Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Delirium

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Phoenix / Doktor Jean Elaine Grey Quicksilver / Pietro Maximoff
09.04.2019
14.07.2020
16
37.904
5
Alle Kapitel
26 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
14.05.2019 1.852
 
"Das Schicksal mischt die Karten, und wir spielen."

- Arthur Schopenhauer



Man möchte es nicht glauben, aber das nervigste an einem eingegipsten Arm ist, dass man sich nicht kratzen kann. Mir kommt es so vor als hätte sich eine Horde Stechmücken da drinnen eingenistet. Nach gut zehn Minuten hielt ich es nicht mehr aus und wirklich konzentrieren konnte ich mich auf das Buch vor mir auch nicht, deshalb beließ ich es dabei. Ruckartig schlug ich das Buch so laut zu, dass hinter mir etwas zu Boden krachte.

Bei näherem Hinsehen war jemand von der Trittleiter gefallen, die er zu dem Bücherregal gestellt hatte, um nach ganz oben zu gelangen. Bei noch näherem Hinsehen erkannte ich Noah Brown, der sich, soweit ich erkennen konnte, aber nicht verletzt hatte. Er stand wieder auf, etwas schwerfällig wohlbemerkt, rückte seine Brille zurecht und bedachte mich mit einem genervten Blick.

„Entschuldige Noah“, ich bedachte ihn mit einem zuckersüßen Blick.

„Schon gut, wir kennen dich ja, Daisy“, er fuhr sich durch die blonden Haare und griff nach den Büchern, die er fallen gelassen hatte.

„Was soll das denn jetzt heißen“, dafür dass er ein ziemlich ruhiger Mensch war, klang das sehr vorlaut.

„Du bist gut und gerne eine Unruhestifterin, aber du machst das ja nicht absichtlich, deshalb ist es irgendwie okay“, ich wusste gar nicht, dass man so über mich dachte, aber von mir aus.

„Wenn du meinst, ich muss jetzt gehen, die Stechmücken machen mich wahnsinnig“, er fragte gar nicht nach und ich verließ die Bibliothek im Laufschritt.

In meinem Zimmer angekommen warf ich das Buch auf mein Bett und ignorierte die verwirrten Blicke dreier Personen. Die eine davon war Jean, die mich so gut kannte und deshalb gar nicht erst von ihrem Geschichtsbuch aufsah. Die beiden anderen waren Ororo und Kurt, die ihre Unterhaltung durch meinen kleinen Auftritt unterbrachen. Ich muss wohl erwähnen, dass Ororo in Jean und mein Zimmer eingezogen war, nachdem sie sich dazu entschieden hatte zu bleiben. Mir machte das nichts aus, ich mochte sie.

Meine Wenigkeit riss ungerührt von den Beobachtern den Kleiderschrank auf, schnappte mir einen drahtenen Kleiderbügel, schmiss das Kleid darauf wieder in den Schrank und setzte mich auf mein Bett. Eilig versuchte ich mit meinem eingegipsten Arm den Kleiderbügel aufzudrehen. Man möchte nicht glauben, dass das so schwer sein kann, aber versucht das doch mal. Ich verlor aber die Geduld und energisch hielt ich Ororo den Kleiderbügel vor die Nase.

„Hier, aufdrehen“, sie sah mich zuerst verwirrt an, aber bei meinem Psychoblick tat sie wohl lieber das was ich ihr sagte.

„Bitteschön, du kleiner Fidel Castro“, mürrisch drückte Ororo mir den aufgedrehten Bügel wieder in die Hand und ich fühlte mich gerade, als hätte ich eine Münze auf der Straße gefunden.

Vorsichtig versuchte ich den Draht unter den Gips zu schieben, aber bedauerlicherweise kam ich nicht weit und all die Mühe war umsonst.

„Du verdammtes Mistding, nicht mit mir!“, rief ich wutentbrannt aus.

Jetzt sah auch Jean von ihrem Buch auf und warf mir einen genervt-belustigten Blick zu. Voller Zorn stapfte ich zum Fenster, öffnete es und warf den Draht, ohne darüber nachzudenken hinaus. Von unten hörte man ein leises „Aua“, welchem ich nicht weiter Beachtung schenkte.

„Sind dir jetzt endgültig die Sicherungen durchgebrannt“, Jean sah mich jetzt an, als stünden ihr Godzilla und King Kong Händchen haltend gegenüber.

„Was! Ich bin einfach minimalistisch, das ist alles. Außerdem bin ich diejenige mit dem eingegipsten Arm und nicht du“, ich reckte mein Kinn und sah aus dem Augenwinkel Kurt, der mich verängstigt ansah.

