt man die Umgebung des Babys. Viele Kinder beruhigt das.“

„Und wie soll das gehen?“

„Warte, wir versuchen noch etwas anderes. Tue eine Decke auf den Boden und dort legt ihr den Kleinen hin.“
Ich stellte den Lautsprecher ein, wies Jason an, das nötige Zeug zu holen. Wir taten, was sie gesagt hatte. Anschließend beugten wir uns ratlos über das Baby.

„Mit der Hand streichelst du sein Bäuchlein und dann greifst du nach seinen Händchen und beobachtest ihn genau.“

Während Jason und Bill wie ich konzentriert auf den Kleinen sahen, der mit einem Mal Inne hielt und uns genau beobachtete, hatte sich Eden das Tragetuch geschnappt und versuchte genervt die verknoteten Schlaufen auseinander zu bekommen.

„Was jetzt, Adie?“, flüsterte ich leise. Die Antwort folgte postwendend.

„Sprich mit ihm. Beruhigend und leise.“
Tatsächlich. Nach 80 Minuten durchgehendem Geheul stellten sich erste Erfolge ein.

„Danke“, erklärte ich schließlich, dass die Hilfe ankam und legte auf.

„Hey, du kleiner Mann. Na, hast du dich wieder beruhigt? Du brauchst keine Angst zu haben. Die Jungs hier sind voll okay. Siehst du? Das ist Onkel Bill und daneben sitzt Onkel Jason und Onkel Eden ist da auf der Couch. Wir passen gut auf dich auf.“

Zu meiner bösen Vorahnung verzog er im nächsten Moment das Gesicht, die Mundwinkel zeigten nach unten und nur kurz darauf begann das Geheul erneut.

„Gratuliere, Billie. Es hat genau zwei Minuten und dreißig Sekunden gehalten. Das ist hier der neue Rekord.“
Wir stöhnten.

„Also nochmal rufe ich nicht bei Adrienne an. Das ist ja super peinlich.“

„Lasst mich nochmal was versuchen. Ich hab ne Idee“, kam es aus Richtung Couch. Eden kniete sich neben uns und begann mir die Enden des Babytuchs um die Schultern zu legen. Ziemlich verdutzt sah ich dabei zu, wie er den Stoff miteinander verknotete.

„Und was soll das jetzt werden? Willst du mir hier den Rest geben?“

„Wo hast du denn diese Plastikbrüste? Du weißt schon, die, als wir für Hans diese Striperinnen bestellt hatten.“

„In der Garage. Warum willst du das jetzt wissen?“
Verdutzt blickten wir auf unseren Kumpel, der sich durch das Wohnzimmer in den Nebenbereich begab und dann mit den Plastikimmitaten wieder kam, die er mir auf höhe der Brust umschnallte.

„Also wenn wir einen Arzt kommen lassen müssen, dann nicht für das Baby. Drehst du jetzt völlig durch?“
Er schnappte sich Mickey, den er mit flinken Handbewegungen in das Tragetuch legte, sodass der Junge an den Silikon Immitaten lehnte. Zu unserer ganzen Verblüffung passierte eines: Nämlich nichts. Er hörte augenblicklich auf zu schreien und kuschelte sich an mich.

Ich beäugte meine Freunde wie ein Kind, das man auf der Straße ausgesetzt hatte.

„Warum wundert mich das jetzt nicht? Zumindest, wenn man bedenkt, dass sein Vater Tré Cool ist“, merkte Galindo an, während ein Lächeln über die Lippen meiner Kollegen huschte.
Ich konnte dem Frieden nicht trauen, aber als er nach wenigen Minuten zufrieden hickste und sogar seine kleinen Finger nach mir ausstreckte war ich besänftigt.

Allerdings kam mit der neuen Erkenntnis auch eine Gewissheit: Wie lange sollte ich jetzt in dieser Verfassung auf dem Boden sitzen bleiben?

Zu näheren Überlegungen kam es nicht, denn Mickey fielen zunehmend die Augen zu. Umgeben von vier schmunzelnden Männern schlief er schließlich ein, während ich ihm liebevoll über die Stirn streichelte…
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