„Ja ich bin immer so, komm damit klar, oder lass es“, meinte ich in seine Richtung und seine Miene wechselte von verängstigt zu fasziniert.

„Ich liebe Amerika, hier ist alles so anders als in Deutschland“, der hat ja größere Stimmungsschwankungen als ich.

Ich warf ihm einen Dein-Ernst-Blick zu und wollte mich gerade wieder verabschieden, als es an der Tür klopfte.

„Herein“, rief ich und drehte mich zur Tür um.

Zu meinem Erstaunen öffnete Scott die Tür, aber ich musste schlucken, als ich sah, dass er meinen Draht in einer Hand hielt. Ich versuchte jetzt einfach so gut wie möglich zu improvisieren.

„Hat den jemand von euch „verloren“?“, er betonte das letzte Wort mit einem vorwurfsvollen Unterton und sah dabei in die Runde. Denke ich zumindest, bei der Brille kann man ja nie wissen.

„Danke, dass du ihn mir wiedergebracht hast, Jean hat ihn vorher aus Wut aus dem Fenster geworfen“, ich habe nie gesagt, dass ich besonders nett bin.

„Hey!“ rief die Beschuldigte und sah mich entgeistert an.

„Na gut, ich hab ihn aus Wut aus dem Fenster geworfen, aber das Ding hat was gegen mich, also darfst du es behalten.“

Just in diesem Augenblick tauchte Peter neben Scott auf. Ohne ein weiteres Wort nahm er den Draht, setzte sich auf mein Bett und versuchte sich damit zu kratzen, ähnlich wie ich es vorher versucht hatte, nur eben bei seinem Bein. Zu meinem großen Ärgernis funktionierte das bei ihm besser, als bei mir.

„Ich sagte doch, dieses dumme Ding hat was gegen mich“, kam es von mir und entgeistert starrte ich zu Peter, welcher meinen Satz wohl falsch interpretiert hatte.

Er sah erstaunt zu mir auf und fragte: „Meinst du mich?“

Entnervt stöhnte ich auf und erwiderte: „Nein, nicht du, der Draht.“

„Ach so, dann denke ich, dass es besser wäre ihn zu behalten.“

„Wie du meinst, solange du ihn nicht mir an den Kopf wirfst“, damit gab auch noch Scott seinen Senf dazu und verschwand dann wieder aus dem Raum. Ich hatte jedoch den unauffälligen Blick zu Jean bemerkt, der mir schon des Öfteren aufgefallen war. Dafür sollte ich mir wohl noch etwas überlegen.

„Wisst ihr was er meint?“, unschuldig blickte Peter in unsere heitere Runde.

„Nur der liebe Gott allein weiß, wenn ihr mich jetzt entschuldigt.“

Kurt löste sich in Luft auf und da ich mich noch nicht wirklich daran gewöhnt hatte, zuckte ich ein kleines bisschen zusammen.

Ororo war schon längst wieder abwesend, ihre Aufmerksamkeit lag allein bei dem Zauberwürfel, den ich ihr geschenkt hatte. Mir fehlte für so etwas die Geduld, das heißt, dass der nicht selten aus dem Fenster geflogen ist.

Jean versuchte sich erfolglos auf ihr Geschichtsbuch zu konzentrieren, was für mich ein Zeichen war, zu gehen.

„Komm Peter, ich glaube unsere Arbeit ist hier getan“, er wirkt nicht schlecht verwirrt, als ich das zu ihm sagte, aber bevor er nachfragen hätte können, zog ich ihn auf die Beine. Das funktionierte mit nur einer Hand mehr schlecht als recht, aber wen interessiert schon so ein unwichtiges Detail.

„Wann bekommst du eigentlich deinen Gips ab?“, frage ich, als wir gemächlich den Flur entlang trotteten. Für gewöhnlich war ich schneller unterwegs, er vermutlich auch, seine Mutation nicht auszunutzen wäre ja auch dumm, aber da seine Verletzung ihn daran zu hindern schien, mussten wir wohl geduldig sein.

„Nächste Woche und bevor du etwas sagst, meine Verletzungen heilen schneller, liegt am schneller arbeitenden Stoffwechsel“, ich atmete geräuschvoll aus, sagte aber einfach nichts dazu.

„Metabolismus ist ein besseres Wort“, ich konnte mich einfach nicht zurückhalten, mit meinem unnützen Wissen zu prahlen.

„Meta-Was?“, verdutzt sah er mich an und blieb auf der Treppenstufe stehen.

„Metabolismus, der medizinische Fachbegriff für den Stoffwechsel. Es hört sich einfach besser an“, ich zuckte mit den Schultern und schlurfte weiter die Treppe hinab.

Das Geräusch von den klackenden Krücken ließ nicht lange auf sich warten.

„Wenn du meinst“, murmelte er in seinen nicht vorhandenen Bart.

Der heutige Tag war das Paradebeispiel für ein Sommergewitter, denn gerade, als wir nach draußen gehen wollten, hörten wir ein Donnergrollen, das mit einem bösartigen riesen T-Rex vergleichbar war, der gerade den Himmel zerstören wollte. Für mich hieß das so viel wie, eine Sekunde Reaktionszeit, dann mit einem filmreifen Rückwärtstaumler fast Peter umrennen und währenddessen geschockt die Luft einsaugen. Das musste so lustig ausgesehen haben, dass Peter sich nicht mehr zurückhalten konnte und laut losprustete. Mit der Erkenntnis, dass mein heutiger Spaziergang im Garten ausfällt und Peter mich mit meiner vermeitlichen Angst vor Gewittern aufziehen wird, wandte ich mich um und wanderte in die Bibliothek. Das Peter nicht daran dachte Ororo zu bitten, das Wetter zu ändern, wollte ich unbedingt ausnutzen.

„Es ist im Grunde ganz einfach, wir bekommen je zwölf Karten und einer von uns zusätzlich eine mehr, damit er anfangen kann. Dann suchen wir Kartenpaare, die Kartenreihenfolge erschließt sich folgendermaßen. As, zwei bis zehn und dann Bube, Dame und König. Nach dem König kommt dann wieder das As und so weiter. Es müssen immer mindestens drei Karten ein Paar bilden, es kann aber auch ausgedehnt werden. Das einzige ist, dass es immer von einer Farbe sein muss. Also Kreuz, Pik, Karo und Herz. Es können auch Karten von der gleichen Zahl oder sozusagen Person sein. Also drei neunen beispielsweise. Der Joker kann eine Karte und deren Wert ersetzten. Die Werte setzten sich folgendermaßen zusammen. As zählt elf, zwei bis zehn der jeweilige Kartenwert und Bube, Dame und König zählen jeweils zehn. Mit einem Gesamtkartenwert von 43 darf man die Paare auf den Tisch legen…“, ich war gerade dabei Peter die Regeln von Rommé zu erklären, dessen Gesicht mittlerweile dem von mir in Physik glich.

„Ja im Grunde ganz einfach, wenn man einen IQ von über 140 hat. Müssen wir das wirklich spielen?“, so verzweifelt klang ich auch beim Lernen. Zufall? Ich denke nicht!

„Erstens hab ich keinen IQ von über 140, zweites lernst du es sicher, während du es spielst und außerdem will ich, dass du mal ein anspruchsvolleres Spiel als Pac-Man spielst“, während ich ihm das sagte, fing ich an die Karten aufzuteilen.

„Pac-Man ist anspruchsvoll, außerdem hab ich nichts für Kartenspiele übrig“, Jammer, Jammer, Jammer.

„Ist mir egal, wir spielen das jetzt, was kann ich dafür, dass niemand für mich Zeit hat und meine Bücher schon halb auseinanderfallen, weil ich sie sooft gelesen habe?“

„Ich muss jetzt also leiden, weil du zu viel liest? Wie nett.“

„Ach halt die Klappe, oder ich nehm‘ dir deine Krücken weg“, etwas unbeholfen nahm ich die Karten in die Hand an dessen Arm der Gips war und versuchte sie so gut wie möglich zu sortieren.

„Ich ja gut, ich versuch‘s, aber erwarte nicht zu viel.“

Das Ende der Geschichte war, dass Peter einen unerwarteten Ehrgeiz entwickelte und mich nach einer Weile permanent besiegte. Irgendwann platzte mir dann der Kragen. Ich schmiss die Karten so aggressiv wie möglich auf den Tisch, verschränkte meine Arme, oder besser ich versuchte es, verengte die Augen zu Schlitzen und starrte ihn böse an.

„Was denn, du wolltest mit mir Karten spielen, wer hätte gedacht, dass ich so gut darin bin“, er kicherte wie ein kleines Mädchen, das gerade ein Bonbon bekommen hatte.

„Mit dir spiel ich ganz sicher nicht mehr Karten“, ich stand auf und machte mich wieder auf den Weg nach oben.

„Morgen eine Revanche?“, rief er mir hinterher.

„Worauf du wetten kannst, Speedy.“




Hallo Freunde der Sonne,

meine Wenigkeit freut sich immer über Reviews, auch wenn ich natürlich keine Hexenjagd auf Schwarzleser betreibe, keine Sorge. Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat.

Vielen Dank fürs Lesen,

eure Ladybug6026
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast